Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Brian De Palma

Brian De Palma
Regie, Drehbuch, Produzent

* 11. September 1940
Newark (New Jersey)
USA

BRIAN DE PALMA • Biographie Seite 1/1

Was kommt dabei heraus, wenn wir Jean-Luc Godard mit Alfred Hitchcock vermischen würden und mit ein wenig Andy Warhol'scher Anarchie garnieren? Für viele Kritriker kann die Antwort nur lauten: Brian De Palma. Der gefeierte New Hollywood-Regisseur ist bekannt für seine oftmals blutrünstig-psychologischen Thriller, mit denen er eine ganze Zuschauergeneration schockiert. Technischer Sachverstand und großes Interesse an der Kunst sind Grundlagen für seinen kreativen Umgang mit dem Medium Film. So schafft er es, anspruchsvolle Kritiker und gleichzeitig ein breites Publikum zufriedenzustellen.

Als Sohn italienischer Einwanderer wird Brian Russel De Palma am 11. September 1940 in Newark, New Jersey geboren. Sein Vater sorgt mit seinem Job als Chirurg für die finanzielle Sicherheit der Familie. Der zukünftige Regissseur wächst in Philadephia auf und macht dort auch seinen Schulabschluss. Er beginnt ein Studium der Physik an der Columbia University in New York, wo er bald Mitglied einer Studententheatergruppe wird. Dort beginnt er, sich mit Film auseinanderzusetzen und erste Kurzfilme zu drehen. Der 16mm-Film WOTAN'S WAKE (1962) verschafft ihm ein Stipendium am alteingesessenen Sarah Lawrence College in Bronxville, New York. Hier entsteht Mitte der 1960er Jahre sein erster Spielfilm THE WEDDING PARTY (1969), der aber nicht vor 1969 veröffentlicht wird, da kein Verleiher sich für den Film interessiert und der junge Robert De Niro noch nicht bekannt ist.

Mit Dokumentarfilmen verdient er sich erstes Geld und kann so die Arbeiten an der 80-minütigen Komödie MURDER À LA MODE (1968) beginnen. Im selben Jahr veröffentlicht er den Episodenfilm GREETINGS (1968), der sich an den Kultfilm AUGEN DER ANGST (1960) von Michael Powell anlehnt. Erzählt wird von drei jungen Männern, die zur Musterung müssen. Während sich zwei erfolgreich dem Kriegsdienst entziehen, landet der dritte bei einer Elite-Einheit. Auf der Berlinale wird der junge Filmemacher für sein kritisches Amerikabild, welches in Pop-Art-Manier inszeniert ist, mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Auch das Sequel HI MOM! (1970), das sich intensiver mit der Figur des Jon Rubin beschäftigt, die von Robert De Niro gespielt wird, wird von Kritikern gelobt. Die bizarre Komödie zeigt den Vietnamveteran Rubin, der durch seine Amateurfilme in die Black-Power-Bewegung gerät.

Nach einer weiteren Komödie, HILFE, ICH HABE ERFOLG (1972), wendet sich Brian De Palma dem Thrillergenre zu. Seinem Vorbild Alfred Hitchcock folgend, dreht er SISTERS - DIE SCHWESTERN DES BÖSEN (1973). Der Film wird sein erster großer Publikumserfolg, obwohl einige Kritiker sich zu sehr an den Meister des Suspense erinnert fühlen. Es geht um eine jugen Frau, deren siamesische Zwillingsschwester bei der Trennung gestorben ist, aber nun ihre Schwester aus dem Jenseits zu Bluttaten drängt. Eine Reporterin und der von ihr engagierte Privatdetektiv sind auf der Suche nach der schrecklichen Wahrheit. Der folgende Horror-Rock-Musical-Film DAS PHANTOM IM PARADIES (1974) scheitert an den Kinokassen, erlangt jedoch bald danach Kultstatus.

