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Susanne Schüle

Susanne Schüle
Regie, Kamera

* 08. Oktober 1967
Neckarsulm
Deutschland (BRD)

SUSANNE SCHÜLE • Biographie Seite 1/1

Susanne Schüle ist eine der erfolgreichsten Kamerafrauen Deutschlands. Mehrfach wird ihre Arbeit ausgezeichnet, fast immer ihre unaufdringliche, die Intention des Filmes unterstützende Bildsprache gelobt. Gemeinsam mit dem polnischen, in Deutschland tätigen Regisseur Stanislaw Mucha entstehen mehrere erfolgreiche Dokumentationen, die auf diversen Festivals zu Publikumslieblingen werden.

Susanne Schüle wird am 08. Oktober 1967 in Neckarsulm (Baden-Württemberg) geboren. Über ihre familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Nach ihrem Abitur absolviert sie von 1987 bis 1989 eine Ausbildung zur Fotografin mit Gesellenprüfung. Danach beginnt sie zunächst 1990 ein Studium an der Hochschule der Künste Berlin im Bereich Film / Videoprojekt, wechselt aber bereits 1991 in den Bereich Kunsterziehung. 1992 geht sie an die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" nach Potsdam-Babelsberg. Hier studiert sie 5 Jahre im Fachbereich Kamera.

Bereits während ihres Studiums arbeitet sie eng mit ihrem Studienkollegen Stanislaw Mucha zusammen. Gemeinsam entstehen die filmische Studienarbeiten DER TISCH (1997), POLNISCHE PASSION (1998) und EIN WUNDER (1999). Der letzte Kurzfilm erzählt von Pilgern, die die Erscheinung der Mutter Gottes in einer kleinen Stadt in Ostpolen beobachtet haben. Der Film erhält den "Norman 2000", den Preis für den besten Kurzfilm beim Stuttgarter Filmwinter. Gelobt wird besonders die Kamera. Sie nimmt die Blickachse der Gläubigen ein, wird aber bis zum Schluß des Films die Vision nicht bestätigen. Der Zuschauer erlebt das Wunder als Widerspieglung in den Gesichtern und Worten der Pilger.

Ihren Diplomfilm erarbeitet sie ebenfalls mit dem jungen polnischen Regisseur: MIT BUBI HEIM INS REICH (2000) wird ein Erfolg. Der Film lauft als Welturaufführung im Panorama der 50. Berlinale und erhält zahlreiche Preise. Susanne Schüle wird für ihre Arbeit mit dem Kamerapreis der New Media AG Dortmund ausgezeichnet. Beim Frauenfilmfestival "Femme totale" erfährt ihre Arbeit eine lobende Erwähnung: Sie hat für ihre Handkamera schnell und sicher die perfekten Standpunkte gefunden, um die volle Wahrheit über die Gesprächspartner mit ihren Gedanken und Emotionen zeigen zu können. Das kongeniale Team Stanislaw Mucha / Susanne Schüle wird auch nach dem Studium noch mehrfach zusammenarbeiten.

Während des Studium entstehen auch andere Filme der Kamerafrau, die Aufmerksamkeit erregen. Gemeinsam mit Istvan Imreh und Robert Laatz setzt sie den experimentellen Dokumentarfilm NEGATIV-NÄCHTE (1993-1996) in Szene. Die drei Studenten fangen - atmosphärisch dicht - den berauschenden Rhythmus der Stadt Budapest ein. Anhand der Aktivitäten dreier Avantgarde-Musikern zeigen sie die konkrete Poesie der Stadt. Gelobt wird der Film unter anderem auch deshalb, weil er eine visuelle und akustische Musikalität ausstrahlt sowie ein instinktives Gespür für die skurrilen Querverbindungen zwischen Kunst und Alltag, dem Rhythmus und den Klängen der Großstadt entwickelt.

