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Wolfgang Petersen

Wolfgang Petersen
Regie, Drehbuch, Produzent, Ausführender Produzent

* 14. März 1941
Emden
Deutschland

WOLFGANG PETERSEN • Biographie Seite 1/1

Der deutsche Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Wolfgang Petersen vollzieht eine Bilderbuchkarriere vom deutschen TV-Regisseur zum Hollywood-Star. Nach soliden Regie-Erfolgen im deutschen Fernsehfilm erzielt Wolfgang Petersen mit dem legendären Kriegsdrama DAS BOOT (1981) seinen internationalen Durchbruch. Später verbindet sich sein Name mit so erfolgreichen Kassenschlagern, wie DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984), IN THE LINE OF FIRE (1993), TROJA (2004) und POSEIDON (2006). Mit diesen Blockbustern wird er zu einem der wichtigsten Deutschen in Hollywood.

Wolfgang Petersen wird am 14. März 1941 in Emden geboren. Seine Eltern sind der Marine- Oberleutnant Petersen und seine Frau Erika. Während des Zweiten Weltkrieges wächst er in Mecklenburg auf; anschließend in Emden, wo sein Vater als Angestellter bei einem Schiffsmakler arbeitet. 1950 zieht die Familie nach Hamburg-Bramfeld um. Wolfgang Petersen entdeckt schon sehr früh die Leidenschaft für das Filmgeschäft. Bereits in der Schulzeit beginnt er mit einer Kamera 8mm-Filme zu drehen. Er absolviert an der traditionsreichen Gelehrtenschule des Johanneums sein Abitur. Neben der Schule boxt er und spielt Schlagzeug in der Cabinet Jazz Band.

Von 1960 bis 1964 arbeitet Wolfgang Petersen am Jungen Theater in Hamburg. Dort sammelt er bei Kinderaufführungen seine ersten Erfahrungen als Regisseur und Schauspieler. Nebenbei besucht er eine Schauspielschule, die er 1963 erfolgreich abschließt. 1966 gehört Wolfgang Petersen zum ersten Studien-Jahrgang der Deutschen Film,-und Fernsehakademie in Berlin. In dieser Zeit dreht er für Studienarbeiten einige Kurzfilme, darunter DER EINE - DER ANDERE (1967) und ICH NICHT (1968). Sein Abschlussfilm ist das Beziehungsdrama ICH WERDE DICH TÖTEN, WOLF (1971), bei dem er mit dem Kameramann Jörg-Michael Baldenius zusammenarbeitet. Die Beiden drehen in den nächsten Jahren insgesamt 13 Filme zusammen. Ab 1971 arbeitet Wolfgang Petersen wiederholt für den Norddeutschen Rundfunk, dort insbesondere für die Krimi-Reihe "Tatort". Für den Westdeutschen Rundfunk dreht er die Quasi-Dokumentation SMOG (1972), die als einer der ersten Filme zum Thema Umweltverschmutzung erregte Diskussionen auslöst. Wolfgang Petersen erhält 1973 den "Prix Italia" und den "Futura-Silberpreis" in Berlin für diesen Fernsehfilm. Seine Fernsehfilme sind mehr als gängige Unterhaltungsware; der junge Regisseur bietet mehr Niveau und will sich nicht auf gängige Dramaturgie und formale Ästhetik, die das schnelle Medium angeblich erfordert, festlegen.

Ein Jahr später kann der Niedersachse seinen ersten Kinofilm, den Psychothriller EINER VON UNS BEIDEN (1973) realisieren. Für diesen spannungsgeladenen Thriller wird er mit dem Bundesfilmpreis als Bester Nachwuchsregisseur ausgezeichnet. Bei der Besetzung greift er-wie bei den meisten seiner Filme-auf einen festen Stamm von Mitarbeitern zurück; darunter ist der Kameramann Jörg-Michael Baldenius, die Schauspieler Jürgen Prochnow und Klaus Schwarzkopf sowie der Komponist Klaus Doldinger. Wolfgang Petersen arbeitet gern mit einem festen, familienähnlichen Team, das ihm Harmonie und Schutz bietet. Zwei Jahre nach seinem ersten Kinofilm gelingt es Wolfgang Petersen, mit dem Tatort REIFEZEUGNIS (1975) eine der erfolgreichsten Episoden der Krimi-Reihe zu drehen. Die damals 15-jährige Nastassja Kinski verführt ihren Lehrer und sorgt bei der Ausstrahlung für leere Strassen am Sonntag-Abend in Deutschland. Der Film kommt sogar im Ausland ins Kino.

