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Harry Hornig

Harry Hornig
Regie

* 22. Oktober 1930
Gelsenkirchen
Deutschland
andere Namen Herbert Hornig

HARRY HORNIG • Biographie Seite 1/1

Der Dokumentarfilmer Harry Hornig arbeitet seit den 50er Jahren im DEFA-Studio, Bereich Dokumentar- und Kurzfilme. Seine zahlreichen Werke lassen sich in zwei große Lager teilen: zum einen propagandistische Auftragwerke, in denen sich der feste Glaube an den sozialistischen Staat dokumentiert und zum anderen einfühlsame Porträts von Arbeiterpersönlichkeiten, die ohne ideologische Überfrachtungen auskommen und ganz auf die Beobachtung setzen.

Harry Hornig wird am 22. Oktober 1930 in Gelsenkirchen geboren. Sein Vater ist Bergmann. Er bleibt das einzige Kind und wird wie sein Vater, der früh verstirbt, Bergarbeiter. Er beginnt nach seiner Schulausbildung an einer Mittelschule in Gelsenkirchen seine Bergarbeiterlehre und fährt unter Tage. Harry Hornig engagiert sich politisch und wird Mitglied der Kommunistischen Partei. 1949 siedelt er in den Ostteils Deutschlands über und absolviert in der Vorstudienanstalt in Jena, der späteren Arbeiter- und Bauernfakultät, sein Abitur. An der Philosophischen Fakultät der dortigen Friedrich Schiller-Universität studiert er von 1950 bis 1954 Philosophie, Germanistik und Filmwissenschaften.

Bereits während seines Studiums arbeitet er als Volontär und Redakteur bei verschiedenen Zeitungen. Nach dem Abschluß des Studiums führt ihn 1954 sein Weg ins DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme, wo er zunächst unter der Leitung von Gustav Wilhelm Lehmbruck als Dramaturgie-Assistent, später als Dramaturg und Redakteur tätig wird. Während dieser Zeit beginnt Harry Hornig zahlreiche Drehbücher und Texte für andere Dokumentarfilmregisseure zu verfassen. Besonders intensiv wird seine Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Joachim Hadaschik.

Ab 1956 übernimmt Harry Hornig die Redaktion der seit 1951 bestehenden "Pioniermonatsschau", kurz PiMo genannt. Dabei handelt es sich um ein Filmmagazin, welches in kurzen Geschichten über das Leben der Jungen Pioniere berichtet. Gemeinsam mit Hans-Ulrich Männling entsteht NORBERT, DER AUSREIßER (1957), mit Kurt Stanke der Tagebuchbericht BRÜCKE INS LEBEN (1956). Hier wird die Jugendweihe thematisiert, die auf Widerstand und Vorbehalte in der Bevölkerung stößt. Ein Lehrer besucht mit seinen Schülern zahlreiche kulturelle Stätten und Veranstaltungen. In der Dokumentation EINE NACHT WIE JEDE ANDERE (1957) von Harry Hornig und Joachim Hadaschik begleiten die Regisseure eine Nachtstreife der Volkspolizei im Ostberliner Zentrum rund um den Alexanderplatz. Gezeigt werden Jugendliche, die durch die Gegend streunen, "Halbstarke", die sich nicht leicht organisieren lassen. Mit dem Film DIE ROTE TROMMEL (1960) führt er die Reihe seiner Kinder- und Jugenddokumentationen fort und beginnt seine intensive Zusammenarbeit mit dem Schriftstellerehepaar Wera Küchenmeister und Claus Küchenmeister. Diesmal wagt sich der Autor und Regisseur auf historisches Gebiet und thematisiert die Geschichte der proletarischen Kinderbewegung in Deutschland. In dieser historischen Dokumentation für Kinder wird dokumentarisches Material mit spielfilmartigen Elementen verknüpft.

Seit 1958 arbeitet Harry Hornig als Dokumentarfilmregisseur und übernimmt in dieser Funktion auch Autoren- und Dramaturgentätigkeiten. Sein Debütfilm als Regisseur wird TAGESKURS 1:4 (1958), eine Reportage, die sich stilistisch an der Wochenschau orientierend mit den Folgen des Geldumtausches am 13. Oktober 1957 beschäftigt. Im selben Jahr inszeniert er die Dokumentation ENERGIE (1958). Geschildert wird die Herstellung eines Wärmeerzeugers im Kraftwerk Berzdorf. In dem Dokumentarfilm ALLTAG DES POETEN (1962) porträtiert er den Lokomotivführer und Lyriker Werner Barth aus Unterwellenborn, er mit dem Literaturpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) ausgezeichnet worden ist.

