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Martin Scorsese

Martin Scorsese
Regie, Drehbuch, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 17. November 1942
Flushing (New York)
USA

MARTIN SCORSESE • Biographie Seite 1/1

Martin Scorsese wird zurecht als einer der wichtigsten Regisseure der Filmgeschichte gehandelt. In seiner über 40-jährigen Filmkarriere kreiert er preisgekrönte Gangsterfilme, Epen, Biopics und Dokumentationen. Er schreibt viele seiner Drehbücher selbst und ist außerdem in Schnitt- und Tontechnik versiert. Mit seinen New Hollywood-Filmen sowie seinen aktuelleren Großproduktionen dient er jungen Filmemachern als Vorbild, begeistert Kritiker aus aller Welt und lockt ein Millionenpublikum in die Kinosäle.

Martin Marcantonio Luciano Scorsese wird am 17. November 1942 in Flushing im Staat New York, USA geboren. Seine Eltern Charles und Catherine, beide arbeiten in der Textilindustrie, ziehen ihn und seinen Bruder Frank in Little Italy, dem italienischen Viertel Manhattans, auf. Als Asthmatiker kann der junge Marty, wie ihn seine Freunde nennen, nicht mit dem anderen Jungen auf den Straßen herumtollen. Stattdessen geht der zukünftige Regiestar mit seinem Vater ins Kino, manchmal sogar zweimal am Tag. Neben dem Kino wird seine Kindheit sehr stark von der katholischen Kirche beeinflusst. So kommt es, dass er 1956 während seiner Schulzeit von der katholischen Highschool in ein Priesterseminar wechselt. Ein Jahr später wird er, nach eigener Aussage wegen Mädchen und Rock'n'Roll, aus dem Seminar geworfen. Seine Eltern unterstützen ihn jedoch weiterhin und ermöglichen ihm 1960 ein Studium der Filmwissenschaften an der New York University. Hier wird er von einem seiner größten Förderer unterrichtet, dem Dozenten Haig Manoogian.

Während seines Studiums dreht Martin Scorsese die zwei Kurzfilme WHAT'S A NICE GIRL LIKE YOU DOING IN A PLACE LIKE THIS? (1963) und IT'S NOT JUST YOU, MURRAY (1964). Letzterer wird mehrfach auf Festivals ausgezeichnet. Nach Abschluss seines Studiums 1966 widmet er sich zusammen mit Haig Manoogian seinem Spielfilmdebüt WER KLOPFT DENN DA AN MEINE TÜR? (1967). Die Geschichte des Italoamerikaners J. R., der das Leinwand-Alter-Ego des Regisseurs darstellt, erntet gemischte Reaktionen. Der einflussreiche Filmkritiker Roger Ebert ist jedoch begeistert von dem Gewaltdrama aus New York.

1969 arbeitet Martin Scorsese zusammen mit seinem ehemaligen Kommilitonen Mike Wadleigh und der Cutterin Thelma Schoonmaker an einer Dokumentation über das legendäre Musikfestival Woodstock. Als Resultat des erfolgreichen Films wird der junge Regisseur vom Produzenten Fred Weintraub nach Hollywood geholt, um an weiteren Konzertdokus zu arbeiten. Mit der Unterstützung des legendären B-Movie Regisseurs Roger Corman entsteht drei Jahre später sein erster Hollywoodfilm. DIE FAUST DES REBELLEN (1972) ist ein blutiges Gewerkschaftsdrama, das in den 1930er Jahren spielt und ist die Fortsetzung des erfolgreichen Corman-Films BLOODY MAMA (1969). Ein Jahr später kommt mit HEXENKESSEL (1973) Martin Scorseses erster Erfolg in die Kinos. Robert de Niro und Harvey Keitel spielen die Hauptrollen und werden zu den wichtigsten Stammschauspielern des Regisseurs. Das Emanzipationsdrama ALICE LEBT HIER NICHT MEHR (1974) läuft an den Kinokassen noch weitaus besser und beschert Ellen Burstyn einen Academy Award als Beste Schauspielerin für die Darstellung der alleinerziehenden Mutter Alice Hyatt. Außerdem dreht er in diesem Jahr die sehr persönliche, 50-minütige Dokumentation ITALIANAMERICAN (1974) über seine Familie und Herkunft.

Ein weiterer Höhepunkt in Martin Scorseses Filmographie erscheint wiederum ein Jahr später. TAXI DRIVER (1976) ist das Aushängeschild des New Hollywood-Kinos und eine beeindruckende Aufarbeitung amerikanischer Ängste in der Post-Vietnam Ära. Travis Binkle (Robert de Niro) ist ein abgestumpfter Vietnamveteran, der Taxi fährt. Seine Schlafprobleme lassen ihn auch nachts arbeiten, weshalb er den ganzen Schrecken New Yorks wahrnimmt. Nachdem seine Liebe von der Wahlkampfhelferin Betsy (Cybill Shepherd) abgelehnt wird, versucht er die zwölfjährige Prostituierte Iris, eine bahnbrechende Rolle für die junge Jodie Foster, aus den Fängen ihres Zuhälters zu befreien. Es kommt zum blutigen Showdown, den Travis schwer verletzt überlebt. 1976 erhält das Werk die Palme d'Or des Filmfestivals von Cannes sowie vier Academy Award-Nominierungen.

