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Otto Mellies

Otto Mellies
Darsteller

* 19. Januar 1931
Stolp
Deutschland

OTTO MELLIES • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Otto Mellies überzeugt seit mehr als 55 Jahren auf der Theaterbühne, sein 50. Bühnenjubiläum am Berliner Deutschen Theater begeht er 2006. Hier steht er mit der Darstellung seines "Nathan, der Weise" in der großen Tradition von Paul Wegener, Eduard von Winterstein und Wolfgang Heinz. Die DEFA engagiert den Schauspieler Ende der 50er Jahre zunächst für die Adaption von Klassiker, später überzeugt der Darsteller auch in Gegenwartsstücken.

Otto Mellies wird am 19. Januar 1931 in Stolp (einige Quellen nennen Schlawe) geboren. Ein Großteil seiner Familie kommt kurz vor Kriegsende um. Er ist als 14jähriger gemeinsam mit seinem Bruder Eberhard Mellies, der später ebenfalls als Schauspieler arbeiten wird, auf sich allein gestellt, arbeitet unter anderem als Pferdepfleger für russische Soldaten. Mit 16 Jahren bewirbt er sich 1947 am Schweriner Theater. Er besteht die Aufnahmeprüfung unter der Leitung der Schauspielerdirektorin Lucie Höflich. Bei der gestandenen Bühnen- und Filmschauspielerin erhält er zwei Jahre Schauspielunterricht. Danach arbeitet der junge Schauspieler auf verschiedenen Bühnen im Osten Deutschlands. Er steht für einige Spielzeiten in Neustrelitz, Stralsund, Rostock und Erfurt auf der Bühne und erarbeitet sich ein umfangreiches Repertoire. Unter anderem spielt er mit 20 Jahren in Stralsund den Tempelherrn in Ephraim Lessings "Nathan der Weise".

1956 holt ihn der Intendant Wolfgang Langhoff ans Deutsche Theater in Berlin, dem der Schauspieler auch heute noch als Gast angehört. Hier wird Otto Mellies zum Charakterdarsteller. Er spielt den Pylades in der legendären "Iphigenie"-Inszenierung von Thomas Langhoff aus dem Jahr 1976 mit Inge Keller in der Hauptrolle. Häufig arbeitet er unter der Regie von Friedo Solter, Alexander Lang, Thomas Langhoff und Joachim Gosch. Zu sehen ist er unter anderem in Stücken von Shakespeare, Ibsen, Shaw, O'Casey, Strindberg, Sartre, Hauptmann und Hacks. Aus seiner mehr als 55 Jahren eindrucksvollen Bühnenpräsenz ragt die Darstellung des Nathan hervor, den Friedo Solter 1987 inszeniert. Dem mehr als 300mal gespielten Stück zollen Kritik wie Zuschauer reichlich Anerkennung. In Berlin steht seine Darstellung in der großen Tradition von Paul Wegener, Eduard von Winterstein und Wolfgang Heinz. Otto Mellies agiert zurückhaltend als erfahrener Jude, dem die Last des Erlebten fast in Resignation fallen läßt.

Seit Mitte der 50er Jahre steht Otto Mellies auch vor der Kamera. Er debütiert mit einer kleinen Rolle in dem Unterhaltungsfilm SOMMERLIEBE (1955) unter der Regie von Franz Barrenstein. Erst vier Jahre später ist er wieder in einem DEFA-Film zu sehen. In der Literaturverfilmung KABALE UND LIEBE (1959) von Martin Hellberg gibt er den jungen Ferdinand. Die Inszenierung wird wegen ihrer großartigen Schauspielerleistung gelobt. In der Folge ist Otto Mellies mehrfach in Klassiker-Adaptionen und Bühnenverfilmungen zu sehen. In der Jacques Offenbach-Operette DIE SCHÖNE LURETTE (1960) von Gottfried Kolditz agiert er als Herzog von Marly, der die schöne junge Frau für ein amouröses Abenteuer gewinnen will und sie danach dem König als neue Mätresse zuführen möchte. Unter anderem gibt er den preußischen Major von Tellheim in MINNA VON BARNHELM ODER DAS SOLDATENGLÜCK (1962) wieder unter der Regie von Martin Hellberg.

Aber der Schauspieler ist auch in Gegenwartsstoffen zu sehen. In SIMPLON-TUNNEL (1959) von Gottfried Kolditz spielt er Erich, einen deutschen Arbeiter, der sich mit einem Italiener um das Mädchen Rosa streitet. Beide arbeiten mit vielen anderen Anfang des 20. Jahrhunderts am Simplon-Tunnel, der durch die Alpen eine Eisenbahnverbindung zwischen der Schweiz und Italien ermöglichen soll. Der Schauspieler überzeugt in DER ARZT VON BOTHENOW (1961) unter der Regie von Johannes Knittel. Hier spielt er den Arbeitersohn Harry Brenner, der nach einem erfolgreichen Medizinstudium eine steile Karriere in der Hauptstadt macht, aber wegen einer groben Pflichtverletzung in die Provinz versetzt wird. Hier beginnt er, sein Leben neu zu gestalten.

