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Francois Truffaut

Francois Truffaut
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 06. Februar 1932
Paris
Frankreich
† 21. Oktober 1984
Neuilly-sur-Seine
Frankreich
andere Namen François Truffaut

FRANCOIS TRUFFAUT • Biographie Seite 1/1

Der Name François Truffaut ist vor allem mit der Nouvelle Vague, einer filmischen Bewegungen, die sich Ende der 1950er/ Anfang der 1960er Jahre in Frankreich entwickelt, verbunden. Er setzt deren ästhetische Forderungen konsequent um und prägt mit sämtlichen 21 Filmen, die innerhalb seiner 25jähriger Karriere entstanden sind, das französische Kino. In den USA gilt der Filmemacher bis heute als die Verkörperung des französischen Kinos schlechthin. Thematisch handeln seine Filme vorwiegend von Liebe, die zur Obsession wird und vom Spannungsverhältnis zwischen dem Einzelnen (insbesondere den Kindern) und der Gesellschaft.

François Roland Truffaut wird am 6. Februar 1932 in Paris in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Sein Vater Roland arbeitet als technischer Zeicher in einem Architekturbüro und seine Mutter Jeanine de Montferrand als Sekretärin. In materieller und finanzieller Sicherheit aufwachsend, mangelt es ihm in seiner Kindheit vor allem an der emotionalen Zuwendung seiner Eltern. So widmen sie sich lieber ihren Hobbies, als ihrem Sohn, der entweder zu Verwandten abgeschoben wird oder gar ganz allein gelassen wird. In der Pubertät entwickelt er sich zu einem widerspenstigen und rebellischen Teenager, der von mehreren Schulen verwiesen wird. Dem repressiven französischen Schulsystem versucht sich der junge François Truffaut zu entziehen. Anstatt in die Schule zu gehen, liest er Bücher und verbringt den Großteil seiner Zeit mit Freunden in den Kinos am Montmatre.

Mit 15 Jahren gründet François Truffaut einen eigenen Filmklub und trifft wenig später auf André Bazin. Der 15 Jahre ältere André Bazin und dessen Frau Janine werden für ihn zur Ersatzfamilie, führen ihn an Filmtheorien und Filmkritik heran. Als 21jähriger beginnt er 1953 für die "Cahiers du cinéma" zu schreiben, ein Filmmagazin, das von André Bazin und Jacques Doniol-Valcroze zwei Jahre zuvor gegründet wurde. Hier trifft er auf andere junge Filmkritiker und Filmfanatiker, wie Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Jacques Rivette und Eric Rohmer. Gemein ist allen die kritische Haltung gegenüber der dominierenden Art des französischen Filmemachens (genannt die "tradition de la qualité"), deren Hauptvertreter vor allem die Regisseure Claude Autant-Lara und Jean Delannoy mit Verfilmungen von bekannten literarischen Werken sind.

1954 erregt François Truffaut mit dem Artikel "Une certaine tendence du cinéma français" Aufsehen, in dem er Literaturverfilmungen französischer Filme analysiert und mit den literarischen Vorlagen vergleicht. Er kommt zu dem Fazit, dass die Verfilmungen austauschbare Studioproduktionen seien, die den literarischen Vorlagen nicht gerecht werden, gar systematisch verändert wurden um billige Effekte zu erzielen. Die Kritik der jungen Autoren der "Cahiers du cinéma" resultiert in der "Politique des auteurs", die später die Grundpfeiler der Nouvelle Vague bilden. Unter François Truffauts Federführung wird in der "Politique des auteurs" die Fokussierung auf den Regisseur als den wahren Autor des Films vertreten. Auf überaus innovative Art und Weise übt die Nouvelle Vague international einen entscheidenden und nachhaltigen Einfluss auf die Methode des Filmemachens aus. Die Hauptforderung der Vertreter der Nouvelle Vague ist die künstlerische Unabhängigkeit des Regisseurs, so dass dieser seinen eigenen filmischen Stil entwickeln kann. Als positive Beispiele werden amerikanische Hollywood-Regisseure, wie Alfred Hitchcock oder Nicholas Ray, aber auch die Filmemacher des italienischen Neorealismus und Einzelgänger, wie Luis Bunuel und Ingmar Bergman genannt. Dabei spielt für François Truffaut die Unterscheidung von kommerziellen und künstlerischen Filmen (wie sie von den traditionellen französischen Intellektuellen mit Vorliebe betrieben wird, die Hollywood-Produktionen von vornherein einen künstlerischen Anspruch absprechen) keine Rolle. "Es gibt keine schlechten Filme, es gibt nur mittelmäßige Regisseure" so eines seiner Maxime.

