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Terry Gilliam

Terry Gilliam
Regie, Drehbuch, Darsteller, Sprecher, Produzent, Ausführender Produzent

* 22. November 1940
Minneapolis (Missouri)
USA

TERRY GILLIAM • Biographie Seite 1/1

Terry Gilliam ist ein Meister des skurrilen Humors, des opulenten Dekors und der phantastischen Geschichten. Seine Filme sind der Realität genauso verhaftet wie der Phantasie. Nicht immer sind sie an den Kinokassen erfolgreich, werden aber häufig zu Kultfilmen, die immer wieder neue Kinogenerationen begeistern. Mit den Produzenten steht der Regisseur auf Kriegsfuß, häufig überzieht er Produktionszeit und -kosten, einige Male werden seine Arbeiten auch abgebrochen oder es kommt gar nicht zum Dreh. Schade, denn seine Filme strotzen vor Einfällen und zeugen von der starken visuellen Kraft des Künstlers.

Am 22. November 1940 in Medicine Lake, Minneapolis geboren, wächst Terry Vance Gilliam ab 1951 in Los Angeles auf. Zwischen 1958 und 1962 absolviert er ein Studium. Zunächst wählt er Physik und dann Kunst, schließlich graduiert er aber im Fach Politologie am Occidental College in Los Angeles, wo er das humoristische Studentenmagazin "Fang" herausgibt. Zunächst scheint sich darin auch sein Lebensweg abzuzeichnen. Im Jahr seines Abschlusses gibt er zusammen mit Harvey Kurtzman, dem Gründer des "MAD-Magazines", in New York die satirische Zeitschrift "Help!" heraus, wo er den Schauspieler John Cleese kennen lernt. Hier betätigt er sich vor allem als Grafiker und Redakteur. Schon früh zieht es ihn nach Europa, welches er Anfang der 1960er bereist. Nach seiner Rückkehr verdient er sein Geld als Grafiker und Werbetexter, wobei er sich hin und her gerissen fühlt zwischen den Kulturen beiderseits des Atlantiks. 1967 schließlich siedelt er nach London über. Einerseits will er nur weg aus Amerika, andererseits zieht ihn die Liebe dorthin. Wieder arbeitet er als Grafiker - diesmal beim "London Magazine".

Im darauf folgenden Jahr erlangt er die britische Staatsbürgerschaft und beginnt mit der Hilfe von John Cleese, seine Karriere von den Printmedien zum Fernsehen zu lenken. Er entwickelt bei der BBC Zeichentrick-Sequenzen für verschiedene Comedyserien. Dann gründet er zusammen mit britischen Komikern den "Monty Python's Flying Circus", wo er der einzige Amerikaner ist. Terry Gilliam beteiligt sich sowohl an den Fernseh-Episoden, als auch an den Spielfilmen als Animator, Darsteller, Autor, Regisseur und Szenograf. Bekannt wird er vor allem für seine Tricksequenzen bei den Fernseh-Episoden. Zusammen mit Terry Jones, Michael Palin und Eric Idle entstehen auch die Monty Python-Kinofilme, bei denen er die Co-Regie übernimmt. Die Tricksequenzen, die die Realaufnahmen von DIE RITTER DER KOKOSNUß (1975) unterbrechen, stammen ebenfalls von ihm.

Sein erster Film, bei dem er komplett die Regie übernimmt, ist JABBERWOCKY (1977). Jabberwocky ist der Titel eines "Unsinns-Gedichts" aus "Alice hinter den Spiegeln" (1871) von Lewis Carroll, in dem es um das gleichnamige Ungeheuer geht. Jabberwocky terrorisiert ein ganzes Königreich, wodurch das Ritterfilm-Genre mit Parodie und Sozialkritik verbunden wird. Entsprechend finden sich hier schon typische Züge Gilliamscher Filme. Das Mittelalter tritt hier nicht nur als Quelle seiner Inspiration auf, sondern bietet den Hintergrund für den gesamten Film und ist ähnlich inszeniert wie in DIE RITTER DER KOKOSNUß (1975). Jedem Detail der Ausstattung soll der Zuschauer ansehen, dass es eine Vergangenheit hat, dass es schon seit langer Zeit verwendet wird und perfekt in die skurril-surrealistische Fantasiewelt von Terry Gilliam passt.

