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Alain Delon

Alain Delon
Darsteller, Produzent

* 08. November 1935
Seaux (Seine)
Frankreich

ALAIN DELON • Biographie Seite 1/1

Zahlreiche Rollen hat der französische Schauspieler Alain Delon in Film und Fernsehen gespielt, aber trotz aller seiner brillanten Darstellungen in Klassikern von Regisseuren wie Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni oder Jean-Luc Godard bleibt die Figur des einsamen, eiskalten Engels in der Großstadt am deutlichsten in Erinnerung. Eiskalte Professionalität mit stoischem Gesichtsausdruck, ohne äußere Gefühlsregung wird zu seinem Markenzeichen; hervorragend gibt er Außenseiter, die dem bürgerlichen Kodex verhaftet sind und gleichzeitig mit ihm in Konflikt geraten. In mehr als 100 Produktionen hat der Darsteller seit Ende der 50er Jahren mitgewirkt.

Alain Delon wird am 08. November 1935 in Sceaux, Frankreich geboren. Sein Vater ist Pächter eines Kinos in der Nähe von Paris. Da sich seine Eltern scheiden lassen, wächst er in einer Pflegefamilie, später in mehreren Internaten auf. Mehrfach wird er wegen seiner disziplinlosen Haltung und seines schwierigen Charakters von der Schule verwiesen. Sein Wunsch ist es, Schlagersänger zu werden. Als sich dieser nicht sofort erfüllt, meldet er sich mit 17 Jahren freiwillig zur französischen Armee. Er wird Fallschirmjäger, wird an der Front in Indochina eingesetzt. Nach vier Jahren Armee kehrt er 1956 nach Frankreich zurück und hält sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Außerdem beginnt er, Schauspielunterricht zu nehmen.

Auf einem der Empfänge der Filmprominenz in Cannes 1956, die er mit seinem Freund Jean-Claude Brialy besucht, wird er entdeckt. Ein Talentsucher des amerikanischen Produzenten David O. Selznick macht Probeaufnahmen und bietet einen Hollywood-Vertrag. Er lehnt ab. Aber der jungen Schauspieler bekommt seine erste Filmrolle von dem französischen Regisseur Yves Allégret in KILLER LASSEN BITTEN (1957). Hier spielt er einen jungen Mörder. Die Rolle wird für ihn programmatisch und wird, obwohl er in seinem ersten Film noch völlig unbekannt ist, sein späteres Image bestimmen. Nach zwei weiteren Filmen hat er sich in der französischen Filmbranche etabliert.

Sein dritter Film katapultiert ihn in die erste Riege der französischen Stars. In CHRISTINE (1958) unter der Regie von Pierre-Gaspard-Huit steht er mit dem Jungstar Romy Schneider vor der Kamera. Nach der Arthur Schnitzler-Novelle "Liebelei" wird die Geschichte einer jungen Liebe im kaiserlichen Wien geschildert, die tragisch scheitert. Die mehrjährige Beziehung der beiden Schauspieler, die sich während der Dreharbeiten verlieben, wird von der Boulevardpresse ausgeschlachtet. Unter der Regie von Luchino Visconti steht er gemeinsam mit Romy Schneider in dem Stück "Schade, daß sie eine Dirne ist" auf der Bühne des Théatre de Paris. Das Stück feiert riesigen Erfolg, läuft anderthalb Jahre vor ausverkauftem Haus. 1961 trennt sich das Paar. Der Erotik-Thriller DER SWIMMINGPOOL (1968) führt beide filmisch wieder zusammen.

In dem Thriller NUR DIE SONNE WAR ZEUGE (1959) von René Clément spielt er einen jungen Amerikaner, der seinen Freund tötet und in Europa mit dessen Paß und Geld ein sorgenfreies Leben führt. Der Filmklassiker ROCCO UND SEINE BRÜDER (1960) von Luchino Visconti macht ihn über die Grenzen Frankreichs zum gefeierten Star. In der Familientragödie der Parondis spielt Alain Delon den mittleren Bruder, der wie sein Bruder Simone in den Boxkampf eingeführt wird. Als sich die Geliebte seines Bruders für ihn entscheidet, wird Simone zu einem erbitterten Feind. Nochmals wird er mit dem Regisseur bei DER LEOPARD (1962) zusammenarbeiten. Michelangelo Antonioni engagiert ihn für seinen Klassiker LIEBE 62 (1962), in dem erden jungen Piero gibt.

Neben den Filmklassikern ist Alain Delon auch in Unterhaltungsware zu sehen und steigt neben Jean-Paul Belmondo zum großen Abenteuerheld des französischen Films auf. In dem Mantel-und-Degen-Abenteuer DIE SCHWARZE TULPE (1963) nach einer Erzählung von Alexandre Dumas spielt er eine Doppelrolle. Auch in anderen Historienfilmen liebt ihn das Publikum, besonders als ZORRO (1974). Sein Erfolg in Europa sichert ihn den Einstieg in Hollywood. 1964 reist er in die Filmmetropole und wirkt dort in fünf Produktionen mit. Der Kriminalfilm MILLIONENRAUB IN SAN FRANCISCO (1964) von Ralph Nelson, der Actionfilm SIE FÜRCHTEN WEDER TOD NOCH TEUFEL (1965) von Mark Robson bringen aber keinen Durchbruch für den jungen Schauspieler in Amerika. Nach der Michael Gordon-Westernparodie ZWEI TOLLE KERLE IN TEXAS (1966) kehrt er nach Frankreich zurück.

