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Vanessa Redgrave

Vanessa Redgrave
Darsteller

* 30. Januar 1937
London
Großbritannien

VANESSA REDGRAVE • Biographie Seite 1/1

Vanessa Redgrave ist eine britische Institution, sie wird als die größte lebende Schauspielerin des englischsprachigen Theaters gerühmt. Ihre Schauspielkunst ist mehrfach prämiert worden. In mehr als 100 Filmen für Kino und Fernsehen ist sie seit den 1960er Jahren zu sehen. Dabei überzeugt die Schauspielerin mit starken, charakterfesten Frauenrollen. Kunst und Politik gehören bei Vanessa Redgrave zusammen: In ihren zahlreichen politischen Aktivitäten zeigt sie sich aufrichtig und kämpferisch. Der Ruf einer Unbequemen begleitet sie ein Leben lang.

Vanessa Redgrave wird am 30. Januar 1937 in London geboren. Sie entstammt einer Schauspieler-Familie. Bereits ihre Ureltern, der Stummfilmstar Roy Redgrave und die Schauspielerin Margaret Scudamore, gehörten zur darstellerischen Zunft. Ihr Vater ist der Schauspieler Michael Redgrave (geb. 1908), ihre Mutter die Schauspielerin Rachel Kempson (geb. 1910). Ihre Schwester Lynn Redgrave (geb. 1943) sowie ihr Bruder Corin Redgrave (geb. 1939) werden ebenfalls den Beruf des Schauspielers ergreifen.

Ihre musische Erziehung wird früh gefördert. 1941, im Alter von vier Jahren, steht sie erstmals auf der Bühne, führt gemeinsam mit ihrem Bruder ein Theaterstück auf. Als Kind besucht sie die Ballet Rambert School, lernt dort acht Jahre lang. Nach ihrer obligatorischen Schulausbildung beginnt sie ein Schauspiel-Studium an der Central School of Speech and Drama. Dies beendet sie 1958 und debütiert im selben Jahr auf der Theaterbühne an der Seite ihres Vaters in dem Bühnenstück "A Touch of the Sun". Aber bald tritt sie aus dem Schatten ihrer Vorfahren heraus. Von den Kritikern wie dem Publikum werden ihre Leistungen auf der Bühne gefeiert. 1961 tritt sie der Royal Shakespeare Company bei.

Das Theater wird immer eine ihrer großen Leidenschaften bleiben. Zu ihren Bühnenhauptrollen in britischen und amerikanischen Inszenierungen gehören seither unter anderem die Helena in "Ein Sommernachtstraum" und die Valeria in "Coriolanus". Sie steht in "Lady Windermere's Fächer" auf der Bühne, agiert als Rosalind in "Wie es Euch gefällt" und ist als Katharina in "Der Widerspenstigen Zähmung" zu sehen. Henrik Ibsen, Bertolt Brecht und Anton Tschechow stehen ebenfalls auf ihrem Repertoire. Am National Theatre zeichnet sie für die Produktion und Co-Regie der Inszenierung des neu entdeckten Tennessee Williams-Stückes "Not About Nightingales" verantwortlich; neben ihrer Schauspielkollegin Eileen Atkins steht sie in "Vita und Virginia" auch selbst auf der Bühne und liest aus dem Briefwechsel zwischen Virginia Woolf und Vita Sackville-West. 2000 spielt sie die Rolle des Prospero in "Der Sturm". 2003 wird Vanessa Redgrave für ihre Darstellung in "Eines langen Tages Reise in die Nacht" nach Eugene O’Neills unter der Regie von Robert Falls mit einem Tony Award ausgezeichnet. Im Rahmen der RuhrTriennale führt sie in der Spielzeit 2006 ein Projekt auf. 2006 brilliert sie am Broadway in Joan Didions "The Year of Magical Thinking" unter der Regie von David Hare. Im gleichen Jahr wird ihr die Ibsen-Zentenar-Auszeichnung überreicht für herausragende Ibsen-Interpretationen im Verlauf der letzten Jahrzehnte.

Vor der Kamera debütiert sie unter der Regie von Brian Desmond Hurst in der Literaturverfilmung HINTER DER MASKE (1958) wieder an der Seite ihres Vaters. Nach kurzen Auftritten für das Fernsehen erklimmt sie bereits mit ihrem dritten Film den Hollywood-Olymp. Für PROTEST (1966) von Karel Reisz erhält sie eine Oscar-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin und wird beim Filmfestival in Cannes mit der Palme ausgezeichnet. Sie spielt Leonie Delt, die geschiedene Ehefrau eines exzentrischen Malers (gespielt von David Warner), der sie mit zahlreichen verrückten Versuchen zurückgewinnen will. Nochmals arbeitet sie mit dem Regisseur bei ISADORA (1968) zusammen. Hier verkörpert sie die Tänzerin Isadora Duncan (1878-1927), gibt deren ungewöhnlichem Leben eine besondere Ausstrahlung. In Cannes wird sie dafür nochmals geehrt.

Regisseur Michaelangelo Antonioni besetzt sie in seinem London-Film BLOW UP (1966) als Model Jane. Eigentlich ist sie keine klassische Schönheit, aber wie sie sich vor der Kamera zeigt, ihr Sprödes als Stärke präsentiert, in ihrer Verschlossenheit umso verführerischer wirkt, überzeugt Kritiker wie Publikum. Sie ist das mysteriöse Zentrum des Films, stark in Szene gesetzt. Der Film wird ein Klassiker, Vanessa Redgrave zu eine der interessantesten Schauspielerinnen ihrer Generation. Viele Filme, gute wie schlechte, zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen werden folgen.

