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Kim Novak

Kim Novak
Darsteller

* 13. Februar 1933
Chicago (Illinois)
USA
andere Namen Marilyn Novak

KIM NOVAK • Biographie Seite 1/1

Kim Novak ist der letzte Hollywoodstar, den das alte Studiosystem hervorbringt, bevor es zusammenbricht. Ihre atemberaubende Schönheit zusammen mit der weichen, unaffektierten Art und ihrer warmen Ausstrahlung begeistert das Publikum. Der Schauspielerin ist etwas von einer Stummfilm-Diva zu Eigen, die nicht durch Monologe und Dialoge agiert, sondern einzig und allein durch filmische Präsenz. Wie jede große Diva ist sie dem Publikum nahe und behält zugleich ihre rätselhafte Aura. Vielleicht ist ihr deshalb die Boulevardpresse Zeit ihres Lebens auf den Fersen und bedrängt sie wie keinen anderen weiblichen Star der Zeit.

Kim Novak kommt am 13. Februar 1933 als Kind tschechischer Immigranten in Chicago zur Welt. Ihre Eltern geben ihr den Namen Marylin Novak. Schon früh offenbart sich ihr scheues und einzelgängerisches Wesen. Sie steht im Schatten ihrer älteren Schwester Arlene, ist verunsichert und wenig selbstbewusst, was sich auch zu Zeiten ihres größten Erfolges nicht ändern wird. Kim Novak denkt zunächst gar nicht an eine Schauspielkarriere. Sie arbeitet als zahnärztliche Assistentin, bedient einen Hotelaufzug, bürstet Pferde auf einem Gestüt. Die entscheidende Wende kommt, als sie als "Miss Deep Freeze" in einer Werbetour Tiefkühltruhen präsentiert. Die Tour endet in San Francisco, wo sie sich zusammen mit einer Kollegin im Beverly Hills Hotel einmietet, um Urlaub zu machen. Kalifornien gefällt ihr, und so lässt sie sich in einer Modeling Agentur registrieren, um kleinere Jobs zu erhalten.

Anlässlich einer kleinen Rolle in dem Musical DIE LOCKENDE VENUS (1954), wo sie als Revuegirl in der hinteren Reihe tanzt, wird sie vom Choreografen an einen Agenten von Columbia weiterempfohlen. Sie unterzeichnet einen Schauspiel-Vertrag, worin sie sich verpflichtet, zehn Pfund abzunehmen. Harry Cohn, der gefürchtete Studioboss von Columbia, ist auf der Suche nach einer Nachfolgerin von Rita Hayworth, die mittlerweile zu hohe Gagen verlangt und deren Stern zudem im Sinken begriffen ist. Kim Novak wird als Konkurrentin von Marilyn Monroe aufgebaut, die für 20th Century Fox spielt. Sie muss ihren Namen ändern und das Haar platinblond färben. Ihr Privatleben wird streng von Harry Cohn kontrolliert. Sie wird im Studio Club for Girls untergebracht, einer Mädchenpension, zu der Männern der Zutritt versagt ist. Zudem wird sie von Privatdetektiven beschattet, welche der Produzent detailliert über jede ihrer Bewegungen Bericht erstatten.

Der Ruhm bricht unerwartet über die junge Schauspielerin herein. Schon ihr erster Film, SCHACHMATT (1954), wird ein Kassenschlager. Ein Jahr später dreht sie für Columbia FIVE AGAINST THE HOUSE (1955) und wird dann für 100.000 Dollar an 20th Century Fox verliehen. An der Seite von Frank Sinatra und unter Regie von Otto Preminger spielt sie in dem Film DER MANN MIT DEM GOLDENEN ARM (1955). Frank Sinatra steht zum ersten Mal vor der Kamera. Der Film - von der Catholic Legion of Decency als unmoralisch gebrandmarkt - wird ein großer Erfolg und darüber hinaus ein zeitloser Klassiker der Filmgeschichte. Die Prostituierte Molly tritt dabei als warmherzige und uneigennützige Ex-Freundin Frankie Machines (Frank Sinatra) auf, die diesem durch ihre erneute Zuneigung hilft, einen "Cold Turkey" zu überstehen und ein neues Leben zu beginnen. Während der Dreharbeiten freundet sich Kim Novak mit Frank Sinatra an und verbringt viel Zeit mit ihm. Die Regenbogenpresse verfolgt jeden ihrer Schritte in Erwartung einer medialen Traumhochzeit.

