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Julie Christie

Julie Christie
Darsteller

* 14. April 1941
Chukua (Assam)
Indien

JULIE CHRISTIE • Biographie Seite 1/1

Julie Christie ist das It-Girl der Swinging Sixties - bereits für ihre erste große Filmrolle in DARLING (1965) von John Schlesinger erhält sie den Oscar und wird über Nacht in den Filmhimmel katapultiert. Sie kreiert einen neuen Typus der emanzipierten und selbstbewussten Frau. Ihre Schönheit, ihr Charisma und ihr Talent sind legendär, wie sie in ihrer jüngsten Rolle erneut unter Beweis stellt. Julie Christie hat sich trotz ihrer großen Erfolge immer wieder bewusst vom großen Kino distanziert, sich in kleinen, unabhängigen Produktionen engagiert und für umweltpolitische Fragen eingesetzt.

Geboren am 14. April 1941 in Chukua, Indien, verbringt Julie Christie ihre Schulzeit in Indien, England und Frankreich. Ihr Vater besitzt in Indien eine Tee-Plantage, ihre Mutter ist Malerin. Zur Familie gehört noch ihr Bruder Clive. Nach ihrem Schulabschluss geht sie zunächst nach Paris und studiert Kunstgeschichte, später lernt sie Schauspiel an der Central School of Speech and Drama in London und spielt während des Studiums in der Fernsehserie A FOR ANDROMEDA (1961) von Michael Hayes eine erste Rolle, für die sie gute Kritiken erhält. Nach einigen kleinen Theaterproduktionen folgen erste Filmrollen in CROOKS ANONYMOUS (1961) und O DARLING - WAS FÜR EIN VERKEHR (1962), beide unter der Regie von Ken Annakin - zwei seichte, alberne Unterhaltungskomödien, die in erster Linie Julie Christies Attraktivität ausstellen. Doch dann lässt Regisseur John Schlesinger sie als Liz in GELIEBTER SPINNER (1963) die Straßen entlang schlendern - wenige Minuten nur, und die Filmbranche ist entflammt. Julie Christie aber wählt fürs erste die Theaterbühne und geht mit der Royal Shakespeare Company für einige Monate auf Welttournee, steht unter anderem in Ost-Europa und den USA auf der Bühne. Besondere Aufmerksamkeit erregt sie in der Aufführung von "Onkel Wanja" nach Anton Tschechow.

John Schlesingers satirisches Gesellschaftsporträt DARLING (1965), in dem sie ein rücksichtsloses, oberflächliches Fotomodel spielt, das auf ihrem Weg in den internationalen Jet-Set eine Spur emotionaler Verwüstung hinter sich lässt, ist ihr internationaler Durchbruch und stilisiert sie zur Film-Ikone der hedonistischen 1960er Jahre. Als der Film im Sommer 1965 in die Kinos kommt, emphatisch von Kritik und Publikum gefeiert wird und sie im Februar 1966 mit dem Oscar als Beste Hauptdarstellerin gekrönt wird, ist Julie Christie bereits mit den aufwendigen Dreharbeiten zu der monumentalen Hollywood-Literaturverfilmung nach Boris Pasternak DOKTOR SCHIWAGO (1965) von David Lean beschäftigt. Für ihre Rolle der Lara wird sie mit dem BAFTA Award, dem Britischen Filmpreis ausgezeichnet, erhält den US-amerikanischen National Board of Review Award und nimmt ihren Platz als tragisch Liebende in der Filmgeschichte ein. Mit dieser Rolle der jungen Frau, die sich in den russischen Revolutionswirren zurechtfinden muss, erlangt sie Unsterblichkeit im Filmolymp.

Julie Christie arbeitet mit den großen europäischen Regisseuren dieser Jahren: Der Franzose Francois Truffaut besetzt sie in einer Doppelrolle als bücherliebende Geliebte und bücherverschmähende Ehefrau von Oskar Werner in FAHRENHEIT 451 (1966). Der Regisseur bricht hier auf, was sich in all ihren Rollen - so unterschiedlich die Charaktere auch sind und sein werden - immer wieder finden lässt: ein irritierendes Zusammentreffen von Anwesenheit und Entrücktheit, das ihre Figuren ausstrahlen. Sie arbeitet erneut mit John Schlesinger in DIE HERRIN VON THORNHILL (1967), es folgt PETULIA (1967) von Richard Lester, IN SEARCH OF GREGORY (1969) von Peter Wood und ein Jahr später ist sie die überaus schöne, aber träge Landadelige Marian Maudsley in DER MITTLER (1970) von Joseph Losey, der 1971 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wird.

