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Stanislaw Mucha

Stanislaw Mucha
Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent

* 03. Mai 1970
Nowy Targ
Polen

STANISLAW MUCHA • Biographie Seite 1/1

Der polnische Regisseur Stanislaw Mucha lebt und arbeitet in Deutschland. Er dreht Filme über Europa und jenes, was für Europa gehalten wird. So sind bereits mehrere Dokumentarfilme entstanden, die in den Karparten nach der Pop-Ikone Andy Warhol forschen oder die Mitte Europas suchen. Stanislaw Mucha gilt als ein junger Regisseur, den Europäern zeigt, daß Europa immer großer und verwirrender wird. Zahlreiche skurrile Figuren und komische Geschichten bevölkern seine Filme, wobei es dem Regisseur gelingt, seine Protagonisten trotz aller Absurdität nicht lächerlich zu machen.

Stanislaw Mucha wird am 03. Mai 1970 in Nowy Targ, Polen geboren. Über seine familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Er absolviert 1989 sein Abitur am Gymnasium "Seweryn Goszczynski" in seiner Heimatstadt.

Nach seiner Schulausbildung studiert er von 1989 bis 1992 Schauspiel an der Staatlichen Theaterhochschule "Ludwik Solski" in Krakau. Mit Ende der Lehrzeit erhält er mehrere Engagements als Schauspieler und Regieassistent am Alten Theater "Helena Modrzejewska" in Krakau. Er spielt unter anderem den Peter Kien in "Die Blendung" von Elias Canetti, gibt den Magier in "Maciej Korbowa und Bellatrix" von Stanislaw I. Witkiewicz oder den Karl in "Das Kalkwerk" von Thomas Bernhard. Schon früh macht er auf sich aufmerksam, gewinnt auf dem XI. Theaterfestival Lodz den Nachwuchspreis als Bester Hauptdarsteller.

Seit 1990 tritt der junge Schauspieler auch vor die Kamera. Er agiert in TV- und Kinofilmen, unter anderem in AM FLUß, DEN ES NICHT GIBT (1990) unter der Regie von Andrzej Baranski oder in dem TV-Film "Der Präsident" von Grzegorz Braun und Krzysztof Zanussi.

Mitte der 90er Jahre geht Stanislaw Mucha nach Deutschland. Er beginnt ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Fünf Jahre studiert er Film- und Fernsehregie. Bereits seine Jahresabschlußarbeiten erregen Aufmerksamkeit. Nach dem 1. Studienjahr legt er den 15minütigen Dokumentarfilm DER PUPPENDOKTOR (1995) vor. Mit POLNISCHE PASSION (1998), dem Abschlußfilm des 2. Studienjahres und Dokumentarfilm über den polnischen Bauernpropheten namens Elija Klimowicz findet der junge Regisseur bereits größere Beachtung. Die Recherche auf den Spuren des Propheten ist voll von Wundern und thematisiert ein bedeutendes Thema im 20. Jahrhundert: eine Gruppe von Menschen, die ihr Leben entsprechend ihren Träumen gestalten wollen. Der Film wird auf dem Internationales Forum des Jungen Films während der 47. Berlinale uraufgeführt und läuft danach auf diversen Festivals.

DER TISCH (1997) ist der Titel des Abschlußfilm vom 3. Studienjahr. In dem 10minütigen Spielfilm erzählt er von einer Mutter, die lange ihren alten Tisch ertragen hat und nun entscheidet: Der Tisch muß zur Reparatur und zwar sofort. Auch dieser Film läuft auf diversen Festivals. Im Kurzfilm EIN WUNDER (1999) entspinnen sich ähnlich wie in DER TISCH (1997) aus übersteigerten Reaktionen auf letztlich triviale Begebenheiten und Phänomene skurrile Situationen und surreale Stimmungen. Der Kurzfilm erzählt von Pilgern, die die Erscheinung der Mutter Gottes in einer kleinen Stadt in Ostpolen beobachtet haben. Überraschend und überzeugend gelingt dem Regisseur die unmittelbare Vermittlung der Spontaneität des Ereignisses. Der Zuschauer scheint direkt in das Geschehen mit einbezogen zu werden. EIN WUNDER (1999) erhält den "Norman 2000", den Preis für den besten Kurzfilm beim Stuttgarter Filmwinter.

