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William Friedkin

William Friedkin
Regie, Drehbuch, Mitarbeit, Produzent

* 29. August 1935
Chicago (Illinois)
USA

WILLIAM FRIEDKIN • Biographie Seite 1/1

1973 lehrt William Friedkin Hollywood und der ganzen Welt das Fürchten. Er ist der Regisseur des bahnbrechenden Horrorfilms DER EXORZIST (1973). Außerdem zählt er mit BRENNPUNKT BROOKLYN (1971) zu den bekannten Vertretern des New Hollywood-Films. Aber nach diesen zwei beachtlichen Werken folgt eine Karriere voller Misserfolge sowie kleinerer und größerer Enttäuschungen. Der Filmemacher muss sich immer wieder - ob als Opernregisseur oder bei Film und Fernsehen - künstlerisch beweisen. Mit bekannten TV-Serien, Dokumentationen und Opern-Inszenierungen schafft er einige weitere Höhepunkte seiner Karriere.

William Friedkin wird am 29. August 1935 in Chicago, Illinois geboren. Er wächst in einem der ärmeren Viertel der Stadt auf, da die Familie über wenig Geld verfügt. Seine Mutter ist Operationsschwester, sein Vater verdient als Gelegenheitsarbeiter, mal als Kleiderverkäufer oder auch als semi-professioneller Baseballspieler meist nicht mehr als 50 Dollar pro Woche. So können sich die Eltern keine teure Collegeausbildung für ihren Sohn leisten. Er nimmt nach der High-School einen Job in der Poststelle des lokalen Fernsehsenders WGN-TV an. Nachdem er den Klassiker CITIZEN KANE (1941) (CITIZEN KANE (1941) Trailer) von Orson Welles gesehen hat, beschließt der ambitionierte Filmfan, selbst einmal Regie zu führen. Nach kurzer Zeit in der Fernsehwelt dreht der Jungregisseur des Fernsehreportage THE PEOPLE VS. PAUL CRUMP (1962) über einen Mann, der seit acht Jahren in einer Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Weitere Dokumentationen und Arbeiten für das Fernsehen folgen.

Der erste Kinofilm von William Friedkin ist die poppige Musical-Komödie GOOD TIMES (1967) mit Sonny Bono und Cher in den Hauptrollen. Es ist eine nicht zusammenhängende Story, die hauptsächlich verschiedene klassische Rollencharaktere persifliert (Sonny Bono als Wild-West-Sheriff oder als Dschungelkönig etc.). Ein Jahr später bringt der Filmemacher gleich zwei Werke heraus: THE BIRTHDAY PARTY (1968) und DIE NACHT, ALS MINSKY AUFFLOG (1968). Ersterer erzählt von einem Mann, der in einer Pension von zwei Unbekannten bedroht wird, die ihn schließlich entführen. Das Drehbuch basiert auf einem Theaterstück von Harold Pinter. In DIE NACHT, ALS MINSKY AUFFLOG (1968) zeigt dem Zuschauer das junge Amish-Mädchen Rachel Schpitendavel (Britt Ekland), das nach New York geht, um dort als Tänzerin berühmt zu werden. Aus Versehen erfindet sie dort im Burlesque-Theater der Gebrüder Minsky den Striptease. Rowland Barber schreibt 1960 das gleichnamige Buch, das dem Film zugrunde liegt.

Mit der Verfilmung der Off-Broadway Produktion DIE HARTEN UND DIE ZARTEN (1970) schafft William Friedkin einen Kultfilm der Schwulenszene. Es dreht sich alles um eine Geburtstagsparty einiger junger Männer in einem Apartment Manhattans. Kenneth Nelson wird für einen Golden Globe als Bester Nachwuchsdarsteller nominiert. Der nächste Film des Regisseurs wird sein internationaler Durchbruch. Der Polizei-Thriller BRENNPUNKT BROOKLYN (1971) wird für insgesamt acht Academy Awards nominiert, darunter für die Beste Regie. Im Film sind die zwei Polizisten Jimmy 'Popeye' Doyle, gespielt von einem aufstrebenden Gene Hackman, und Buddy 'Cloudy' Russo (Roy Scheider), einem großen Drogendeal auf der Spur. Gelobt wird vor allem der realitätsnahe, dokumentarisch anmutente Stil des Filmemachers, der auf seinen Erfahrungen beim Fernsehen beruht. Gleichzeitig stellt dieses Stilmittel eine Charakteristik des New Hollywood-Kinos dar. Die Dialoge werden zu einem großen Teil improvisiert, es wird an Originalschauplätzen gedreht, um das Authentische zusätzlich zu stützen. Außerdem enthält der Film eine der bekanntesten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte: Unter den Bahn-Brücken von Brooklyn verfolgt Gene Hackman einen Killer. Sie wird immer wieder in Computerspielen und Filmen zitiert.

