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Eva Fritzsche

Eva Fritzsche
Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch

* 04. November 1908
Berlin
Deutschland
† 04. Mai 1986
Berlin
Deutschland (DDR)

EVA FRITZSCHE • Biographie Seite 1/1

Eva Fritzsche ist die erste und für lange Zeit einzige Regisseurin der DEFA. Sie beginnt im Februar 1947 in den kreativen Wirren der Nachkriegszeit und in der allgemeinen Aufbruch¬stimmung als Assistentin im Bereich Dramaturgie, ohne einschlägige Voraussetzungen im Filmbereich zu haben. Ein Jahr später kann sie ihren ersten Dokumentarfilm realisieren. Insgesamt führt sie bei drei Dokumentarfilmen Regie, hat es dann aber schwierig, da sie in den film- und kulturpolitischen Debatten der Zeit nicht auf der Gewinnerseite steht.

Eva Fritzsche wird am 04. November 1908 in Berlin geboren. Ihr Vater ist Mathematiker und Lehrer an Berliner Gymnasien; er nimmt sich 1926 das Leben. Ihre Mutter arbeitet als Turn- und Zeichenlehrerin. Von 1914 bis 1924 absolviert sie ihre Schulausbildung an einem Lyzeum in Berlin. Danach beginnt sie als Praktikantin, Volontärin und Aushilfskraft im Bereich Dekoration und Kunstgewerbe zu arbeiten, unter anderem bei der Firma Theaterkunst Kauffmann, die zahlreiche Filme ausstattet. Bis Mitte der 30er Jahre arbeitet sie freiberuflich.

Mit dem Film kommt sie 1927 in Kontakt, als sie bei Erwin Piscator assistiert, der für seine Inszenierung "Rasputin" am Theater am Nollendorfplatz einen Film herstellt. Anfang der 30er Jahre wird Eva Fritzsche Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), geht nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die innere Emigration. 1936 kommt sie mit der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" in Kontakt, arbeitet zeitweise im Untergrund. Von 1937 bis 1944 studiert sie an der Hochschule der Künste Berlin Malerei. Als sie auf einer Studienreise in Italien weilt, wird die Widerstandsgruppe entdeckt, einige Mitglieder werden verhaftet und zum Tode verurteilt. Eva Fritzsche erlebt das Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin.

1945/1946 ist sie im Kabarett "Der Besen" in Berlin-Pankow künstlerisch aktiv, arbeitet zudem kurze Zeit als Neulehrerin, wird Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Sie besucht einen Antifa-Lehrgang in Königs Wusterhausen, kommt dort mit dem damaligen Direktor der DEFA, Alfred Lindemann, in Kontakt. Im Februar 1947 beginnt sie als Dramaturgie-Assistentin in der Abteilung Kurzfilm der neu gegründeten DEFA zu arbeiten. Im Herbst 1948 erhält sie im Rahmen einer Initiative für mehrere Aufklärungs- und Informationsfilme, die den Zweijahresplan der Volkswirtschaft propagandistisch begleiten sollen, grünes Licht für ihren ersten eigenen Film: DIE BRÜCKE VON CAPUTH (1949). Die Dokumentation rekonstruiert in nachgestellten Szenen den Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke von Caputh im Jahr 1949, die in den letzten Tages des Krieges von der SS gesprengt worden war. Neben extra gedrehten Arbeitsabläufen werden Originalaufnahmen der Brücke von Caputh in den Dokumentarfilm eingefügt. Zudem werden mit Schauspielern und Laiedarstellern Szenen inszeniert, die die Wirklichkeit im Sinne der politischen Entwicklung besser darstellen. Der Film, der sich formal an den experimentellen Filmen der 20er und 30er Jahre von Walther Ruttmann und Willy Zielke orientiert, feiert den Aufbau.

