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Jean-Pierre Bacri

Jean-Pierre Bacri
Drehbuch, Darsteller

* 24. Mai 1951
Castiglione
Algerien

JEAN-PIERRE BACRI • Biographie Seite 1/1

Jean-Pierre Bacri ist in Frankreich ein äußerst populärer Schauspieler. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Arbeitspartnerin Agnes Jaoui schreibt er auch Drehbücher, aus denen sehr erfolgreiche Filme werden. Der Spitzname des Paares lautet "Les Jabacs". Bekannt ist Jean-Pierre Bacri als "ewiger Nörgler", egal, ob bei einem Interview oder bei einer Preisverleihung, er sagt was er denkt. Auch seine Rollen sind oft die eines verbitterten Außenseiters.

Jean-Pierre Bacri ist am 24. Mai 1951 in Castiglione, dem heutigen Bou Ismail, in Algerien als Sohn von Kolonialfranzosen geboren. Schon früh entwickelt er eine Vorliebe für das Kino, da sein Vater, unter der Woche Briefträger, am Wochenende als Kinokassierer arbeitet. Die Familie emigriert in Folge des Algerien-Krieges 1962 zurück nach Frankreich. In Cannes macht Jean-Pierre Bacri sein Abitur und beginnt ein Studium mit dem Ziel, Französisch- und Lateinlehrer zu werden. Er bricht sein Studium ab und arbeitet einige Monate bei einer Bank. Schließlich zieht er 1976 nach Paris, wo er für eine Werbeagentur Texte schreibt und nebenbei Schauspielunterricht am Cours Simon nimmt.

Seine Schauspiel-Karierre beginnt am Theater mit selbst geschriebenen Stücken. Zunächst wird 1977 "Tout simplement" ("Ganz einfach") in Paris aufgeführt. Neben anderen Auftritten auf der Bühne macht Jean-Pierre Bacri mit seinen Stücken "Le timbre" ("Die Briefmarke"), und "Le Doux visage de l'amour" ("Das sanfte Gesicht der Liebe"), das ihm 1979 den "Prix de la fondation de la vocation" verschafft, in den folgenden Jahren auf sich aufmerksam. In DIE WAFFE DES TEUFELS (1979) ("Le toubib") von Pierre Granier-Deferre bekommt er seine erste Filmrolle und fällt mit SUPERBOß (1982) ("Le grand pardon") von Alexandre Arcady erstmals einem größerem Publikum auf. Mit einigen Nebenrollen steigert er langsam seinen Bekanntheitsgrad bis hin zu seiner Nebenrolle in Luc Bessons SUBWAY (1985), wofür er eine "César"-Nominierung erhält. Daraufhin sieht man ihn in einigen Hauptrollen, wie zum Beispiel in MORD AN EINEM REGNERISCHEN SONNTAG (1986) ("Mort un dimanche de pluie") von Joel Santoni oder MES MEILIEURS COPAINS (1989) ("Meine besten Freunde") von Jean-Marie Poire, mit dem es bei den Dreharbeiten zum Streit kommt.

Unzufrieden mit der ganzen Filmbranche findet Jean-Pierre Bacri 1987 bei der Arbeit an einer Bühneninszenierung von Harold Pinters "Die Geburtstagsfeier" eine Gleichgesinnte in Agnes Jaoui, die seine Lebensgefährtin und Arbeitspartnerin wird. Zusammen beginnen sie, sich ihre eigenen Rollen zu schreiben. Zunächst schreiben sie "Cuisine et dépendences" noch für das Theater, die Bühneninszenierung wird ein großer Erfolg und monatelang aufgeführt. Zusammen mit dem Regisseur Philippe Muyl adaptieren sie das Stück fürs Kino, wo CUISINE ET DEPENDANCES (1993) ("Küche und Abhängigkeiten"), mit dem Autorenpaar besetzt, ebenfalls ein Erfolg wird. Der Film beschreibt, wie alte Freundschaften nach Jahren aufgrund von Erfolg und Neid zerbrechen können.

Für den Regie-Altmeister Alain Resnais adaptieren Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui die Theaterstückreihe "Intimate Exchanges" von Alan Ayckbourn. Es werden zwei Filme, die parallel zueinander stehen. Für die Arbeit an SMOKING / NO SMOKING (1993) erhalten sie zum ersten Mal einen "César" für das beste Drehbuch. Die zwei Filme erzählen das Leben einiger Protagonisten in verschiedenen Variationen. Gewisse Entscheidungen verändern die Handlung, so dass es zu mehreren Enden kommt. Die Zufälligkeit und Willkürlichkeit des Lebens kommt dabei zum Ausdruck. Es ist bisher die einzige Arbeit des Duos, in der sie nicht selbst auftreten, alle neun Figuren werden von Sabine Azema und Pierre Arditi gespielt.

Neben ihren filmischen Arbeiten können Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui nochmals einen Theaterhit verbuchen. "Un air de famille" ("Ein Anschein von Familie") mit ihnen selbst besetzt erhält wie schon "Cuisine et dépendences" einen "Molière", den französischen Theaterpreis. Auch dieses Stück wird mit der Beteiligung des Duos an Drehbuch und Besetzung verfilmt. TYPISCH FAMILIE! (1996) ("Un air de famille") unter der Regie von Cedric Klapisch wird ihr bis dahin größter Erfolg. Das tragikomische Familientreffen, bei dem sich herausstellt, dass die Familie nicht so friedlich vereint ist wie gedacht, lockt über zwei Millionen Zuschauer in die Kinos und wird mit den "Césars" für das beste Drehbuch und die besten Nebendarsteller (Jean-Pierre Darroussin und Catherine Frot) ausgezeichnet.

