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Ridley Scott

Ridley Scott
Regie, Produzent, Ausführender Produzent

* 30. November 1937
South Shields (Northumberland)
Großbritannien

RIDLEY SCOTT • Biographie Seite 1/1

Die Regeln des Filmemachens versteht der Regisseur Ridley Scott meisterhaft. Seine Filme zeichnen sich durch Detailgenauigkeit aus, er trifft die historische Zeit meistens genau. Bildgewaltig und effektvoll setzt er seine Geschichten um. Auch die Schauspieler kann er zu Höchstleistungen bewegen. Dass er doch nicht zum stilprägenden Regisseur der 1990er Jahre wurde, liegt wohl daran, dass einige seiner Geschichten nicht besonders originell sind. Mindestens drei Meisterwerke hat er aber trotzdem geschaffen.

Ridley Scott wird am 30. November 1937 in South Shields, England geboren. Sein Vater ist Berufssoldat der britischen Armee, dient unter anderem in Wales und Deutschland. Die Familie lebt in Stockton-on-Tees. Dazu gehört neben er Mutter noch sein jüngerer Bruder Tony Scott, der später ebenfalls als Regisseur arbeiten wird. Nach seiner Schulausbildung nimmt Ridley Scott am West Hartlepool College of Art Unterricht in den Fächern Malerei und Grafik-Design. Weiterführend schreibt er sich am Royal College of Art in London ein und studiert er ab 1960 Grafik-Design, schließt seine Ausbildung 1963 mit Auszeichnung ab. Mit einem Stipendium reist er danach in die USA. Hier beginnt er bei der Produktionsfirma Time Life zu arbeiten, lernt unter anderem die Dokumentarfilmer Richard Leacock und D. A. Pennebaker kennen.

Als er Mitte der 1960er Jahre nach Großbritannien zurückkehrt, beginnt er beim Sender BBC als Szenenbildner und Produktionsdesigner zu arbeiten. Er ist in dieser Funktion unter anderem an den TV-Serien BOLD AS BRASS (1965) und OUT OF THE UNKNOWN (1965) beteiligt. Sein Talent wird entdeckt und gefördert, so dass er im BBC-eigenen Trainingsprogramm den Bereich Regie erlernen kann und bald als Regisseur eigene Episoden der TV-Serien dreht. 1968 verlässt er den Sender und gründet gemeinsam mit seinem Bruder die Ridley Scott Associates (RSA), mit der er zunächst Werbefilme dreht. Mehr als 2000 Spots entstehen, die auf den branchenüblichen Festivals in Cannes und Venedig ausgezeichnet werden.

Erst 1976 legt er seinen ersten eigenen Spielfilm vor. Der Historienfilm DIE DUELLISTEN (1976) mit Harvey Keitel und Keith Carradine erzählt von zwei französischen Offiziere, die jede Gelegenheit nutzen, um sich zu duellieren. An den Kinokassen ist der Erstling zwar nicht besonders erfolgreich, aber Kritiker sind von den außerordentlich schönen Bildern begeistert. Ridley Scott wird als englische Regie-Entdeckung gefeiert. Schon mit seinem zweiten Spielfilm wird der Filmemacher zum angesagten Kult-Regisseur. ALIEN - DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979) wird zum Klassiker des Science Fiction-Genre. Die Bedrohung der Besatzung eines Fabrik-Raumschiffes durch außerirdische Lebewesen ist brillant und spannend in Szene gesetzt. Besonders der Alien, der von H. R. Giger entworfen worden ist, ist ohne jede Skrupel und macht erstmals die ganze Gefahr, die in der Außenwelt steckt, deutlich. Auch diverse Interpretationsmöglichkeiten über die Geschichte und die weibliche Hauptdarstellerin Sigourney Weaver machen das Werk zum Studienobjekt an Universitäten. Die Nachfolger-Filme von James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet kommen nur partiell an das Original her.

Mit BLADE RUNNER (1982) nach einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick kann der Regisseur den Erfolg wiederholen; er steigt mit dem epochalen Science Fiction in den Regie-Olymp auf. Der Spezialdetektiv Deckard (gespielt von Harrison Ford) sucht im Jahre 2019 nach vier künstliche Menschen, die ihr Recht auf ein eigenständiges Leben einklagen wollen. Der Klassiker schildert die Zukunft düster, die Inszenierung ist wie schon beim Vorgänger atmosphärisch dicht. Auch dieser Film gilt als einer der wichtigsten Filme des Genres. 20 Jahre später kommt eine Director's Cut-Version in die Kinos, die das Ende der Geschichte offen lässt. Auf Druck der Produktionsfirma musste Ridley Scott eine optimistische Version schneiden.

Mit seinen nächsten Filmen gelingt des Ridley Scott nicht, sich als prägender Regisseur der 1980er Jahre zu etablieren. Das Fantasy-Märchen DIE LEGENDE (1985) ist zwar gradlinig erzählt, aber wenig originell und voller Klischees. Im Kriminalfilm DER MANN IM HINTERGRUND (1987) ist Untreue eine Bedrohung für die Familie. BLACK RAIN (1989) begibt sich nach Osaka, wo ein amerikanischer Detektiv einem Yakuza-Bandenkrieg auf die Spur kommt. Alle Filme sind zwar gekonnt in Szene gesetzt, ihnen fehlt aber das besondere Etwas. Erst mit dem Frauendrama THELMA & LOUISE (1991) zeigt der Regisseur wieder, über welche Möglichkeiten er eigentlich verfügt. Zwei Freundinnen (gespielt von Susan Sarandon und Geena Davis) wollen ein Wochenende ohne Männer verbringen. Als eine der beiden fast vergewaltigt wird, wird der Mann von der anderen erschossen. Nun sind sie auf der Flucht vor der Polizei und begehen am Ende Selbstmord. Der Film ist ein außergewöhnliches Road Movie, in dem die Geschlechterfrage auf neue Weise bearbeitet wird. Dabei enthält sich der Film nicht der Kritik an der Männerwelt und unterhält zugleich. Für diese Arbeit wird Ridley Scott erstmals als Bester Regisseur für den Oscar nominiert.