Mit dem Film DIE KONSEQUENZ (1976) sorgt der Regisseur erneut für Aufmerksamkeit. Er thematisiert in dem Drama die damals tabuisierte gesellschaftliche Marginalisierung Homosexueller. Erzählt wird die Liebesgeschichte eines zu 30 Monaten Gefängnis verurteilten Schauspielers zu dem 16jährigen Sohn des Gefängnisaufsehers. 1977 löst der Film einen Skandal aus, als der Bayerische Rundfunk sich aus der Übertragung ausschaltet. Die Sendeanstalt ist der Überzeugung, dass das Thema Homosexualität nicht für ihre Zuschauer geeignet sei. Aber der Film erhält trotzdem große Resonanz und ist kurz darauf sogar im Kino zu sehen.

1978 gründet Wolfgang Petersen zusammen mit Michael Bittins die Produktionsfirma Radiant-Film, die einige seiner Filme produziert, unter anderem SCHWARZ UND WEIß WIE TAGE UND NÄCHTE (1978), bei dem er als Bester Regisseur beim Filmfest in Paris ausgezeichnet wird. 1980 bietet ihm der Bavaria-Chef Günther Rohrbach die Regie zu der Großproduktion DAS BOOT (1981) an. Das Ergebnis wirkt authentisch und bedrohlich dicht, die klaustrophobische Atmosphäre im Inneren eines U-Boots gekonnt getroffen. Besonders hervorzuheben ist die Kameraarbeit von Jost Vacano, die seitdem von keinem vergleichbaren U-Boot-Film übertroffen worden ist. Die Darstellung des U-Boot-Krieges ist bei der Kritik zunächst umstritten, der Film wird jedoch durch Wiederaufführungen und TV-Ausstrahlungen zu einem Publikumserfolg. Insbesondere in den USA bringt diese Produktion dem Regisseur den großen Durchbruch. DAS BOOT (1981) erhält sechs Oscar-Nominierungen und wird zu einem der erfolgreichsten nicht-amerikanischen Filme aller Zeiten. Zu verdanken hat Wolfgang Petersen dies neben seiner eigenen, erstklassigen Leistung auch einem großartigen Schauspielerensemble, darunter unter anderem Herbert Grönemeyer, Uwe Ochsenknecht, Heinz Hoenig und Jürgen Prochnow.

Nach dem großen Erfolg wird ihm die Regie des Fantasy-Märchens DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984) anvertraut. Mit Unterstützung des Produzenten Bernd Eichinger versucht er sich an der Umsetzung des Bestsellers von Michael Ende. Der Film ist bis dato mit über 50 Millionen DM die teuerste deutsche Nachkriegsproduktion. Die märchenhafte Reise des kleinen Bastian in die geheimnisvolle Phantasiewelt der Winzlinge, Rennschnecken, Felsenbeißer und Glücksdrachen bricht in Deutschland dann auch sämtliche Kassenrekorde. Seine erste Arbeit für Hollywood folgt Mitte der 1980er Jahre mit dem Science Fiction-Film ENEMY MINE - GELIEBTER FEIND (1985) mit Dennis Quaid und Louis Gossett jr. in den Hauptrollen. Das Produktionsstudio Twentieth Century-Fox engagiert den Deutschen, nachdem sich die Firma mit dem ursprünglichen Regisseur überworfen hat. Der Film ist eine Weltraum-Robinsonade zwischen einem Astronauten und einem amphibischen Zwitterwesen. Der Erfolg macht es möglich: 1986 zieht Wolfgang Petersen mit seiner Familie nach Los Angeles und will sich endgültig in Hollywood etablieren. Er nimmt seine Firma Radiant-Film mit nach Amerika und kooperiert dort bei seinen nächsten Arbeiten mit der Produzentin Gail Katz.

In den USA hat es der Regisseur aber lange Zeit schwer. Er muss einige Misserfolge einstecken. Sein Thriller TOD IM SPIEGEL (1991) über den Komplott einer Ehefrau mit Tom Berenger und Greta Scacchi wird ein Achtungserfolg, floppt aber an den Kinokassen. Auch ein geplantes Projekt mit Dustin Hoffman "The Phantom of the Opera"scheitert. Erst 1993 gelingt ihm mit IN THE LINE OF FIRE (1993) wieder ein Erfolg. Hier spielt Clint Eastwood einen noch durch das Kennedy-Attentat traumatisierten Bodyguard des aktuellen Präsidenten, der eine zweite Chance erhält und ein neues Attentat verhindern kann. Wolfgang Petersen inszeniert zugleich einen packenden Thriller und eine psychologische Studie, setzt sich damit in den USA als Action-Regisseur durch. Es folgt der Virus-Thriller OUTBREAK - LAUTLOSE KILLER (1995), den er ebenfalls mit einer großen Starbesetzung drehen kann, unter anderem mit Dustin Hoffman, Rene Russo, Donald Sutherland, Kevin Spacey und Cuba Gooding jr.. Der Film verschlingt 60 Millionen Dollar Produktionskosten, und Wolfgang Petersen erobert mit diesem Blockbuster die Spitze Hollywoods. Neben den eigenen Filmen produziert er mit seiner amerikanischen Firma auch die Werke anderer Regisseure wie RED CORNER - LABYRINTH OHNE AUSWEG (1997) mit Richard Gere, INSTINKT (1999) mit Anthony Hopkins und DER 200-JAHRE MANN (2000) von Chris Columbus.

