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Clint Eastwood

Clint Eastwood
Regie, Musik, Darsteller, Produzent

* 31. Mai 1930
San Francisco (Kalifornien)
USA

CLINT EASTWOOD • Biographie Seite 1/1

Clint Eastwood - Schauspieler, Regisseur und Produzent - ist einer der großen Veteranen Hollywoods. Als Schauspieler hat er sich in unzähligen Cowboy- und Cop-Filmen einen Namen gemacht. Obwohl er bereits früh als Regisseur arbeitet, braucht es eine Zeit, bis er auch anerkannt ist. Mittlerweile ist Clint Eastwood ein Urgestein, eine Instanz in Hollywood. Dabei setzt er als Regisseur auf Gradlinigkeit und Zurückhaltung, begreift sich als Handwerker und kommt ohne spektakuläre Effekte aus. So schafft er einige bemerkenswerte Meisterwerke.

Clint Eastwood wird am 31. Mai 1930 in San Francisco geboren. Sein Vater mit schottischen und englischen Vorfahren arbeitet als Tankwart und als Buchhalter. Die Mutter ist irischer Abstammung. In der Zeit der Depression verliert der Vater seine Arbeit, wandert mit der Familie durch den Norden Kaliforniens, sein Sohn wechselt alle Monate die Schule. Nachdem er einen Job in Oakland erhält, siedelt sich die Familie dort an; die Mutter arbeitet in der Folge bei IBM. Nach seiner Schulausbildung, die er an der Oakland Technical High School, beginnt Clint Eastwood 1948 als Lastwagenfahrer, Stahlarbeiter, Holzfäller und Farmarbeiter zu jobben.

1950 wird er zum Militärdienst eingezogen. Im kalifornischen Ford Ord wird er stationiert, versieht dort seinen Dienst als Schwimmlehrer und Filmvorführer. Hier lernt er die Schauspieler David Jansen, Martin Milner und Norman Bartold sowie den Komponisten Lennie Niehaus kennen. Außerdem erwärmt er sich für das Küstenstädtchen Carmel, in dem er später wohnen wird. Entlassen aus der US Army beginnt Clint Eastwood ein Studium der Betriebslehre am Los Angeles College. Er finanziert seinen Lebensunterhalt durch diverse Gelegenheitsarbeiten, ist unter anderem Haus- und Bademeister sowie Tankwart.

Mitte der 50er Jahre beginnt er als Gelegenheitsschauspieler in Hollywood bei der Universal zu arbeiten, nimmt auch am firmeneigenen Trainingsprogramm für Schauspieler teil. Seine Rollen sind klein, selten hat er einen Satz zu sagen. So spielt er in zahlreichen B-Movies, gibt unter anderem einen Sachsen im Ritterfilm DIE NACKTE GEISEL (1955) von Arthur Lubin, ist als Laborassistent in DIE RACHE DES UNGEHEUERS (1955) und als Bomberpilot in TARANTULA (1955), beide unter der Regie von Jack Arnold, zu sehen. Nach vielen winzigen Nebenrollen wird er 1956 von der Universal gekündigt, arbeitet nun als freier Schauspieler, ist in vier Spielfilmen in den nächsten zwei Jahre zu sehen und hält sich ansonsten wieder mit Gelegenheitsjob über Wasser. Ende 1958 erhält er eine Hauptrolle in der TV-Western-Serie RAWHIDE. Acht Jahre lang, bis 1966 gibt er Rowdy Yates, den Junior-Partner eines Viehtreibers.

Erst Regisseur Sergio Leone entdeckt ihn für den Italo-Western. Für eine verhältnismäßig niedrige Gage verlässt Clint Eastwood Hollywood in Richtung Italien und macht im Blick auf seine Karriere genau das Richtige. Der Schauspieler ist bereits Mitte 30, als er mit der Dollar-Triologie von Sergio Leone international bekannt und in Europa zum Star wird. In FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR (1964), FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) und ZWEI GLORREICHE HALUNKEN (1966) spielt er einen wortkargen Anti-Helden, einen pragmatischen Killer, der sich an eine Welt voller Gemeinheit und Hinterlist anpasst. Mit seinen Rollen prägt Clint Eastwood einen neuen Killertyp: namenlos, abweisend, cool und ohne jede Melancholie, bricht damit den klassischen Helden-Typ, wie ihn John Wayne in seinen meisten Filmen verkörpert hat, auf. Durch den späten Erfolg (die Filme starten in den USA mit einer zweijährigen Verzögerung) kann er nach Hollywood zurückkehren und ist in einigen Spätwestern zu sehen, unter anderem in HÄNGT IHN HÖHER (1967) von Ted Post.

