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Peter Rocha

Peter Rocha
Regie, Drehbuch, Szenarium

* 01. September 1942
Gotha
Deutschland

PETER ROCHA • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Peter Rocha schließt Ende der 60er Jahre sein Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg ab. Ab Anfang der 80er Jahre macht er sich einen Namen mit heiteren und unterhaltsamen Sichten auf DDR-Historie und Alltag, die Probleme nicht verleugnen und unbequeme Fragen stellen. Damit sind Schwierigkeiten mit der Hauptverwaltung Film, die die Filme für die Öffentlichkeit zuläßt, vorprogrammiert.

Peter Rocha wird am 1. September 1942 in Gotha geboren. Sein Vater Werner Rocha entstammt einer sorbischen Familie, dessen Vater Fryco Rocha arbeitet als Lehrer und Kantor in der Niederlausitz. Seine Mutter Dora, geb. Wildau, wächst in einem großbürgerlichen Elternhaus auf. Sie ist die Tochter des Direktors der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft (DAPG). 1944 wird sie bei der Gestapo denunziert und verhaftet. Seine Schul- und Berufsausbildung durchläuft Peter Rocha in Cottbus. Er entscheidet sich für eine Berufsausbildung mit Abitur und erlernt den Beruf eines Maurers. Von 1961 bis 1964 studiert er an der Fachschule für Angewandte Kunst Berlin, Fachrichtung Malerei und macht dort sein Staatsexamen.

Nach seinem Studium beginnt er als Regieassistent bei der DEFA in Berlin-Johannisthal zu arbeiten. An diese Tätigkeit schließt sich ein zweites Studium an: Von 1965 bis 1969 studiert er an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie in der Spezialklasse für Dokumentarfilm bei dem Regisseur Karl Gass. Unter dessen Mentorenschaft entsteht unter anderem der Episodenfilm VIETNAM (1966), der von Alfredo Calvimontes (Bolivien), Kamal Saydo (SAR) sowie Peter Rocha und Konrad Weiß gestaltet wird. 1967 stellt er in dem Werk DER TURMKLEMPNER (1967) einen älteren Arbeiter vor, dessen Lebensgeschichte auf revolutionäre Traditionen in dem Gebiet um Potsdam und Babelsberg verweist. Künstlerischer Höhepunkt wird der Film DER OKTOBER KAM (1970). Unter der Leitung von Karl Gass findet sich eine Gruppe junger Regisseure - darunter Gitta Nickel, Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Alexander Ziebell, Peter Ulbrich und Peter Rocha - zusammen, die einen Film zum 20. Jahrestag der DDR montieren. Neben klassischen Protokollszenen stehen Archivaufnahmen von der Oktoberrevolution 1917, der Gründung der DDR 1949 und aktuelle Bilder von dem Feierlichkeiten 1969.

Zunächst ist Peter Rocha nach dem erfolgreichen Abschluß des Studiums frei als Regisseur und Autor im DEFA-Studio beschäftigt; ab 1970 wird er fest angestellt, arbeitet in der Künstlerischen Arbeitsgruppe "Effekt" mit. Die Gruppe unter der Leitung von Karl Gass hat es sich zunächst zur Aufgabe gemacht, wesentliche wirtschaftliche Prozesse in der DDR dar- und Betriebe vorzustellen sowie Arbeiterpersönlichkeiten zu porträtieren. Peter Rocha liefert dazu für das dreiteilige Werk LICHTMACHER (1971) im Auftrag des Fernsehens der DDR einen Teil ab. Hier werden drei Frauen aus dem Kombinat NARWA Berlin in ihren Arbeitsbereichen begleitet. Thema seiner folgenden Arbeiten sind Arbeitsmedizin, ergonomische Analysen. Nachkommend zählen auch sensible Arbeiterporträts zu seinen Werken, wie etwa LOTHAR S. - LOKFüHRER (1980).

