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Ursula Karusseit

Ursula Karusseit
Darsteller

* 02. August 1939
Elbing
Deutschland

URSULA KARUSSEIT • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Ursula Karusseit hat zunächst in TV-Klassikern auf sich aufmerksam gemacht, die in der DDR zu Straßenfegern werden. Im In- und Ausland erreicht die Schauspielerin auf Anhieb eine große Popularität in dem Mehrteiler WEGE ÜBERS LAND (1968) als Magd Gertrud Habersaat, deren Geschichte in einem ostdeutschen Dorf von 1939 bis 1953 erzählt wird. Danach zählt die Schauspielerin zu den beliebten Darstellerinnen des Landes, ist in zahlreichen TV-Filmen und einigen DEFA-Filmen zu sehen.

Ursula Karusseit wird am 02. August 1939 in Elbing, bei Danzig geboren. Auf einem Flüchtlingstreck wandert die Familie 1954 nach Mecklenburg. Später zieht sie nach Gera, ihr Vater arbeitet dort als Berufsschullehrer. Zur Familie gehören noch drei weitere Kinder. Nach ihrer Schulausbildung absolviert sie eine kaufmännische Ausbildung an der Berufsschule für Wirtschaft und Verwaltung, arbeitet danach als Sachbearbeiterin, übernimmt Sekretärinnen-Arbeiten, schreibt Steno - erst in einer Maschinenfabrik, später arbeitet sie in der Sozialversicherung. Ihr Hobby wird die Schauspielerei, sie spielt in der Theatergruppe ihres Betriebes mit. Aus der Freizeitbeschäftigung wird ihre Passion. Sie bewirbt sich an der Schauspielschule in Leipzig und wird abgelehnt. Mehr Erfolg hat sie an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin-Schöneweide. Dort studiert sie von 1960 bis 1963, zu ihren Lehrern zählen Wolfgang Heinz und Erika Pelikowsky.

Noch während ihres Studiums 1961 macht die junge Schauspielerin an der Berliner Volksbühne als Anna in "Biedermann und die Brandstifter" nach Max Frisch auf sich aufmerksam. Nach ihrem Studium 1963 erhält sie ein festes Engagement an der Volksbühne, zwischenzeitlich können sie die Theaterbesucher auch an anderen Berliner Bühnen sehen, wie dem Maxim-Gorki-Theater, dem Deutschen Theater oder dem Theater im Palast (TiP). Besondere Beachtung erzielt sie mit der Rolle der Roten Rosa in "Moritz Tasso" von Peter Hacks unter der Regie des Schweizers Benno Besson. Mehrfach wird sie mit dem Regisseur zusammenarbeiten, unter anderem bei "Der Drache" (1966) als Elsa. Ursula Karusseit zählt zu den bekannten Bertolt Brecht-Interpretinnen. Sie spielt die Rollen der Mutter Courage, ist die Heilige Johanna oder Shen Te/Shui Ta. Ab Mitte der 80er Jahre kann sie in zahlreichen Gastengagements auch das Publikum in Westdeutschland überzeugen. Seit 1987 arbeitet sie freischaffend als Schauspielerin an verschiedenen Bühnen, unter anderem am Schauspiel Köln (bis 1990) und am Berliner Schillertheater (1992/93) sowie an den Kammerspielen München. Zur komödiantischen Eigenart Ursula Karusseits gehört, dass sie auch Männerrollen gestaltet. So etwa an der Volksbühne den Mitteldorf in "Der Biberpelz", in Bremen den "Herrn Paul" von Tankred Dorst oder in Zürich den Fleischfabrikanten Lennox in "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" in einer Inszenierung von Benno Bresson. Gefeiert wird sie auch als Faust in "Don Juan und Faust". Mittlerweile ist die Schauspielerin auch als Regisseurin auf der Theaterbühne tätig, sie inszeniert in Dresden, Zittau und Tübingen.