Mit seinem Diplomfilm MIT BUBI HEIM INS REICH (2000) legt er einen weiteren Erfolg vor. Der Film porträtiert Ludolf von Alvensleben, genannt Bubi, einen Massenmörder, der als Gefolgsmann Heinrich Himmlers für die Ermordung tausender Juden, Polen und Russen verantwortlich war. Gemeinsam mit Hubertus von Alvensleben interviewt der Regisseur Zeitzeugen, Wegbegleiter und Verwandte. Sie geben Auskunft über den kaltblütigen Mörder, der sich nach dem Krieg nach Argentinien absetzte. Heute vergißt und verschweigt die adelige Familie ihrer Geschichte. Der Film wird im Panorama der 50. Berlinale uraufgeführt.

1999 erhält Stanislaw Mucha ein Film- und Videostipendium an der Akademie Schloß Solitude. Er schreibt während dieser Zeit das Drehbuch zu der Dokumentation ABSOLUT WARHOLA (2001). Der Film thematisiert den Ursprüngen der Pop Art-Künstlers Andy Warhol im Dreiländereck zwischen Polen, Slowakei und der Ukraine. Die Dokumentation ist witzig und humorvoll. Sie berichtet zum einen vom Lebensweg des Künstlers, zum anderen stellt sie dessen Verwandte vor, die in ihrer karpatischen Heimat ihr Leben mit heiterer Gelassenheit meistern. Zahlreiche skurrile Typen und groteske Geschichten bevölkern den Film, wobei es dem Regisseur gelingt, seine Protagonisten trotz aller Absurdität nicht lächerlich zu machen. Der Film erhält zahlreiche Auszeichnungen, wird der Publikumsliebling auf einigen Filmfestivals.

Sein zweiter abendfüllender Dokumentarfilm heißt DIE MITTE (2004) und ist eine filmische Suche nach der Mitte Europas. Der ungewöhnliche Reisebericht zeigt, daß sich gleich ein Dutzend Orte in einem Umkreis von 2000 Kilometern als einzig wahrer Mittelpunkt des Kontinents betrachten. Die Reise beginnt in Hessen und führt immer weiter nach Osten, bis Stanislaw Mucha irgendwann in einer Stadt in der Ukraine in einem Zeitungskiosk sitzt und seine Mitte gefunden hat. Der Film erzählt viel von den Menschen in den Gebieten, wird zur Mentalitätskunde Europas. DIE MITTE (2004) ist eine kurzweilige, manchmal burleske, manchmal tragikomische Odyssee kreuz und quer durch den Kontinent; dem Regisseur ist eine absurde gesellschaftliche Bestandsaufnahme zu Beginn des 21. Jahrhunderts gelungen. Der dritte Teil der Europa-Triologie ist REALITY SHOCK (2005), der ebenfalls ein amüsanter Beitrag zum Thema Osterweiterung geworden ist.

Sein erster Spielfilm HOPE (2007) (HOPE (2007) Trailer) handelt von Francis, der einen Kunstraub in Warschau beobachtet. Als er entdeckt, wer der Dieb ist, erpresst er diesen, das Bild wieder zurück zu bringen. Dieses Unterfangen wird durch die laufenden Polizeiermittelungen gar nicht so einfach. Der Regisseur wird für die Umsetzung der Krzysztof Kieslowski-Vorlage seitens der Kritiker gelobt, der Film auf den Internationalen Festivals in Moskau und Karlovy Vary mit Aufmerksamkeit bedacht.

Mehrfach wird Stanislaw Mucha ausgezeichnet. Unter anderem erhält er 2001 den Nachwuchsförderpreis der DEFA-Stiftung.

Der Künstler lebt mit seiner Familie im Gumpertsreuther Schloß in Franken.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2007
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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