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George A. Romero

George A. Romero
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Darsteller, Ausführender Produzent

* 04. Februar 1940
Bronx (New York)
USA

GEORGE A. ROMERO • Biographie Seite 1/1

George Andrew Romero, US-amerikanischer Regisseur, Kameramann, Filmeditor, Drehbuchautor und Schauspieler, gilt als einer der Mitbegründer des modernen Horrorfilms. Der Filmemacher spezialisiert sich dabei auf das Subgenre des Zombiefilms, welches er mit seiner Pentalogie der lebenden Toten maßgeblich formte. Dabei geht es ihm niemals ausschließlich um Schock- und Ekeleffekte. Vielmehr weisen alle seine Zombiefilme politische Subtexte auf, die Missstände in der amerikanischen Gesellschaft mit Hilfe feinsinnigen Humors aufs Schärfste kritisieren.

Geboren wird George A. Romero am 4. Februar 1940 in der Bronx, New York City. Schon im Alter von 14 Jahren dreht er erste Amateurfilme auf einer Schmalspurkamera. 1958 gewinnt er den Future Scientists of America Award für EARTHBOTTOM (1958), eine Dokumentation über Geologie. Um sein Kunst und Design-Studium an der Carnegie Mellon University aufzunehmen, zieht George A. Romero nach Pittsburgh, Pennsylvania, eine Stadt, der er die nächsten Jahrzehnte über treu bleiben wird. Kurz nachdem er zur Theaterwissenschaft wechselt, gibt er sein Studium auf und gründet mit seinem Freund John A. Russo, der später ebenfalls Horrorfilme drehen wird, eine Filmproduktionsfirma namens "The Latent Image", welche sich auf Werbespots und Lehrfilme spezialisiert.

1967 gelingt es den beiden jungen Filmemachern ein Budget von 100.000 US-Dollar zusammenzukratzen, um ihr gemeinsames Drehbuch für die Horrorkomödie DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) unter George A. Romeros Leitung zu verfilmen. Dabei erweist sich dieser, nicht zuletzt aus Budgetgründen, als Allrounder. Regie, Drehbuch, Schnitt und Kamera, alles macht er selbst. Ein Jahr später kommt die kleine schwarz-weiße Independentproduktion in die Kinos und schlägt ein wie eine Bombe. Nicht nur die explizit blutige Ästhetik des Films, die Horrorfilmliebhabern das Herz höher schlagen lässt, sondern vor allem die subversiv politischen Untertöne machen aus dem B-Movie in kürzester Zeit einen Klassiker. DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) ist einer der ersten amerikanischen Filme, in denen, entgegen dem noch herrschenden Rassismus, die Heldenrolle mit einem afroamerikanischen Mann besetzt ist, der nicht nur gegen Zombies, sondern gleichzeitig gegen seine weißen konservativen Mitgefangenen kämpfen muss.

Seine Gesellschaftskritik hält Romero auch in den anderen vier Filmen seiner Pentalogie aufrecht: In ZOMBIE (1977) pilgern die Hirntoten durch einen noch immer latent vorhandenen Wunsch nach Konsum zum lokalen Einkaufszentrum, also zu dem Ort, der in ihrem früheren Leben wohl die wichtigste Rolle gespielt hat. In ZOMBIE 2 (1985) verschärft der Regisseur seinen Ton nochmals und präsentiert eine Gruppe Wissenschaftler und Militärs, die in einem Bunker gefangen nach einer Heilung der Zombieplage suchen. Die Machtgier und der Größenwahn, der innerhalb der Gruppe regiert, werden bald zu einer größeren Bedrohung als die Zombies, die am Bunkereingang auf Frischfleisch warten. Mit ZOMBIE 2 (1985) endet 1985 George A. Romeros "Lebende Tote"-Reihe vorerst. Die gesellschaftliche Situation in den USA hat sich entschärft und das Interesse an politisch ambitionierten Horrorfilmen sowie an George A. Romero selbst geht vorerst verloren. Erst mit den Ereignissen um 9/11, dem Irakkrieg und der immer einengenderen Politik George W. Bushs erlebt das Genre eine Renaissance.

