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Hayao Miyazaki

Hayao Miyazaki
Regie, Drehbuch, Schnitt

* 05. Januar 1941
Tokio
Japan

HAYAO MIYAZAKI • Biographie Seite 1/1

Für viele gilt Hayao Miyazaki als der Gott des Anime. Pixar-Mastermind John Lasseter nennt ihn einmal den "größten lebenden Animator auf der Welt." Mit seinem Studio Ghibli bricht der "Walt Disney Japans" in seiner Heimat Zuschauer-Rekorde, bevor er einem Millionen-Publikum bekannt wird. Mit der Unterstützung des Disney-Konzerns wird Hayao Miyazaki schließlich auch im Westen zum Inbegriff der japanischen Animations-Kunst. Auf den renommiertesten Film-Festivals rund um den Globus werden der Regisseur und seine Filme inzwischen ausgezeichnet.

Hayao Miyazaki wird am 5. Januar 1941 als zweiter von vier Söhnen in Tokio geboren. Schon früh zeigt sich sein zeichnerisches Talent. Im familieneigenen Betrieb Miyazaki Airlines, wo Bestandteile für die japanische Luftwaffe produziert werden, findet er seine ersten Motive. Beim Zeichnen der Flugzeuge entwickelt sich auch eine lebenslange Begeisterung für alles, was mit dem Fliegen zu tun hat. Nach dem Krieg muss sich seine Mutter einer langjährigen Tuberkulose-Behandlung unterziehen, weshalb die Familie viel umzieht. Der engen Bindung zur Mutter verdankt er wiederum auch seine skeptische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Fragen und den Willen zum Hinterfragen. Während seiner Zeit an der Toyotama High School beginnt sich Hayao Miyazaki ernsthaft für den Animations-Film zu interessieren. Nicht zuletzt durch den bahnbrechenden, ersten kolorierten Zeichentrick-Film in seiner Heimat, THE TALE OF THE WHITE SERPEANT (1958) von Taji Yabushita und Kazuhiko Okabe, wird er maßgeblich beeinflusst. Seine zeichnerische Erfahrung ergänzt er intensiv um anatomische Studien. Für sein Studium an der Gakushūin-Universität widmet er sich aber den Fächern Politik- und Wirtschafts-Wissenschaft.

Im April 1963 erhält Hayao Miyazaki seine erste Anstellung beim bekannten Studio Toei Animation. Sein Eifer und sein übersprudelnder Ideen-Reichtum erregen schnell Aufsehen und kommen bei verschiedenen Produktionen zur Geltung. Seine Storyboard-Entwürfe, Set-Designs und Schlüssel-Animationen kommen so bei Filmen wie GULLIVERS TRAVELS BEYOND THE MOON (1965) von Masao Kuroda und Sanae Yamamoto, FLYING PHANTOM SHIP (1969) von Hiroshi Ikeda und PUSS IN BOOTS (1969) von Kimio Yabuki zum Einsatz. Als besonders nachhaltig erweist sich die Mitwirkung an HOLS: PRINCE OF THE SUN (1969). Im Regisseur Isao Takahata findet er einen Freund und kreativen Partner.

Bis 1971 übernimmt Hayao Miyazaki noch die gestalterische Konzeption von ANIMAL TREASURE ISLAND (1971) von Hiroshi Ikeda und ALI BABA AND THE 40 THIEVES (1971) von Hiroshi Shidara. Dann siedeln er und Isao Takahata zum unabhängigen Animations-Studio A Pro über. Dort beteiligen sie sich an der Regie einiger Episoden der TV-Serie LUPIN III. Nach einem gescheiterten Groß-Projekt um die Figur der Pippi Langstrumpf verwirklicht Hayao Miyazaki als Autor, Charakter-Designer und Animator mit Isao Takahata den Kurzfilm PANDA! GO, PANDA! (1972).

Dann wechselt Hayao Miyazaki 1973 zu Nippon Animation und widmet sich vermehrt Arbeiten fürs Fernsehen. Unter der Regie von Isao Takahata unterstützt er Produktionen aus der legendären Reihe WORLD MASTERPIECE THEATRE. Auch im Ausland erfreuen sich die Adaptionen von HEIDI (1974), MARCO (1976) und ANNE MIT DEN ROTEN HAAREN (1978) großer Beliebtheit. Seine erste alleinige Regie-Arbeit wird die Serie FUTURE BOY CONAN (1979).

Nachdem die fruchtbare Zusammen-Arbeit mit Isao Takahata ein vorzeitiges Ende findet, erhält Hayao Miyazaki ein Angebot von der Produktions-Firma Tokyo Movie Shinsa. Er wird Mitglied einer der vielen kleineren Studio-Einheiten und inszeniert mit DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO (1979) seinen ersten abendfüllenden Film. Danach schränkt er seine Tätigkeiten ein wenig ein. Er erneuert seine Freundschaft mit Isao Takahata und beteiligt sich an einigen mehr oder weniger erfolgreichen Produktionen wie der TV-Serie SHERLOCK HOUND (1984).