Mit SCHWARZER ENGEL (1976) kommt Brian De Palma endlich auch in Hollywood an. Die überarbeitete Geschichte des Alfred Hitchcock Klassikers VERTIGO (1958) wirkt an den Kinokassen und beschert ihm einen guten Ruf in der Kinowelt. Diesen kann der Regisseur im selben Jahr festigen, da CARRIE - DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER (1976), die Verfilmung des Romans von Steven King, als Meilenstein des Horrorgenres gefeiert wird. Autor wie Filmemacher werden bejubelt für die Geschichte des jungen Mädchens Carrie (Sissy Spacek), dass nach und nach ihre telekinetischen Kräfte entdeckt. Gleichzeitig ist es eine Bestandsaufnahme der Entdeckung der eigenen weiblichen Sexualität. Carrie hat ein traumatisches Erlebnis im Sportunterricht, sie hat ihre erste Menstruation und wurde nicht darüber aufgeklärt. Die anderen Mitschüler hänseln sie stetig, bis es beim Schulball zum Ekat kommt. Carrie richtet aus Rache ein Massaker an, bei dem sie die ganze Schule in Flammen setzt.

Wiederum um Telekinese geht es im Folgefilm Brian de Palmas. TEUFELSKREIS ALPHA (1978) mit Kirk Douglas und John Cassavetes fügt diesem Thema allerdings eine andere Variante hinzu. Telekinese und deren Zerstörungspotential soll vom Militär kanalisiert werden, um sie als Waffe einzusetzen. Im selben Jahr unterrichtet der Regisseur am Sarah Lawrence College, seiner alten Ausbildungsstätte. Der Film-Workshop bringt den Titel HOME MOVIES - WIE DU MIR, SO ICH DIR (1980) hervor. Im Veröffentlichungsjahr zeigt der Künstler dem Publikum einen weiteren an Alfred Hitchcock angelehnten Film. DRESSED TO KILL (1980) erinnert viele Kritiker zu sehr an PSYCHO (1960). Michael Caine glänzt als psychopathischer Psychiater in Frauenkleidern. BLOW OUT - DER TOD LÖSCHT ALLE SPUREN (1981) erinnert nicht nur im Titel an das Meisterwerk BLOW UP (1966) von Michelangelo Antonioni. Der Toneffekttechniker Jack Terry, dargestellt von John Travolta, stößt auf der Suche nach Effekten für einen Film auf ein Tonband, das ein Attentat beweist. Terry gerät immer tiefer in einen Sumpf aus Lügen und Kriminalität. Ein weiteres wichtiges Thema für Brian De Palma ist Voyeurismus. Das beste Beispiel hierfür ist DER TOD KOMMT ZWEIMAL (1984), der von Jake Scully erzählt, der für einen Schauspielerkollegen das Haus hütet und dabei der verführerischen Nachbarin beim strippen zuschaut. Dies ist allerdings wie in so vielen seiner Filmen ein schlechtes Omen.

Dem organisierten Verbrechen widmet sich Brian De Palma in den drei Filmen SCARFACE (1982), THE UNTOUCHABLES - DIE UNBESTECHLICHEN (1987) und CARLITOs WAY (1993). Ersterer behandelt den Aufstieg und Fall von Tony Montana, eines kubanischen Flüchtlings, der in Miami zum Drogenbaron aufsteigt. Das Remake des Klassikers von Howard Hawks ist der absolute Kultfilm des Regisseurs und findet sich bis heute in der Popkultur wieder. Ob als Videospiel oder im Hip-Hop-Geschäft: Tony Montana ist zur modernen Pop-Ikone geworden. Der zweite Film mausert sich ebenfalls zum Publikumsliebling. Es geht um Al Capone, den wahrscheinlich größten Gangster des letzten Jahrhunderts. Das Werk glänzt mit großen Namen wie Sean Connery, Kevin Costner und Robert De Niro sowie seinen authentischen Bildern aus der Prohibitionszeit. Besonders bei Kritikern erfolgreich ist CARLITOs WAY (1993). Der Film beruht auf der literarischen Vorlage "After Hours" von Edwin Torres. Die Hauptrolle des Ex-Häftlings Carlito Brigante, der nach seiner Gefängniszeit vergeblich versucht, nicht zurück in das organisierte Verbrechen zu rutschen, spielt ein Al Pacino in Hochform. Nochmals wird dieses Thema in der Komödie ZWEI SUPERPFLAUMEN IN DER UNTERWELT (1986) behandelt. Die Mafia-Komödie mit Jack Nicholson bleibt allerdings ohne nennenswerten Erfolg.

