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Uwe Belz

Uwe Belz
Regie, Drehbuch

* 05. Oktober 1937
Berlin
Deutschland
† 17. Dezember 2002
Berlin
Deutschland

UWE BELZ • Biographie Seite 1/1

Der Dokumentarfilmer Uwe Belz ist einer der meistbeschäftigten ostdeutschen Filmemacher. An mehr als 150 Filmen, vorrangig Dokumentarfilmen, Reportagen und Reiseberichten ist er beteiligt. Thematisch lässt sich der Regisseur nicht einordnen, er wendet sich vielen Sujets zu, entdeckt immer wieder neue Menschen und Gegenden. Seinen vielen Filmporträts merkt der Zuschauer die Zuneigung des Regisseurs zu seinen Protagonisten an, oft überzeugen sie auch durch leisen Humor. Kritiker bescheinigen dem Regisseur eine große Beobachtungsgabe, ausgesprochenes Rhythmusgefühl und eine ausgeprägte Liebe zum Detail.

Uwe Belz wird am 05. Oktober 1937 in Berlin geboren, wächst im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg auf. Eines seiner größten Hobbies ist die Musik: Er ist autodidaktischer Trompeter, Kontrabassist und Gitarrist, der schon mit 15 Jahren einer Band vorsteht. Nach seiner Schulausbildung, die er mit dem Abitur abschließt, beginnt er 1956 eine Lehre als Optiker. Nach dreijähriger Ausbildung bewirbt er sich an der Fachschule für Fotografie und Optik in Berlin-Weißensee, erlernt dort das Handwerk des Fotografen. Danach arbeitet er als Kamera-Assistent und später als Kameramann beim Deutschen Fernsehfunk. Anfang der 60er Jahre ist er als Regie-Assistent bei der DEWAG Werbefilm beschäftigt, bis er 1963 im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme eine jahrelange Heimstätte findet. Mitte der 60er Jahre gewinnt der Industriefilm immer größere Bedeutung. Das DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme reagiert und fördert Projekte für die Industrie. Uwe Belz gehört neben Georg Kilian und Trutz Meinl zu jenen Regisseuren, die von Fall zu Fall in diesem Bereich tätig werden.

In einem externen Studium im Fachbereich Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg bildet sich Uwe Belz von 1963 bis 1968 weiter. Bei der DEFA gehört er zur Künstlerischen Arbeitsgruppe "document", in der unter anderem auch seine Kollegen Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Winfried Junge und Karlheinz Mund tätig sind. Wie viele andere junge Regisseure auch ist er an den Großproduktionen der Zeit beteiligt. Dazu gehört unter anderem WER DIE ERDE LIEBT (1973) über die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin. Als Hauptregisseur fungiert für den Bericht Joachim Hellwig, andere Regisseure wie Harry Hornig und Jürgen Böttcher steuern Bildbeiträge zu. Im gleichen Jahr entsteht WEGGEFÄHRTEN (1974) unter der Gesamtleitung von Rolf Schnabel, an dem ebenfalls einige junge Regisseure, unter ihnen Uwe Belz Sujets liefern.

Neben den propagandistischen Werken interessiert sich der Dokumentarist auch für alltägliche Lebens- und Arbeitsbedingungen; er legt zahlreiche Arbeiten über Zeitgenossen vor. In MIN HERZING (1975) porträtiert er eine Rostocker Fischfrau, in EIN VIERTEL SCHÄFERSTÜNDCHEN (1979) ist es eine junge Frau, die den Beruf der Schäferin gewählt hat und Auskunft gibt über ihr Leben auf dem Lande. In BEGEGNUNGEN IM SCHNEE (1979) werden Menschen im Norden der DDR porträtiert, die die winterliche Naturkatastrophe 1979 meistern müssen. Eingebettet ist der thematische Gegenstand in schöne Landschaftsaufnahmen mit seltenen Lichtsetzungen. In POSTEN 9. NEUMANN. SCHRANKEN GESCHLOSSEN (1980) kommt die Streckenwärterin Annemarie zu Wort. DE GOLIATH UND SIN CREW (1984) bestaunt die Arbeit einer Hafenmannschaft, die einen Schwimmkran im Rostocker Hafen in Bewegung hält. GABI - VERMITTLUNG PLATZ 12 (1984) bringt dem Zuschauer eine junge Frau näher, die als Lehrling bei der Post und Soldatin für drei Jahre in einer Fernsprechzentrale der Nationalen Volksarmee arbeitet. Kritiker bescheinigen dem Regisseur eine große Beobachtungsgabe, ausgesprochenes Rhythmusgefühl und eine ausgeprägte Liebe zum Detail. In den meisten Fällen geht der Dokumentarist originell mit dem Kommentar um, benutzt häufig Ersatzelemente wie humorvolle Inserts oder prägnante Zwischentitel, mit denen er einerseits seiner Experimentierfreude frönt und andererseits dem Zuschauer seine Geschichte durch das dokumentarische Bild näher bringen will.