In AUF DER STRECKE (1963) sind es zwei Eisenbahner, die näher ins Blickfeld gerückt werden. Ein erfahrener Lokomotivführer begibt sich mit seinem jungen Praktikanten, einem zukünftigem Ingenieur, auf die Strecke. Dieses Porträt überzeugt durch seine nüchterne Beobachtung und stilistische Geschlossenheit; es gehört zu den besten Werken des Regisseurs. In seinem späteren Porträtfilmen bleibt der Regisseur ebenso dicht an den Protagonisten dran. In LIEBE LIESBETH (1974) ist es eine 60jährige Arbeiterin eines Dresdner Großbetriebes, die er auf ihrem Weg in die Rente begleitet. Aus alltäglichen Aufnahmen, alten Fotos und zahlreichen Erinnerungen entsteht ein einfühlsames Bild vom Leben der Arbeiterfrau. Nochmals porträtiert er eine Frau in EWA - EIN MÄDCHEN AUS WITUNIA (1973). Das junge Mädchen aus Polen kommt ins Berliner Kabelwerk Oberspree. Geschildert wird die Reise aus Polen nach Berlin, das Leben der Frauen in dem fremden Land, nicht frei von Vorurteilen.

Harry Hornig wird Leiter der Künstlerischen Arbeitsgruppe document. Mitte der 60er Jahre legt er einen humoristischen Dokumentarfilm vor. In PANKOFF (1965) zeigt er die angebliche anteillose Haltung Westdeutscher zur DDR. Der Film soll dem ostdeutschen Publikum Stolz und Selbstbewußtsein vermitteln. Eine weitere Humoreske inszeniert er mit DIE MACHT DES SCHICKSALS (1964). Mit der deutsch-deutschen Teilung beschäftigt sich der Regisseur weiter. In OSTERN 68 (1968) nimmt er die studentischen Unruhen in der Westdeutschland zum Anlaß, um die Anerkennung der DDR zu fordern. Die Filme stehen offen im Glaubensbekenntnis zum sozialistischen Staat, werden propagandistisch ausgewertet. TRÄUME LEBEN (1975) entsteht aus Anlaß des 25. Jahrestages der DDR. Harry Hornig arbeitet hier wiederholt mit Róza Berger-Fiedler zusammen. Der Film ist eine Lobeshymne auf das sozialistische Land.

Neben seiner Tätigkeit im DEFA-Dokumentarfilmstudio arbeitet Harry Hornig auch für das Fernsehen der DDR. Er wird stellvertretender Leiter im Bereich Fernsehen des DEFA-Studios für Kurzfilme. Sein TV-Beitrag "Trautes Heim, Glück allein" (1963) thematisiert das Problem des Wohnungsnotstandes in der DDR. In "7000 zwischen März und Mai" (1971) berichtet er vom EAW Treptow, einem Großbetrieb, der mit großen Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Das Filmteam befragt die Leiter und Arbeiter nach den Ursachen.

Seit Anfang der 70er Jahre ist Harry Hornig in zahlreichen gesellschaftlichen Funktionen tätig. Von 1972 bis 1988 ist er Vorstandsmitglied der Sektion Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik im Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR, von 1979 bis 1982 zudem deren Vorsitzender. Daß er nur noch selten als Regisseur auftritt, liegt vorallem an seiner Lehrtätigkeit, die er seit 1982 als Dozent für Regie des Dokumentarfilms an der Hochschule für Film- und Fernsehen ausübt. Ein Jahr später leitet er für drei Jahre den Fachbereich Regie, wird später Prorektor für Ausbildung, Film- und Fernsehproduktionen. Nebenbei lehrt er auch an der Hochschule für Fernsehen und Film München sowie an der Ruhr-Universität Bochum und der VHS Gelsenkirchen.

Seit 1982 konzentriert sich der Dokumentarfilmer auf seine Tätigkeiten als Autor und Dramaturg, in vielen Fällen arbeitet er mit der Regisseurin Róza Berger-Fiedler zusammen. Gemeinsam gründen sie 1991 die BABEL Film und Video GmbH mit Sitz in Berlin. Hier ist Harry Hornig als Autor, Dramaturg und beratender Produzent beschäftigt.

Harry Hornig lebt in Kleinmachnow.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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