Anfang der 60er Jahre ist der Schauspieler auch im Fernsehen der DDR präsent. Mit der Darstellung des Arztes in dem Fünfteiler "Dr. Schlüter" (1965) von Achim Hübner wird Otto Mellies über die Grenzen des Landes bekannt. Erzählt wird die Geschichte eines Wissenschaftlers, der sich zunächst ganz in den Dienst der Großchemie stellt, bis er das chemische Werk eines Konzentrationslagers in Polen übernehmen soll. Er flieht an die Front, bedenkt dort mit Hilfe sowjetischer Freunde sein Leben neu. Die TV-Serie ist beim Publikum überaus beliebt. Am 03. Februar 1966 erhält der Film viel Lob auf einer Tagung des Präsidialrats des Deutschen Kulturbundes, wogegen die Filme DAS KANINCHEN BIN ICH (1965) und DENK BLOß NICHT, ICH HEULE (1965) kritisiert werden und gar nicht erst den Weg zum damaligen Publikum finden.

In der fünfteiligen Fernsehinszenierung "Begegnungen" (1967) von Georg Leopold und Konrad Petzold spielt er den deutschen Wehrmachtsangehörigen Walter Reinhardt im antifaschistischen Widerstand. In einem weiteren erfolgreichen Fünfteiler, der Filmbiographie "Ich - Axel Caesar Springer - Erklärung eines Wunders" (1968-1970), agiert er als Horst-Herbert Alsen, alter Freund von Axel Springer (gespielt von Horst Drinda). Die Rollenangebote sind zahlreich: Otto Mellies spielt ein Mitglied des Nationalkomitees "Freies Deutschland" in "Geheimkommando Spree" (1968), agiert als Lehrer in einer Geschichte um Liebe, Ehe und Partnerschaft wie "Spätsaison" (1974) oder als Dr. Kiebaum in der Serie "Kriminalfälle ohne Beispiel".

Auch die DEFA hat für Otto Mellies zahlreiche Aufgaben in Gegenwartsstoffen parat. In der Anna Seghers-Verfilmung DER FRÜHLING BRAUCHT ZEIT (1968) von Günter Stahnke spielt er den parteilose Heinz Solter, Ingenieur eines Energieversorgungsbetriebes, dem grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen wird. Er kann aber nach zahlreichen Diskussionen in seinem Betrieb seine Unschuld beweisen. Der Betriebsleiter ist der eigentlich Schuldige, da er alles in Bewegung setzt, um Wettbewerbssieger zu werden. Der Film wurde kurz nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED aus den Kinos genommen. Die Kritik des Films war zu deutlich: Ursache des Betriebsunfalls sind mangelnder Sachverstand der Leitung sowie die Uneffektivität des Leitungssystems. Otto Mellies ist in dem Episodenfilm AUS UNSERER ZEIT (1969) zu sehen und agiert in ZEIT ZU LEBEN (1969) von Horst Seemann.

Ab den 70er Jahren konzentriert sich der Schauspieler auf seine Theaterarbeit, ist nur noch selten in Hauptrollen vor der DEFA-Kamera präsent. Dafür wirkt er in zahlreichen Fernsehsendungen mit, ist wie viele seiner Kollegen in Teilen der Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" zu sehen. Auch im wiedervereinigten Deutschland ist Otto Mellies darstellerische Ausstrahlung gefragt, allerdings weniger auf der Kinoleinwand als in gehobener Fernsehunterhaltung.
Auch im wiedervereinigten Deutschland ist Otto Mellies darstellerische Ausstrahlung gefragt, allerdings weniger auf der Kinoleinwand als in gehobener Fernsehunterhaltung, unter anderem in "Tatort" und "Schimanski". Nach mehreren TV-Produktionen ist er wieder auf der Kinoleinwand präsent. In der Tragikomödie FREI NACH PLAN (2008) (FREI NACH PLAN (2008) Trailer) von Franziska Meletzky, in der drei Schwestern den Geburtstag ihrer Mutter feiern, steht er mit seinen Schauspilekolleginnen vom Deutschen Theater mit Corinna Harfouch und Dagmar Manzel vor der Kamera.

Neben seiner umfangreichen Theaterarbeit synchronisiert Otto Mellies. Er leiht seine wundervoll sonore Stimme unter anderem den Schauspielern Paul Newman, Christopher Lee und Sean Connery. Auch der Hamster im "Märchenland" wird von Otto Mellies gesprochen. Bereits Ende der 50er und bis Mitte der 60er Jahre ist er Sprecher in zahlreichen Dokumentationen des DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme. Ab den 80er Jahren reist er mit Lesungen durch das Land, tritt unter anderem bei den Berliner Märchentagen auf. Der Schauspieler spricht auch Hörbücher. Dazu zählt zum Beispiel "Die Legende vom vierten König" von Edzard Schaper. In dem Programm "Tanz, Gesang und Küchentratsch" steht er neben anderen Künstlern aus der DDR zum Gedenken an Helga Hahnemann auf zahlreichen Bühnen des Landes.

Otto Mellies lebt mit seiner Familie in Berlin. Er ist mit einer Sopranistin verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn.

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