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Cedric Klapisch

Cedric Klapisch
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 04. September 1961
Neuilly sur Seine
Frankreich
andere Namen Cédric Klapisch

CEDRIC KLAPISCH • Biographie Seite 1/1

Cedric Klapisch ist momentan einer der erfolgreichsten und beliebtesten Regisseure und Drehbuchautoren Frankreichs. Seine Spezialität sind Alltagskomödien über Jugendliche und junge Erwachsene, die auch von dieser Zielgruppe ausnehmend gut aufgenommen werden. Ältere Generationen finden sich in seinen Filmen ebenfalls wieder, da sie immer einen nostalgisch, melancholischen Unterton mit sich tragen. Cedric Klapisch beschränkt sich allerdings nicht nur auf einen Komödientyp, er versucht sich auch an anderen Genres, wie dem Gangster- oder sogar dem Science-Fiction-Film. Seine Filme sind oft Kassenerfolge und werden auch von der Kritik gelobt. Im Laufe der Zeit hat sich Cédric Klapisch eine Filmfamilie geschaffen; er beschäftigt häufig das gleiche Filmteam und Schauspieler, allen voran den aufstrebenden Romain Duris. Gleichzeitig arbeitet er gern mit französischen Stars wie Fabrice Luchini oder Jean-Paul Belmondo.

Cedric Klapisch wird am 4. September 1961 in Neuilly sur Seine bei Paris geboren. Er geht in Paris aufs Gymnasium und beginnt nach seinem Abitur ein Philosophiestudium. Nach zwei Jahren bricht er dieses ab und bewirbt sich 1982, seiner Leidenschaft folgend, an der Filmhochschule IDHEC (heute FEMIS), jedoch ohne Erfolg. Also begnügt er sich mit einem Studium der Filmwissenschaft, das er mit einer Arbeit über die Komiker Tex Avery, Woody Allen und die Marx Brothers abschließt. Sein zweiter Versuch bei der IDHEC scheitert ebenfalls, scheinbar wegen seiner Vorliebe für das amerikanische Kino. Er entschließt sich 1984 nach New York zu gehen, wo er zwei Jahre lang an der New York University Film studiert. Dort beginnt er an Kurzfilmen anderer Regisseure mitzuarbeiten, bevor er schließlich selbst seine ersten Arbeiten dreht: GLAMOUR TOUJOURS (1984), UN, DEUX, TROIS MAMBO (1984) und JACK LE MENTEUR (1984) (freie Übersetzungen: "Glamour für immer", "Eins, Zwei, Drei Mambo", "Jack, der Lügner"). Es folgt IN TRANSIT (1985) über einen Mann, der in New York sein Flugzeug verpasst und in der Wartezeit die Stadt und die Menschen entdeckt.

Zurück in Frankreich arbeitet Cedric Klapisch zunächst als Elektriker bei einigen Filmen. Dann erregt er Aufsehen mit seinem Kurzfilm CE QUI ME MEUT (1989), einem Pseudo-Dokumentarfilm im Stil alter Wochenschau-Aufnahmen, über einen fiktiven Erfinder. Dafür bekommt er eine César-Nominierung für den besten Kurzfilm. "Ce qui me meut" (ein unübersetzbares Wortspiel) wird später der Name seiner Produktionsfirma, die er mit dem Produzenten Bruno Levy gründet. 1991 beginnt er seinen ersten langen Spielfilm: KLEINE FISCHE, GROßE FISCHE (1992) ("Riens du tout"). Dieser Film, der wohlwollend von Presse und Publikum aufgenommen wird, macht Cedric Klapisch bekannt. Es ist eine sozialkritische Satire über ein Einkaufszentrum, das vor dem Bankrott steht und von einem neuen Manager (von Fabrice Luchini dargestellt) gerettet werden soll. Mit unkonventionellen Methoden baut er das Unternehmen neu auf, wird jedoch davon überrascht, dass seine Bemühungen nur einem gesteigertem Verkaufspreis dienen. Die Belegschaft, von einer breiten Masse mittlerweile etablierter französischer Schauspieler dargestellt, wird detailliert in ihren Kleinkriegen, Liebschaften und anderen Beziehungen porträtiert.

Im Jahr darauf übernimmt Cedric Klapisch eine Auftragsarbeit vom Fernsehsender Arte für eine Reihe von Filmen über Schulabschlussklassen in verschiedenen Jahrzehnten. Der Film ABSCHLUSSKLASSE: WILDE JUGEND - 1975 (1994) ("Le péril jeune") wird einige Zeit nach seiner Fernseherstausstrahlung mit Erfolg auch im Kino veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte einer rebellischen Schülerclique im Jahr 1975, kurz vor ihrem Abitur. Die melancholische Komödie ist der Beginn der vielversprechenden Schauspielkarrieren von Elodie Bouchez, Vincent Elbaz und Romain Duris. Letztere werden wiederholt mit Cedric Klapisch drehen.