Einem großen Publikum wird die Schauspielerin bekannt durch TV-Klassiker, die in der DDR zu Straßenfegern werden. In WEGE ÜBERS LAND (1968) nach Helmut Sakowski spielt sie die Magd Gertrud Habersaat, verleiht der Frau große Glaubwürdigkeit, spielt eine kräftige, herbschöne Frau. Der fünfteilige Fernsehfilm erzählt die Geschichte des Dorfes Rakowen und einiger seiner Bewohner zwischen 1939 und 1953. Sie spielt in dem TV-Fünf-Teiler DANIEL DRUSKAT (1975) an der Seite von Hilmar Thate, der als Vorsitzender einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in Verruf gerät. In MÄRKISCHE CHRONIK (1983) agiert sie neben Walter Plathe und Jürgen Heinrich als Gutsherrin. Hier ist die Geschichte eines märkischen Dorfes Gegenstand der Serie. Im Fernsehen der DDR wird Ursula Karusseit eine anerkannte und beliebte Schauspielerin. In vielen Fällen spielt sie Frauen voller derber Sinnlichkeit, die ihren Anspruch ans Leben formulieren.

Auch auf der Kinoleinwand ist die Darstellerin präsent, erhält leider zu selten Gelegenheit in Hauptrollen zu glänzen. Für ihre erste Rolle als Hilde Coppi wird sie in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1971), einem Film über den Widerstand des Juristen und Wirtschaftsexperten Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen, von Regisseur Horst E. Brandt engagiert. Danach arbeitet sie mit dem Regisseur Konrad Wolf zusammen und steht als Ehefrau an der Seite des Bildhauers Kemmel - gespielt von Kurt Böwe - in DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974). In den 80er Jahren ist Ursula Karusseit unter der Regie von Horst Seemann in LEVINS MÜHLE (1980) und Ulrich Weiß in OLE HENRY (1983) zu sehen. Mehrfach spielt die Schauspielerin in DEFA-Kinderfilmen mit. In DIE VERTRAUSCHTE KÖNIGIN (1984) kann sie ihre komödiantischen Fähigkeiten in einer Doppelrolle zum Ausdruck bringen. Gleiches gelingt ihr als Gräfin Hornborstel und beste Gänsezüchterin der Gegend in DIE GÄNSE VON BÜTZOW (1985) unter der Regie von Frank Vogel.

Nach dem Zusammenbruch der DDR im November 1989 hat die Schauspielerin keine größeren Schwierigkeiten, sich im gemeinsamen Deutschland zu behaupten. An der Seite von Jürgen Prochnow spielt sie in dem Kriminalfilm DIE WILDNIS (1993). Der Regisseur Andreas Dresen besetzt sie in seinem Erfolgsfilm NACHTGESTALTEN (1999) als Frau Gerhardt. Leider ist die Darstellerin zu selten auf der Kinoleinwand präsent. Ihr Hauptbetätigungsfeld ist das Fernsehen. So ist die Schauspielerin als resolute Haushälterin Charlotte Gauss in der Krankenhausreihe "In aller Freundschaft" (1998) an der Seite von Fred Delmare zu sehen; sie ist überaus erfolgreich und wird zu einem Seriestar. Bereits vorher präsentiert sie sich in zahlreichen TV-Serien, etwa in "Für alle Fälle Stefanie", "Liebling Kreuzberg", "Im Namen des Gesetzes", "Praxis Bülowbogen" und "Happy Birthday".

Seit 1973 unterrichtet Ursula Karusseit an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg junge Studierende. Die Schauspielerin spricht zudem zahlreiche Märchenschallplatten ein, leiht ihre Stimme vielen Hörspielfiguren. Mit dem Programm "Jazz, Lyrik, Prosa" gastiert sie in vielen Städten Deutschlands.

Ursula Karusseit ist in erster Ehe mit dem Theaterregisseur Benno Besson verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Pierre Besson (geb. 1967) arbeitet ebenfalls als Schauspieler. Die Ehe wird geschieden. Die Schauspielerin heiratet in zweiter Ehe 1998 ihren langjährigen Lebenspartner, den Beleuchtungstechniker Johannes Wegner. Die Familie lebt in Senzig, in der Nähe von Königs Wusterhausen, südlich von Berlin.

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