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Peter Sodann

Peter Sodann
Darsteller

* 01. Juni 1936
Meißen
Deutschland

PETER SODANN • Biographie Seite 1/1

Peter Sodann hat sich als Schauspieler einen Namen gemacht, aber als Theaterleiter und Intendant ist er über die Grenzen von Halle, wo unter seiner Leitung mehr als 20 Jahre an der Kulturinsel gebaut wird, bekannt geworden. Aus dem Nichts hat er ein renommiertes Theater geschaffen. Hier verfolgt er seine Idee vom "intelligenten Volkstheaters", daß jeder verstehen soll. Politisch greift der Künstler immer ein. Journalisten nennen ihn die "Stimme des Ostens"; er selbst versteht sich als "betender Kommunist".

Peter Sodann wird am 01. Juni 1936 in Meißen geboren. Er wächst in Weinböhla bei Dresden auf. Sein Vater ist Stanzer, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg an der Front stirbt. Seine Mutter ist Landarbeiterin. Nach seiner Schulausbildung, die er in Weinböhla absolviert, beginnt er eine Lehre als Werkzeugmacher. 1954 wird er von seinem Betrieb an die Arbeiter- und Bauernfakultät in Dresden delegiert. In drei Jahren holt er sein Abitur nach. Obwohl sein Interesse für die Schauspielerei bereits vorhanden ist, beginnt er 1957 zunächst an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Jura zu studieren. Nach vier Semestern wechselt er 1959 an die Theaterhochschule Leipzig, Fachbereich Schauspiel.

Während seiner Studienzeit wird er Mitglied des Studentenkabaretts "Rat der Spötter", einer Theatergruppe, die Studenten der Fakultät für Journalistik gegründet haben und die mit politischem Witz verändernd wirken wollen. Die Gruppe nutzt in Leipzig ein altes Kellertheater, Peter Sodann wird Leiter des Kabaretts. Ein Mitglied, der als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig ist, verrät 1961 die Aktivitäten der Theaterleute. Mit ihrem Programm "Wo der Hund begraben liegt" werden sie als "konterrevolutionär" und "staatsfeindlich" eingestuft; das Kabarett aufgelöst. Peter Sodann und sechs weitere Personen werden verhaftet. Er wird vom Schauspielstudium relegiert und zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wird Peter Sodann, der 1959 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) geworden ist, aus der Partei ausgeschlossen. Das Strafmaß wird nach neun Monaten Haft in vier Jahre Bewährung umgewandelt und 1962 wird der Schauspieler aus der Haft in Bautzen II ("Stasi-Knast") entlassen.

Nach dem Gefängnis sucht er Arbeit als Werkzeugmacher. Er beginnt eine Lehre als Spitzendreher im VEB Starkstromanlagenbau in Leipzig. Zudem bemüht er sich um eine Wiederzulassung zum Studium. Nachdem verantwortliche Stellen dem zustimmen, wird er 1963 nochmals an der Theaterhochschule in Leipzig immatrikuliert. Erste Bühnenerfahrung sammelt Peter Sodann am Berliner Ensemble, wo er 1964 ein Theaterengagement erhält. Unter der Regie von Helene Weigel spielt er unter anderem in "Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" den Dullfeet. Hier führt er auch erstmals Regie bei dem Nachtprogramm "Also wissen se, nee". 1966 wechselt der Schauspieler an die Städtischen Bühnen Erfurt. Hier ist er in Stücken von William Shakespeare und Johann Wolfgang Goethe zu sehen. 1971 zieht er nach Karl-Marx-Stadt und arbeitet dort am Städtischen Theater. Friedrich Schiller und wieder William Shakespeare stehen hier auf dem Programm. An der Spielstätte macht er sich als Regisseur einen Namen, inszeniert unter anderem "Van Gogh" von Alfred Matusche. Auf Einladung inszeniert er das Stück am Moskauer Jermolowa-Theater nochmals. 1975 wird Peter Sodann Schauspieldirektor an den Bühnen der Stadt Magdeburg, legt Regiearbeiten wie "Einzug ins Schloss" von Rolf Schneider, "Nathan der Weise" von Ephraim Lessing, "Liliom" von Ferenc Molnár vor. Mehrfach gastiert er in Moskau.

Seit März 1980 ist Peter Sodann Schauspieldirektor in Halle am dortigen Landestheater. Da das Schauspiel-Ensemble im alten Mehrsparten-Haus nicht ausgelastet ist, beschließt er ein neues Theater zu bauen. 1981 wird ein alter Kinosaal umgebaut und das "neue theater halle" gegründet. Er verfolgt die Idee eines "intelligenten Volkstheaters". Heute ist die Kulturinsel einmalig, zu ihr gehören fünf Theater, eine Galerie, eine Bibliothek mit zwischen 1945 und 1989 in der DDR erschienen Literatur, ein LiteraturCafe und eine Theaterkneipe. Bis 2004 leitet Peter Sodann als Intendant die Kulturinsel.