Wie viele Regisseure des New Hollywood-Kinos beleuchtet auch Brian De Palma den Schrecken des Irakkrieges. DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES (1989) ist ein packender Film über die Moral im Krieg. Die Protagonisten, gespielt von Sean Penn und Michael J. Fox, stehen sich in ihren Meinungen und Moralität gegen. Aus Rache für einen Angriff der Vietcong aus dem Hinterhalt, nimmt eine Gruppe US-Soldaten ein junges vietnamesisches Mädchen gefangen und missbraucht es. Am Ende des Films wacht Max Eriksson (Michael J. Fox) im Bus auf. Alles war nur eine schlimme Erinnereung, hervorgerufen von einer vietnamesischen Studentin, die in der Nähe sitzt. Vietnambewältigung in hoher Qualität, beide Hauptdarsteller werden für ihre Darstellung in der Presse gelobt. Krieg spielt auch im neuesten Film des Regisseurs die tragende Rolle. In REDACTED (2007) geht es um einen ähnlichen Stoff, der in den zweiten Irakkrieg übertragen wird.

Nach dem Flop FEGEFEUER DER EITELKEITEN (1990) und MEIN BRUDER KAIN (1992), für den sich Brian De Palma auf seine Horrorwurzeln besinnt, bringt der Filmemacher mit MISSION: IMPOSSIBLE (1996) einen weiteren Meilenstein auf den Markt, der sich an der erfolgreichen, gleichnamigen Fernsehserie orientiert. Der Agententhriller läuft gut in den Kinos. Tom Cruise stellt den Agenten Ethant Hunt dar, der eine geheime Liste mit den Namen verdeckter CIA-Ermittler in Osteuropa sichern soll. Als er merkt, dass er nur für eine Falle benutzt wurde, beschließt er die echte Liste aus dem Hauptquartier des CIA zu stehlen. Die zwei Sequels des Films werden von anderen Regisseuren gedreht.

Brian De Palmas neuere Filme können nicht an seine alten Erfolge anknüpfen. Der Thriller SPIEL AUF ZEIT (1998) mit Nicolas Cage in der Hauptrolle kann weder bei der Presse noch an den Kinokassen überzeugen. Das Weltraumdrama MISSION TO MARS (2000) enttäuscht ebenfalls. Der Regisseur wird für die Goldene Himbeere als Schlechtester Regisseur nominiert. Das ehemalige Model Rebecca Romijn spielt die Hauptrolle in FEMME FATALE (2002). Sie ist die verführerische Laure, die sich eine neue Identität aneignet. Nach einigen Jahren wird sie von dem Fotografen Nicolas Bardo (Antonio Banderas) wiedererkannt und fotografiert. Nun muss Laure ihre frühere Identität verbergen, mit allen Mitteln. Der Film kann nicht einmal die Hälfte des Budgets von 35 Millionen Dollar einspielen. Ein ähnliches Problem bereitet dem Regisseur der Film THE BLACK DAHLIA (2006). Die Verfilmung eines des Romans von James Ellroy bleibt ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Anklänge an den film noir lassen sich in der Story erkennen, die von zwei Polizisten und ihren Kämpfen gegen Korruption nebst verführerische Frauen handelt.

Zu Beginn seiner Karriere dreht Brian De Palma verschiedene Kurzfilme, aber auch größere Dokumentationen. Ein Frühwerk ist THE RESPONSIVE EYE (1966), der eine Pop-Art-Ausstellung zeigt. Sein zweiter Dokumentarfilm heißt DIONYSUS (1970) und behandelt die Aufführung des Bühnenstückes "Die Bakchen" von Euripides. Interpretiert wird es von einer Performance Group. Außerdem dreht der Filmemacher das Musikvideo zum Bruce Springsteen Song "Dancing in the Dark".

Brian De Palma heiratet dreimal. Alle Ehen werden geschieden. Aus den Ehe mit Gale Ann Hurd und Darnell Gregorio-De Palma geht jeweils ein Kind hervor. Die Ehe mit Schauspielerin Nancy Allen bleibt kinderlos.

----
Autor: Hannes Wesselkämper
Stand: Juni 2008

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 2,07357