Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

John Schlesinger

John Schlesinger
Regie

* 16. Februar 1926
London
Großbritannien
† 25. Juli 2003
Palm Springs (Kalifornien)
USA

JOHN SCHLESINGER • Biographie Seite 1/1

Der britische Regisseur John Schlesinger gehört in den 1960er Jahren zu den wichtigsten Vertretern des "Free Cinema". Gefragt sind authentische Geschichten, dicht an den sozialen Problemen der Zeit. Seine Filme zeugen von handwerklicher Könnerschaft, die er sich beim Theater und beim Fernsehen erarbeitet hat. Da er selbst als Schauspieler tätig ist, ist er perfekt in der Führung der Mimen vor der Kamera; sie schätzen den Regisseur, weil sie bei ihm präzise Charakterstudien abliefern dürfen. Vom "Free Cinema" führt sein Weg nach Hollywood, später kommt der Regisseur immer mehr im kommerziellen Mainstream an.

John Schlesinger wird am 16. Februar 1926 in London als John Richard Schlesinger geboren. Sein Vater arbeitet als Kinderarzt, er wächst in einem gutbürgerlichen Haushalt auf. Schon frühzeitig interessiert er sich für die Künste. Während des Zweiten Weltkriegs wird er als Zauberer in der Combined Service Entertainment Unit der britischen Armee eingesetzt, sammelt dort auch erste Schauspiel-Erfahrungen. Besonderes Interesse entwickelt er für die Fotografie und den Film. Er dreht während seiner Armee-Zeit bereits erste kurze Filme mit einer 9,5mm-Kamera.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studiert er von 1945 bis 1950 an der Oxford University englische Literatur. Hier ist John Schlesinger Mitglied der Dramatic Society und zudem Präsident der Experimental Theatre Company. Mit dem Studienabschluss in der Tasche beginnt er als Schauspieler zu arbeiten, steht zunächst auf der Theaterbühne. Er tourt mit verschiedenen Stücken durch Großbritannien, ist zudem in Australien und Neuseeland zu sehen. Auch kleinere Rollen in Fernsehserien und Kinofilmen schließen sich an. Ab Mitte der 1970er Jahre ist er auch als Theater-Regisseur tätig, unter anderem beim National Theatre in London und bei der Royal Shakespeare Company.

Ab Mitte der 1950er Jahre arbeitet John Schlesinger auch für den Film. In Zusammenarbeit mit Basil Appleby entsteht eine Dokumentation über den Londoner Hyde Park. Danach dreht er für das britische Fernsehen, vornehmlich für BBC, verschiedene Magazin-Beiträge. Mit der Dokumentation TERMINUS (1961) über den Alltag in der U-Bahn-Station Waterloo gewinnt er einen Preis beim Filmfestival in Venedig und erhält zudem den Britischen Filmpreis. Produzenten werden auf den Filmemacher aufmerksam und bieten ihm Regie-Arbeiten an, so der Produzent Joseph Janni. John Schlesinger dreht mit NUR EIN HAUCH GLÜCKSELIGKEIT (1962) seinen ersten Spielfilm. Erzählt wird von einer jungen Ehe, die zu schnell geschlossen wurde und an räumlicher Enge sowie kleinbürgerlichen Moralvorstellungen zu scheitern droht. Der Film wird zum Aushängeschild des britischen "Free Cinema". Dokumentarisches sorgt für Authentizität, realistisch, präzise und unsentimental werden aktuelle Probleme bearbeitet. Auf den Filmfestspielen in Berlin gewinnt der Film 1962 den Goldenen Bären.

In der Tradition des "Free Cinema" wird John Schlesinger auch weiterhin inszenieren. Die Tragikomödie GELIEBTER SPINNER (1963) erzählt von einem jungen Büroangestellten in einem Bestattungsunternehmen, der sich ein völlig anderes Leben erträumt. Die Satire DARLING (1965) mit Julie Christie in der Hauptrolle blickt auf ein Play-Girl, das in die oberen Zehntausend aufsteigen will. Der Film wird mehrfach ausgezeichnet, unter anderem bei der Oscar-Verleihung für die Beste Hauptdarstellerin, die Besten Kostüme und das Beste Drehbuch. Damit öffnen sich die Türen von Hollywood für den Regisseur. Nochmals mit Julie Christie arbeitet er in DIE HERRIN VON THORNHILL (1967) zusammen. Nach einem Roman von Thomas Hardy schildert er das Liebesleben einer jungen Gutsherrin.

