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Ingrid Thulin

Ingrid Thulin
* 27. Januar 1929
Sollefteå
Schweden
† 08. Januar 2004
Stockholm
Schweden

INGRID THULIN • Biographie Seite 1/1

Ingrid Thulin ist einer der weiblichen Stars des Ingmar-Bergman-Kinos. Ihre Schönheit steht für Kühle, Rebellion und Ekstase. In ihrem Gesicht vereinigen sich Ernst, Trauer und Strenge, in dem sich immer auch Zärtlichkeit und Verletzlichkeit spiegelt. Sie spielt Frauen, die meisten in körperliche Grenzsituationen leben.

Ingrid Thulin wird am 27. Januar 1929 in Sollefteå, Schweden geboren. Früh nimmt sie Ballettunterricht, läßt sich später am Königlichen Theater in Stockholm in Schauspiel ausbilden. Sie gibt ihr Bühnendebüt im Alter von 18 Jahren in der Provinz. Im gleichen Jahr knüft sie auch Kontakt zum Film und erhält ihre erste Rollen in einem Werbefilm der schwedischen Kommunisten.

Während ihrer ersten Bühnen- und Filmarbeiten spielt Ingrid Thulin zunächst in zahlreichen melodramatischen und komischen Rollen, die zwar vielfältig sind, aber wenig für ihr darstellerisches Talent stehen. Erst als sie der Regisseur Ingrid Bergman 1955 für seine Arbeiten entdeckt, erhält Ingrid Thulins Schauspielkarriere einen enormen Schub. Sie spielt am Stadttheater von Malmö unter der Leitung des Regisseurs, seit 1957 wird sie auch mehrfach in seinen Film besetzt. In acht seiner Filme wirkt Ingrid Thulin mit und spielt darin einige der größten, radikalsten, wahnsinnigsten Szenen: Ehekriege, Frauendramen, Tragödien der Einsamkeit.

In WILDE ERDBEEREN (1957) ist sie die schöne Schwägerin Marianne Borg, eine schon in jungen Jahren vom Leben betrogene Frau, die sich mit ihrem Filmpartner Victor Sjöström ein schauspielerisch sehenswertes Duell liefert. Auf den Berliner Filmfestspielen 1958 wird Ingmar-Bergman mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet; Ingrid Thulin erregt erstmals internationale Aufmerksamkeit. In NAHE DEM LEBEN erleidet sie eine Fehlgeburt. Für ihre Darstellung wird die 1959 in bei den Internationalen Filmfestspieln in Cannes mit den Darstellerpreis ausgezeichnet. Anfang der 60er Jahre spielt sie die Märta, die in LICHT IM WINTER (1961) panisch liebt und mit bitterem Klang einen langen Liebesbrief direkt in die Kamera spricht. In DAS SCHWEIGEN (1964) spielt sie Ester, die todkranke, kettenrauchende Übersetzerin, die sich vor vor der Sinnlichkeit ihrer Schwester ekelt und die Tyrannei des eigenen Körpers kennt. Der Film ruft heftige Kritik bei der Moralisten hervor. Die für damalige Zeit ungewohnt offene Darstellung von Sexualität führt in zahlreichen Ländern zu Aufführungsverboten und leidenschaftlichen Debatten. Ingrid Thulins Ausstrahlung auf der Leinwand gilt als faszinierende Mischung von kühl und komplex. In SCHREIE UND FLÜSTERN (1972) verstümmelt sie ihr Geschlecht, um nicht mehr mit ihrem Mann schlafen zu müssen.

Ihr Erfolg bei der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ingrid Bergman öffnen der skandinavischen Schauspielerin auch die Tür für Filme anderer international anerkannter Regisseure. Sie arbeitet mit Vincente Minnelli in dessen furiosem Weltkriegsmelodram DIE VIER APOKALYPTISCHEN REITER (1962), in denen die Schauspielerin die romantischen Ruhepunkte schafft. Für ihren Auftritt in VERSCHWIEGENE SPIELE (1966) unter der Regie von Mai Zetterling wird sie ausgezeichnet.
Eine Erotik der Gelassenheit und des Vertrautseins bestimmt ihre Liebesgeschichte mit Yves Montand in Alain ResnaisFilm DER KRIEG IST VORBEI (1966). Sie liebt dort einen ruhelosen Spanienkämpfer, der sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden will. Aber sie ist die Frau, die die Ruhelosigkeit mit ihm teilen will.
Unter der Regie von Luchino Visconti spielt sie neben Dirk Bogarde und Helmut Berger in DIE VERDAMMTEN (1968). Der Inzest, den sie als Baronin von Essenbeck in Luchino Viscontis Film GÖTTERDÄMMERUNG (1969) mit ihrem Sohn vollzieht, besitzt die Anmutung einer körperlichen Grenzüberschreitung.

Außerdem nimmt sie auch lukrative Rollen in Hollywoodstreifen. In zwei internationalen Produktionen ist sie die Filmpartnerin von Burt Lancaster. In seinen beiden Thrillem um die Gefahr nuklearer Verseuchung Cassandra Crossing (1976) und CONTROL (CONTROL Trailer) (1986) spielt sie die weibliche Hauptrollen. Nach insgesamt 60 Spielfilmen und einigen eigenen Regiearbeiten zieht sich die Schwedin Anfang der 90er Jahre von der Filmarbeit zurück.

Ingrid Thulin ist zwei Mal verheiratet, zuletzt bis 1989 mit dem von Österreich nach Schweden emigrierten Publizisten Harry Schein, der zu den Gründern des schwedischen Filminstituts zählt. Sie lebt seit den 60er Jahren bevorzugt in Rom. Sie stirbt am 08. Januar 2004 kurz vor ihrem 75. Geburtstag an Krebs in Stockholm.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Februar 2004

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