Ein Meilenstein der amerikanischen Kinogeschichte legt William Friedkin zwei Jahre nach seinem letzten Erfolg vor. DER EXORZIST (1973) ist ein Psycho-Schocker, der eine ganze Generation zum Schreien bringt. Die Geschichte des von einem Dämon besessenen 12-jährigen Mädchens wird zum Kassenschlager, der weltweit über 400 Millionen Dollar einspielt. Die kleine Regan verhält sich komisch, immer öfter äußert sie sich blasphemisch und obszön. Schließlich kommen die Priester Lancaster Merrin (Max von Sydow) und Damien Karras (Jason Miller) zur Hilfe und führen einen Exorzismus durch. Nach dem Tod von Merrin, gelingt es Karras endlich den Dämon aus dem Körper des Mädchens zu befreien, er befällt stattdessen seinen Körper. Mit letzter Kraft springt er aus dem Fenster und tötet so sich und den Dämonen. Die gruselige Geschichte wird brillant zugespitzt durch fantastische Effekte und eingängige Musik. Das Werk wird für zehn Academy Awards nominiert und ist der Höhepunkt in der Karriere des Filmemachers, der im Jahr 2000 durch die Veröffentlichung der Director's Cut-Version wiederholt werden kann. Die elf Minuten längere Version zieht wiederum mehrere Millionen Zuschauer in die Kinosäle.

Für sein nächstes Filmprojekt widmet sich William Friedkin dem Henri-Georges Clouzot Film LOHN DER ANGST (1952). Seine eigene Version des französischen Films ATEMLOS VOR ANGST (1977) wird von der Kritik als profanes Remake betrachtet, der die Charakterzeichnung seiner Figuren ignoriert und Spannungseffekte so überzieht, dass sie ihre Wirkung verlieren. Der Film wird ein finanzielles Desaster: Er spielt seine Produktionskosten von ungefähr 22 Millionen Dollar nur zur Hälfte ein. Ein Jahr später erscheint die Komödie DAS GROßE DINGS BEI BRINKS (1978) mit Peter Falk. Der Film über einen großen Überfall auf die Zentrale eines Geldunternehmens in Boston schlägt keine großen Wellen.

Die 1980er Jahre - für William Friedkin ein wechselhaftes Jahrzehnt - läutet er mit einem großen Flop ein. CRUISING (1980) zeigt Al Pacino als Undercover-Polizist, der im schwulen S/M-Milieu auf der Jagd nach einem Massenmörder ist. Proteste löst der Film bei der Gay-Community New Yorks aus, die der Ansicht ist, dass Homosexuelle in dem Film schlecht dargestellt werden. Sie behindern aus diesem Grund sogar die Dreharbeiten durch Pfeifen, laute Musik oder mit Hilfe von Lichtreflexionen kleiner Spiegel. Bei der Kritik fällt der Film durch und wird bei den Razzie Awards für drei Goldene Himbeeren nominiert, unter anderem als Schlechtester Film und für den Schlechtester Regisseur. Nach der Komödie DAS BOMBENGESCHÄFT (1983), das einen Waffenhändler (Chevy Chase) komödiantisch bei der Arbeit betrachtet, dreht William Friedkin mit LEBEN UND STERBEN IN L.A. (1985) einen klassischen Cop-Thriller. Es geht um zwei Polizisten, die einen Geldfälscher jagen. Einer der beiden will außerdem seinen früheren Kollegen rächen, der von dem Gangster ermordet wurde. Interessant wird das Werk dadurch, dass die Grenze zwischen polizeilicher Ermittlungen und inoffizieller Eigeninitiative der Figuren verwischt wird. Die zwei Gegenspieler, der Geldfälscher und der rachsüchtige Polizist, werden von Willem Dafoe und William L. Peterson gespielt. Die Kameraführung von Robby Müller, der schon mit Wim Wenders und Jim Jarmusch Erfolge feiert, wird ebenso wie die Darsteller von der Kritik gelobt.

Dagegen unbeachtet bleibt der Thriller RAMPAGE - ANKLAGE MASSENMORD (1987), der sich um einen Serienkiller dreht, dem die Todesstrafe droht. Ein großer Teil des Films beleuchtet die Verhandlung nachdem er von der Polizei festgenommen wurde. Das Thema der Todesstrafe wird kritisch hinterfragt, was der allgemeinen Rezeption des Films jedoch nicht zugute kommt. Der Film bleibt, wie auch das folgende Werk des Regisseurs, der Horrorfilm DAS KINDERMÄDCHEN (1989), weitgehend ohne Beachtung.

