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Rudi Strahl

Rudi Strahl
Drehbuch

* 14. September 1931
Stettin (heute Szczecin, Polen)
Deutschland (heute Polen)
† 04. Mai 2001
Berlin
Deutschland

RUDI STRAHL • Biographie Seite 1/1

Direkt und possenhaft arbeitet der Drehbuchautor, Schriftsteller und Bühnenautor Rudi Strahl DDR-Gegenwart auf. Sein Humor ist nie platt oder abgeschmackt, sondern urwüchsig. Die von ihm veröffentlichten Bücher erreichen eine Gesamtauflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren, übersetzt in 26 Sprachen füllen sie Bücherwände. Die Filme, die nach seinen Drehbüchern von der DEFA verfilmt werden, sind an den Kinokassen ein Erfolg - Rudi Strahl ist ein Garant für humorvolle und mit viel Seitenhiebe auf den sozialistischen Alltag erzählte Geschichten.

Rudi Strahl wird am 14. September 1931 in Stettin (heute Szczecin, Polen) geboren. Eines seiner Hobbies seit seiner Kindheit ist der Radsport; hier ist er auch als Fahrer erfolgreich. Nach seiner Schulausbildung meldet er sich zur Nationalen Volksarmee, dient dort acht Jahre, bis er zum Studium ans Institut für Literatur "Johannes R. Becher" nach Leipzig delegiert wird. Er arbeitet bei der satirischen Zeitschrift "Eulenspiegel" und schreibt in den frühen Sechzigern im "Filmspiegel" Filmkritiken. Seit 1961 ist er als freischaffender Schriftsteller tätig, arbeitet auch für Film und Fernsehen.

In seinem ersten DEFA-Film verarbeitet Rudi Strahl seine Erfahrungen bei der Armee. Ganz auf den Hauptdarsteller Rolf Herricht ist die Militärklamotte DER RESERVEHELD (1965) unter der Regie von Wolfgang Luderer abgestellt. Der Komiker spielt den bekannten Schauspieler Horricht, der zur Reserve eingezogen wird. Als seine frisch vermählte Ehefrau anreist, glaubt er, dass Hauptmann Hottas mit ihr flirtet. Verkleidet als General liest er seinem Chef die Leviten. Der Film funktioniert ganz im Sinne des Komikers. Horricht ist schwierigen Situationen nicht gewachsen, ungeschickt, etwas eitel, aber in all seinen verzwickten Lagen rührt er das Publikum an, weil seine Ausstrahlung eine authentisch ist. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit zwischen Regisseur / Drehbuchautor /Hauptdarsteller wird fortgesetzt. In einer weiteren Rudi Strahl-Komödie MEINE FREUNDIN SYBILLE (1967) agiert Rolf Herricht als Hilfsreiseleiter Hurtig, der zwei seiner Gäste verliert und auf einer Odyssee durch die Schwarzmeer-Region die Verlorenen wieder in den richtigen Hafen führt. Zum ersten Mal stehen die Sketch-Partner Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil vor der DEFA-Kamera. Der Film ist dann auch ganz auf die Komiker-Stars ausgerichtet.

Bereits vor dieser Filmarbeit wird der zweite Film von Rudi Strahl HÄNDE HOCH - ODER ICH SCHIEßE! (1966) unter der Regie von Hans-Joachim Kasprzik verboten. In der Geschichte wird von einem unglücklichen Volkspolizisten erzählt. Ihm bleiben die Fälle aus; er wird immer melancholischer und sehnt sich nach einem spektakulären Einsatz. Ein alter Freund hilft und organisiert das ganz große Ding. Nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED gilt die Komödie als unkorrekt: Über einen Volkspolizisten darf nicht gelacht werden. Nach einem Einspruch des Innenministeriums wird die Arbeit am Film in der Rohschnittphase abgebrochen. Der Film wird auch nach dem Zusammenbruch der DDR nicht gezeigt, da Regisseur und Drehbuchautor ihn nicht als gut genug einschätzen, die Zeit überdauert zu haben.

