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Johnnie To

Johnnie To
Regie, Produzent

* 22. Mai 1955
Hong Kong
China

JOHNNIE TO • Biographie Seite 1/1

Johnnie To zeichnet sich durch ein breites Spektrum an filmischen Werken aus und deckt dabei eine Vielzahl von Genre wie Komödie, Action, Romanze und Fantasy ab. Als einer der großen Regisseure des modernen Hongkongkinos beherrscht er es meisterlich, stilisierte Action und starke Emotionen mit einem ausgeprägten Sinn für Ironie in Einklang zu bringen. Er versteht es, den klassischen Mustern des Mainstream Actionkinos neue Aspekte abzugewinnen und diese eindrucksvoll im Film umzusetzen.

To Kei-Fung, besser bekannt als Johnnie To, wird am 22. April 1955 in Hongkong geboren. Über seine Kindheit und seine Familie ist kaum etwas bekannt. Nach der Schule beginnt er seine Karriere 1972 in der Verwaltungsabteilung des Fernsehsenders TVB bei dem auch schon Stars wie Andy Lau, Chow Yun-Fat oder Wong Kar-Wai ihre Kinolaufbahn starten. Innerhalb eines Jahres steigt er zum Drehbuchautor auf, bevor er 1980 bei seinem ersten Kinofilm THE ENIGMATIC CASE (1980) Regie führt. Der Film ist allerdings sowohl aus künstlerischer als auch aus finanzieller Sicht ein Flop.

Erst sechs Jahre später startet der junge Regisseur einen weiteren Versuch mit der Fantasykomödie HAPPY GHOST III (1986) mit der jungen Maggie Cheung in einer der Hauptrollen. Der Film ist gleichzeitig den Auftakt zur ersten "komödiantischen" Phase im Schaffen von Johnnie To, welche zumeist geprägt ist von Mainstreamkomödien wie THE EIGTH HAPPINESS (1988) oder JUSTICE, MY FOOT (1992).

Diese Phase erstreckt sich bis in die frühen 1990er, wobei das Drama ALL ABOUT AH LONG (1989), mit einem überragenden Chow Yun-Fat, eine bedeutende Ausnahme bildet. Der Film erzählt die Geschichte des alleinerziehenden Vaters Ah Long, dessen Frau ihn und ihren gemeinsamen Sohn 10 Jahre zuvor verlassen hat und als erfolgreiche Geschäftsfrau aus Amerika zurückkehrt, um den Jungen mit sich zu nehmen. Ah Long muss sich entscheiden zwischen seinem persönlichen Glück und dem, was für seinen Sohn am besten ist. ALL ABOUT AH LONG (1989) zeigt bereits den ausgeprägten Sinn für Dramatik von Johnnie To, jedoch fehlt ihm hier noch die Konsequenz in der Umsetzung. Der Film bringt dem Filmemacher, trotz einiger Schwächen, eine erste Nominierung für den Hongkong Film Award als Bester Regisseur ein.

Die zweite Schaffensphase von Johnnie To ist vornehmlich geprägt von eher actionlastigen Werken. Hierbei lassen sich zwei dominante Richtungen unterscheiden. Zum einen entstehen mehrere Martial Arts Filme, deren berühmteste Vertreter unter der Regie von Johnnie To die Filme HEROIC TRIO (1993) und HEROIC TRIO: EXECUTIONERS (1993) sind. Sie erzählen die Geschichten von drei Superheldinnen, welche in fulminanten Actionschlachten die Welt vor dem Bösen retten. Die Filme bieten ein erstaunliches Aufgebot an Hongkong Größen, wie Maggie Cheung, Anita Mui und Michelle Yeoh in den Rollen der Heldinnen und Anthony Wong als Dämon.

Die zweite Richtung umfasst die Gangster bzw. Police Filme, die in erster Linie zur Ausprägung des markanten Stiles von Johnnie To führen. Ein für diese Entwicklung entscheidendes Ereignis ist die Gründung der Produktionsfirma Milky Way Images unter der Leitung von Johnnie To und seinem regelmäßigen Mitstreiter Wai Ka-Fai. Aus dieser äußerst fruchtbaren Verbindung entstehen die erfolgreichsten Werke von Johnnie To. Eines dieser Werke ist das Gangsterdrama A HERO NEVER DIES (1998) mit Jeff Lau, einem der bevorzugten Darsteller des Regisseurs, und Leon Lai-ming, der bereits die Hauptrolle in FALLEN ANGELS - GEFALLENE ENGEL (1996) von Wong Kar-Wai spielt. Der Film zeichnet eine düstere, hochstilisierte Gangsterwelt, in der zwei befreundete Killer rivalisierender Gangs aufeinander angesetzt werden. Jedoch kann keiner von beiden den anderen töten und so geben ihre Bosse die beiden zum Abschuss frei. Die Geschichte endet in einem tödlichen Rachefeldzug der beiden Killer. A HERO NEVER DIES (1998) bringt Johnnie To seine erste Auszeichnung für die Beste Regie bei den Hong Kong Film Critics Society Award ein.