Danach inszeniert er Filme in unterschiedlichen Genren, die wenigen Erfolg bei den Kritikern haben. Das Historiendrama 1492 – DIE EROBERUNG DES PARADIESES (1992) bereitet die Geschichte von Christoph Columbus auf. WHITE SQUALL (1996) schildert den Segeltörn von 12 Schülern einer Eliteschule. DIE AKTE JANE (1997) thematisiert die Gleichberechtigung in der Armee. Ein weiblicher Nachrichten-Offizier (gespielt von Demi Moore) wird als erste Frau ins Trainingsprogramm einer amerikanischen Spezialeinheit aufgenommen. Der Film ruft harsche Kritik seitens der Feministinnen auf den Plan, denn seine Botschaft ist eindeutig: Wenn Frauen gleichbehandelt werden wollen, müssen sie sich auch an die männliche Welt angleichen. Außerdem gilt er vielen als zu pro militärisch.

Mit GLADIATOR (2000) feiert der Regisseur dann wieder einen großen Erfolg. Der römische Feldherr Maximus soll Nachfolger von Kaiser Marcus Aurelius werden. Um dies zu verhindern, ordnet dessen Sohn die Exekution von Maximus an. Ihm gelingt zwar die Flucht, doch seine Familie wird getötet und er muss sich als Gladiator verdingen. Im Kolosseum in Rom kann er sich endlich seinem Gegner stellen. Ridley Scott gelingt es, den alten Sandalenfilmen neue Facetten abzuringen. Die Geschichte ist mitfühlend und glaubhaft erzählt, wunderbare Bilder von Schlachtgetümmel und Arenakampf sind zu sehen und die Darsteller überzeugen. 12mal wird der Film für den Oscar nominiert, wobei Russell Crowe die Statue als Bester Hauptdarsteller mit nach Hause nehmen kann. Außerdem erhält er vier weitere Auszeichnungen, unter anderem wird er als Bester Film des Jahres geehrt.

Nachfolgende Filme kranken wieder daran, dass sie ihre Geschichten zwar bildgewaltig aber nicht besonders originell erzählen. In HANNIBAL (2001) nimmt FBI-Agentin Clarice Starling (Julianne Moore) die Verfolgung des gefährlichen Soziopathen Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) auf, kommt aber nie an die Qualität der ersten Verfilmung heran. BLACK HAWK DOWN (2001) ist ein umstrittener Kriegsfilm, der die Ereignisse des 3. Oktober 1993 in Mogadischu schildert. Bei einer gescheiterten Befreiungsaktion durch amerikanische GIs werden Amerikaner wie Somalis getötet. TRICKS (2003) ist die Geschichte eines Trickbetrügers, der mit seinem Leben nicht klar kommt. Mit KÖNIGREICH DER HIMMEL (2005) versucht der Regisseur an seinen GLADIATOR-Erfolg anzuschließen, scheitert aber an der Geschichte zwischen Moslems, Juden und Christen vor dem zweiten Kreuzzug, die zu spannungsarm inszeniert ist. EIN GUTES JAHR (2006) dreht er wieder mit Russell Crowe in der Hauptrolle, der sich als Londoner Investment-Banker auf die die Lebensart in der Provence einlässt und dadurch sein Leben ändert.

AMERICAN GANGSTER (2007) (AMERICAN GANGSTER (2007) Trailer) ist wieder ein hochgelobtes Meisterwerk. Im Mafia-Drama überzeugen Denzel Washington und Russell Crowe in den Hauptrollen. Dem Regisseur gelingt es, der amerikanischen Mythologie eine neue Facette hinzuzufügen. Gelobt werden die Detailgenauigkeit, mit der die New Yorker Geschichte aus den 1970er Jahren erzählt wird, sowie die gekonnte Mischung von Schnitt und Soundtrack. Seinen nächsten Film wird der Regisseur wieder mit Russell Crowe besetzen. In dem Thriller DER MANN, DER NIEMALS LEBTE (2008) (DER MANN, DER NIEMALS LEBTE (2008) Trailer) wird sein Gegenpart diesmal Leonardo DiCaprio sein. Außerdem plant er eine weitere Robin Hood-Verfilmung in seinem Heimatland.

Neben seinen eigenen Regie-Arbeiten betreut Ridley Scott zahlreiche Filme als Produzent. Seit 1995 ist er gemeinsam mit seinem Bruder Tony Scott Inhaber der Filmproduktionsfirma Scott Free Productions. Sie produzieren auch Filme für das Fernsehen, so die Miniserie "The Company", die im August 2007 ausgestrahlt wird. 2003 wird der Filmemacher von der englischen Königin wegen seiner Verdienste um die Kunst zum Ritter geschlagen.

Ridley Scott heiratet im März 1964 Felicity Heywood. Gemeinsam haben sie zwei Kinder. Jake Scott (geb. 1965) arbeitet mittlerweile ebenfalls als Filmregisseur. Die Ehe wird im Dezember 1975 geschieden. In zweiter Ehe lebt er von Mai 1979 bis Januar 1989 mit der Produzentin Sandy Watson zusammen. Sie haben eine gemeinsame Tochter. Jordan Scott ist ebenfalls im Filmgeschäft tätig.

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Autorin: Ines Walk
Stand: November 2007

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