Anfang der 70er Jahre geht er mit dem Regisseur Don Siegel eine intensive Arbeitsbeziehung ein. Ihr erster gemeinsamer Film wird COOGANS GROßER BLUFF (1967), in dem er einen lakonischen, geheimnisvollen Deputy Sheriff aus Arizona gibt. Als verwundeter Korporal im Melodram BETROGEN (1970), spielt er eine etwas andere, ambivalente Figur. Er gibt einen Yankee, der von den Insassen eines Mädchenpensionats gesund gepflegt und vor den Konföderierten versteckt wird. Dabei muss er sich mit den Flirt- und Verführungsversuchen seiner Pflegerinnen auseinandersetzen. Don Siegel und er sind auch ein Team bei den ersten legendären DIRTY HARRY (1971). Durch diese Figur wird Clint Eastwood endgültig zum Star an den Kinokassen. Die Kritiker dagegen sind sich uneins: Dirty Harry wird als "faschistoid" bezeichnet, andere feiern den Protagonisten als neuen Anarcho-Held, der den Zeitgeist gekonnt zum Ausdruck bringt. Noch viermal steht der Schauspieler als sadistischer Cop und brutaler Macho-Held, als Anarchist vor der Kamera, wird zum Rächer, der in der Selbstjustiz sein Allheilmittel sieht. Abschluss der Zusammenarbeit mit Don Siegel wird FLUCHT VON ALCATRAZ (1979). Er gibt Frank Morris, einen Häftling, der gemeinsam mit zwei anderen aus dem Inselgefängnis ausbricht. Als Schauspieler gehört Clint Eastwood bald mit seinen zahlreichen Cowboy-, Cop- und Kriegsfilmen zu den großen Kassenmagneten Hollywoods; er wird mehrfach zum populärsten US-Schauspieler gewählt. Zahlreich sind seine Macho-Rollen, in denen er den einsamen Mann und Zyniker gibt, der seine Gefühle gekonnt verbergen kann.

Obwohl Clint Eastwood bereits früh als Regisseur arbeitet, braucht es eine Zeit, bis er als Regisseur auch anerkannt ist. Er setzt in dieser Funktion auf Gradlinigkeit und Zurückhaltung, kommt ohne spektakuläre Effekte aus und schafft so einige bemerkenswerte Meisterwerke. Tugenden, die er sich als Schauspieler zu eigen gemacht hat - er gilt als Meister der Lakonie, als perfekter Vertreter des Schweigens, als virtuoser Darsteller des stillen, eisigen Blicks, als Mann der Ver- und Entschlossenheit, als Darsteller, der genau weiß, wie viel ironische Distanz und wie viel Nähe seine Figuren vertragen - übernimmt er auf den Regiestuhl. Er wird zu einem eigensinnigen und widersprüchlichen Autorenfilmer, der in den meisten Fällen seine Filme zudem selbst produziert. Dafür hat er seine eigene Produktionsfirma "Malpaso" 1970/1971 gegründet und in Hollywood angesiedelt. Die Firma produziert seit dieser Zeit alle wichtigen Filme von Clint Eastwood. In den meisten Fällen spielt er auch die männliche Hauptrolle. Zudem übernimmt er auch häufig die musikalische Bearbeitung seiner Streifen; ist bekennender Jazzliebhaber und spielt selbst Klavier. Als Produzent und Regisseur arbeitet er mit einem festen Team zusammen: Sein Partner wird der Produzent Fritz Manes, der Kostümbildner Glenn T. Wright, die Cutter Ferris Webster und Joel Cox, die Kameramänner Bruce Surtees und Jack N. Green sowie der Szenenbildner Henry Bumstead gehören zu seinen Mitarbeitern.