Nach dem Studium erhält Susanne Schüle von Dezember 1999 bis Juli 2000 ein Kunststipendium Film/Fotografie an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Stanislaw Mucha ist ebenfalls zu diesem Zeitpunkt Stipendiat an der Akademie. Sie bereiten unter anderem den gemeinsamen Film ABSOLUT WARHOLA (2001) vor. Der Film berichtet vom Leben gezeichnete Verwandte des legendären Pop-Art-Künstlers Andy Warhol, die das Filmteam im slowakischen Dreiländereck, an den Grenzen zu Polen und der Ukraine besucht. Die exzellente Kamera unterstützt den Erfolg des Streifens, mehrfach mit Preisen bedacht wird er zum Publikumsliebling auf diversen Festivals. Die Kamera durchstreift die Landschaften und die bäuerlichen Gesichter, sie zeigt kommentarfrei einfach, was passiert, präsentiert unaufdringlich und intelligent Emotionen jenseits der Bilder. Dabei entstehen in den schönsten Momenten doppelte Bilder, die Realität und Traum, Groteske und Liebeswürdigkeit zugleich offenbaren.

Neben der engen Zusammenarbeit mit Stanislaw Mucha ist Susanne Schüle auch an anderen Dokumentarfilmprojekten beteiligt. Unter der Regie von Katrin-Charlotte Eißing entsteht AUF DEMSELBEN PLANETEN (2002), ein sehr persönlicher Filmessay über die Familie der Regisseurin. Die Kamerafrau übersetzt die Geschichte in poetische Bilder. Für die Regisseure Helen Wild und Bernhard Breidert führt sie die Kamera bei der Dokumentation LEICHTER ALS ICH (2003), in der vier behinderte Menschen über sich und ihre Sicht der Welt berichten. Der Film wechselt häufig die Perspektive, der Zuschauer sieht sich häufig mit dem Blick der Protagonisten konfrontiert. Gemeinsam mit dem Kameramann Thomas Plenert ist sie an dem Film DIESES JAHR IN CZERNOWITZ (2004) vom erfolgreichen Dokumentarfilmer Volker Koepp beteiligt.

Mehrfach ist Susanne Schüle auch für das Fernsehen tätig. Unter anderem entsteht ein TV-Beitrag über BERLIN-NEUKÖLN (2001). Sie arbeitet mit der Dokumentaristin Helke Misselwitz bei der Berlin-Dokumentation QUARTIER DER ILLUSIONEN (2004) zusammen.

Einen weiteren Publikumserfolg verzeichnet der Film DIE MITTE (2004), bei dem die Kamerafrau wieder mit Stanislaw Mucha zusammenarbeitet. Beide Filmkünstler machen sich auf die Suche nach der Mitte von Europa. Viel verdankt der Film der Frau hinter der Kamera, die ruhig und neugierig die Szenerie betrachtet. Niemals wird sie für die Menschen aufdringlich. Ihre von einem liebevollen Humor gekennzeichneten Impressionen unterstützen Stanislaw Muchas Ansatz nicht nur, sie behaupten sich als eigenständiger künstlerischer Ausdruck im Film.

2006 führt sie für den Film DIE HOCHSTAPLER (2006) (DIE HOCHSTAPLER (2006) Trailer) von Alexander Adolph die Kamara. Der Dokumentarfilm porträtiert vier unterschiedliche Männer, die durch Manipulation, Betrug und Diebstahl reich werden. Ein Jahr später arbeitet sie mit Regisseur Athanasios Karanikolas bei dessen Film ELLI MAKRA - 42277 WUPPERTAL (2007) (ELLI MAKRA - 42277 WUPPERTAL (2007) Trailer)zusammen. Eine junge Frau will nach der Rückkehr ihres gewaltätigen Ex-Mannes zurück nach Griechenland, doch dann gewinnt sie neuen Lebensmut. Beim Filmfestival Max Ophüls Preis feiert das Werk seine Deutschlandpremiere. Dort wird auch eine weitere Arbeit der Kamerafrau vorgestellt: DER PFAND DES KRIEGERS (2008) von Andreas Pichler. Der Dokumentarfilm berichtet von einem jungen Priesteranwärter, der zum Anführer einer Guerilla-Truppe wird.

Die Kamerafrau ist neben ihrer intensiven Film- und Fernseharbeit außerdem engagiert beim 46. Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestivals 2003. Sie ist Jury-Mitglied des Dokumentarfilm-Wettbewerbs.


Susanne Schüle lebt im Prenzlauer Berg in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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