Im darauf folgenden Jahr erhält sie die Rolle der Madge in der Verfilmung des erfolgreichen Broadway Theaterstücks PICKNICK (1955). Kim Novak sieht sich plötzlich mit einer Reihe von ausgebildeten Spitzenschauspielern konfrontiert, welche durch eine solide Ausbildung und jahrelanges Training gefestigt sind und sie zudem nicht als ihresgleichen anerkennen. Ihre Naivität, Unerfahrenheit und romantische Veranlagung passen perfekt zur Rolle der Dorfschönen, die darunter leidet, immer nur nach ihrem Äußeren bewertet zu werden. Die Kritiker sind voll des Lobs, und auch dieser Film wird in den USA und Europa zum Kassenschlager. Ein regelrechter Kim Novak-Hype bricht aus, als sie eine Reise nach Cannes unternimmt, um für diesen Film zu werben. Die immer noch unsichere und von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Schauspielerin erfährt zum ersten Mal ihre Wirkung auf das Publikum. Sie lässt sich von dem Playboy Aly Khan, Rita Hayworth Exmann hofieren und beginnt einen Flirt mit dem italienischen Millionär Mario Bandini. Immer auf der Suche nach der großen Liebe erliegt sie schnell dem Charme älterer, wohlhabender Männer. Die neuen Freiheiten, die sie sich in Europa nimmt, sind wohl eine Trotzreaktion auf ihr allzu streng reglementiertes Privatleben in den Vereinigten Staaten. Als die Presse neue Heiratsgerüchte verbreitet, tobt Harry Cohn in Hollywood, der stets fürchtet, seinen wertvollsten Goldesel zu verlieren. Auf Druck von Columbia muss sie die Beziehung zu dem italienischen Tomatenmagnaten abbrechen.

Im selben Jahr dreht sie noch GELIEBT IN ALLE EWIGKEIT (1956) an der Seite von Publikumsliebling Tyrone Power und danach einen Film mit dem Titel EIN HERZSCHLAG BIS ZUR EWIGKEIT (1957), der ihr wenig Lob einbringt. Ihr etwas forciertes Korsett als neues Sexsymbol verstößt allzu sehr gegen die damaligen Gewohnheiten. Im Vergleich zu den Millionen, welche ihre Filme an den Kinokassen einspielen, verdient sie vergleichsweise eine bescheidene Summe. Als sie erfährt, dass ihr wenig charismatischer Partner in EIN HERZSCHLAG BIS ZUR EWIGKEIT (1957), Jeff Chandler, ein Vielfaches an Honorar bekommt, macht sie ihre schlechte Bezahlung publik und zwingt so Harry Cohn in die Knie.

Wie viele andere Schauspieler ist auch Kim Novak auf einen guten Regisseur angewiesen, um ihr Bestes geben zu können. Den findet sie bald darauf in Alfred Hitchcock, der für Paramount VERTIGO (1958) dreht. Sie wird von Columbia für 250 000 Dollar verliehen. Ursprünglich ist Alfred Hitchcock wenig begeistert. Seine Favoritin Vera Miles, für die das Drehbuch geschrieben wird, muss wegen einer Schwangerschaft die Rolle abgeben. Kim Novak spielt an der Seite von James Stewart zunächst die entrückte Madeleine, die er beschattet, und nach deren Tod ihre Doppelgängerin. Sowohl als rätselhafte Madeleine wie auch als ihr Alter Ego Judy Barton ist Kim Novak perfekt. Der Film ist zu seiner Zeit kein kommerzieller Erfolg, er wird erst Anfang der 1980er Jahre als Meisterwerk Alfred Hitchcocks wieder entdeckt.

Kim Novak wird bald nach den Dreharbeiten zu VERTIGO (1958) wieder zum Objekt der Regenbogenpresse, als ihre Beziehung mit dem schwarzen Jazzmusiker Sammy Davis Jr. publik wird. Harry Cohn erleidet einen milden Herzinfarkt, was ihn nicht daran hindert, Sammy Davis Jr. unter Androhung physischer Gewalt dazu zu bringen, Kim Novak abzuschwören und ein schwarzes Revuegirl zu heiraten. Ein regelrechter Skandal entwickelt sich, als Kim Novak sich von General Trujillo, dem Sohn des Diktators der Dominikanischen Republik, einen Sportwagen schenken lässt. Sogar der Senat in Washington beschäftigt sich mit diesem Fall. Nicht nur ist der verliebte Prinz Trujillo verheiratet und Vater von sechs Kindern, sein Land ist total verarmt und erhält hohe Summen an Entwicklungsgeldern von den USA. Kim Novak muss zuletzt den Wagen zurückgeben und den Liebhaber fallen lassen.