Es folgen einige Kurzfilme, die Cedric Klapisch als Beitrag zur Aids-Bekämpfung in Szene setzt: LA CHAMBRE (1994) ("Das Zimmer"), wo mehrere Paare in einem Hotelzimmer gezeigt werden und LE POISSON ROUGE (1994) ("Der rote Fisch"), in dem ein Goldfisch dank eines Komdoms gerettet wird, entstehen für die Reihe 3000 SCÉNARIOS CONTRE UN VIRUS (1994) ("3000 Drehbücher gegen einen Virus"). LE RAMONEUR DES LILAS (1998) ("Der Schornsteinfeger der Flieder") ein 8-minütiger Sexfilm, wird im Auftrag des französischen Gesundheitsministeriums gedreht.

Das Jahr 1996 wird besonders erfolgreich für Cedric Klapisch, es erscheinen gleich zwei Filme von ihm, die viele Zuschauer erreichen. Eigentlich als Kurzfilm geplant, wird aus ...UND JEDER SUCHT SEIN KÄTZCHEN (1996) ("Chacun cherche son chat") ein größtenteils improvisierter Langspielfilm, in dem professionelle Schauspieler (unter anderem Romain Duris) neben Laien agieren. Der Film ist eine unkonventionelle Komödie über die Bewohner des Pariser Bastille-Viertels, aus der Sicht einer einsamen jungen Frau, die ihre entlaufene Katze sucht. Der andere Film TYPISCH FAMILIE! (1996) basiert auf dem Theaterstück "Un air de famille" ("Ein Anschein von Familie") von dem Schauspieler- und Autorenpaar Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri. Die beiden bitten Cedric Klapisch, nachdem er einer Vorstellung ihres Stückes beiwohnt, es für das Kino zu verfilmen. Die tragikomische Familiengeschichte wird Cedric Klapischs bisher größter Erfolg mit über zwei Millionen Zuschauern in Frankreich. Außerdem bekommt er zusammen mit Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri den César für das beste Drehbuch und eine César-Nominierung für den besten Film und die beste Regie. In der exzellenten Besetzung stechen neben dem Autorenpaar, die ebenfalls mitspielen, Catherine Frot und Jean-Pierre Darroussin heraus, die mit dem César für die besten Nebendarsteller ausgezeichnet werden.

PEUT-ETRE (1999) ("Vielleicht") ist ein teures Projekt Cedric Klapischs, das er seit Jahren zu drehen plant. Der Science-Fiction-Film, der im Paris des Jahres 2070 spielt, wo ein 24-jähriger Zeitreisender auf seinen 70-jährigen Sohn trifft, wird schließlich erst mit amerikanischen Geldgebern finanziert. Trotz der Teilnahme des Jungstars Romain Duris und des Altstars Jean-Paul Belmondo floppt der Film an den Kinokassen und wird von der Presse verrissen.

Einen geplanten Gangsterfilm muss der Regisseur kurzfristig verschieben und so schreibt und dreht er in sehr kurzer Zeit L AUBERGE ESPAGNOLE - BARCELONA FÜR EIN JAHR (2002) ("L'auberge espagnole") mit der Digitalkamera. Diese europäische "Erasmus-Komödie" wird der Überraschungshit des Jahres. Mit Romain Duris, Audrey Tautou und Schauspielern aus ganz Europa (unter anderem dem Deutschen Barnaby Metschurat) besetzt, erzählt der Film die Geschichte eines französischen Studenten, der ein Jahr in Barcelona in einer internationalen WG verbringt.

Einen radikalen Genre-Wechsel wagt Cedric Klapisch mit dem Film NI POUR, NI CONTRE (BIEN AU CONTRAIRE) (2003) ("Nicht dafür, nicht dagegen (ganz im Gegenteil)"). Mit einigen seiner Stammschauspieler wie Vincent Elbaz, Simon Abkarian oder Zinedine Soualem und dem belgischen Star Marie Gillain inszeniert er einen düsteren Krimi über eine Einbrecherbande. Der Film bleibt jedoch im Schatten seines Vorgängerfilms. Ähnlich wie bei PEUT-ETRE (1999) scheitert Cedric Klapisch daran, mit teuren Genre-Filmen den Erfolg seiner "kleinen" Komödien zu übertreffen.

Auf gewohntem Terrain erzielt Cedric Klapisch wieder einen großen Erfolg, als er L AUBERGE ESPAGNOLE - WIEDERSEHEN IN ST. PETERSBURG (2005) ("Les poupées russes") dreht, die Fortsetzung von L AUBERGE ESPAGNOLE - BARCELONA FÜR EIN JAHR (2002). Romain Duris, der zum fünften Mal bei Cedric Klapisch spielt, übernimmt wieder seine Rolle des Xavier. Fünf Jahre nach dem Erasmus-Jahr hat Xavier die Probleme der Erwachsenen-Welt, Liebe und Beruf, zu bewältigen. Dabei pendelt er zwischen Paris und London hin und her. Seine ehemaligen Mitbewohner spielen eine mehr oder weniger große Rolle, in St. Petersburg treffen sich jedoch alle für eine Hochzeit wieder.

Als neuestes Projekt Cedric Klapischs ist ein Film mit dem Titel PARIS angekündigt. Das ist naheliegend, da er in Paris lebt.


Pierre Protz, 11.01.2006

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