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Ernst Cantzler

Ernst Cantzler
Regie, Drehbuch

* 27. Mai 1950
Berlin
Deutschland (DDR)

ERNST CANTZLER • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Ernst Cantzler ist Mitglied der Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendfilm im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, inszeniert gemeinsam mit einer Handvoll Kollegen Dokumentarfilme für Kinder, bevorzugt im Vorschulalter. Dabei sind ihm seine Protagonisten überaus wichtig, er nimmt die Kinder ernst und wird für einige seiner poetischen Dokumentarfilme auf dem Kinderfilmfest in Gera mit dem "Goldenen Spatzen" von ihnen ausgezeichnet.

Ernst Cantzler wird am 27. Mai 1940 in Berlin geboren. Sein Vater ist Beamter, seine Mutter arbeitet als Kindergärtnerin. Zur Familie gehören außer Ernst noch sechs Geschwister. Von 1946 bis 1954 besucht er eine Grundschule in seiner Heimatstadt und beginnt danach eine Berufsausbildung als Schweißer. Anschließend ist er in seinem Beruf tätig und betätigt sich nebenbei als Kleindarsteller im DEFA-Studio für Spielfilme. Das Hobby nimmt immer mehr Raum ein. Ernst Cantzler bewirbt sich in einer Aufnahmeprüfung am zentralen Berliner Bühnennachweis, mit Erfolg: in der Spielzeit 1962/1963 ist er als Schauspieleleve am Salzlandtheater Staßfurt tätig. Hier gibt er unter anderem den Angelo in "Emilia Galotti" nach Ephraim Lessing.

Nach seinem dreijährigen Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee von 1963 bis 1966 beginnt er 1968 als Regieassistent im Armeefilmstudio zu arbeiten. Zunächst will er studieren und Theaterregisseur werden. Der Traum erfüllt sich nicht, er arbeitet beim Rat des Stadtbezirks als Referent in der örtlichen Versorgungswirtschaft, betreut Frei- und Wannenbäder. Ein Jahr später holt er sein Abitur in einer Sonderreifeprüfung nach. Danach ist er Regieassistent im DEFA-Studio für Dokumentarfilme und absolviert von 1971 bis 1977 ein externes Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie.

Von 1977 bis 1991 ist Ernst Cantzler Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. 1973 legt er seinen ersten eigener Film vor: MIT MEINEN AUGEN (1973), den er gemeinsam mit dem Kollegen Harry Hornig in Szene setzt. In der Folgezeit gehört er zur Kinder- und Jugendfilmgruppe des Studios, inszeniert gemeinsam mit den Regisseuren Konrad Weiß, Jochen Kraußer und Roland Steiner Dokumentarfilme für Kinder. Seit 1975 besteht die Arbeitsgruppe, die bis zum Ende des Studios mehr als 150 Filme für Kinder, besonders im Vorschulalter, produziert.

Ernst Cantzler dreht mehrere Filme für das Fernsehen der DDR, unter anderem für die Reihe "Der besondere Tag...". In seinem Filmen berichtet Ernst Cantzler etwa vom Fliegen in ... VOM FLIEGEN EIN FILM (1975) oder beobachtet einen Fernfahrer, der seine kleine Tochter mit auf seine Reisen nach Polen nimmt in FERNFAHRER HANS HOFFMANN UND SEINE TOCHTER (1981). In TROPENTRÄUME (1976) beobachtet er Schulkinder, die gemeinsam mit dem Holzbildhauer und Maler Lothar Sell arbeiten. Der Film, überaus einfallsreich in seiner Inszenierung, weckt die Phantasie der Kinder. Mit BALD BIN ICH PIONIER (1978) will der Regisseur zeigen, dass Pionierarbeit auch Spaß machen kann, abseits von den klassischen Aufgaben eines Jungpioniers. ALL DIESE FEUER (1978) berichtet von den Weltfestspielen in Kuba. SPRACHE DER SCHRITTE (1978) beobachtet kleine Mädchen einer Musikschule in Berlin-Mitte, die dort Ballettunterricht erhalten. In HURRA, HURRA, HURRA, DIE FEUERWEHR IST DA (1982) setzt das Filmteam ganz auf die Mischung von Inszeniertem und Dokumentarischen, bietet dazu Animiertes und Slapstick. Dabei haben nicht nur die Filmemacher Spaß bei der Produktion des Films sondern auch das Publikum beim Zusehen. Ganz nebenbei weckt der Beitrag auch noch Interesse an der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr und warnt vor den Gefahren des Feuers. Hier wird besonders das Credo des Regisseurs deutlich: ohne erhobenen Zeigefinger mit Witz und Abwechslungsreichtum den Kindern Geschichten aus dem Leben bieten.

Mitte der 80er Jahre ist die Phase des Kinderfilms für den Regisseur abgeschlossen. Im Mittelpunkt seiner nächsten Arbeiten stehen ältere Menschen. SYLVIA (1984) ist das sensible Porträt einer jungen Arbeiterin, die unter dem Mikroskop elektronische Bauteile montiert. Sie ist behindert, aber lebensfroh und unverkrampft. Ein weiteres Porträt wird BRIEFE VON DER FAHNE (1985). Hier ist es ein junger Familienvater, der gesteht, dass er ungern seinen Wehrdienst ableisten will, aber dies sei wohl notwendig, wenn noch nicht überall Frieden herrscht. Der Film, entstanden als Auftragswerk, um den Armeedienst positiv erscheinen zu lassen, blickt wirklichkeitsnah auf das Thema. Andere Filmprojekte des Regisseurs scheitern. So ein geplantes Projekt über eine Haftanstalt.

Kurz vor dem Ende der DDR entsteht der Streifen ... UND FREITAGS IN DIE "GRÜNE HÖLLE" (1989) über einen Berliner Fanklub des FC Union Berlin. Gemeinsam mit seinem Co-Regisseur Burghard Drachsel findet der Ernst Cantzler aussagekräftige Bilder für den angestauten Frust einer Generation. Was Regisseur und Kameramann zeigen, wird bis dato in der DDR totgeschwiegen: gewaltbereite und gewaltverliebte jugendliche Fußballfans. Das Problem der Gewalt, die sich als Randale vor und in den Stadien zeigt, wird thematisiert, Hooligans bei ihren kollektiven Gewaltakten beobachtet. Von 1982 bis 1988 arbeitet er als Vorstandsmitglied des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Nach kleineren Arbeiten 1990 ist mit der Abwicklung der DEFA 1991 die Filmarbeit des Regisseurs beendet.

Ernst Cantzler ist geschieden, hat eigene Kinder und lebt in Neuenhagen, bei Potsdam.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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