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Kim Ki-Duk

Kim Ki-Duk
Regie, Drehbuch, Architektur, Schnitt, Darsteller, Produzent

* 1960
Bongwha (Kyungsang-Provinz)
Korea

KIM KI-DUK • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Kim Ki-Duk ist einer der bekanntesten Vertreter des neuen koreanischen Kinos. Seine Filme sind verstörend, aber bleiben wegen ihrer filmisch bestochenen Inszenierung in Erinnerung. Poetische Bilder wechseln zu brutalen Gewaltausbrüchen, schockierende Seltsamkeiten wirken auf den Zuschauer abstoßend und faszinierend zugleich; sind rätselhaft, weil sie keine Erklärungen für psychologische Identifikationen abgeben und fordern damit die Zuschauer heraus. Seine Filme, so unterschiedlich ihre Sujets auch seien mögen, sind immer auch realistische Zustandsbeschreibungen der koreanischen Gesellschaft.

Kim Ki-Duk wird am 20. Dezember 1960 in Bongwha, Südkorea geboren. Der Vater ist ein Veteran des Koreakrieges. Seine katholische Familie siedelt, als er 9 Jahre alt ist, aus dem kleinen Bergdorf in der Provinz Kyong-sang nach Seoul über. Hier besucht er die Mittelschule und arbeitet bereits in Fabriken, um den Lebensunterhalt seiner Familie mit zu sichern. Nach seiner Schulausbildung schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch und meldet sich dann für einen fünfjährigen Wehrdienst bei der südkoreanischen Marineinfanterie. Nach seiner Entlassung betreut er im Rahmen eines Hilfsprogramms der christlichen Kirche Sehbehinderte, besucht auch ein Priesterseminar. Eigentlich will er Maler werden, verdient sich damit seinen Lebensunterhalt. Mit 30 Jahre reist er nach Paris, studiert dort Kunst, tourt durch Frankreich und verdient sein Geld als Straßenmaler. Der französische Film, besonders die Werke des Regisseurs Léos Carax haben großen Einfluss auf ihn. 1993 kehrt er in sein Heimatland zurück und will nun Filme machen. Er beginnt an Drehbüchern zu schreiben, wobei zwei von ihnen ausgezeichnet werden und er ein Stipendium gewinnt.

Mitte der 90er Jahre beginnt er als Regisseur zu arbeiten, ohne jede filmische Ausbildung ist er in Zukunft auch als Drehbuchautor, Cutter, Szenenbildner und Produzent seiner Filme tätig. Sein erster Film wird CROCODILE (1996), der von einem Obdachlosen in Seoul erzählt, jenseits der bürgerlichen Moralvorstellungen lebend. In Südkorea hat der Film an den Kinokassen keinen Erfolg. Danach dreht er WILD ANIMALS (1997) und THE BIRDCAGE INN (1998). Gemeinsam ist seinen frühen Filmen ihre rohe Filmsprache, die zu zahlreichen Diskussionen bei Kritikern und Zuschauern führen. Überaus poetische Momente wechseln schlagartig zu Gewaltausbrüchen, die vor Tabus und bildgewaltigen Ungewöhnlichkeiten nicht zurückschrecken. Außerdem sind viele Zutaten, mit denen sich seine späteren Filme beschäftigen, bereits deutlich vorhanden: die Verquickung von Sex und Gewalt, die alltägliche Trostlosigkeit, die verzweifelten und enttäuschten Hoffnungen jener Menschen, die auf den untersten Stufen der Gesellschaft leben, das Leben der geschundenen Kreatur.

Deutlich wird auch bereits die Arbeitsweise des Filmemachers. Als Autodidakt hat er es schwer im Filmgeschäft, kommt deshalb in seinem Filmen immer mit minimalem Budget aus. Er arbeitet größtenteils mit einem kleinen Team, produziert seine Filme in sehr wenig Drehtage. In steter Regelmäßigkeit dreht Kim Ki-Duk so jedes Jahr mindestens einen Film. Mittlerweile werden seine Werke zu den bekannten A-Festivals geladen, sind jährlich entweder in Venedig, Cannes, Berlin oder Karlovy Vary zu sehen und werden besonders von Kritikern positiv aufgenommen sowie zahlreich mit Auszeichnungen bedacht.