Mit ihrem zweiten Filmprojekt gibt es Schwierigkeiten. MAS "FRITZ REUTER" (1950) schildert, wie Neu-Bauern in Ivenack (Mecklenburg) landwirtschaftliche Geräte effektiv einsetzen können. Auch hier plant die Regisseurin, Szenen nachzustellen, vorgefundene Realität durch Inszenierung künstlerisch zu bearbeiten. Ende der 40er Jahre entbrennt bei der DEFA eine heftige Diskussion über die Abgrenzung von Spiel- und Dokumentarfilm; sowjetische Regisseure sprechen sich gegen inszenierte Szenen in Dokumentararbeiten aus. Das Manuskripts von Eva Fritsche wird im Zuge der Debatte abgelehnt. Nach mehreren Änderungen und der Streichung zahlreicher Szenen erhält sie die Erlaubnis zum Dreh, beobachtet in der Landgemeinde die Bestellung und die Ernte der Felder sowie die kulturelle Freizeitgestaltung, die von ihrem Ehemann, dem Komponisten Eberhard Schmidt, initiiert wird.

Auch an ihrem nächsten Dokumentarfilm werden die kulturpolitischen Auseinandersetzungen der Zeit deutlich. HAUS DER KINDER (1950) berichtet von Kindern und deren Hobbies im Hauses der Kinder in Berlin-Lichtenberg, Parkaue. Die Regisseurin beobachtet das vielfältige Angebot, schildert unterhaltsam und lehrreich, was in dem Haus alles machbar ist. An der Dokumentation wird der Druck des DEFA-Studios deutlich; sie Regisseur stellt mehr und mehr inszenierte Szenen zurück und liefert vorrangig einen Bericht ab. Das danach folgende Angebot, einen Film über die neu gegründete Handelsorganisation (HO) herzustellen, lehnt sie ab, da sie nicht künstlerisch eigenständig arbeiten kann. Eva Fritzsche sieht das Projekt eher als Werbeaktion für die Einzelhandelsorganisation. Es wird später von Regisseur Joop Huisken übernommen und mit HO - HELFERIN ZUM BESSEREN LEBEN (1950) realisiert.

Danach erhält Eva Fritzsche keine Filmangebote mehr. Sie hofft, einen Spielfilm zu realisieren, wird aber immer wieder vertröstet. Sie arbeitet als Regie-Assistentin bei Großproduktionen ihrer Kollegen Joris Ivens und Martin Hellweg mit. Anfang der 50er Jahre ist sie Mitglied der ersten großen DEFA-Delegation, die die Filmstudios in Moskau und Leningrad besucht. 1951 wird ihr die Leitung des DEFA-Synchronstudios übertragen. Bis zu ihrem Ausscheiden aus der DEFA 1956 hat sie diese Funktion inne. Sie setzt sich für die Eigenständigkeit des Synchronstudios ein, bleibt zugleich der traditionellen Arbeit des Studios verhaftet und bringt vorrangig sowjetische Filme in die Kinos.

1956 verläßt Eva Fritzsche die DEFA. Von 1958 bis 1963 ist sie Intendantin des Stralsunder Theaters, später arbeitet sie in Güstrow und Schwerin. Als freiberufliche Regisseurin ist sie ebenfalls tätig. Sie inszeniert chorische Massenprogramme auf Volksfesten, arbeitet mit Volkskunstgruppen zusammen. Zudem schreibt die Künstlerin Texte, Gedichte und Lieder, verfaßt Librettos und kurze Prosa, die sie nicht veröffentlichen läßt. Ab den 70er Jahren arbeitet sie wieder verstärkt in ihrem ersten Beruf im Kunstgewerbe, entwirft Porzellanmodelle.

1939 heirate Eva Fritzsche den Maler Rudolf Richter. Beide haben sich beim Studium kennengelernt. Ihr Ehemann fällt 1941 an dern Ostfront. In zweiter Ehe ist sie mit dem ehemaligen Spanienkämpfer und Häftling des Konzentrationslagers Sachsenhausen, mit dem Komponisten Eberhard Schmidt verheiratet. Eva Fritzsche stirbt am 4. Mai 1986 in Berlin.

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