1954 dreht die Clique der "Cahiers du cinéma" ihren ersten Kurzfilm, UNE VISITE (1954), bei dem François Truffaut das Drehbuch schreibt sowie Regie führt. Weitere praktische Erfahrungen sammelt er 1956 als Regieassistent von Roberto Rosselini, bevor er ein Jahr später 1957 seine eigene Produktionsfirma "Les Films du Carrosse" in Anlehnung an Jean Renoirs Film DIE GOLDENE KARROSSE (1953) gründet. Obwohl er in der Folge als Regisseur arbeitet, wird er auch Drehbücher für befreundete Regisseure schreiben. So ist er als Autor beim Klassiker AUßER ATEM (1959) von Jean-Luc Godard beteiligt.

Nach einem weiteren Kurzfilm DIE UNVERSCHÄMTEN (1957) dreht er als Regisseur seinen ersten abendfüllenden Spielfilm SIE KÜßTEN UND SIE SCHLUGEN IHN (1959). Der Film wird ein großer Erfolg und verhilft dem Filmemacher zu internationaler Anerkennung. Neben einer Oscar-Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch und der Goldenen Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für den Besten Film gewinnt François Truffaut die Trophäe als Bester Regisseur. Nur ein Jahr zuvor war er noch von den Filmfestspielen in Cannes als Kritiker ausgeschlossen worden, da seine Kritiken als zu anmaßend empfunden wurden. SIE KÜßTEN UND SIE SCHLUGEN IHN (1959) ist stark seinen eigenen Kindheits- und Jugenderlebnissen im damaligen französischen Schulsystem geprägt und kann als eine Kritik an diesem gesehen werden. Die Hauptfigur des Films, Antoine Doinel schwänzt wie der junge Truffaut selbst lieber die Schule und treibt sich mit seinen Freunden im Kino oder den Vergnügungsstätten am Pigalle rum.

Retrospektiv bildet SIE KÜßTEN UND SIE SCHLUGEN IHN (1959) den Auftakt zu einer in der Filmgeschichte einmaligen fiktiven Biographie-Serie. Die Hauptfigur Antoine Doinel besetzt François Truffaut mit dem damals 15jährigen Schauspieler Jean-Pierre Léaud. Dieser wird über die nächsten zwanzig Jahre in vier weiteren Filmen – dem Kurzfilm ANTOINE UND COLETTE (1962) sowie den Spielfilmen GERAUBTE KÜSSE (1968), TISCH UND BETT (1970) und LIEBE AUF DER FLUCHT (1979) – die Rolle des Antoine Doinels übernehmen.

François Truffauts folgende zwei Filme SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN (1960) und JULES UND JIM (1962) bringen ihm sowohl finanziellen Erfolg an den Kinokassen als auch weitere Anerkennung der Kritiker ein. SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN (1960) ist eine Hommage an den amerikanischen Film Noir der 40er Jahre. In JULES UND JIM (1962) demonstriert der Regisseur eine für die Nouvelle Vague kongeniale Verfilmung eines literarischen Werkes von Henri-Pierre Roché. Fingerspitzengefühl für die Schauspieler, eine sensible Kamera und ein fließender Schnitt lassen den Film, der eine Dreicksbeziehung zwischen zwei Männern und einer Frau in den geschichtlich turbulenten ersten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts erzählt, zu einem Meisterwerk werden. Das Sujet der Dreiecksbeziehung wird François Truffaut einige Jahre später in einer weiteren Verfilmung eines Romans von Henri-Pierre Roché in ZWEI MÄDCHEN AUS WALES UND DIE LIEBE ZUM KONTINENT (1971) erneut behandeln.

1964 kommt DIE SÜSSE HAUT (1964) in die Kinos und wird der erste Flop des Künstlers. Stilistisch markiert der Film das Ende der Nouvelle Vague-Ästhetik im Schaffen von François Truffaut und viele Kritiker äußern sich hämisch, dass er ebensolche Filme in der "tradition de la qualité" macht, wie die Regisseure, die er einige Jahre noch heftig angegriffen hatte. Auch an den Kinokassen entwickelt sich DIE SÜSSE HAUT (1964) zu einem Misserfolg. Die Geschichte eines Mannes, der seine Ehefrau mit einer Stewardess betrügt und schließlich von der Ehefrau kaltblütig erschossen wird, ist zu schwer und ohne Humor, als das sie das Publikum begeistern kann.

Die darauf folgenden Jahre sind für den Filmemacher vor allem durch künstlerische Krisen und finanzielle Misserfolge geprägt. Ab FAHRENHEIT 451 (1966) dreht François Truffaut in Farbe, wobei er Probleme hat, den Farbfilm in seine eigene filmische Ästhetik zu integrieren. Hinzu kommen Fehlbesetzungen und unausgereifte Drehbücher, die beispielsweise den Film DAS GEHEIMNIS DER FALSCHEN BRAUT (1969) trotz eines Staraufgebots bestehend aus Catherine Deneuve und Jean-Paul Belmondo zu einem Misserfolg werden lassen.

1966 bringt François Truffaut das Buch "Mr. Hitchcock, Wie haben Sie das gemacht?" heraus. Es behandelt in Form eines Interviews zwischen François Truffaut und Alfred Hitchcock sämtliche Filme des britischen Regisseurs. Drei Jahre nach Alfred Hitchcocks Tod 1980 vervollständigt François Truffaut das Buch. Heutzutage gilt es all eines der wichtigsten und aufschlussreichsten Referenzen zu Alfred Hitchcocks Œuvre.