1972 dreht er seinen ersten eigenen Film, den Psychothriller SADISTICO (1972), der die Geschichte eines Discjockeys erzählt, der von einem weiblichen Fan bedroht wird. Großen Erfolg an den Kinokassen hat der Film nicht; zu sehr ist das Werk als Debüt erkennbar. Im Genre des amerikanischen Western fühlt sich Clint Eastwood als Regisseur in den 70er Jahren besonders wohl. Mit EIN FREMDER OHNE NAMEN (1972) legt er seinen ersten Erfolg vor und orientiert sich dabei an den Filmen des Sergio Leone. Mit DER TEXANER (1976) dreht er einen epischen Western, die ganz in der Tradition seines Vorbildes John Ford steht. Aber auch in anderen Genres setzt er Maßstäbe. Mit BEGEGNUNG AM VORMITTAG (1973) inszeniert er ein modernes Märchen, die Liebesgeschichte eines 50jähriges zu einem jungen Mädchen. Ganz in James Bond-Manier dreht er einen Agententhriller mit IM AUFTRAG DES DRACHEN (1974). Einen klassischen Polizeithriller legt er mit DER MANN, DER NIEMALS AUFGIBT (1977) vor. Er gibt einen Polizeicop, der eine Zeugin zu einem Prozess bringen soll und sich mit zahlreichen Verfolgern auseinandersetzen muss. In vielen Fällen wird die spannende Inszenierung des Regisseurs gelobt, seine Filme sind klar in Szene gesetzt.

Die Filmbiographie BIRD (1987) schildert Leben und Werk des Jazzmusikers Charlie Parker. In WEIßER JÄGER, SCHWARZES HERZ (1990) erzählt er von den Obsessionen eines John Huston nachmodellierten Regisseurs, der bei Dreharbeiten in Afrika rücksichtslos einen großen Elefanten abknallt. Für ERBARMUNGSLOS (1992) (ERBARMUNGSLOS (1992) Trailer) erhält er seinen ersten Regie-Oscar. Zu einer Zeit, als der Western als tot galt, dreht er einen Spätwestern, der dem Genre neue Perspektiven aufzwängt und zahlreiche Irritationen für die Zuschauer bereithält. Ein früher dem Alkohol frönender Revolverheld, hat sich mittlerweile auf einer Farm zur Ruhe gesetzt. Er macht sich nochmals auf die Reise, um das Lösegeld für zwei Banditen zu erringen und muss sich einem gewissenlosen Sheriff stellen. Die Einspielergebnisse sind enorm, liegen über 100 Millionen Dollar. Neun Oscar-Nominierungen erhält der Film, wobei er vier Oscars erringen kann. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird Clint Eastwood auch als Schauspieler für die Trophäe nominiert.

Danach berichtet er in dem Kriminaldrama PERFECT WORLD (1993) von einer Freundschaft zwischen einem Gangster und seiner Geisel. Das Melodram DIE BRÜCKEN AM FLUß (1995) erzählt von einer späten Liebe zweier Menschen, überraschend sensibel und einfühlsam. Der Thriller ABSOLUTE POWER (1997) setzt sich mit Machtmissbrauch in der amerikanischen Politik auseinander. MITTERNACHT IM GARTEN VON GUT UND BÖSE (1997) untersucht einen Mordfall in der besseren Gesellschaft in einem kleinen Städtchen in den Südstaaten. Ein alter Reporter will in EIN WAHRES VERBRECHEN (1999) einen zum Tode verurteilten Unschuldigen retten. Im Science Fiction SPACE COWBOY (2000) fliegt eine Altmänner-Riege in den All. Hier beweist der Regisseur einmal mehr Ironie, mit Augenzwickern werden Marotten Älterer vorgeführt, das Alter selbst zum Thema gemacht. In dem Thriller BLOOD WORK (2002) spielt Clint Eastwood den alterschwachen FBI-Agenten McCaleb, der den Auftrag erhält, den Tod einer Herzspenderin aufzuklären. Dabei stellt sich heraus, dass er ihr Herz erhalten hat. Seiner Musikleidenschaft frönt der Regisseur auch in Filmen. Er dreht unter anderem PIANO BLUES (2003): In dem Dokumentarfilm holt er nach und nach die Virtuosen des Blues-Pianos neben sich ans Klavier. Sie sitzen neben ihm, erzählen über ihr Verhältnis zur Musik und spielen einfach.