Einer regelrechter Knackpunkt in der Karriere von Johnnie To ist das Jahr 1999. Er wird gleich mit zwei bzw. drei seiner Filme bei mehreren Festivals ausgezeichnet. In RUNNING OUT OF TIME (1999) inszeniert er ein trickreiches Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem tödlich erkrankten Gangster Cheung, gespielt von Andy Lau, einem weiteren favorisierten Darsteller des Regisseurs, und dem von Jeff Lau dargestellten Polizisten Ho. Neben rasanten Actionszenen lebt der Film vor allem von einer ordentlichen Portion Selbstironie und der äußerst überzeugenden Leistung von Andy Lau in einer seiner besten Rollen. RUNNING OUT OF TIME (1999) ist der erste Film von Johnnie To, der bei einem Filmfestival außerhalb Asiens, dem Fant-Asia Filmfestival in Kanada, mit einem Preis ausgezeichnet wird.

Im Kontrast zu RUNNING OUT OF TIME (1999) steht das Action-Meisterwerk THE MISSION (1999). Der Film handelt von fünf Profikillern, die angeheuert werden, um das Leben eines Triadenbosses zu schützen. So simpel der Plot auch ist, kann der Film doch durch die kühlen, hochstilisierten Bilder und die Wechsel von Bewegung und Ruhe in den durchkomponierten Actionszenen überzeugen, während Stück für Stück die verschiedenen Persönlichkeiten der Killer ergründet werden. Nach eigenen Angaben lässt sich Johnnie To bei diesem beeindrucken Actionfilm durch SEVEN SAMURAI (1954) von Meisterregisseur Akira Kurosawa inspirieren. THE MISSION (1999) wird gleich viermal für die Beste Regie ausgezeichnet, unter anderen bei den Hong Kong Film Awards.

In den folgenden Jahren kristallisiert sich ein Muster bei den Arbeiten des Filmemachers im Rahmen von Milky Way Images heraus. Nach eigenen Angaben produziert und dreht er in regelmäßigen Abständen kommerzielle Filme für den Mainstream, wie LOVE ON DIET (2001) oder FAT CHOI SPIRIT (2002), beide mit Andy Lau, um eine gewisse Gewinnspanne einzuspielen, damit er die Geldmittel für seine einzigartigen Actionfilme erhält. Diese finden mehr Anklang bei den Kritikern als an den Kinokassen und erfordern so gewisse Rücklagen.

Neben den Mainstreamproduktionen entstehen weitere hochkarätige Actionfilme, allen voran der 11fach ausgezeichnete Film PTU – POLICE TACTICAL UNIT (2003), mit dem Johnnie To seine Sezierung von Bewegung und dem narrativen Erzählen mit einem Minimum an Dialogen im Sinne von THE MISSION (1999) fortsetzt. PTU – POLICE TACTICAL UNIT (2003) ist seit THE MISSION (1999) ein weiterer Meilenstein des Gangsterfilms aus dem Hause Milky Way Images und bringt Johnny To selbst fünf Awards, darunter dreimal für die Beste Regie, ein.

Der Gangsterfilm ELECTION (2005) läuft im Internationalen Wettbewerb des Filmfestspiels in Cannes, wodurch die Bekanntheit des Regisseurs vor allem im europäischen Raum drastisch zunimmt. Es folgen Wettwerbsteilnahmen in Venedig 2006 und 2007 mit den Actionfilmen EXILED (2006) und MAD DETECTIVE (2007). Diesen drei Filmen ist gemein, dass sie die Tradition von Milky Way Images fortsetzt. Hochstilisierte Bilder, fein ausgearbeitete Bewegungen und harte Action. Es heißt, ELECTION (2005) sei einer der Lieblingsfilme von Kultregisseur Quentin Tarantino und tatsächlich finden sich in den Gangsterfilmen von Johnnie To stilistische Ähnlichkeiten mit dem Film RESERVOIR DOGS (1991).

Mit dem Drama SPARROW (2007) beweist Johnnie To, dass er nicht nur mit Actionfilmen erfolgreich sein kann. Die gemächlich dahingleitende Handlung und die ästhetischen Bilder haben nichts von den kühlen, brutalen Gangsterfilmen, die der Zuschauer von ihm gewohnt ist. Trotzdem ist die Regie von Johnnie To vom ersten bis zum letzten Bild spürbar. SPARROW (2007) wird in den Internationalen Wettbewerb der Berlinale 2008 eingeladen und avanciert zum Geheimtipp der Festivalbesucher.

Neben der Arbeit als Regisseur ist Johnnie To auch sehr erfolgreich als Produzent für Milky Way Images tätig, unter anderen für die Filme A MOMENT OF ROMANCE (1990) und A MOMENT OF ROMANCE II (1992).
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Autor: Stefan Dülsner
Stand: Januar 2009

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