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Erwin Stranka

Erwin Stranka
Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Darsteller

* 03. Januar 1935
Kaaden / Kadan
Tschechoslowakei

ERWIN STRANKA • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur und Drehbuchautor Erwin Stranka hat ein Dutzend Filme gedreht. Er macht sich als Künstler mit der Inszenierung von Historienfilmen einen Namen, bis er sich für die Verfilmung von Kinder- und Jugendstoffen entscheidet und damit seine größten Erfolge produziert. Als einer der wenigen Regisseure in der DDR ist er über Jahre freischaffend tätig. Mit Filmen wie ZUM BEISPIEL JOSEF (1974) und SABINE WULFF (1978) setzt er sich publikumswirksam mit der Wirklichkeit in der DDR auseinander.

Erwin Stranka wird am 03. Januar 1935 in Kaaden (auch Kaden oder Kadan) geboren, einem Ort, der zu diesem Zeitpunkt zur Tschechoslowakei zählt. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater ist Handschuhmacher, arbeitet zeitweise auch als Bergmann. 1938 zieht die Familie, zu der neben der Mutter noch drei weitere Kinder gehören, nach Prag. Sein Bruder Walter Stranka wird sich später einen Namen als Lyriker und Schriftsteller machen. Nach dem Ende des II. Weltkrieges siedelt die Familie aus und geht zunächst nach Halle. Hier arbeitet Erwin Stranka als Statist am Theater des Friedens, will Schauspieler werden.

Aber auf Wunsch seines Vaters beginnt er zunächst ein Studium, um Lehrer zu werden. Nach kurzer Zeit wechselt er zur Theaterhochschule in Leipzig. Hier erhält er ein interessantes Angebot. Von 1953 bis 1959 absolviert er ein Regie-Studium an der Filmfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag (FAMU). Im Jahr seines Abschluß legt er mit DER REGEN KOMMT VON OBEN seinen ersten Erfolg vor. Er erhält auf den Studentenfilmtagen in Wien ein Ehrendiplom. 1959 schließt er das Studium mit dem Diplomfilm DER GENERAL (1959) ab. Danach kehrt er in die DDR zurück und arbeitet zunächst als Assistent im DEFA-Studio für Spielfilme, unter anderem bei Georg Leopold, der gerade den fünfteiligen TV-Film "Tempel des Satans" (1969) dreht und beim Regisseur Gerhard Klein und dessen Film DER FALL GLEIWITZ (1961). Ab 1963 ist er als Regisseur beschäftigt. Seinen Debütfilm und zugleich seine einzige TV-Produktion JOSEF UND ALL SEINE BRÜDER (1962) dreht er über einen Arbeitsbummelanten, der im Gefängnis landet und sich nach der Haft erst vom englischen, dann vom französischen und amerikanischen Geheimdienst anwerben läßt. Am Ende wird er nach West-Berlin abgeschoben und dort als Märtyrer und Held der freien Welt gefeiert.

Mit seinem ersten Kinofilm VERLIEBT UND VORBESTRAFT (1963) legt der Regisseur eine DEFA-Komödie vor, die anfangs euphorisch gelobt wird, dann aber das Mißfallen der verantwortlichen Stellen erregt. Erzählt wird von der Baupraktikantin Hannelore, die in einer rauhbeinigen Brigade die Bauarbeiter zur Solidarität mit einem Kollegen aufruft. Auf Weisung von Hans Rodenberg, damaliger Filmminister, soll der Film umgeschnitten werden. Der Regisseur weigert sich, aber ein Umschnitt erfolgt trotzdem. Über acht Jahre arbeitet Erwin Stranka nicht als Regisseur, er ist als freischaffender Autor und Zeichner tätig. Für Heinz Kahlau schreibt er diverse Drehbücher, bei der DEFA wird keiner seiner Entwürfe angenommen. Er kündigt und arbeitet als Dreher an der Werkbank im Karl-Marx-Werk. Krankheitsbedingt muß er die Arbeit aufgeben.

Erst Anfang der 70er Jahre kann Erwin Stranka endlich wieder einen Film realisieren, arbeitet als einer der wenigen Regisseure über Jahre freischaffend. Die geplante Co-Produktion der DEFA mit Ungarn kommt zwar nicht zustande, aber der Regisseur realisiert HUSAREN IN BERLIN (1971) allein. Erzählt wird eine Geschichte aus dem Jahr 1757, als ungarische Husaren für einen Tag Berlin besetzen. Die Liebesgeschichte zwischen der Berliner Kaufmannstochter Andrea und den ungarischen Trompeter Pali ist als actionreiche Komödie mit Manfred Krug und Evelyn Opoczynski inszeniert. Auch sein folgender Film DIE GESTOHLENE SCHLACHT (1972) greift auf einen historischen Stoff zurück. Während des Siebenjährigen Krieges erhält der Meisterdieb Käsebier von Friedrich II. den Auftrag, sich in die Stadt Prag einzuschleichen und diese in seine Hände zu spielen, aber er verliebt sich in das Prager Mädchen Katka und stellt sich auf die Seite der Bürger.