Im selben Jahr inszeniert Clint Eastwood das Drama MYSTIC RIVER (2003) mit Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon in den Hauptrollen. Erzählt wird von den Spätfolgen einer Kindesentführung. Der Film ist ein spannendes psychologisches Werk über Gewalt, Freundschaft und Familienbeziehungen; erzählt eine düstere Geschichte um Schuld und Sühne: minimalistisch inszeniert, sparsam in den Effekten, aber umso eindrucksvoller in der präzisen Charakterzeichnung und darstellerischen Leistung. Der Film wird mehrfach ausgezeichnet; Clint Eastwood erhält unter anderem als Produzent den National Board of Review für den Besten Film. Bei der Oscarverleihung geht er persönlich zwar leer aus, aber Sean Penn und Tim Robbins erhalten Oscars für ihre Leistungen als Haupt- und Nebendarsteller. In MILLION DOLLAR BABY (2004) erzählt er die Geschichte einer jungen Boxerin. Zwischen dem Besitzer einer kleinen Boxerschule und ihr entwickelt sich eine Freundschaft. Der Film schildert die Begegnung der zwei unterschiedlichen Menschen überaus warmherzig; die Kritiker sind voller Lob für diesen stillen Film, der schnörkellos und direkt, sparsam und zurückgenommen seine Geschichte in Szene setzt. Diesmal kann Clint Eastwood die Oscar-Statue als Bester Regisseur und Bester Produzent in der Hand halten. Dazu gibt es auch noch zwei Darsteller-Oscars für Hilary Swank und Morgan Freeman.

Aktuell sind zwei Filme des Regisseurs in den amerikanischen Kinos angelaufen. Eines der berühmtesten Fotos der Weltgeschichte zeigt eine Gruppe von fünf Marinesoldaten, die auf dem Schlachtfeld Iwo Jima während des Zweiten Weltkrieges die amerikanische Flagge aufrichten. Um dieses Foto erzählt Clint Eastwood seine Geschichte: Es entstehen gleich zwei Filme. FLAGS OF OUR FATHERS (2006) erzählt aus der amerikanischen, LETTERS FROM IWO JIMA (2006) (LETTERS FROM IWO JIMA (2006) Trailer) aus der japanischen Perspektive die Ereignisse um eine der letzten großen Schlachten des Krieges und die Auswirkungen für die Beteiligten.

Als Bürgermeister des Küstenortes Carmel macht der Künstler in den 80er Jahren auf sich aufmerksam. Er besitzt in Carmel ein Hotel. 1980 findet die erste Clint Eastwood-Retrospektive im Museum of Modern Art in New York statt. Vier Jahre später veranstaltet die Cinémathèque française eine umfangreiche Hommage an den Künstler. Bei der Oscar-Verleihung 1995 erhält er den Irving G. Thalberg Memorial Award, 1996 vom American Film Institut den Preis für sein Lebenswerk.

1953 heiratet Clint Eastwood das Model Maggie Johnson. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, den Sohn Kyle Clinton Eastwood (geb. 1968) und die Tochter Alison Eastwood (geb. 1972). Sie arbeitet mittlerweile auch als Schauspielerin. Aus seiner jahrelangen Affäre mit der Schauspielerin Roxanne Tunis stammt seine Tochter Kimber Tunis (geb. 1965). Ab 1977 lebt er mit der Schauspielerin und Regisseurin Sondra Locke zusammen. Ihre Trennung Ende der 80er Jahre wird gerichtlich ausgefochten. Derzeit ist er mit der TV-Reporterin Dina Ruiz verheiratet. Gemeinsam haben sie die Tochter Morgan Eastwood (geb. 1996).

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