Durch den Verleger Toshio Suzuki finanziell bestärkt, geht Hayao Miyazaki seine nächste Regie-Arbeit an. NAUSICAÄ AUS DEM TAL DER WINDE (1984) (NAUSICAÄ AUS DEM TAL DER WINDE (1984) Trailer) entsteht als unabhängige Produktion, die noch im Fremd-Verleih zum Erfolg an den Kassen wird. Daraufhin gründet er mit Isao Takahata und Toshio Suzuki als Partner seine eigene Trick-Schmiede Studio Ghibli. In dieser verwirklicht Hayao Miyazaki sich kreativ endgültig selbst und lässt in den kommenden Jahren DAS SCHLOSS IM HIMMEL (1986) (DAS SCHLOSS IM HIMMEL (1986) Trailer), MEIN NACHBAR TOTORO (1989) und KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE (1989) (KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE (1989) Trailer), nach einem Buch von Eiko Kadano, folgen.

Nach PORCO ROSSO (1992) folgt eine längere Pause, in der Hayao Miyazaki sein langjähriges Lieblings-Projekt PRINZESSIN MONONOKE (1997) (PRINZESSIN MONONOKE (1997) Trailer) fertig gestellt. Zum ersten Mal bezieht er computergenerierte Grafiken und das neueste digitale Colorierungs-Verfahren in seine Arbeit mit ein. Der Film wird ein Kassen-Schlager, der in seiner Heimat Rekorde aufstellt. Zeitgleich geht Hayao Miyazaki eine Partnerschaft mit dem Disney-Konzern ein, der seine Werke von nun auch im Westen berühmt macht. Dann erklärt er seine Regie-Karriere für beendet.

Während einer längeren Auszeit lässt sich Hayao Miyazaki zu CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (2003) (CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (2003) Trailer) inspirieren. Damit gelingt ihm endgültig der weltweite Durchbruch. In Japan wird die Produktion zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. International wird der Erfolg durch den Gewinn des Goldenen Bären der Berlinale und durch den Oscar als Bester Animationsfilm gekrönt. Anschließend widmet sich Hayao Miyazaki seinen nächsten Filmen DAS WANDELNDE SCHLOß (2004) (DAS WANDELNDE SCHLOß (2004) Trailer), zum ersten Mal nach einer westlichen Vorlage von Diana Wynne Jones und PONYO (2008) (PONYO (2008) Trailer). Zu letzterem lässt er sich durch Hans Christian Andersen inspirieren. Mindestens zwei weitere Filme will der Regisseur für Studio Ghibli noch verwirklichen.

Auch zu seinen handwerklichen Wurzeln kehrt Hayao Miyazaki inzwischen zurück. Computer-Animationen lässt er wieder außen vor und nutzt ausschließlich Zeichnungen und Colorierung per Hand als Grundlage. Seiner Ansicht nach dient die Technik zwar als gutes Hilfsmittel, sollte jedoch nicht die Handschrift eines Künstlers verfremden. Gerade jüngere Nachwuchs-Talente ermuntert er weiterhin, nicht einen anderen Ausdruck zu kopieren, sondern seinen eigenen zu finden.

Gern bezeichnet sich Hayao Miyazaki selbst als Pessimisten, der die Welt in einer Abwärts-Spirale nach unten entgegensteuern sieht. In seinen Filmen jedoch versucht er, Kindern eine positive Botschaft zu vermitteln und ihnen das Leben als lebenswert aufzuzeigen. Die Arbeiten von Hayao Miyazaki sind in Japan schon längst als wichtiger pop-kultureller Beitrag anerkannt. In einer Zeit der wachsenden digitalen Schauwerte begeistert er immer noch ein weltweites Publikum mit seinen handgezeichneten Geschichten. Jung und Alt gleichermaßen lassen sich in seine einzigartigen Traum-Welten entführen, in denen immer wieder auch reale Schauplätze mit Orten und Gestalten des Aberglaubens und der Mythologie verschmelzen.

Mit seinem einzigartigen Gespür fürs Geschichten-Erzählen erzielt Hayao Miyazaki nicht nur große Erfolge an den Kino-Kassen. Auch zur Wahrnehmung des Animations-Films als ernstzunehmende Kunstform trägt er durch reichhaltige Preis-Auszeichnungen bei. Nach dem Gewinn des anerkannten Kinema Jumpo Awards und dem Mainchi Film Concours erhält Hayao Miyazaki 1988 auch den japanischen Blue Ribbon Award, der sich zuvor nur an Real-Filme richtet. Damit werden seine Filme zu regelmäßigen Anwärtern auf die großen Preise seiner Heimat. Mit dem überragenden Erfolg von CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (2003) (CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (2003) Trailer) gesellen sich fortan unzählige internationale Ehrungen. So erhält der Regisseur unter anderem den Publikums-Preis beim Sitges Fantasy Filmfest, den Annie Award und darf selbst einen César und eine BAFTA Award entgegen nehmen. Im Jahre 2005 verleiht ihm die Jury der Filmfestspiele in Venedig den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

Hayao Miyazaki findet aber auch genügend Zeit, eine Familie zu gründen. 1965 heiratet er seine Kollegin Akemi Ota. Sie setzt sich als Animatorin zur Ruhe, als sie schwanger wird. Ihre freie Zeit nutzt sie, um die gemeinsamen Söhne Goro und Keisuke großzuziehen. Dabei entspricht es nicht dem Wunsch des Filme-Machers, eine Familien-Dynastie zu gründen, dennoch wird auch Goro Miyazaki Teil des Studio Ghibli - allerdings unter der Vorgabe, seinen eigenen Weg alleine zu finden.

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Autor: Mike Albrecht
Stand: August 2010

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