Der Film MEINE BRAUT IST ÜBERSINNLICH (1958), eine filmische Adaption des erfolgreichen Broadwaystücks "Bell, Book and Candle" mit James Stuart an ihrer Seite und der etwas seifenopernartige Film FREMDE, WENN WIR UNS BEGEGNEN (1960) mit Kirk Douglas können die großen Erfolge nicht mehr wiederholen. Regie führt Richard Quine, Kim Novaks damaliger Partner. Doch die Heirat, die Columbia gern gesehen hätte, kommt nie zustande. Sie leidet immer noch unter starkem Stress, wenn sie sich vor hochkarätigen Schauspielern bewähren muss. Von vielen wird sie nur als Model betrachtet, was ihre innere Unsicherheit noch verstärkt.

Kim Novak spielt weniger eine Rolle, sie erscheint auf der Leinwand. Selbst in mittelmäßigen Filmen wie FREMDE, WENN WIR UNS BEGEGNEN (1960) bannt sie den Blick des Betrachters derart, dass die abgegriffene Story Leben erhält: Eine verheiratete Frau und Mutter eines Sohnes verliebt sich in einen ebenfalls verheirateten Architekten und beginnt ein leidenschaftliches Verhältnis mit ihm. Obwohl ihr Verhältnis zu ihrem Filmpartner Kirk Douglas eher unerfreulich ist, verkörpert sie glaubhaft die glühend Liebende Maggie. Doch der Film, in Cinemascope gedreht, bringt nicht den erhofften Erfolg. Es folgt die als unmoralisch verpönte Komödie KÜSS MICH, DUMMKOPF (1964), für United Artists gedreht. Sie wird zunächst von der Presse verrissen und erst später ein zeitloser Klassiker. Regie führt Billy Wilder. Die Darstellerin spielt hier wieder ein leichtes Mädchen, die arg verschnupfte Pistolen Polly, deren schamlose Ausbeutung dem Zuseher zu Herzen geht. In dieser Komödie liegen Komik und Tragik eng beieinander und ganz nebenbei wird der amerikanische Traum von sozialem Aufstieg und Erfolg ins Lächerliche gezogen. Die inzwischen von ihrem rastlosen Leben und den pausenlosen Dreharbeiten ausgelaugte Kim Novak erleidet während der Dreharbeiten einen Bandscheibenvorfall und kann nur mit stark schmerzstillenden Mitteln weiterarbeiten.

Während der Dreharbeiten zu DIE AMOURÖSEN ABENTEUER DER MOLL FLANDERS (1965) in London lernt sie ihren ersten Ehemann Richard Johnsson kennen, der ihr Filmpartner ist. Die Ehe mit dem britischen Schauspieler währt nicht lange. Inzwischen ist sie zweiunddreißig Jahre alt, hat zwanzig Filme gedreht und in vielen davon eine Hauptrolle gespielt. Sie kommt allmählich in ein Alter, in dem selbst erfolgreiche Schauspielerinnen durch neue Shooting Stars ersetzt werden. Sie ist bereits dreizehn Jahre im Filmbusiness tätig, ohne vergessen zu haben, dass sie sich stets nach einem einfachen Leben sehnt. Während eines schweren Unwetters in Los Angeles im Dezember 1966 kündigt sie ihren Rücktritt aus dem Filmgeschäft an.

Kim Novak, die sich Zeit ihres Lebens für Literatur, Malerei und Bildhauerei interessiert, geht nun ihren musischen Neigungen nach. Sie zieht sich in ihr Landhaus in Big Sur an der kalifornischen Pazifikküste zurück, wo sie auch viele Tiere beherbergt. Schließlich heiratet sie am 12. März 1976 den Tierarzt Dr. Bob Malloy. Gemeinsam widmen sie sich der Lama- und Pferdezucht. Gelegentlich übernimmt sie noch Rollen im Film- und Fernsehbusiness, zuletzt in dem Krimi TOD IM SPIEGEL (1980) nach Agatha Christie, wo sie die Konkurrentin der ebenfalls in die Jahre gekommenen Elizabeth Taylor spielt. Im Februar 1997 wird ihr im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin der Goldene Bär für ihr Lebenswerk verliehen.

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Autorn: Sanna Böswirth
Stand: Januar 2009

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