Drei Jahre später entsteht die DEFA-Komödie SEINE HOHEIT - GENOSSE PRINZ (1969) in der Regie von Werner W. Wallroth. Der Schauspieler Rolf Ludwig gibt den ostdeutschen Außenhandelskaufmann Kaspar Mai, der plötzlich als Prinz westlichen Grund und Boden erbt. Der Darsteller ist für diese Komödie genau die richtige Besetzung - liebevoll, schelmisch und häufig ungewollt clever. Das Filmteam nutzt mit der Geschichte die Chance, ironische Seitenhiebe auf beide deutsche Staaten zu verteilen und hat dabei einige Schwierigkeiten mit dem Staatsapparat der DDR; es wird unter den Mühlen der Zensur fast zerrieben. Der Regisseur Werner W. Wallroth und sein Drehbuchautor Rudi Strahl werden mehrfach, bis zum Minister hinauf, mit zahlreichen Listen zu streichender Wörter und Sätze versehen; damit nimmt der Biss der Komödie mehr und mehr ab. Nochmals schreibt Rudi Strahl für den Regisseur ein Drehbuch. In der heiteren und unbeschwerten Liebeskomödie DU UND ICH UND KLEIN-PARIS (1970) spielen Jaecki Schwarz und Evelyn Opoczynski die Hauptrollen.

In der Folge arbeitet Rudi Strahl mehrfach mit dem Regisseur Roland Oehme zusammen. Beide wollen sich im Genre Komödie ausprobieren; bei der DEFA wird dieses Genre stiefmütterlich behandelt. Unter anderem wird das erfolgreiche Bühnenstück von Rudi Strahl und eines der meist gespieltesten Stücke auf der Theaterbühne EIN IRRER DUFT VON FRISCHEM HEU (1977) von dem Regisseur verfilmt. Der LPG-Bauern und Parteisekretär Mattes aus Trutzlaff besitzt das zweite Gesicht, kann das Wetter vorhersagen, verschwundene Ehemänner finden und wundersame Dinge vollbringen. Seine Fähigkeiten werden vom Vatikan sowie von der Bezirksparteileitung in Gestalt von Dr. Unglaube überprüft. Sie erliegt letztlich dem Charme Mattes. Der Film zählt zu den erfolgreichsten des Jahres. Lustvoll und leicht wird über Gott und die Partei gefachsimpelt. Die zwei Hauptdarsteller Peter Reusse und Ursula Werner überzeugen mit ihrem komödiantischen Talent und einem guten Gespür für Situationskomik. EINFACH BLUMEN AUFS DACH (1979) erzählt vom Hochspannungsmonteur Hannes Blaschke und seine Frau Maxi, die Familienzuwachs bekommen und nun ein zu kleines Auto besitzen. Durch Zufall kann Blaschke einen Tschaika bekommen. Die Staatskarosse führt in der Folge zu einigen Verwicklungen. Mit einem der letzten DEFA-Filme FARßMANN ODER ZU FUß IN DIE SACKGASSE (1991) unternehmen Rudi Strahl und Roland Oehme den Versuch, sich sarkastisch von der DDR zu verabschieden. Michael Gwisdek spielt einen Buchhalter, der für die DDR ein Valutaprojekt verwalten soll.

Mehr als 30 Fernsehspiele tragen die Handschrift von Rudi Strahl. Seine auf der Theaterbühne überaus populären, heiteren Bühnenstücke wie IN SACHEN ADAM UND EVA (1969) oder ARNO PRINZ VON WOLKENSTEIN (1977) werden auch für das Fernsehen adaptiert. Seine Bühnenstücke gehören zu den erfolgreichsten des Landes. Einige Projekte von Rudi Strahl können nicht realisiert werden. So zum Beispiel "Das Blaue vom Himmel". Es wird in der Zeitschrift "Theater der Zeit" 1984 zwar veröffentlicht, gespielt aber nur am Theater von Osnabrück. Den Verantwortlichen der DDR sind himmlischen Heerscharen, die Verantwortung über den Frieden auf Erden und die Erzengel, die das Kommando über die unterschiedlichen Lager besitzen, zu anstößig.

Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitet der Drehbuchautor auch für das gesamtdeutsche Fernsehen. Mit dem Schauspieler Harald Juhnke in der Hauptrolle entsteht der Fernsehfilm EIN KERL WIE SAMT UND SEIDE (1991). Außerdem schreibt er eine Bearbeitung der Saga über Leben und Tod des Seeräubers Klaus Störtebeker, die von Regisseur Roland Oehme auf die Ostsee-Freilichtbühne Ralswiek neu inszeniert wird.

Die Familie Rudi Strahl wohnt in Berlin. Sein Sohn Bob Strahl, der ebenfalls als Schriftsteller arbeitet, stirbt 1997 an den Folgen einer Operation. In der Folge zieht sich der Schriftsteller mehr und mehr ins private Leben zurück. Rudi Strahl verstirbt am 4. Mai 2001 in Berlin im Alter von 69 Jahren an einem Krebsleiden.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2005

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