In ASPHALT-COWBOY (1969) blickt John Schlesinger unsentimental und realistisch auf die Geschichte eines naiven Texaners, der nach New York kommt, um sein Glück zu versuchen. Als Gigolo scheitert er, aber er gewinnt einen Freund, den an Tuberkulose erkrankten Kleinganoven Ratso, der sich recht und schlecht durch den Großstadt-Dschungel schlägt. Die beiden Hauptdarsteller Jon Voight und Dustin Hoffman tragen mit dazu bei, dass der Film, der sich kritisch mit dem "American Way of live" auseinandersetzt, nicht nur die Kritiker überzeugt, sondern auch zum Kassenerfolg wird. Der Film ist das wohl wichtigste Werk des Regisseur; der Blick von außen auf den Moloch New York und das Leben auf der unteren Skala. Bei der Oscar-Verleihung wird John Schlesinger als Bester Regisseur ausgezeichnet, zudem gibt es den Oscar für den Besten Film und das Beste Drehbuch.

SUNDAY, BLOODY SUNDAY (1971) spielt wieder in London und blickt auf Menschen der Stadt. Genau zeichnet der Regisseur komplexe psychologische Zusammenhänge, plädiert für Toleranz im Umgang mit Homosexualität. Nach dem gleichnamigen Roman von Nathanael West inszeniert er DER TAG DER HEUSCHRECKE (1975), einen Film über das Hollywood vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufstieg und Fall liegen dort gleich nebeneinander. Mit DER MARATHON-MAN (1976) dreht John Schlesinger einen Spiongage-Thriller. Ein junger, amerikanischer Student wird unbeabsichtigt in die Intrigen ehemaliger Nazis verstrickt. Der Film mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier in den Hauptrollen wird zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres, erregt aber auch die Kritiker wegen seiner expliziten brutalen Szenen. Andere wiederum sehen in dem Werk Anklänge an Alfred Hitchcock und loben den Briten besonders für seine spannende Inszenierung und die gekonnte Schauspielführung.

YANKS - GESTERN WAREN WIR NOCH FREMDE (1979) wiederum ist eine Kriegskomödie, die von amerikanischen Soldaten erzählt, die vor der Invasion in Frankreich in England stationiert sind und dort noch mal den Frieden schmecken dürfen. Für den Spionagefilm DER FALKE UND DER SCHNEEMANN (1985) holt John Schlesinger den jungen Sean Penn vor die Kamera. Nach einem authentischen Fall arbeiten zwei junge Amerikaner, fehlgeleitet und falsch informiert, als Agenten für die Russen. Danach wendet sich der Regisseur dem Horror-Genre zu. DAS RITUAL (1986) entlarvt Voodoo-Opferhandlungen, durch die zwei Jungen in New York umgekommen sind. Ganz auf die Schauspieler ausgerichtet ist dagegen MADAME SOUSATZKA (1988). Der Film schaut auf eine Klavierlehrerin, die ihren 15jährigen, überaus talentierten Schüler verliert. Shirley McLaine bietet hier eine brillante Charakterstudie und wird dafür auch in Venedig als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

In den 1990er Jahren wird es stiller um den Regisseur, seine Filme dagegen sind schriller und effekthaschender, können an seine vorherigen Erfolge nicht mehr anschließen, unterhalten das Publikum aber nach wie vor. In FREMDE SCHATTEN (1990) wird ein jungen Ehepaar von ihrem Hausbesetzer terrorisiert, in ... UND DER HIMMEL STEHT STILL (1993) blickt er auf das geteilte Berlin von 1955 und die Beziehung eines Engländers zu einer Deutschen. AUGE UM AUGE (1995) schildert die Rache einer Mutter. Da der Mörder ihrer Tochter nicht verurteilt wird, nimmt sie die Sache selbst in die Hand. COLD COMFORT FARM (1996) bebildert die Veränderungen in einer englischen Landgemeinde der 1930er Jahre, als eine junge Frau ein Landgut übernimmt und etwas Chaos in die Gemeinschaft bringt.

John Schlesinger lebt mit seinem Lebensgefährten, dem Fotografen Michael Childers, mehrere Jahre gemeinsam in Florida. Er stirbt am 25. Juli 2003 in Palm Springs.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,92816