Auch sein nächster Film TIME BANDITS (1981) trägt Züge von Monty Python, deren Slapstick und Nonsense-Humor er weiterentwickelt, gepaart mit einem detaillierten Design, welches viktorianische Facetten aufweist. Der elfjährige Kevin gelangt im späten 20. Jahrhundert in die Gesellschaft von sechs Zwergen, denen er sich anschließt. Gemeinsam reisen sie durch die Zeit, verfolgt vom Obersten Wesen, dem sie eine Karte mit Zeitlöchern gestohlen haben, um auf Raubzug durch die Geschichte zu gehen. Unter den gierigen Blicken des personifizierten Bösen, das ebenfalls in den Besitz der Karte kommen möchte, führt sie ihre Reise von Napoleon (Ian Holm), über Robin Hood und Agamemnon (Sean Connery) bis ins Zeitalter der Legenden, wo das große Finale auf sie wartet.

Im Gegensatz zu TIME BANDITS (1981) wird sein nächster Film BRAZIL (1985) kein finanzieller Erfolg. Die Kritik betrachtet den Film aber wohlwollend und mit der Zeit entwickelt er sich zu einem Kultfilm. Terry Gilliams Version von George Orwells "1984" kommt im Gewand eines kafkaesken Science Fiction daher. Der Film zeichnet sich vor allem durch seinen skurril-surrealistischen Stil aus, zu dem auch Märchen- und Mythenelemente zählen. In der Hauptsache zeigt er den Helden im Kampf gegen die übermächtige Bürokratie. Eine Liebesgeschichte, die sich aus Traumsequenzen heraus entwickelt, hat in dieser Welt keine Chance, genauso wenig wie der Verstand, dem sich der Protagonist schließlich entzieht, weil dieser die Welt in ihren Abgründen nicht mehr wahrhaben kann. So flüchtet er sich letzten Endes in seine Traumwelt, wo er sicher ist vor der Welt und ihren bürokratisch-brutalen Handlangern. Auch wenn der Film nicht einmal seine Produktionskosten einspielt, wird Terry Gilliam, der nicht viel von Hollywood hält, für einen Oscar für das Beste Drehbuch nominiert.

DIE ABENTEUER DES BARON MÜNCHHAUSEN (1988) ist der Titel seine nächsten Projekts, welches nicht nur der bis dahin teuerste europäischen Film ist, auch wenn er teilweise mit Hollywood-Geld finanziert wird, sondern auch in einem gigantischen Desaster endet. Ob der Film beim Publikum wirklich durchfällt oder ob es an den internen Problemen des amerikanischen Verleihers liegt, lässt sich nur schwer sagen, die Kritik jedenfalls nimmt den Film überhaupt nicht gut auf. Der Film hat mit fast 50 Millionen Dollar nahezu doppelt soviel kostet wie er eigentlich kalkuliert war und hat nicht einmal 10 Millionen einspielt. Aber es ist erstaunlich, dass er nicht das Ende von Terry Gilliams Karriere markiert. Ähnlich wie BRAZIL (1985) findet der Film erst spät seine Fans und avanciert ebenso zu einem Kultfilm.

Vielleicht ist es dem finanziellen Desaster seines letzten Films zu schulden, dass sich Terry Gilliam nun mit einem Stoff beschäftigt, der in der Gegenwart spielt: KÖNIG DER FISCHER (1991). Bei diesem Film ist er ausnahmsweise nicht an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt. Trotzdem passt er sich gut in sein Gesamtwerk ein, auch wenn er damit einen stilistisch neuen Weg beschreitet. So arbeitet der Regisseur hier mehr mit den Schauspielern als mit Masken und Bildern. Dennoch findet das Mittelalter wieder seinen Weg über die Parzivallegende als Vorlage für den Film in die Geschichte. Der Radiomoderator Jack Lucas (Jeff Bridges) fühlt sich verantwortlich für die Opfer von Edwin, der eine Bemerkung aus einer Sendung von ihm zum Anlass für einen Amoklauf nimmt. Jack kann damit nicht leben und will sich umbringen, doch er wird von dem Obdachlosen Parry (Robin Williams) gerettet. Die Parabel auf Freundschaft und Liebe sichert dem Regisseur große Aufmerksamkeit, belohnt wird die erneute Suche nach dem Gral mit dem Silbernen Löwen in Venedig.