Mit dabei Altmeister George A. Romero und sein neuer Film LAND OF THE DEAD (2005), dessen Geschichte nicht mehr die drohende Zombie-Apokalypse, sondern die Welt danach zeigt. Während die Welt belagert wird von Untoten, haben es sich die Wohlhabenden in einer Hochsicherheitswohnanlage gemütlich gemacht, in der es trotz Endzeitstimmung an nichts fehlt. Für die Versorgung und Sicherung sorgen ehemalige Elitesoldaten, die mit ganz ähnlichen Taktiken, die tatsächlich im irakischen Kriegsgebiet angewandt werden, die Zombies in Schach halten. Doch diese lassen sich nicht ewig mit modernen Waffen vom Luxusleben der Reichen fernhalten. Der untote Mob reagiert mit einer Weiterentwicklung seiner rudimentären Fähigkeiten und lernt trotz mangelnder Gehirnaktivität Waffen zu nutzen und führt so letztendlich auch die begüterte Restbevölkerung ihrem verdienten Schicksal zu.

Gleiches gilt für die Gruppe Jugendlicher, die der Filmemacher in seiner ersten Independentproduktion seit zwanzig Jahren DIARY OF THE DEAD (2007) den Beginn der Zombieplage erleben lässt. Diese drehen eigentlich selbst einen Horrorfilm, als die Toten wieder auferstehen. Die Gruppe teilt sich schnell in aktive Killer, die sich mit zunehmender Lust eine Schneise durch die Horden schlagen und die passiven Zuschauer, die fortwährend und emotionslos ihre Kamera auf das Gemetzel richten, um es so schnell wie möglich auf YouTube zu laden.

Doch George A. Romeros Arbeit beschränkt sich nicht nur auf Zombiefilme. Neben Horrorfilmen wie HUNGRY WIVES (1973), WAMPYR (1977), DER AFFE IM MENSCHEN (1988), STARK (1993) und BRUISER (2000), arbeitet er als Drehbuchautor, Filmeditor und agiert auch selbst vor der Kamera. Seinen bekanntesten Auftritt als Schauspieler hat er als FBI Agent in Jonathan Demmes erfolgreichen Thriller DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1990).

George A. Romeros Vision von lebenden Toten als Allegorie auf die Missstände unserer Zeit haben nicht nur den Zombiefilm als modernes Horrorgenre etabliert, sondern auch zahlreiche andere Zombie- und Apokalysenfilme inspiriert, wie Edgar Wrights witzige Hommage SHAUN OF THE DEAD (2004), 28 DAYS LATER (2002) von Danny Boyle und dessen Sequel 28 WEEKS LATER (2007) (28 WEEKS LATER (2007) Trailer) unter der Regie von Juan Carlos Fresnadillo sowie außerdem die Resident Evil-Trilogie, RESIDENT EVIL (2002) von Paul W. S. Anderson, RESIDENT EVIL: APOCALYPSE (2004) von Alexander Witt und RESIDENT EVIL: EXTINCTION (2007) (RESIDENT EVIL: EXTINCTION (2007) Trailer) von Russell Mulcahy.

George A. Romeros Zombies leben auch in den Zombiewalks weiter. Die seit 2001 stattfindenden Zusammenkünfte gelten als durch Mundpropaganda generierte Treffen der Genre-Liebhaber, die als Zombies verkleidet die Straßen auf der Suche nach "Frischfleisch" durchkreuzen. Der größte Zombiewalk mit fast 900 Teilnehmern fand traditionell in George A. Romeros ehemaliger Heimatstadt Pittsburgh, Pennsylvania statt, die fast allen seiner Zombiefilme als Schauplatz diente.

George A. Romero selbst hat den USA vor ein paar Jahren den Rücken gekehrt und ist nach Kanada ausgewandert. Dort lebt er zurzeit in Trennung von seiner Frau, der Schauspielerin Christine Forrest, die auch in seinen ersten Filmen mitspielt, und schreibt an einem neuen Teil seiner Zombie-Reihe.

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Autorin: Beatrice Behn
Stand: Juni 2008

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