Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Jean-Louis Trintignant

Jean-Louis Trintignant
Darsteller

* 11. Dezember 1930
Pont-St. Esprit
Frankreich

JEAN-LOUIS TRINTIGNANT • Biographie Seite 1/1

Der Bühnen -und Filmschauspieler Jean- Louis Trintignant zählt seit Mitte der 60er Jahre zur namhaften Schauspielerriege des französischen Kinos. Der hagere Franzose ist vor allem bekannt für seine Verkörperungen robuster Helden, die ihn zu einem Filmstar der frühen 70er und 80er nicht nur in Frankreich avancieren ließen. Berühmt wird er als Filmpartner von Brigitte Bardot mit den Filmen EIN MANN UND EINE FRAU (1966) und EINE NACHT MIT MAUD (1969).

Jean- Louis Trintignant wird am 11. Dezember 1930 in Pont- St. Esprit (Frankreich) als Sohn eines Industriellen in der Provence geboren. Ursprünglich will er Rennfahrer werden. Seine Passion während der Schulzeit auf dem Gymnasium in Avignon sind vor allem schnelle Autos. Mit 19 Jahren beginnt er ein Jurastudium in Aix en Provence und entdeckt das Theater. Er absolviert einen Kurs in klassischer Schauspielkunst in Marseille. Charles Dullins Theaterstück "Der Geizige" (1949) beeinflusst maßgeblich Jean-Louis Trintignants Entschluss, Schauspieler zu werden.

1950 nimmt er in Paris bei Charles Dullin und Tanja Balachowa Schauspielunterricht. Er beginnt als jugendlicher Held in klassischen und modernen Stücken zu spielen. Seit 1951 folgen erste Auftritte mit der Compagnie Raymond Hermantier in Stücken von Schiller und Shakespeare. Ein Jahr später mimt er den Macbeth in Jean Dastes: Comédie St.- Etienne und folgt 1953 einer Theatergruppe bei ihrer Tournee quer durch die Provence. Seine erste größere Rolle übernimmt der Jungschauspieler 1954 in Robert Hosseins Stück: "Responsabilité Limitée" (1954).

1955 wird der Film auf den jungen Schauspieler aufmerksam. Jean-Louis Trintignant agiert zunächst in mehreren Kurzfilmen, bevor er Ende 1955 in Ralph Habibs Film DAS GESETZ DER STRAßE (1955) neben Jean Gabin als dessen Gegenspieler auftritt. Roger Vadims mutet dem Schauspieler seine erste Hauptrolle in dem Film ... UND IMMER LOCKT DAS WEIB (1956), als schüchtern-verkrampfter Ehemann von Brigitte Bardot zu. Diese Rolle bedeutet einen vorläufigen Höhepunkt wie auch Wendepunkt in Jean-Louis Trintignants Schauspielkarriere. Die entstehenden Gerüchte um eine Affaire zur Schauspielerin Brigitte Bardot veranlassen den Schauspieler seinen Militärdienst in Algerien anzutreten. Es vergehen nahezu 30 Monate, in der Jean-Louis Trintignant in Schauspielabstinenz lebt, bevor der Theaterregisseur Maurice Jaquemont ihn für die Rolle des Hamlet gewinnen kann. Der Schauspieler lehnt diese zunächst ab, aus Angst der Rolle nicht gewachsen zu sein, stellt sich jedoch dieser Herausforderung und wird vom Publikum und Presse euphorisch gefeiert.

Mit diesem Erfolg verabschiedet sich Jean-Louis Trintignant für lange Zeit von der Bühne. Jean-Louis Trintignant ist Teil vieler Fernseh- und Filmproduktionen, die ihm einen zunehmend hohen Bekanntheitsgrad in ganz Frankreich einbringen. 1968 erhält er in Berlin den Schauspielerpreis für die Hauptrolle in Alain Robbe-Grillets Film DER MANN, DER LÜGT (1968). Sein zweiter großer Filmerfolg gelingt dem Schauspieler nach ... UND IMMER LOCKT DAS WEIB (1956) mit der Rolle des gehemmten Witwers in Claude Lelouchs Film EIN MANN UND EINE FRAU (1966). Darin spielt er einen Mann, der sich nur sehr schwer aus seinem emotionalen Versteck befreien und auf eine neue Frau, verkörpert von Anouk Aimée, einlassen kann. Diese Rolle legt ihn für einige Zeit auf den unerfahrenen und schüchternen Typen fest.

Das Jahr 1969 steht für einen bedeutenden Wendepunkt in Jean-Louis Trintignants Filmkarriere. Er beginnt mit dem Regisseur Eric Rohmer zusammenzuarbeiten, dabei gelingt ihm der Wechsel ins Charakterfach. In dessen Zyklus "Sechs moralische Geschichten" verkörpert der Schauspieler in dem Teil EINE NACHT MIT MAUD (1969) einen von ethischen Prinzipien bestimmten Mann, der verzweifelt versucht, in seinem Leben den Reinheitsbegriff und die Abstinenz zu verwirklichen. Ende des Jahres besetzt ihn Bernardo Bertolucci in dem Politdrama DER KONFORMIST - DER GROßE IRRTUM (1969). Jean-Louis Trintignant überzeugt darin als Faschist, dessen eigene schuldhafte Vergangenheit ihn eines Tages einholt.

Von nun an übernimmt der Schauspieler bevorzugt komplizierte, vielseitige Charakterrollen und bereichert das schauspielerische Repertoire der Figuren des Film Noir mit seinen markanten Zügen und sparsamen Gesten. Der Zuschauer sieht den Künstler immer häufiger in gesellschaftskritischen Filmen und Politthrillern, in denen er wortkarg mit ironischem Understatement agiert. Filmrollen von Zynikern, obsessiven Verbrechern und eifersüchtigen Ehemännern etablieren Jean-Louis Trintignant im Fach des harten Mannes. Für seine Verkörperung eines unbequemen und wagemutigen Untersuchungsrichters in Constantin Costa-Gavras Politthriller Z (1969) wird Jean-Louis Trintignant als bester Schauspieler auf dem Filmfestival in Cannes ausgezeichnet.

Sein bevorzugtes Genre sind die Kriminal- und Gesellschaftsstücke, in denen er die einsilbigen und tatkräftigen Typen verkörpert. Ende der 70er zählt der Künstler zu den meistgefragtesten Charakterschauspielern in Frankreich und Italien. Je älter der Schauspieler wird, desto weniger Rollen bekommt Jean-Louis Trintignant angeboten, die seinen schauspielerischen Fähigkeiten entsprechen. Mittlerweile zeigt er sich auch von seiner humoristischen Seite. Er spielt in weit über 100 Filmen mit. Nichts desto trotz zieht er heute das Theaterspielen dem Film vor.

Jean-Louis Trintignant ist mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Nadine Trintignant (*1934) verheiratet. Beide haben eine gemeinsame Tochter, Marie Trintignant (1962-2003), die ebenfalls schauspielerisch tätig ist.

-----
Autorin: Sara Siwy
Stand: Juli 2006

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,03467