Der Kinderfilm SUSANNE UND DER ZAUBERRING (1974) markiert einen Wendepunkt in der Filmkarriere des Regisseurs. Um nicht auf Historienstoffe festgelegt zu werden, wendet sich Erwin Stranka der Gegenwart zu. Der Kinderfilm erzählt ein modernes Märchen. Susanne erhält einen Zauberring, der die Fähigkeit besitzt, seinem Besitzer in verschiedenen Notlagen zu helfen. Als der Ring durch eine diebische Elster verloren geht, hat Susanne bereits soviel Selbstvertrauen errungen, daß sie auch ohne den Ring an sich glaubt. Der Film wird über Jahre beim Publikum ein großer Erfolg. Noch einen weiteren Kinderfilm wird Erwin Stranka drehen, der ebenso erfolgreich bei kleinen wie großen Zuschauern ist. In DER KLEINE ZAUBERER UND DIE GROßE FÜNF (1977) wird erzählt, daß sich eine schlechte Zensur nicht wegzaubern läßt, auch wenn der kleine Oliver Zaubern als Lehrfach hat.

Mit ZUM BEISPIEL JOSEF (1974) legt Erwin Stranka seinen ersten Gegenwartsfilm vor. Es handelt sich um die Geschichte von Josef, der nach einem turbulenten Leben - Kriegsfindelkind, Fremdenlegionär, Seefahrer, Werftarbeiter - in der DDR endlich wieder Boden unter die Füße bekommt und auf der Werft in Rostock mit dem Brigadiers Bruno einen sinnstiftenden Gegenspieler erhält. Der Film wird als gelungener Versuch aufgenommen, Arbeiterpersönlichkeiten zu zeichnen, die ausnehmend individuell sind und deren Lebensläufe nicht immer gradlinig verlaufen. Der Regisseur und Drehbuchautor konzentriert sich auch im folgenden auf ein jugendliches Publikum. Danach inszeniert Erwin Stranka den Jugendfilm DIE MORAL DER BANDITEN (1976). Im Jahre 1947 wird ein brandenburgisches Dorf von einer Bande Jugendlicher terrorisiert, die mit der Gesellschaft in Konflikt leben. Der Film schildert, wie Bürgermeister und Neulehrer die Jugendlichen für sich gewinnen wollen. Der Regisseur und sein Kameramann Peter Brand orientieren sich dabei am italienischen Neorealismus.

1976 erhält Erwin Stranka wieder eine feste Anstellung bei der DEFA. In seiner neuen Position entsteht nach dem Kinderfilm DER KLEINE ZAUBERER UND DIE GROßE FÜNF (1977) sein wohl erfolgreichstes Werk SABINE WULFF (1978). Die 18jährige Sabine, gespielt von Karin Düwel, wird aus dem Jugendwerkhof entlassen, mietet sich ein eigenes Zimmer und beginnt eine Arbeit in einer Schuhfabrik. Sabine ist unbequem und ehrlich, stößt als Suchende bei vielen auf Widerstand. Der Film zählt zu den erfolgreichsten des Jahres, wird als Publikumsliebling beim Nationalen Spielfilmfestival in Karl-Marx-Stadt ausgezeichnet.

Danach inszeniert der Regisseur alle zwei Jahre einen Film. Mit DIE STUNDE DER TÖCHTER (1981) verfilmt Erwin Stranka ein Buch seines Bruders Walter Stranka. Erzählt wird die Geschichte des Arbeiters Richard Roth, der sich infolge einer Herzattacke die Frage stellt, was von ihm in seinen vier Töchtern weiterleben wird. Der Episodenfilm AUTOMÄRCHEN (1983) schildert Geschichten um des Menschen liebstes Kind, das Auto. In dem turbulenten Episodenfilm agieren unter anderem Kurt Böwe und Roman Kaminski. In DER HAIFISCHFÜTTERER (1985) regelt der Möbelfahrer Stefan in einigen Tagen sein Leben, bevor er zur Armee eingezogen wird. In dem Film LIANE (1987) sucht eine zwanzigjährige Elektronikfacharbeiterin ihren eigenen Weg im Leben. Die Auseinandersetzung mit Lebenswünschen und -ansprüchen junger Leute in der DDR ist mit einem sicheren Gespür für Atmosphäre inszeniert. Sein letzter Film ZWEI SCHRÄGE VÖGEL (1989) erzählt von den Informatikstudenten Kamminke und Frank, die sich in der Provinz bewähren müssen und dies sehr findig tun. Der Film läuft am 12. September 1989 in Ostberlin an und wird von den politischen Ereignissen sehr schnell eingeholt.

1990 erleidet Erwin Stranka einen Herzanfall. Er wird mehrfach operiert. Danach kann er keinen Film mehr realisieren. Der Künstler widmet sich der experimentellen Malerei und schafft Plastiken. Erwin Stranka ist mit der Kostümbildnerin Rosemarie Wandelt verheiratet. Beide haben zwei gemeinsame Söhne, Oliver und Stefan.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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