Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Günter Haubold

Günter Haubold
Kamera

* 30. August 1926
Freiberg
Deutschland
† 22. Dezember 1999
Berlin
Deutschland

GÜNTER HAUBOLD • Biographie Seite 1/1

Der Kameramann Günter Haubold zählt zu den profiliertesten Kameramännern der DEFA. Anfang der 60er Jahre erhält er, nach einigen Jahren als Kamera-Assistent, die Chance, als Chefkameramann zu fungieren. In der Folge überzeugen seine Schwarz-Weiß-Arbeiten durch scharfe Kontrastierung und optische Metaphern. In vielen Filmen verknüpft er große Historie mit den individuellen Lebensgeschichten der Protagonisten, neben großen, totalen Massenszenen stehen kleine, persönliche Augenblicke. In den 80er Jahren sind es seine semidokumentarischen Aufnahmen, die atmosphärische dichte, den schwierigen Alltag beschreibende Bilder liefern.

Günter Haubold wird am 30. August 1926 in Freiberg, Sachsen geboren. Nach seiner Schulaus¬bildung erlernt er den Beruf eines Finanzwirtschaftlers. Anfang der 50er Jahre kommt Günter Haubold zur DEFA und beginnt hier zunächst als Kamera-Assistent zu arbeiten. Einer seiner Lehrer ist Karl Plintzner, der mit zu den wichtigsten Kameramännern des Studios Babelsberg gehört. Nach einigen Arbeiten als Assistent, unter anderem ist Günter Haubold in dieser Funktion an dem Film EINE BERLINER ROMANZE (1956) unter der Regie von Gerhard Klein beteiligt, erhält er Ende der 50er Jahre die Chance, seinen ersten eigenen Film zu fotografieren.

In der Folge wird Günter Haubold in den 60er und 70er Jahren zu einem der profiliertesten Kameramännern der DEFA. Dabei orientiert er sich bei seinen früheren Arbeiten, die er vorlegt, an der Tradition deutscher Kamerastile der 20er Jahre. In dem Ralf Kirsten-Film STEINZEITBALLADE (1960) findet er karge, realistische Bilder für den Überlebenskampf der Frauen in den Trümmerlandschaften Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg. Weitere Schwarz-Weiß-Arbeiten liefert der Kameramann in FREISPRUCH MANGELS BEWEISES (1962) unter der Regie von Richard Groschopp. Hier sind es die Fassaden Münchens und deren gesellschaftlicher Oberschicht, für die der Kameramann aussagekräftige Bilder findet. Bei dem Film AN FRANZÖSISCHEN KAMINEN (1963) arbeitet er erstmals mit Kurt Maetzig zusammen. Das Filmteam findet zahlreiche optische Metaphern für die Zerrissenheit des Helden, eines Bundeswehrsoldat, der langsam den faschistischen Geist seiner Vorgesetzten erkennt. Nochmals arbeitet Günter Haubold bei dem Regisseur für den Film PRELUDIO 11 (1964) an der Kamera.

Zu einer besonders Spezialität des Kameramanns werden politische Historienfilme, die sich mit jüngster deutscher Geschichte auseinandersetzen, oft opulent in Szene gesetzt. Bei dem zweiteiligen Kinofilm DIE GEFRORENEN BLITZE (1967) dreht er erstmals im Scope-Format. Der Film, dramaturgisch wie optisch eindrucksvoll, wird vom Team mit stark dokumentarischem Charakter inszeniert und ist eine der aufwendigsten DEFA-Produktionen der 60er Jahre; 5,1 Millionen DDR-Mark kostet seine Herstellung. Die Geschichte bietet ein breit angelegtes Panorama auf die historischen Ereignisse über die Raketenversuche der Nationalsozialisten in Peenemünde und ist im dokumentarischen Reportagestil mit handwerklich soliden Trickbauten in Szene gesetzt. Der Joachim Kunert-Film DIE TOTEN BLEIBEN JUNG (1968) nach dem Roman von Anna Seghers wird ein opulentes, sauber fotografiertes Familiendrama vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1945 mit viel überzeugendem Zeitkolorit. Im 70mm-Format fotografiert Günter Haubold unter der Regie von Horst E. Brandt das Drama KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1970), welches durch genaue Charakter- und Motivschilderung der Widerstandsgruppe besticht. Allen Filmen gemeinsam ist die Art, wie der Kameramann große Historie mit den individuellen Lebensgeschichten der Protagonisten verknüpft: neben großen, totalen Massenszenen stehen kleine, persönliche Augenblicke.