Im Mai1968 kommt es bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes zu einem Skandal. In Folge der Pariser Studentenunruhen drängen sich François Truffaut und andere Filmemacher (darunter auch sein ehemaliger Kollege bei den "Cahiers du cinéma" und Nouvelle Vague Gefährte Jean-Luc Godard) in die Lobby des Carlton Hotels und fordern lautstark Solidarität mit den Studenten ein. Ein weiterer Grund für die Demonstration lag in der kurz zuvor veranlassten Entlassung von Henri Langlois als Leiter der Cinémathèque française. Die Demonstration zeigte insofern Erfolg, als das vier Mitglieder der Jury, Louis Malle, Roman Polanski, Monica Vitti und Terence Young, zurücktreten und so die 21. internationalen Filmfestspiele von Cannes abbrechen lassen.

Filmisch kommen für François Truffaut erst Anfang der 1970er Jahre bessere Zeiten. WOLFSJUNGE (1970) ist das komplette Gegenteil zu seinem Vorgänger DAS GEHEIMIS DER FALSCHEN BRAUT (1969). Kein großes Staraufgebot, mit einem sehr kleinen Budget und in Schwarz-Weiß gedreht wird WOLFSJUNGE (1970) von Kritikern als intimes Meisterwerk gelobt und ein überraschender Erfolg an den Kinokassen. Neben seinen Filmen DIE AMERIKANISCHE NACHT (1973) und DAS GRÜNE ZIMMER (1978) und Steven Spielbergs UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART (1977) tritt François Truffaut hier erstmalig als Schauspieler in Erscheinung. 1973 ist der Filmemacher auf dem Zenit seiner Karriere. DIE AMERIKANISCHE NACHT (1973) ist viermal für den Oscar nominiert und wird mit der begehrten Statur in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film schließlich prämiert. In dem Film kommt die große Liebe zum Film und die Leidenschaft für das Filmen besonders deutlich zum Ausdruck, dreht sich doch alles in DIE AMERIKANISCHE NACHT (1973) um bitter-süße Anekdoten, die die Dreharbeiten zu einem Film mit sich bringen.

1975 kommt mit "Die Filme meines Lebens" eine Sammlung von François Truffauts Filmkritiken heraus, die größtenteils bei den "Cahiers du Cinéma" erschienen sind. 12 Jahre später wird posthum ein zweiter Sammelband von seinen Kritiken unter dem Titel "Die Lust am Sehen" veröffentlicht.

Im selben Jahr in dem "Die Filme meines Lebens" erscheinen, dreht François Truffaut mit DIE GESCHICHTE DER ADÈLE H. (1975) einen Kostümfilm, der vor allem in den USA erfolgreich läuft und dort den damaligen französischen Shooting-Star Isabelle Adjani zu Popularität verhilft. Die darauf folgenden drei Filme sind kleine Produktionen, die vor allem von den Kritikern begeistert aufgenommen werden und zu den besten Filmen François Truffauts gezählt werden können. Neben TASCHENGELD (1976) und DER MANN DER DIE FRAUEN LIEBTE (1977), sticht vor allem DAS GRÜNE ZIMMER (1978) hervor, der große Themen wie Liebe, Hass, Tod und Trauer auf ganz eigene und beeindruckende Weise behandelt.

DIE LETZTE MÉTRO (1980) leitet die Spätphase des Regisseurs in den 1980ern ein. Die Hommage an das Theater ist sein teuerster und erfolgreichster Film und läutet eine neue Phase in François Truffauts Schaffen ein, die wahrscheinlich seine künstlerisch und handwerklich konsistent Phase geworden wäre, doch durch seinen Tod 1984 frühzeitig beendet wird. Es sollten nur noch das Amour-Fou-Drama DIE FRAU NEBENAN (1981) und die Alfred Hitchcock-Hommage AUF LIEBE UND TOD (1983) folgen.

François Truffaut ist von 1957 bis 1961 mit Madeleine Morgenstern verheiratet, mit der er zwei Töchter hat, Laura (geb. 1959) und Eva (geb. 1961). In den 1960er und 1970er Jahren hat er einige Beziehungen mit Schauspielerinnen, die in seinen Filmen mitwirken, wie beispielsweise Claude Jade und Catherine Deneuve. Fanny Ardant, die er Anfang der 1980er Jahre für den Film entdeckt und die in seinen letzten zwei Filmen die Hauptrolle spielt, wird bis zu seinem Tod seine Lebensgefährtin sein. Ihre gemeinsame Tochter Jacqueline wird 1983 geboren.

Am 21. Oktober 1984 stirbt François Truffaut im Alter von 52 Jahren an einem Hirntumor in Neuilly-sur-Seine.

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Autor: Tobias Laun
Stand: November 2007

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