Anfang der 1970er Jahre zieht die Darstellerin in die USA, wo sie 1971 mit ihrem Lebensgefährten Warren Beatty unter der Regie von Robert Altman MCCABE AND MRS. MILLER (1971) dreht. Sie spielt die scharfzüngige und barsche Mrs. Miller, die McCabes Bordell in einer ärmlichen Bergbaustadt zu einem erfolgreichen Etablissements aufbaut, dem Opium jedoch mehr zuspricht als McCabe - eine ihrer besten schauspielerischen Leistungen, die ihr eine weitere Oscar-Nominierung einbringt. Während sich die amerikanische Klatschpresse den Kopf über den Stand ihrer Liebesbeziehung zu Warren Beatty zerbricht, verkörpert sie im fernen Venedig an der Seite von Donald Sutherland in WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973) von Nicolas Roeg, die durch den Unfalltod ihres Kindes zutiefst verstörte Laura Baxter. Es entsteht ein Meisterwerk des subtilen Grauens - und eine der schönsten Liebesszenen des Kinos.

Julie Christie tritt mit Warren Beatty, mit dem sie derweil nur noch freundschaftlich verbunden ist, erneut vor die Kamera: in der satirischen Komödie SHAMPOO (1974) unter der Leitung des Regisseurs Hal Ashby als Ex-Freundin eines überpotenten Friseurs, gespielt von Warren Beatty. In dessen mehrfach Oscar-Nominierten Regiedebüt DER HIMMEL SOLL WARTEN (1978), bei dem Warren Beatty und Buck Henry gemeinsam Regie führen, übernimmt sie die Rolle einer ihn 'bekehrenden' Umweltschützerin.

In den 1980er macht sie Julie Christie rar. Sie achtet auf die Qualität der Drehbücher, interessiert sich für deren Umsetzung durch die Regisseure. Viele Rollen lehnt sie ab. Die Schauspielerin widmet sich verstärkt dem Landleben, bewirtschaftet ihren Bauernhof in Wales und macht sich einen Namen mit ihrem politischen Engagement, so spricht sie unter anderem den Kommentar für den Dokumentarfilm THE ANIMAL FARM (1982) von Victor Schonfield, der sich gegen die Praxis von Tierversuchen einsetzt und ist auf der Leinwand nur noch selten vertreten. Ausnahmen dieser Zeit sind unter anderem James Ivorys HITZE UND STAUB (1982), die feministische Produktion THE GOLD DIGGERS (1983) von Sally Potter und Sidney Lumets POWER - WEGE ZUR MACHT (1986).

Julie Christie kehrt Mitte der 1990er Jahre mit Kenneth Branaghs HAMLET (1996) - als dessen Mutter - auf die internationale Filmbühne zurück. Für Ihre Darstellung in Alan Rudolphs romantischem Liebesreigen LIEBESFLÜSTERN (1997) erhält sie eine weitere Oscar-Nominierung. Ein Jahrzehnt später ist sie in Wolfgang Petersens TROJA (2004) als Achilles Mutter zu bewundern, hat einen Auftritt als Madame Rosmerta in HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN (2004) von Alfonso Cuarón und ist in Marc Forster Oscar-Prämierten Film WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN (2004) neben Johnny Depp und Kate Winslet als deren Mutter zu sehen.

In DAS GEHEIME LEBEN DER WORTE (2005) von Isabel Coixet spielt sie Hannas (Sarah Polley) Therapeutin Inge. Ihre Schauspielkollegin Sarah Polley überredet sie, in ihrem Regiedebüt AN IHRER SEITE (2006) (AN IHRER SEITE (2006) Trailer) die Hauptrolle zu übernehmen. In ihrem jüngsten Leinwandauftritt verkörpert sie eine Alzheimer Patientin, die sich freiwillig in ein Altenheim einweisen lässt, weil sie ihren Angehörigen nicht zur Last fallen will. Mit großem Erfolg - Julie Christie erhält für die Darstellung der Fiona den Golden Globe und gilt als Anwärterin für den diesjährigen Oscar als Beste Hauptdarstellerin.

Julie Christie lebt auf ihrem Bauernhof in Wales. Seit 1978 ist der Journalist Duncan Campbell der Lebenspartner an ihrer Seite.

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Nicole Reese / Stand: Januar 2008

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