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Peter Badel

Peter Badel
Drehbuch, Kamera

* 09. August 1953
Berlin
Deutschland (DDR)

PETER BADEL • Biographie Seite 1/1

Der Berufseinstieg des Kameramanns Peter Badel ist in den frühen 1980er Jahren von Schwierigkeiten mit den kulturpolitisch Verantwortlichen in der DDR gekennzeichnet. Seine ersten Filme nach dem Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg werden verboten bzw. mitten in der Produktion abgebrochen. Der Kameramann, der mitunter als Drehbuchautor an den Filmen beteiligt war, wird zum Kameraassistenten zurückgestuft. Erst durch renommierte DEFA-Kameramänner, die ihn hinter die Kamera zurückholen, kann er wieder in seinem Beruf arbeiten. Dabei ist es immer wieder ostdeutsche Geschichte, die Peter Badel in vielen Dokumentarfilmen in nachhaltige Bilder übersetzt.

Peter Badel wird am 09. August 1953 in Berlin geboren. Nach seinem Armeedienst beginnt er ein Volontariat bei der DEFA, unter anderem bei dem Kameramann Günter Ost. Danach erhält er eine Delegierung zum Studium. Von 1977 bis 1981 studiert er an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Kamera.

Sein erster Film, der außerhalb der Hochschule Beachtung findet, wird der Hochschulfilm ARBEITERFOTOGRAF (1980) über Ernst Thormann. Während der 75-jährige Fotograf spricht und aus seinem Leben erzählt, lenkt die Kamera den Blick auf die Gegenstände seiner Lebensumwelt und seine Fotografien. Von Kritikern gelobt wird das Vertrauen des Kameramanns und Regisseurs in das Bild. Nach dem Tod des Fotografen erhält Peter Badel den Nachlass des Berliner Künstlers. In seiner nächsten Hochschul-Regiearbeit TAGE IN BERLIN (1981) porträtiert er die Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsgruppe Herbert Baum. Die Gruppe hatte an einem Maiabend im Berliner Lustgarten die nationalsozialistische Propaganda-Schau "Das Sowjetparadies" in Brand gesetzt. Eine Vierteljahr später wurden die Mitglieder zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die fiktive Montage aus Dokumenten, Briefen und Beobachtungen findet nationale Beachtung. Sein Diplomfilm an der Kamera soll JOHANNA JUST (1981) werden, ein Film über eine 62jährige Frau und ihre sieben Kinder, bei dem sein Studienkollege Hans Wintgen Regie führt. Der Film erhält erst 1982 mit einjähriger Verspätung - aufgrund einer Intervention von Konrad Wolf - sein Diplom zuerkannt, das zunächst durch die Babelsberger Hochschule aus kulturpolitischen Gründen verweigert wurde.

Nach dem Studium gastiert Peter Badel als Kameramann in der Gruppe Kinobox des DEFA-Dokumentarfilmstudios. Die Gruppe produziert Beiträge für kleinere Filme, die als Vorfilme in Kinos eingesetzt werden. Mit Thomas Heise, damals noch Filmstudent an der Hochschule für Film und Fernsehen, entwickelt er 1982 das Projekt ERFINDER '82 über die Neurerbewegung. Der Film wird verboten, das Negativ vernichtet und auch Thomas Heise erhält kein Diplom. Der Zwangsexmatrikulation entgeht der Filmemacher nur, indem er die Schule scheinbar freiwillig verlässt.