Hier dreht er zwei Filme, die ihn endgültig zum absoluten Superstar machen. In DIE ABENTEURER (1966) von Robert Enrico spielt er an der Seite von Lino Ventura und Joanna Shimkus einen abenteuerlustigen Franzosen, der sich mit seinen zwei Freunden im Kongo auf Schatzsuche begibt. In DER EISKALTE ENGEL (1967) von Jean-Pierre Melville gibt er Joseph "Jeff" Costello, den einsamen Vertragskiller, der routiniert, präzise und regungslos seinen Auftrag ausführt. Als er selbst zum Auftrag wird, arrangiert er seinen eigenen Tod ebenso eiskalt. Der Film zieht seine Atmosphäre aus dem unterkühlten und zynischen Spiel von Alain Delon, der dafür von der Kritik hochgelobt wird. Das Genre des Gangsterfilmes wird in der Folge sein bevorzugtes, hier kultiviert er den kühl kalkulierenden Typ. Dazu gehören unter anderem Filme wie DER CLAN DER SIZILIANER (1969), DER CHEF (1972) oder ENDSTATION SCHAFOTT (1973) von José Giovanni.

Neben seiner Schauspielarbeit ist Alain Delon seit 1964 Eigentümer einer Produktionsfirma. Zwischen 1964 und 2003 entstehen 21 Delon-Produktionen, die mehr oder weniger erfolgreich sind. Außerdem veröffentlicht er zahlreiche Bücher. Unter seinem Namen firmieren auch Parfüm, Zigarren und Kleidung. Der Schauspieler versucht sich auch als Sänger. Bereits 1967 ist eine Schallplatte mit der Filmmusik erschienen, auf der er auch als Sänger zu hören ist. Ab den 80er Jahren singt er vor Publikum. 1981 setzt sich der Schauspieler erstmals auf den Regie-Stuhl und inszeniert RETTE DEINE HAUT, KILLER (1981). Er ist Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion.

Als großer Schauspieler mit Wandelbarkeit überzeugt Alain Delon auch in weniger bekannten Filmen. Mitte der 70er Jahre übernimmt er die Titelrolle in dem Film MONISEUR KLEIN (1976) von Josef Losey. In dem meisterhaft inszenierten und fotografierten Film spielt er einen französischen Kunsthändler, der mit einem Juden verwechselt wird und sich nun mit dem nationalsozialistischen Bürokratismus auseinandersetzen muß. Für seine Darstellung des Robert Klein wird Alain Delon für den Französischen Filmpreis als Bester Darsteller nominiert. In OKTOBER IN RIMINI (1972) von Valerio Zurlini beweist er seine tragikomischen Fähigkeiten als heruntergekommene Hilfslehrer, der sich in eine seiner Schülerinnen verliebt und sich mit Spielern und Tagedieben herumtreibt. In GESCHICHTE EINES LÄCHELNS (1984) von Bertrand Blier spielt er einen alkoholsüchtigen Verlierer. Für die Rolle wird er erstmals mit dem César, dem Französischen Filmpreis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr verfilmt er mit Volker Schlöndorff den Roman EINE LIEBE VON SWANN (1983) nach Marcel Proust. In dem filmischen Reflexion NOUVELLE VAGUE (1989) arbeitet er erstmals mit dem Regisseur Jean-Luc Godard zusammen. 1995 wird der Schauspieler mit dem "Goldenen Bären" bei den Berliner Filmfestspielen; 2003 in Marrakesch mit einem Preis für sein Lebenswerk geehrt.

1999 gibt der Alain Delon offiziell seinen Abschied von Film bekannt. Seitdem ist er nur noch in Fernsehproduktionen zu sehen. Er feiert in der TV-Serie "Fabio Montale" mit seinen Marseiller Kommissar eine Rückkehr zu seinem Einzelgängertum. In der ZDF-Serie "Frank Riva" ist er ebenfalls ein Polizist, der seine ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Unrecht hat.

Privat ist der Schauspieler häufig in der Presse. Auf seine Bekanntschaft mit Gangstern und Krimellen der Pariser Unterwelt ist er stolz. Er ist 1968 der Hauptverdächtige in dem Mordfall an einem seiner Leibwächter. Sex- und Drogenparty tragen das ihre dazu bei, daß Alain Delon häufig mit seinen Gangsterrollen identifiziert wird. Heute gilt der Künstler als Anhänger des rechtsradikalen Politikers Le Pen.

Alain Delon ist zweimal verheiratet. 1964 steht er mit der Schauspielerin Nathalie Delon. Ihr gemeinsamer Sohn Anthony Delon, der später ebenfalls als Schauspieler arbeiten wird, wird im September 1964 geboren. Die Ehe wird 1968 geschieden. Danach tritt Alain Delon mit der Schauspielerin Mireille Darc vor den Traualtar. Die Ehe hält bis 1984. Mit seiner dritten Ehefrau, dem niederländischen Model Rosalie Van Bremen, hat er zwei weitere Kinder: Anouschka Delon, geboren 1990 und Alain-Fabien Delon, geboren 1994.

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