Uwe Belz dreht viele Porträtfilme. Er beobachtet den weltbekannten DDR-Tenor in PETER SCHREIER SINGT LIEDER VON LUDWIG VAN BEETHOVEN (1970), porträtiert den Schlagersänger 792 SEC. MIT FRANK SCHÖBEL (1972). Über den Schriftsteller Pablo Neruda oder den Komponisten Reinhard Lakomy stellt er ebenfalls kleine Filmporträts her. In den 70er Jahren produziert das DEFA-Studio für Dokumentarfilme eine Reihe von so genannten Disco-Filmen. Als freche Musikfilme, ambitionierte Kunstfilme und ausdrucksstarke Dokumentation sind die Filme für das Vorprogramm in den ostdeutschen Kinos bestimmt. Uwe Belz stellt unter anderem für diese Reihe ROCK MIT SKORPIO (1976) und BERLIN / GÜNTHER FISCHER (1977) her. Nachdem er bereits 1973 und 1976 zwei Kino-Kurzfilme über den Schauspieler Manfred Krug gedreht hat, die nach dessen Weggang in die Bundesrepublik nicht mehr gezeigt werden, beschäftigt er sich in dem Porträt WENN ICH SINGE ... (2000) ganz mit dem Jazz- und Swing-Interpreten Manfred Krug. Der Filmemacher kommt dabei ohne einen Kommentator aus, lässt den Schauspieler in Interviews für sich selber sprechen.

Deutsche Geschichte ist ein weiteres Thema des Regisseurs. In LIEBESBRIEFE (1982) zeigt er Karl Marx einmal anders, als träumenden, liebenden und eifersüchtigen Mann. Die Briefe des jungen Marx an Jenny von Westphalen und ihre Briefe an ihn bis zu seinem Weggang aus Berlin 1843 benutzt das Filmteam, um das Bild von Marx zu ergänzen. Ein weiteres Gebiet des Regisseurs sind Reisereportagen, die meistens in Koproduktion mit dem Fernsehen der DDR entstehen. Uwe Belz dreht in Vietnam, China, Laos und Sibirien. Insgesamt entstehen nach einer Dokumentarfilmreise in die Jakutische ASSR Material für drei Filme: AN DER LENA (1981), ZWISCHEN TAIGA UND TUNDRA (1981) sowie VERA KOMMT MIT DEN FRÜHLINGSBLUMEN (1981). In letzterem wird das Leben einer Kampffliegerin im Zweiten Weltkrieg behandelt, die mittlerweile als Sekretärin des Jakutischen Friedensrates arbeitet. AM MEKONG - FÜNF JAHRE DANACH (1981) gibt fünf Jahre nach Gründung der Volksdemokratischen Republik Laos Einblicke in verschiedene Lebensbereiche des Landes. In der dreiteiligen Fernsehserie MIT TIEFSEETAUCHERN UNTERWEGS (1986) begleitet er am Baikalsee Abenteurer zu Wasser und zu Land, in Ausflüge durchqueren sie das weite sibirische Land. Die sechs Teile von ABENTEUER IM SAJAN (1985) führen ihn auf den sibirischen Jenissej, wo er Wildwasserflößer beobachtet. Für STROMABWÄRTS NACH SHANGHAI (1987) begibt er sich auf den großen Fluss Yangtsekiang in China und folgt ihm von der Quelle bis zur Mündung.

Seit 1991 nach der Abwicklung der DEFA ist Uwe Belz als freischaffender Regisseur und Szenarist tätig. Für die Reihe STALINS SPUREN des Mitteldeutschen Rundfunks stellt er den Teil DIE STRAßE - GULAG (1995) her. Der Film erzählt von einer Straße in der Republik Sacha im ehemaligen Jakutien. Dort folgt im Abstand von 70 bis 100 Kilometern Gulag auf Gulag. Eine einfühlsame Kamera macht die tragische Vergangenheit dieser sibirischen Gegend nachfühlbar. Zudem birgt der Film eine Fülle hoch interessanter und spannender Aussagen von Zeitzeugen. In BIROBIDSHAN (1995) schauen die Filmemacher auf Umsiedlungen der jüdischen Bevölkerung durch Stalin in den fernsten Osten Russlands.

Zeitweise arbeitet Uwe Belz als Gastdozent für Regie und Montage an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Zudem ist er ist nicht nur Filmemacher, sondern auch im Bereich der Unterhaltung tätig. Er entwickelt die Idee für die Sendung "Showkolade" des DDR-Fernsehens. Außerdem inszeniert er in der Kleinen Revue des Friedrichstadtpalastes in Berlin mehrere Programme.

Uwe Belz ist verheiratet. Er hat zwei Töchter. Am 17. Dezember 2002 stirbt er nach schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren in Berlin.

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