Als Regisseur dreht Wolfgang Petersen Ende der 1990er Jahre den Film AIR FORCE ONE (1997), in dem Harrison Ford als US-Präsident an Bord seines Flugzeugs eine Terroristengruppe im Alleingang bekämpft. Der actionreiche Thriller, der sein dramatisches Potential aus der Spannung im engen Raum des Flugzeuges zieht, wird ein riesiger Erfolg und spielt insgesamt über 200 Millionen Dollar ein. Der Deutsche arbeitet inzwischen nur noch mit Künstlern seiner Wahl zusammen und übt die alleinige künstlerische Kontrolle bei seinen Produktionen aus. Seit Mitte der 1990er Jahre besitzt er in Hollywood für seine Filme das Recht des Final Cut; dies ist nicht jedem Regisseur vergönnt. Der Abenteuerfilm DER STURM (2000) wird dagegen ein Flop. Wolfgang Petersen lässt George Clooney und Mark Wahlberg auf hoher See in den Rachen eines Jahrhundertsturms schauen. Es ist die wahre Geschichte von sechs Fischern, die 1991 in den größten je registrierten Sturm gerieten. Inhaltlich überzeugen kann das Action-Spektakel die Kritiker nicht: Die Handlung ist zu dürftig und auch die Schauspieler können diese kleine Charakterstudie nicht mehr aufwerten. Dennoch ist es Wolfgang Petersen zugute zu halten, dass seine Inszenierung von stürmischen Wellen und aufbrausendem Wind nahezu perfekt ist.

Nach einer vierjährigen Schaffenspause kehrt der deutsche Regisseur mit dem Historienepos TROJA (2004) ins Kino zurück. In dem Mammutprojekt lässt Wolfgang Petersen eines der berühmtesten Kapitel antiker Geschichte mit digitaler Hilfe auf der Leinwand entstehen. Neben den Stars wie Brad Pitt und Orlando Bloom verpflicht er auch die Deutsche Diane Kruger für die Rolle der Schönen Helena, was für sie den internationalen Durchbruch bedeutet. Damit beweist Wolfgang Petersen erneut sein Gespür für neue Gesichter und Talente. Der Film spielt zwar mehr als das Zweifache der Produktionskosten von 175 Millionen Dollar ein, wird jedoch nicht der erwartete Kritikererfolg wie zum Beispiel der Historienfilm GLADIATOR (2000) von Ridley Scott. Für Kenner ist TROJA (2004) weder sonderlich werksgetreu noch fesselnd oder atemberaubend und hat dem Genre nichts Neues hinzuzufügen.

2006 bringt der Erfolgsregisseur mit POSEIDON (2006) ein weiteres Multi-Millionen-Werk in die internationalen Kinos. Mit dem langsamen aber sicheren Untergang des Kreuzfahrtschiffes schafft Wolfgang Petersen erneut einen Kassenhit. In seinem Remake des Katastrophen-Klassikers DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON (1972) zähmt Wolfgang Petersen die Willkür eines fiktiven, aber doch realitätsnahen Naturunglückes. Wie es von einem Wolfgang Petersen Blockbuster erwartet wird, gibt es wieder viele Superlative, neben zahlreichen Stars (unter anderem Josh Lucas, Richard Dreyfuss, Emmy Rossum und Kurt Russell) gibt es viel Action und atemberaubende Spezialeffekte zu sehen.

Der erfolgreiche deutsche Regisseur, der es immer wieder schafft, den spannenden Augenblick aus einer dramatischen Situation herauszukitzeln, ist bis jetzt bei den Oscars - trotz wiederholter Nominierungen-leer ausgegangen. Vielleicht ist er mit seinem nächsten Projekt in dieser Hinsicht erfolgreicher. In Planung ist die Verfilmung des Science Fiction-Romans von Orson Scott Card ENDERS GAME, bei dem Wolfgang Petersen die Regie führen soll.

Wolfgang Petersen ist in erster Ehe mit der Schauspielerin Ursula Sieg verheiratet. Gemeinsam haben sie ein Kind. Sein Sohn Daniel Petersen (geb. 1968) arbeitet mittlerweile auch im Filmgeschäft. Nach der Scheidung heiratet er 1978 in zweiter Ehe Maria Borgel, die er bei Dreharbeiten zu seinem Film SMOG (1972) kennen lernt. Sie hat ihn bis zu seinem Film DAS BOOT (1981) als Regieassistentin unterstützt. Die Familie lebt in Santa Monica.

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Teresa Ohlrich, Stand: Januar 2008

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