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Billy Bitzer

Billy Bitzer
Kamera

* 21. April 1972
Roxbury (Massachusetts)
† 29. April 1944
Woodlands (Kalifornien)
USA
andere Namen Johann Gottlob Wilhelm Bitzer; G. W. Bitzer

BILLY BITZER • Biographie Seite 1/1

Billy Bitzer gilt als einer der ersten Kameramänner, der Filmgeschichte geschrieben haben. Was er entdeckt hat, die Neuerungen, die er eingeführt, sind maßgebend für die spätere Kamerakunst. Bei mehr als 900 Filmen führt er die Kamera, entwickelt immer neue Ideen, um Einstellungen und Aufnahmen zu verbessern und den Film als neue Kunst zu etablieren. Ob Kunstlicht und Nachtaufnahmen, Irisblende und Heizung, Kamera auf Schienen und in Ballons - Billy Bitzer revolutioniert die Filmkunst.

Billy Bitzer wird am 21. April 1872 in Roxbury, Massachusetts, als Johann Gottlob Wilhelm Bitzer geboren. Über seine familiäre Herkunft ist bisher nichts bekannt. 1983 beginnt er eine Ausbildung als Feinmechaniker und Elektriker. Nach seiner dreijährigen Lehrzeit arbeitet er mehrere Jahre in dem Beruf, bis er 1896 den Kameramann William K. L. Dickson kennen, der bei der Produktionsfirma American Mutoscope and Biograph Company als Chefkameramann tätig ist. Bereits zwei Jahre später ist er selbst Chefkameramann der Biograph. Zu diesem Zeitpunkt ist die Kamera sehr schwer, Billy Bitzer macht sie immer leichter, so dass sie auch von Ort zu Ort transportiert werden kann. Bis 1907 dreht er mehr als 300 kurze Filme. Er ist einer der ersten, der Kunstlicht verwendet wie in JEFFRIES-SHARKEY CHAMPIONSHIP FIGHT (1899). In CONEY ISLAND AT NIGHT (1905) unter der Regie von Edwin S. Potter setzt er die erste Nachtaufnahme der Filmgeschichte um. Nur mit Glühbirnen erstrahlt der nächtliche "Luna Park" in Coney Island. Der Kameramann fällt unter anderem als Dokumentarist der Zeitgeschichte auf, porträtiert amerikanische Präsidenten und bedeutende Personen der Öffentlichkeit. Außerdem macht er Aufnahmen vom spanisch-amerikanischen Krieg rund um Kuba. Aber auch im fiktiven Bereich ist er tätig. Mit seiner Kamera entstehen zahlreiche Grotesken, rasant in Szene gesetzt und einige Dramen.

David Wark Griffith beginnt 1907 als Schauspieler bei der Biograph. Billy Bitzer setzt ihn effektvoll in Szene, besonders seine Lichtsetzung ist revolutionär. Als der Schauspieler in den Regie-Stuhl wechselt, holt er seinen ehemaligen Kameramann zunächst als Berater an sein Set, später als führenden Kameramann. Gemeinsam werden sie zum erfolgreichsten Paar der jungen Filmkunst, entdecken die Möglichkeiten von gut entwickelten Geschichten und das Potential der Kamera, diese auch effektvoll in Szene zu setzen. Dem damals verwendeten Tageslicht fügten sie neue Lichtquellen hin und erzielten mit Kerzenlicht oder Sonnenauf- und -untergängen überraschende Resultate. Das schwere Kameragerät wird für Actionszene auch schon mal etwas beweglich gemacht, ab 1912 gewinnt sie auf Autos oder Lokomotiven montiert richtig an Fahrt. Sie sind die ersten, die die Großaufnahme benutzen und mit den Gesichtern der Schauspielern Geschichten erzählen, später kommen auch Großaufnahmen von Gegenständen und Details hinzu, um Atmosphäre zu vermitteln. Auch wenn es bei ihnen unbewusst entstanden sein mag: Sie begreifen die Einstellung als wichtigstes Basiselement des Films.

Viele weitere Erneuerungen werden den beiden zugeschrieben. 1910 zeigen sie in RAMONA (1910) erstmals eine Panorama-Totale. Landschaftsaufnahmen sind charakteristisch für ihre Western, in Gangsterfilmen zeigen sie dagegen Großstadtflair. Billy Bitzer wird nachgesagt, besonders intensiv mit Licht und verschiedenen Blenden experimentiert zu haben. So ist er es, der die Irisblende erfindet. Das sichtbare Licht kann so dosiert werden; effektvoll lässt sich das Bild kreisförmig öffnen oder schließen. In der kurzen Zeit ihrer Zusammenarbeit bei Biograph drehen sie mehr als 450 Filme, stoßen aber auch wegen ihrer finanziellen Extravaganzen bei den Verantwortlichen auf Unmut.

Als sich David Wark Griffith 1914 selbständig macht, nimmt er seine wichtigsten Mitarbeiter mit. Billy Bitzer folgt ihm als Kameramann. In DIE GEBURT EINER NATION (1915), dem Beginn des Films als Kunst, können beide beweisen, wie weit sie technisch der Zeit voraus sind. Große Totalen sind möglich, wie auch Fahrten, die Kamera verliert ihre Augenhöhe und kann nun auch unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Billy Bitzer filmt aus Gruben heraus, er filmt Rauch und Pulverdampf, einzelne Bildteile werden abgedeckt, um Tiefe zu erzeugen. Da die Experimente viel Geld und Zeit kosten, haben die Filmemacher mit enormen Beschaffungsproblemen zu kämpfen. Der Kameramann steckt selbst 7000 Dollar in die Produktion; die Investition lohnt sich später enorm.

Auch ihr nächstes großes Projekt INTOLERANCE (1916) setzt Maßstäbe. Hier entsteht die erste Kranfahrt der Filmgeschichte. Dafür wurde ein 45 m hoher Kamerawagen gebaut und auf Eisenschienen am Set entlang geführt, zudem wird die Kamera in einem Aufzug hoch und runter gezogen. Erstmals wird großflächig Kunstlicht eingesetzt. Luftaufnahmen aus dem Ballon werden gedreht, um das ganze Ausmaß des im Überfluss lebenden Babylons zeigen zu können. Trotz aller Brillanz des Films, flopt er an den Kinokassen. Für die Sehgewohnheiten des Publikums ist er zu revolutionär. Erst vier Jahre später entsteht ihr nächster gemeinsamer Film über den Ersten Weltkrieg, in dem Billy Bitzer Flugaufnahmen macht. Er entwickelt für WAY DOWN EAST (1920) eine Winterheizung für die Kamera, um auch bei eiskalten Temperaturen filmen zu können. Stummfilmschauspieler sind begeistert von der Arbeit des Kameramanns; durch ihn fühlen sie sich hervorragend in Szene gesetzt. Mary Pickford setzt er gekonnt ins Licht, Lillian Gish gilt als seine Schöpfung. Besonders gekonnt geht der Kameramann mit Gaze und Weichzeichnern um, kann so besonders feingezeichnete Gesichter modulieren.

Als die Zusammenarbeit mit David Wark Griffith 1928 endet - bereits seit 1918 ist er nicht mehr alleiniger Kameramann des Regisseurs - zieht sich der Billy Bitzer mehr und mehr zurück. 1926 gründet er die Gewerkschaft der Kameramänner. 1933 dreht er mit HOTEL VARIETY (1933) seinen letzten Film. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere ist er mit Museum of Modern Art beschäftigt, archiviert Filmdokumente und arbeitet als Berater.

Billy Bitzer stirbt am 29. April 1944 in Woodlands, Kalifornien.

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