Gemeinsam mit dem Regisseur Maxim Dessau, einem ehemaligen Mitstudenten an der Hochschule, beginnt Peter Badel das Projekt SCHNAUZER (1984) zu entwickeln, ein Gegenwartsfilm nach einer Vorlage von Manfred Pieske. Beide wollen eine andere Geschichten erzählen als die wiederholte Story eines positiven Helden: Der Film soll einen möglichst ungeschönten Blick auf den real existierenden Sozialismus werfen, exemplarisch am Beispiel eines Leiters der Materialwirtschaft in einem Großbetrieb die Stagnation und veralteten Strukturen in der DDR sichtbar machen. Nach diversen Drehbuchfassungen und verlangten Änderungen beginnen die Dreharbeiten, werden aber zu einer Zerreißprobe mit dem Produktionsleiter Gerrit List, der dem Projekt sehr kritisch gegenübersteht. Die Schwierigkeiten häufen sich: Statt einem gewünschten kleinen Drehstab werden 30 Personen zum Dreh beordert, das Filmmaterial wird vom Kopierwerk als technisch unzulänglich zurückgewiesen, ohne Sondierung werden Muster offiziell besprochen, in kürzester Zeit soll eine Schnittfassung entstehen. Um die kulturpolitische Ablehnung des Films zu kaschieren, wird den jungen Filmemachern künstlerisches Unvermögen attestiert. Nach mehreren Diskussionsrunden mit den kulturpolitisch Verantwortlichen werden die Arbeiten im Juni 1984 eingestellt. Große Teile des ungeschnitten Negativmaterials werden im Herbst 1988 auf Weisung hin vernichtet. 1990 wird eine gerettete Video-Version mit Erläuterungen vorgeführt.

Nach den Scheitern mit SCHNAUZER (1984) arbeitet Peter Badel in der Abteilung Bildtechnik als Hilfskraft. Erst renommierte Kameramänner wie Erich Gusko und Werner Bergmann holen ihn wieder in den künstlerischen Betrieb; für Erich Gusko arbeitet er als Fotograf, Werner Bergmann engagiert ihn als Kamera-Schwenker. Als Werner Bergmann bei den Dreharbeiten zu DIE GÄNSE VON BÜTZOW (1985) erkrankt, macht er Peter Badel zum Kameramann. Seit dieser Zeit ist er wieder als selbständiger Kameramann für das DEFA-Studio für Spielfilme tätig. Mehrfach arbeitet Peter Badel mit den Regisseuren Bernhard Stephan, Richard Engel und Rolf Losansky zusammen. Er dreht bis zur Abwicklung der DEFA 1991 kontinuierlich pro Jahr einen Film in selbständiger Kameraführung.

Seit 1992 ist Peter Badel als freiberuflicher Kameramann für Film und Fernsehen beschäftigt. Sein bevorzugter Arbeitsbereich sind Filmproduktionen, Dokumentarfilme sowie Fernsehspiele. Seit 1982 arbeitet er intensiv mit dem Dokumentaristen Thomas Heise zusammen. In DAS HAUS - 1984 (1984) beobachtet das Filmteam Vorgänge in DDR-Amtszimmern. In VOLKSPOLIZEI - 1985 (1985) filmen sie in einem Revier der ostdeutschen Volkspolizei. Beiden Filmen gemeinsam ist der ungeschminkte Blick auf die DDR, auf Menschen und Situationen im vormundschaftlichen Staat. Beide Filme werden erst 15 Jahre später in einer rekonstruierten Fassung gezeigt. Viele spätere Arbeiten des Regisseurs wird Peter Badel mit der Kamera begleiten. In VATERLAND (2002), einer Dokumentation, die wie ein Puzzle aufgebaut ist, findet er raue, atmosphärische Bilder, die durch ihre Authentizität bestechen. Das persönliche Porträt MEIN BRUDER - WE WILL MEET AGAIN (2005) ist eine Gradwanderung: Der Regisseur beschreibt das wechselvolle Leben seines Bruders, der nach dem Untergang der DDR diese in Richtung Südfrankreich verlässt, wo er heute bei seinem ehemaligen Stasi-IM lebt. Auch hier beobachtet die Kamera von Peter Badel genau, fängt die allgegenwärtigen Spuren der Vergangenheit auf den Gesichtern und im Alltag, im Ungesagten ein.

Immer wieder ist es deutsche – 20er Jahre, Faschismus, Krieg und Nachkriegszeit – und vor allem ostdeutsche Geschichte, die der Kameramann in Bilder übersetzt. In dem deutsch-französischen Film AUS LIEBE ZUM VOLK (2003) von Eyal Sivan und Audrey Maurion nach dem Buch "Ausgedient - Ein Stasi-Major erzählt" von Reinhardt O. Hahn legen die Filmemacher eine interessante Studie über die Hilflosigkeit des Überwachungsstaats vor. In GRENZE (2004) von Holger Jancke werden ehemalige Soldaten an der innerdeutschen Grenzanlage porträtiert.

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