Später werden die Arbeiten persönlicher und zeichnen sich durch eine eigene Handschrift aus. In MUTTER (1981) lässt er seine Mutter zu Wort kommen. 1982/1983 absolviert der Dokumentarist zusätzlich ein Sonderstudium am Institut für Literatur "Johannes R. Becher" in Leipzig. Danach entstehen wieder Filme. DER LEWERENZ - PORTRÄT EINES HEIZERS (1984) wird ein satirisch-komödiantisches Porträt im Auftrag des Fernsehens. Der Heizer und der Direktor eines Kindernahrungsmittelwerkes werden beobachtet, wie sie täglich ihrer Arbeit nachgehen. In der Öffentlichkeit werden ihre Leistungen hochgelobt, in Wirklichkeit bricht der marode Betrieb fast zusammen. Bilder, Kommentar und Musik karikieren die sozialen Wirklichkeit in der DDR. Peter Rocha porträtiert Künstler und Wissenschaftler, unter anderem SOLANGE DU BEI MIR BIST: L. FüRNBERG (1984) über dem jüdischen Schriftsteller Louis Fürnberg sowie ein Porträt über den Sänger Peter Schreier.

Seit 1985 arbeitet Peter Rocha in der Gruppe "Kontakt" des DEFA-Dokumentarfilmstudios. Der heitere Film EINE SCHLOßGESCHICHTE (1985) thematisiert die Vorkommnisse in Großkochberg in der Nachkriegszeit. Ein Schloß soll gesprengt werden. Im Interview mit dem damals Verantwortlichen werden die Fehler und der Unverstand von Entscheidungen deutlich. Dem Filmteam (dazu gehören in den meisten Fällen der Kameramann Karl Farber und die Szenaristin Irmgard Ritterbusch) gelingt dabei Wichtiges: Sie greifen ein Thema auf, an welches sich noch niemand wagte, blicken mit Augenzwinkern auf früheste DDR-Geschichte. In ERINNERUNGSFOTO: HEINZ KAHLAU (1987) macht sich Peter Rocha auf die Suche nach Jugendlichen aus dem Jahre 1949, die dem Aufruf "FDJler auf die Traktoren" folgten. Ausgangspunkt ist ein Gruppenbild aus jener Zeit. Das Ergebnis ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit einer Generation, die enthusiastisch ans Werk ging, dabei viele Hoffnungen verloren hat. Die Dokumentation PODO (1988) erzählt von einer Freundschaft zweier Bäcker unterschiedlicher Generationen in Potsdam-Waldstadt und zudem über die Schwierigkeiten in dem Betrieb. Die unterhaltsamen und kritischen Filme gelangen, trotz Schwierigkeiten mit der Zulassung durch die Hauptverwaltung Film, zur Aufführung. Mit BEJDIN, OBERST A. D. (1987) gelingt dies nicht. Das Porträt über einen verdienstvollen Veteranen des Vaterländischen Krieges gerinnt zum Aufruf für eine Veränderung der Gesellschaft mit Perestroika und Glasnost. Nach mehreren Abnahmen, die mit zahlreichen Diskussionen verbunden ist und zur Kürzung und Zerstücklung des Films führt, verschwindet die Kopie des Films.

Ende der 80er Jahre konzentriert sich der Regisseur auf ein großes Thema: die Braunkohlenwirtschaft in der DDR und die daraus resultierende Vertreibung der Menschen aus dem Gebiet sowie die dazugehörige Umweltverschmutzung. Peter Rocha ist in der Region aufgewachsen, ist vertraut mit der Lausitz und dem Spreewald sowie den dort ansässigen Sorben. Erster Teil seiner Triologie wird HOCHWALDMÄRCHEN (1987), eine filmische Erzählung über ein geschlossenes Waldgebiet im oberen Spreewald. Trotz aller Vereinnahmungen im Energiebezirk Cottbus gibt es ihn noch, am Ende des Waldes werden die rauchenden Schlote sichtbar. Der sorbische Autor Jurij Brezan wird zitiert und Kinder der Region machen sich Gedanken über das Gebiet. In LEBEN AM FLIEß (1989) blickt er auf eine kleines sorbisches Dorf und eine dort lebende sorbische Großfamilie, die nach jahrhundertealten Traditionen ihr Leben gestaltet. Der dritte Teil SCHMERZEN DER LAUSITZ (1990), produziert bereits vor der politischen Wende, benennt deutlicher die Ursachen und Schuldigen, wird ein engagierter Umweltbericht, der die erschreckenden Umweltsünden in dieser Region aufdeckt. Letzterer läuft 1991 im Panorama der Berlinale.

Bis 1991 ist der Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme beschäftigt. Als einer seiner letzten Filme entsteht dort FLUGTRÄUME (1991), ein Porträt über die Gepäckabfertiger Gibi auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Im Zuge der Auflösung der DEFA wird er entlassen. Seitdem arbeitet Peter Rocha selbständig als Filmemacher und Autor.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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