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Helmut Bergmann

Helmut Bergmann
Kamera

* 15. Februar 1926
Niederkaina (Bautzen)
Deutschland
† 15. März 1998
Potsdam
Deutschland

HELMUT BERGMANN • Biographie Seite 1/1

Für viele Filminteressierte ist Helmut Bergmann der "kleine Bergmann". Als Bruder des renommierten Kameramannes Werner Bergmann, der das Profil der DEFA mehr als 20 Jahre mitgeprägt hat, arbeitet er ebenfalls als Kameramann. Er ist wie sein prominenterer Bruder ein souveräner Handwerker und profunder Geschichtenerzähler, der mit seiner Kamera gefühlvoll eigene Bilder, manche voller poetischer Einfachheit, findet.

Werner Bergmann wird am 15. Februar 1926 in Niederkaina, in der Nähe von Bautzen, geboren. Sein Vater verdient seinen Lebensunterhalt als Tischer, die Mutter arbeitet als Köchin. Zur Familie gehört noch sein um fünf Jahre älterer Bruder Werner Bergmann, der später ebenfalls als Kameramann tätig sein wird. Als er 5 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Dresden. Das Kriegsende erlebt er in Gefangenschaft. Danach lebt er zwei Jahre in Westdeutschland, bis er 1947 in den Ostteil Deutschlands geht.

Im Dezember 1949 kommt er durch seinen Bruder zur DEFA, arbeitet dort als Assistent für ihn an der Kamera und auch bald eigenständig für zahlreiche Regisseure, unter anderen Andrew Thorndike. Von 1949 bis 1959 ist er als Aufnahme- und Kamera-Assistent in der Kurzfilm¬produktion der DEFA an Lehr- und Unterrichtsfilmen sowie populärwissenschaftlichen Filmen beteiligt. Erste eigene Arbeiten stellt er in der damaligen Wirtschaftsfilmabteilung unter der Produktionsleitung von Erich Albrecht her. Unter anderem entsteht zwischen ihm und dem Regisseur Wolfgang Bartsch eine kreative Zusammenarbeit. Gemeinsam drehen sie zwei beachtenswerte Filme: Das MEISTERWERK DER OPTIK (1953) über die Herstellung eines Universal-Meßmikroskops und ein Farbfilm über SANSSOUCI (1953), der besonders den Architekten des Ensembles Georg Wenzeslaus von Knobelsdorf ehrt. Außerdem drehen sie gemeinsam den Farbfilm IN FLAMMEN GEBOREN (1957) im Stahl- und Walzwerk Brandenburg, einen der bedeutendsten Filme des Jahres. Meisterhaft sind die Bauwerke aus Stahl festgehalten, das Arbeiten in der Hitze des Walzwerkes intensiv in Szene gesetzt. Die Filmemacher inszenieren den Stahl "an sich" ohne viel Pathos. Dies bringt ihnen Kritik seitens der Verantwortlichen ein; bemängelt wird die fehlende Parteilichkeit für die Arbeiterklasse.

In der Kurzfilmproduktion lernt Helmut Bergmann den jungen Regisseur Heiner Carow kennen. Bei dessen Kurzfilmen, die zahlreiche Beachtung finden, führt er die Kamera. Unter dem Titel MARTINS TAGEBUCH (1956) entsteht ein Film über das Versagen eines Schülers. Eine der Ursachen für seinen Leistungsabfall liegt im Unverständnis seiner Eltern. Das Filmteam arbeitet mit Laienschauspielern, hat allerdings seitens der Studioleitung mit zahlreichen Änderungsauflagen zu kämpfen, wird zugleich für seine Leistung beim Dokumentarfilm¬festival in Leipzig gefeiert und ausgezeichnet.

Mitte der 50er Jahre wechselt der Kameramann genau wie Heiner Carow zum DEFA-Spielfilmstudio. Zunächst dreht er neben seinem Bruder die Satire DER HAUPTMANN VON KÖLN (1956) unter der Regie von Slatan Dudow. Hier ist Helmut Bergmann erstmals gleichberechtigt neben seinem Bruder im Vorspann des Films genannt. Bei zwei weiteren Filmen des Regisseurs wird er die Kamera führen: VERWIRRUNG DER LIEBE (1959) und CHRISTINE (1963), der allerdings nicht vollendet wird. Weitere Arbeitspartnerschaften geht der Kameramann später mit Heiner Carow, Horst Seemann und Gerhard Klein ein.

1964 bis 1967 gastiert Helmut Bergmann als Dozent für Kamera und technischer Berater an dem Cinema High Insitute in Kairo. Seine Ehefrau Bärbl Bergmann, die erste Frau auf einem Regie-Stuhl des DEFA-Studios, realisiert für das Kairoer Fernsehen das Singspiel "Hänsel und Gretel" (1966), bei dem er die Kamera führt. Mindestens für einen weiteren Film steht er hinter der Kamera: VERLORENE TAGE (1964) unter der Regie von Jussif Sharaf. Nach der Rückkehr in die DDR ist Bärbl Bergmann als Regie-Assistentin bei der "Othello"-Verfilmung des Deutschen Fernsehfunks in der Regie von Walter Felsenstein und Georg F. Mielke beteiligt. Auch hier fungiert ihr Ehepartner als Kameramann.

Im DEFA-Spielfilmstudio wirkt Helmut Bergmann in der Folge an zahlreichen Gegenwartsproduktionen mit, arbeitet für Regisseur Horst Seemann bei ZEIT ZU LEBEN (1969) und REIFE KIRSCHEN (1972) mit und versucht sich an der Seite von Gottfried Kolditz auch im Genre des aktionsreichen Indianerfilms, findet aussagekräftige Bilder in APACHEN (1973) und ULZANA (1973).

Eine intensive Arbeitspartnerschaft entsteht mit Helmut Dziuba. An fast allen Filmen des Regisseurs, insgesamt acht, wirkt er als erster Kameramann mit. Die Gegenwartsstreifen zeichnen sich durch eine Genauigkeit in Detail und Realismus aus. Helmut Bergmann findet in vielen Fällen Bilder voller poetischer Einfachheit, die atmosphärisch dicht und unaufdringlich die kleinen Geschichten erzählen. Merkmal ihrer Arbeit ist die Hinwendung zum Optischen. Gemeinsam versuchen sie, die Dialogorientierung, die in vielen DEFA-Filmen vorherrscht, aufzubrechen. Zudem lobt der Regisseur die Arbeitsweise des Kameramanns, die den jungen Darstellern - in vielen Fällen Nichtprofis - genügend Freiräume zum Spiel lässt.

Nach der Abwicklung der DEFA 1991 dreht der Kameramann keinen Film mehr. Helmut Bergmann stirbt am 15. März 1998 nach langer, schwerer Krankheit in Potsdam.

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