Der seichte Basketballfilm BLUE CHIPS (1994) zeigt Nick Nolte als Trainer einer College-Basketballmannschaft, der unlautere Methoden anwendet. NBA-Star Shaquille O'Neal wird seiner Rolle als Publikumsmagnet gerecht, der Film spielt mit 22 Millionen Dollar etwas mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten ein. Für sein Schauspiel allerdings erhält der Sportler eine Nominierung für den Razzie Award als Schlechtester Neuer Star. Dem am Anfang der 1990er populären Genre des Erotik-Thrillers fügt William Friedkin ein Jahr später den Film JADE (1995) hinzu. Es geht um einen Staatsanwalt, der auf der Suche nach einem ominösen Callgirl namens Jade ist, von der er bei der Aufklärung eines Mordfalls pikante Fotos entdeckt, auf denen sie mit Prominenten zu sehen ist. Es stellt sich heraus, dass Jade eine alte Freundin des Staatsanwalts und selbst in Gefahr ist. Der groß aufgezogene Thriller erntet ein weiteres Mal Nominierungen für den Razzie Award, gilt aber bei Fans als unterschätztes Meisterwerk.

Nach einer langen Pause von fünf Jahren veröffentlicht William Friedkin das Militärdrama RULES - SEKUNDEN DER ENTSCHEIDUNG (2000). Mit 60 Millionen Dollar ein richtiges Großprojekt, das in den Hauptrollen Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones mit guten Schauspielern punkten kann. Als Marine Colonels sind sie auf der Suche nach verschwundenem Beweismaterial im Jemen. Filmkritiker sind empört ob der Darstellung arabischer Menschen als hochgradig gewaltbereit. Sein hohes Budget kann das Werk in etwa wieder einspielen. Drei Jahre später steht ein FBI-Ausbilder (Tommy Lee Jones) in DIE STUNDE DES JÄGERS (2003) seinem ehemaligen Schüler (Benicio Del Toro) an der Seite. In einer Spezialausbildung bildet er GI zu perfekten Killern aus. Da sein Ex-Schützling einige Jäger ermordet hat, liegt es an seinem Mentor, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. An der Oberfläche zeigt der Film, welche psychischen Auswirkungen eine solch harte Ausbildung auf einem Menschen hat. Anerkennung bekommt er allerdings hauptsächlich für seine Actionszenen.

Das bisher letzte Kinoprojekt William Friedkins ist BUG (2006), ein sehr intensives Drama um Agnes, die am Boden der sozialen Rasters angekommen ist, und Peter, der an eine Verschwörungstheorie gegen die amerikanische Regierung glaubt. Mit seinem paranoiden Wahn, dass die Regierung ihm im Irakkrieg Wanzen in den Körper implantiert haben könnte, steckt er schließlich auch Agnes an und das Unglück bahnt sich seinen Weg. Der Film ist Irakbewältigung und Horrorfilm in einem.

Seit seiner Lehrzeit bei verschiedenen Fernsehanstalten in den USA, kehrt William Friedkin immer wieder zum TV zurück. Er dreht einige Folgen für berühmte, langlebige Serien wie THE ALFRED HITCHCOCK HOUR, THE TWILIGHT ZONE oder CSI. Die Filme ATEMLOS VOR ANGST (1977) und RAMPAGE - ANKLAGE MASSENMORD (1987) produziert er selbst. Seine Liebe zur Oper lässt ihn seit 1998 viele Opern inszenieren, die ihm internationales Renommee verschaffen.

William Friedkin ist viermal verheiratet. Seine erste Ehe führt er mit der französischen Schauspielerin Jeanne Moreau. Sie hält allerdings nur zwei Jahre, von 1977 bis 1979. Danach tritt er mit der Schauspielerin Lesley-Anne Down vor der Traualtar. Aus ihrer Ehe, die von 1982 bis 1985 währt, geht ihr gemeinsamer Sohn Jack hervor. Einen weiteren Sohn hat er mit der australischen Tänzerin Jennifer Nairn-Smith. Mit der Schauspielerin Kelly Lange ist er von 1987 bis 1990 verheiratet. Seit 1991 ist er der Ehemann der Schauspielerin und Produzentin Sherry Lansing.

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Autor: Hannes Wesselkämper
Stand: Juni 2008

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