In den 70er Jahren sind es vorwiegend Gegenwartsstoffe, die Günter Haubold fotografiert. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Komödie ANTON DER ZAUBERER (1978) von Günter Reisch. Hier findet der Kameramann sonnendurchflutete Traumbilder und kann den Witz der Geschichte auch optisch umsetzen. Bei der Liebesgeschichte EIN APRIL HAT 30 TAGE (1979) von Gunther Scholz sind es romantische Berlin-Motive, die Eingang in den Film finden. Für den künstlerisch anspruchsvollen, kammerspielartigen Film, der von der kurzen, bedingungslosen Liebe einer DDR-Bürgerin und eines südamerikanischen Exilanten erzählt, wird er gemeinsam mit den Filmkollektiv mit dem Kunstpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) ausgezeichnet. In ALLE MEINE MÄDCHEN (1980) unter der Regie von Iris Gusner wird neben der darstellerischen Leistung des Ensembles auch die Kameraführung gelobt: seine semidokumentarischen Aufnahmen von der Frauenbrigade des Berliner Großbetriebes NARVA sind durchgängig gut. Das Filmteam findet atmosphärische dichte, den schwierigen Alltag beschreibende Bilder. Gemeinsam mit Iris Gusner schreibt Gunter Haubold auch an dem Drehbuch; als Kameramann und Drehbuchautor ist er auch an ihrem Film WÄRE DIE ERDE NICHT RUND... (1981) beteiligt, der ebenfalls wegen seiner atmosphärischen Inszenierung gelobt wird.

In den 80er Jahren arbeitet Günter Haubold mit jungen Regisseuren zusammen und gibt seine Erfahrungen an die nachfolgende Generation weiter. Für Karl Heinz Lotz fotografiert er das Weimarer Zeitbild JUNGE LEUTE IN DER STADT (1985). Das Filmteam konzentriert sich ganz auf die Figuren und die Situationen, erreicht dadurch eine Authentizität und Dichte des Materials. Dokumentarisches und Fiktives stehen sich gegenüber, atmosphärisch werden die letzten Jahre der Weimarer Republik eingefangen. Ähnlich aussagekräftige Bilder findet der Kameramann bei STIELKE, HEINZ, FÜNFZEHN... (1987) von Michael Kann, der die Geschichte eines fünfzehnjährigen Jungen in einer Napola-Schule schildert.

Neben seiner Arbeit für die DEFA ist Günter Haubold auch beim Fernsehen der DDR beschäftigt. Anfang der 70er Jahre fotografiert er eine vierteilige TV-Reihe über den Wunsch und die Wirklichkeit der Emanzipation der Frau in der DDR, die der Regisseur Horst E. Brandt in Szene setzt. In den 80er Jahren entstehen unter seiner Kameraführung zwei bedeutende Fernsehfilme. Die Literaturadaptionen DER LEUTNANT YORCK VON WARTENBURG (1981) von Peter Vogel schildert nach der Erzählung von Stephan Hermlin die letzten Tage des Offiziers Graf Yorck von Wartenburg, der auf seine Hinrichtung wartet und nochmals seine Geschichte durchlebt. An dem Film ist Günter Haubold auch als Drehbuchautor beteiligt. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur als Kameramann und Drehbuchautor bei dem Film DIE ERSTE REIHE (1987) zusammen. Wieder ist es eine Vorlage von Stephan Hermlin, die hier eigensinnig verfilmt wird und vom Leben und Wirken antifaschistischer Widerstandskämpfern berichtet. Auch seinen letzten fotografierten Film DER KLEINE HERR FRIEDEMANN (1990) inszeniert Peter Vogel.

Günter Haubold gibt sein Wissen gern weiter. Er unterrichtet mehrere Jahre an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Nach seiner Entlassung bei der DEFA 1991 zieht sich der Kameramann ins Private zurück. Er lebt mit seiner Familie in Kleinmachnow, malt Ikonen. Günter Haubold stirbt am 22. Dezember 1999 in Berlin an Krebs.

-----
Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,05918