Mit 12 MONKEYS (1995) hält er Kurs und legt den Schwerpunkt wieder auf die "wirkliche" Welt. Der Film basiert auf Chris Markers Kurzfilm LA JETÉE (1962), trotzdem erinnert 12 MONKEYS (1995) sowohl ästhetisch als auch thematisch an BRAZIL (1985). Wie in TIME BANDITS (1981) und ansatzweise auch in den meisten seiner anderen Filme, werden hier alle möglichen Zeitebenen durcheinander gewürfelt. Cole (Bruce Willis) wird aus der Zukunft in die Vergangenheit geschickt, um die Urheber einer Virusepedemie zu finden, durch die 99% der Menschheit ausgelöscht werden. Die Menschen, denen er begegnet, halten ihn für geisteskrank. Je weiter sich die Geschichte entwickelt desto mehr zweifelt er selbst an seinem eigenen Verstand, während die von ihm entführte Psychiaterin immer mehr an seiner Geschichte von der apokalyptischen Katastrophe zu glauben beginnt. Auch hier finden sich viele Motive wieder, die sein filmisches Werk bestimmen. Wie KÖNIG DER FISCHER (1991) ist der Film sowohl finanziell als auch bei der Kritik erfolgreich.

FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (1998) erleidet dagegen das Schicksal seiner weniger erfolgreichen Werke an den Kinokassen. Die Farce auf die 1970er der USA flopt an den Kinokassen, um dann zu einem Kultfilm zu avancieren. Dabei bietet der Drogenfilm innovatives Kino auf der Grundlage von Hunter S. Thompsons gleichnamigen Schlüsselroman, welcher stark autobiografische Züge trägt. Gespielt wird der Protagonist, der Hunter S. Thompson darstellen soll, von Johnny Depp.

Sein nächstes Projekt steht unter keinem guten Stern. Die Dreharbeiten zu THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE müssen 2001 wenige Tage nachdem sie begonnen haben abgebrochen werden. Zum einen erleidet der Hauptdarsteller, der den Don Quixote spielt, eine Verletzung, die es ihm unmöglich macht, sich auf ein Pferd zu setzen, zum anderen wird ein Großteil des Sets durch einen Sturm verwüstet. Sowohl der Regisseur als auch der an dem Projekt beteiligte Johnny Depp möchten das Projekt nicht endgültig fallen lassen und hoffen, es später noch einmal in Angriff nehmen zu können. Aber die Versicherungsgesellschaft, die für die bereits getätigten Ausgaben haftet, hält auch die Rechte am Drehbuch.

Erst 2005, sieben Jahre nach FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (1998), kommt wieder ein Film von Terry Gilliam in die Kinos. BROTHERS GRIMM (2005), dessen Postproduktion zwei Jahre dauert, erzählt die fiktive Geschichte der jungen Gebrüder Grimm. Zur Zeit der französischen Besatzung verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt durch das Austreiben von Geistern. Im selben Jahr wird auch TIDELAND (2005) veröffentlicht, der es allerdings nicht in die Kinos schafft. Im Gegensatz zu BROTHERS GRIMM (2005), bei dem Terry Gilliam anscheinend nicht die treibende kreative Kraft war und er sich nicht gegen die Produzenten durchsetzen konnte, arbeitet er bei TIDELAND (2005) wieder am Drehbuch mit. Während BROTHERS GRIMM (2005) negative Kritiken erhält und auch beim Publikum durchfällt sind die Meinungen zu TIDELAND (2005) geteilt. Aktuell arbeitet der Regisseur an dem Fantasy-Film THE IMAGINARIUM OF DOCTOR PARNASSUS (2009).

Terry Gilliam ist seit 1973 mit der Maskenbildnerin Margaret Weston verheiratet und hat drei Kinder mit ihr.

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Autor: Andreas Blümlein
Stand: Mai 2008

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