Ende der 70er Jahre werden auch die DEFA und das Fernsehen der DDR auf den Künstler aufmerksam. Nach zwei kleineren Auftritten übernimmt er die Rolle des Mathematik- und Russisch-Lehrers Boltenhagen in ERSCHEINEN PFLICHT (1984) unter der Regie von Helmut Dziuba. Er wird mit seinen Schülern zu einer Friedendemonstration nach Berlin beordert, die Fahrt verläuft nicht ganz wie geplant. Für seine Darstellung wird Peter Sodann als Bester Nebendarsteller auf dem Nationalen Filmfestival ausgezeichnet. Aber der Film, der sich kritisch mit der Vätergeneration auseinandersetzt und Jugendliche auf der Suche nach einem eigenen Weg zeigt, hat es schwer. Verantwortliche Stellen blockieren seinen Einsatz im Kino, Kritiker erhalten den Auftrag, ihn schlecht zu besprechen.

In den Märchenfilmen GRITTA VON RATTENZUHAUSBEIUNS (1985) von Jürgen Brauer und FROSCHKÖNIG (1990) von Walter Beck spielt er jeweils den König. Weiter Auftritte hat der Schauspieler unter anderem in dem Unterhaltungsstreifen DER DOPPELGÄNGER (1985), inszeniert von Werner W. Wallroth, und mit einer Rolle in DER HUT DES BRIGADIERS (1986) von Horst E. Brandt. Er ist in dem Lothar Warneke-Film BLONDER TANGO (1985) und DER TANGOSPIELER (1990) von Roland Gräf zu sehen. Hier spielt er die Rolle jenes Denunzianten, der den Historiker und Gelegenheitspianisten Dallow an die Staatssicherheit verrät. Nochmals arbeitet Peter Sodann mit Helmut Dziuba in JAN UND JANA (1992) zusammen. An einem der letzten DEFA-Filme FARßMANN ODER ZU FUß IN DIE SACKGASSE (1991) von Roland Oehme ist er ebenfalls beteiligt.

Auch im Fernsehen ist der Darsteller präsent. In der neuen TV-Verfilmung "Ernst Thälmann" (1986) übernimmt er die Rolle des John Scheer. Wie viele seiner Kollegen ist auch er in einer Folge von "Der Staatsanwalt hat das Wort" zu sehen, aber durch seine intensive Theaterarbeit bleiben die Film- und Fernsehauftritte begrenzt. In dem TV-Film "Sanisbar oder Der letzte Grund" (1987), den Bernhard Wicki mit Unterstützung der DEFA für das Fernsehen der DDR und den Westdeutschen Rundfunk inszeniert, übernimmt er die Rolle des Pastors, der die Barlach-Figur vor dem Zugriff der Nationalsozialisten rettet.

Nach dem Zusammenbruch der DDR gelingt dem Schauspieler der Sprung ins gesamtdeutsche Fernsehen. Seit 1991 ist er einer der erfolgreichsten Tatort-Kommissare, spielt den Kommissar Bruno Ehrlicher für den Mitteldeutschen Rundfunk. Mittlerweile ist er der dienstälteste Tatort-Kommissar. In dem Zweiteiler "Nicolaikirche" (1995) von Frank Beyer spielt er einen General des Ministeriums für Staatsicherheit in Leipzig, der vor den Kerzen und Gebeten Tausender Menschen kapitulieren muß. Außerdem wirkt er in Vorabendserien der ARD mit, spielt in "Tanja", "Sterne des Südens" und "Leinen los für MS Königstein". Er übernimmt die Rolle des Erich Mielke in der ZDF-Produktion "Deutschlandspiel" (2000). Ein Jahr später wirkt er in den ZDF-Produktionen "Liebesau - Die andere Heimat" (2001) und "Herzstolpern" (2001) mit.
Später ist der Schauspieler in dem Kinofilm DIE KÖNIGE DER NUTZHOLZGEWINNUNG (2006) von Regisseur Matthias Keilich zu sehen. Die Komödie erzählt von Krischan (gespielt von Bjarne Mädel), der in seinem kleinem Ort einen Holzfällerwettbewerb ins Leben rufen will. Dabei muss er seine Freunde und den Bürgermeister (gespielt von Peter Sodann) von dieser Idee überzeugen. Seit 2007 steht er für die neuen Staffeln der erfolgreichen Kinderserie "Schloss Einstein" als Schulleiter Dr. Rudolf Bräuning vor der Kamera.

Peter Sodann ist zweimal verheiratet. Aus erster Ehe ist er Vater von vier Kindern: Tina, Susanne, Franz und Karl. Sein Sohn Franz Sodann arbeitet mittlerweile auch als Schauspieler.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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