Mit THE ISLE (2000) erregt der Regisseur erstmals Aufmerksamkeit, er ist im Wettbewerb im Venedig vertreten. Der Film beschreibt, wie eine junge Frau einen Mann zweimal rettet. Er hat seine Ehefrau und deren Liebhaber getötet, möchte nun Selbstmord begehen, aber zwischen den beiden entwickelt sich in Verhältnis voller gewaltsamer Leidenschaft und besitzergreifender Besessenheit, aus der sie nicht entrinnen können. REAL FICTION (2000) schildert die Rache eines Straßenmalers, der jahrelang gedemütigt wurde und nun alle seine Peiniger tötet. BAD GUY (2002) beobachtet die Beziehung zwischen einem Zuhälter und einer Gymnasiastin, wobei jeder der beiden dem anderen verfällt. Der Film avanciert in Südkorea zu einem der erfolgreichsten des Jahres. ADDRESS UNKNOWN (2001) thematisiert den alltäglichen Rassismus in Südkorea, mit dem sich der junge Sohn einer Koreanerin und eines amerikanischen Soldaten auseinandersetzen muss. In THE COAST GUARD (2002) blickt auf einen Soldaten der südkoreanischen Küstenwache, der einen Mann tötet, suspendiert wird und mit dem Ereignis nicht umgehen kann: Er greift zur Waffe und setzt zum Amoklauf an.

Danach werden die Arbeiten des Regisseurs gängiger, stiller, lassen die eruptiven Gewaltausbrüchen außen vor. In FRÜHLING, SOMMER, HERBST, WINTER UND... FRÜHLING (2004) erzählt er eine Legende. Der alte Mönch und sein Schüler leben als Einsiedler, an ihrem Leben spiegeln sich die Jahreszeiten. Der Schüler, zum Mann geworden, wird auch zum Mörder und erst nach seiner Gefängnishaft kehrt er als weiser Mann zurück, nimmt die Stelle des Mönchs ein, um ebenfalls einen Kind aufzunehmen und zum seinem Schüler zu machen. Das Drama um Leben und Tod, Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne kommt gelassen, versöhnlich und weise daher, begeistert besonders wegen seiner universellen Bildsprache. SAMARIA (2004) variiert das Sujet eines früheren Films: Zwei Schülerinnen verdingen sich als Prostituierte. Als eine stirbt, sucht die andere alle Freier auf, um mit ihnen zu schlafen und ihnen ihr Geld zurückzugeben. Kritiker loben die komplex strukturierte Geschichte und die poetische Bildgestaltung.

Eine zutiefst spirituelle Geschichte inszeniert Kim Ki-Duk auch mit HWAL (2005). Hier erzählt er von einem alten Mann und einem 16jährigen Mädchen, die allein auf einem Boot leben. Der Mann will sie heiraten. Als ein junger Mann das Interesse des Mädchens weckt, wird die Beziehung zu dem alten Mann auf eine harte Probe gestellt. Wieder sind es universelle Themen, die eine Rolle spielen: Liebe und Gewalt, Alter und Jugend, Zuflucht und Gefängnis. In BIN-JIP (2004) ist es ein junger Mann, der sich in Häuser einnistet, die vorübergehend ohne Bewohner sind. Hier wohnt und lebt er eine Weile. Als er eine unglücklich verheiratete Frau trifft und lieben lernt, ziehen sie gemeinsam durch die Häuser und lösen sich immer mehr von der Realität. Die kunstvolle Bildsprache des Regisseurs sprengt hier die Grenzen zwischen Traum und Realität.

In seinem jüngsten Film THE TIME (2006), der noch keinen deutschen Verleih gefunden hat, ist eine Schönheitsoperation Auslöser dafür, die Verzweiflung des Menschen zu zeigen. Der Film ATEM (2007) wird im Internationalen Wettbewerb des 60. Filmfestivals in Cannes laufen.

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