Danach steht ihr die ganze Welt offen. Es sind vor allem historische Frauenfiguren in aufwendig produzierten Literaturverfilmungen, in denen sie in der nächsten Zeit zu sehen ist. Die englische Königin Guinevra darf sie unter der Regie von Joshua Logan geben, die Maria Stuart spielt sie bei Charles Jarrott. Regisseur Sidney Lumet lässt sie in Hollywood die Nina in DIE MÖWE (1968) nach Anton Tschechow verkörpert, die sie auch bereits erfolgreich auf der Bühne gegeben hat. Die Griechin Andromache spielt sie an der Seite von Katharine Hepburn und Irene Papas in TROJA (1971) nach Euripides. In Italien steht sie neben von Franco Nero vor der Kamera in einem Thriller. Als Mary Debenham wird sie von Privatdetektiv Hercule Poirot auch beim MORD IM ORIENT-EXPREß (1974) nicht verschont, ebenso wenig wie von Meisterdetektiv Sherlock Holmes in KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES (1976).

Neben Meryl Streep und Jane Fonda spielt sie die titelgebende Rolle der JULIA (1976) unter der Regie von Fred Zinnemann, adaptiert nach dem gleichnamigen Roman von Lilian Hellman. Für ihre Leistung der von Nationalsozialisten ermordeten Frau wird sie mit dem Oscar und dem Golden Globe als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Vier weitere Oscar- und elf weitere Golden Globe-Nominierungen sowie einige Emmy-Nominierungen für ihre TV-Arbeiten werden in den Jahren dazukommen. Ein großer Erfolg wird ebenfalls das Psychogramm WETHERBY (1984) von David Hare. Hier spielt sie eine Lehrerin, die nach dem Selbstmord eines Studenten in eine Krise gerät. Frauenrechtlerinnen, Königinnen, Transsexuelle und Journalistinnen verkörpert sie, eher selten gibt sie die Romantikerin. Ihre Frauenfiguren sind intelligent und vernünftig, stark und eigensinnig.

In DIE BALLADE VOM TRAURIGEN CAFÉ (1990) von Simon Callow spielt sie eine resolute Südstaaten-Frau, die einen Ort der Geselligkeit geschaffen hat, der von ihrem zurück gekehrten Ehemann zerstört wird. Immer mehr wird auf die Schauspielerin in großen Produktionen zurückgegriffen, sie spielt zahlreiche Episodenrollen. Der James Ivroy-Film WIEDERSEHEN IN HOWARDS END (1992) bietet klassisches britisches Kino, ein Gesellschafts- und Sittenbild aus dem viktorianischen England mit ausgezeichneten Darstellern. Auch in DAS GEISTERHAUS (1993) von Bille August ist die Schauspielerin Teil einer internationalen Darsteller-Riege. Im Actionfilm MISSION: IMPOSSIBLE (1996) von Brian De Palma gibt sie eine Waffenhändlerin.

Auch Hauptrollen werden an Vanessa Redgrave vergeben: Je älter sie wird, umso schöner und besser wird sie. In EIN SOMMER AM SEE (1995) von John Irvin spielt sie eine 60jährige Frau, die sich nochmals verliebt. Als Clarissa Dalloway blickt sie in MRS. DALLOWAY (1997) unter der Regie von Marleen Gorris auf ihr Leben zurück. Als ältere Briony in Joe Wrights Adaption von Ian McEwans Roman wird sie in ABBITTE (2007) (ABBITTE (2007) Trailer) zu sehen sein. Im Drama SPUREN EINES LEBENS (2007) (SPUREN EINES LEBENS (2007) Trailer) von Lajos Koltai steht sie zum zweiten Mal an der Seite ihrer Tochter Natasha Richardson vor der Kamera und blickt als Sterbende auf ein leidenschaftliches Wochenende vor 50 Jahren.

Kunst und Politik gehören bei Vanessa Redgrave zusammen: In ihren zahlreichen politischen Aktivitäten zeigt sich die Künstlerin aufrichtig und kämpferisch. Sie ergreift Partei für die Sache der Palästinenser, gegen ihre Mitwirkung im Dokumentarfilm THE PALESTINIAN demonstrieren israelische Sympathisanten bei der Oscar-Verleihung 1978. Für ihre Ideale nimmt sie auch berufliche Nachteile in Kauf. Die Schauspielerin gilt als Trotzkistin, sie unterstützt die IRA und verteidigt Fidel Castro. Sie demonstriert gegen den Vietnam-Krieg und protestiert gegen Nuklearwaffen. Als UNICEF-Botschafterin reist sie seit 1995 durch die Welt. 2004 gründet sie gemeinsam mit ihrem Bruder Corin Redgrave die "Peace and Progress Party", die sich gegen den Irakkrieg und für Menschenrechte einsetzt.

In erster Ehe ist die Schauspielerin mit dem Regisseur Tony Richardson verheiratet. Aus der Ehe, die sie von 1962 bis 1967 führen, gehen zwei Kinder hervor. Ihre Töchter Natasha Richardson (geb. 1963) und Joely Richardson (geb. 1967) werden ebenfalls Schauspielerin. Mit dem Schauspieler Franco Nero führt Vanessa Redgrave eine langjährige Beziehung. Gemeinsam haben sie einen Sohn: Carlo Gabriel Nero wird am 16. September 1969 geboren und arbeitet mittlerweile als Regisseur. Vanessa Redgrave lebt in Westlondon.

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