Von nun an bleiben Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui auf der Erfolgsspur. Sie schreiben wieder ein Drehbuch für Alain Resnais: DAS LEBEN IST EIN CHANSON (1997) ("On connaît la chanson"), ein Musical, in dem die Schauspieler nicht selbst singen, sondern zum Playback französischer Hits des ganzen 20. Jahrhunderts agieren. Diese untermalen auf komödiantische Weise die sehr ernsten Reflexionen über das Heuchlertum und den Schein in unserer Gesellschaft. Wieder werden sie mit Preisen überschüttet, darunter dem Drehbuch-"César", den sie sich als Vorjahressieger selbst überreichen müssen und den beiden Nebendarsteller-"Césars". Jean-Pierre Bacri spielt einen hypochondrischen Chauffeur mit Eheproblemen.

Der nächste gemeinsame Film LUST AUF ANDERES (2000) ("Le goût des autres") bei dem wie üblich Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui die Autoren und Teil des Ensembles sind, und Agnes Jaoui zudem hier zum ersten Mal selbst Regie führt, wird der bisher Erfolgreichste des Paares. Der Film wird mit Anerkennung überhäuft: "César" für den besten Film, das beste Drehbuch und die besten Nebendarsteller (Anne Alvaro und Gérard Lanvin) und Nominierungen unter anderem in den Kategorien Regie, Nebendarstellerin (beides Agnes Jaoui) und bester Hauptdarsteller (Jean-Pierre Bacri). Dazu kommt noch der Europäische Filmpreis für das beste Drehbuch und eine "Oscar"-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film. Mit 3,8 Millionen Zuschauern allein in Frankreich wird der Film zum Kassenschlager. Das Thema ist der Konflikt zwischen den Milieus, wobei bemerkenswert ist, dass die Künstler Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui das Künstlermilieu im Vergleich zum "Spießermilieu" erstaunlich schlecht wegkommen lassen.

Mit SCHAU MICH AN! (2004) ("Comme une image") konnten Jean-Pierre Bacri und Agnes Jaoui auf dem Filmfestival von Cannes die Erwartungen bestätigen, die LUST AUF ANDERES (2000) geschürt hatte. Wieder gelingt dem Duo unter Agnes Jaouis Regie, eine bitter-süße Komödie über die Lügen in der Gesellschaft. Der Film dreht sich um einen selbstherrlichen Schriftsteller, der von Jean-Pierre Bacri auf eine Art gespielt wird, die Antipathie und Sympathie zugleich weckt, und dessen vernachlässigter Tochter, die durch Gesang echte Anerkennung erreichen will. Scheinbar jedoch interessiert sich alle Welt nur für ihren Vater. Das Drehbuch besticht wie schon die anderen Arbeiten des Duos mit einer durchdachten Geschichte und feinen Dialogen. Dafür gibt es den Europäischen Filmpreis und den Drehbuch-Preis von Cannes.

Jean-Pierre Bacris Schauspielkarierre läuft auch neben seinen eigenen Drehbüchern sehr erfolgreich. Unabhängig vom Druck der Filmbranche geworden, spielt er hauptsächlich in Filmen seiner Freunde mit. Dabei sind zu nennen, DIDIER - MEIN HUND, DER FUßBALLSTAR (1997) ("Didier") vom Schauspielerkollegen Alain Chabat, PLACE VENDOME - HEISSE DIAMANTEN (1998) ("Place Vendôme") von Nicole Garcia, wo er mit Catherine Deneuve zusammen spielt, KENNEDY UND ICH (1999) ("Kennedy et moi") von Sam Karmann, mit dem er seit Mitte der 70er-Jahre befreundet ist, und LES SENTIMENTS (2003) ("Die Gefühle") von Noemie Lvovsky. Für die beiden letzten Filme wird Jean-Pierre Bacri für den "César" als bester Hauptdarsteller nominiert. Außerdem ist er 2005 nach einigen Jahren wieder im Theater zu sehen. Er spielt die Titelfigur in Bertold Brechts "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" in Nanterre im "Théâtre des Amandiers".

Jean-Pierre Bacri kann als komödiantischer Charakterdarsteller bezeichnet werden. Dies ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er in der Öffentlichkeit und in seinen Rollen meist schlecht gelaunt wirkt. Sein Humor ist eher bissig und zynisch, dennoch sind seine Figuren oft sehr menschlich und auf der Suche nach dem privaten Glück, ohne sich selbst verleugnen zu müssen. Zugleich ist er engagiert, wenn es um das gesellschaftliche Zusammenleben geht. Als intellektueller Linker meldet er sich zusammen mit seiner Partnerin Agnes Jaoui immer wieder zu Wort, wenn es zu kulturellen oder politischen Debatten kommt.

Jean-Pierre Bacri lebt zusammen mit Agnes Jaoui.


Pierre Protz, 25.01.2006

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