Nach NEW YORK, NEW YORK (1977), einem Musicalfilm mit Liza Minnelli, widmet sich Martin Scorsese der Geschichte des Boxers Jake LaMotta. WIE EIN WILDER STIER (1980) kann mit seinen unnachahmlichen Boxszenen und einer starken Story - der Regisseur vereint die Drehbuchautoren der Erfolge HEXENKESSEL (1973) und TAXI DRIVER (1976) - beeindrucken. Es ist zu diesem Zeitpunkt die größte Leistung des Regisseurs. Robert de Niro sowie die langjährige Cutterin und Freundin des Filmemachers Thelma Schoonmaker gewinnen je einen Academy Award. Einen weiteren Sportfilm dreht Martin Scorsese mit DIE FARBE DES GELDES (1986), einem Blick in schlecht beleuchtete Billardhallen und den dazugehörigen Zockern. Paul Newman und ein junger Tom Cruise komplettieren die Stimmung mit ihrer Darstellung undurchsichtiger Spielertypen. In seiner zweiten Zusammenarbeit mit dem Filmemacher, nach der schwarzen Komödie DIE ZEIT NACH MITTERNACHT (1985), verleiht Kameramann Michael Ballhaus dem Film mit atmosphärischen Bildern das richtige Klima. Die Tragikomödie THE KING OF COMEDY (1983) dagegen floppt an den Kinokassen.

Vom Publikum überaus kritisch betrachtet wird das Projekt DIE LETZTE VERSUCHUNG CHRISTI (1988). Das starbesetzte Bibel-Epos wird, wie schon die Buchvorlage von Nikos Kazantzakis, als äußerst provokant wahrgenommen. Der World-Music Soundtrack stammt aus der Feder von Peter Gabriel, der auch in Martin Scorseses Teil des New-York-Episodenfilms NEW YORKER GESCHICHTEN (1989) mitspielt.

Das Mafiadrama GOOD FELLAS - DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA (1989) führt Martin Scorsese zurück in das organisierte Verbrechen New Yorks. Der Film wird vielfach ausgezeichnet und beschert dem Regisseur einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Das Drehbuch liegt dem Buch "Wise Guy " des Autors Nicholas Pileggi zugrunde. Dass er dieses Genre beherrscht, zeigt auch CASINO (1995), der die Machenschaften der Mafia im Spielerparadies Las Vegas beleuchtet. Nach dem Academy Award für die Leistung von Joe Pesci in GOOD FELLAS - DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA (1989), wird nun Sharon Stone mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet.

KAP DER ANGST (1991), ein Remake des Psychothrillers EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE (1962) von J. Lee Thompson, enthält Gastauftritte der Stars des Originals Gregory Peck und Robert Mitchum, was sich besonders an den Kinokassen bemerkbar macht. ZEIT DER UNSCHULD (1993) zeigt die Mannigfaltigkeit des Künstlers, der mit diesem Liebesfilm zu überzeugen weiß. Wegen des enorm erfolgreichen Films SCHINDLERS LISTE (1993) von Steven Spielberg, bleibt es lediglich bei einem Academy Award für die Besten Kostüme. Der Film über das Leben eines Dalai Lama, KUNDUN (1997), ist ihm ein persönliches Anliegen. Anerkannt von der chinesischen Regierung wird das Werk allerdings nicht. Einen Academy Award erhält das Werk trotz Nominierung in vier Kategorien nicht.

Der eher mittelmäßige BRINGING OUT THE DEAD - NÄCHTE DER ERINNERUNG (1999) bahnt den Weg für Martin Scorseses nächsten großen Erfolgsfilm. GANGS OF NEW YORK (2002), die Aufarbeitung New Yorker Geschichte und den dazugehörigen Bandenkriegen, beeindruckt nicht nur durch die Glanzleistung des Daniel Day-Lewis Zuschauer auf der ganzen Welt. Neben der darstellenden Leistung ist es auch die Authentizität, die das fast dreistündige Epos so reizvoll machen. Die Produktionskosten von 100 Millionen Dollar werden zweifach an den Kinokassen eingespielt. Leonardo di Caprio, der hier ebenfalls durch seine schauspielerischen Fähigkeiten überzeugen kann, wird auch für die zwei folgenden Spielfilm-Blockbuster verpflichtet. Während THE AVIATOR (2004) (THE AVIATOR (2004) Trailer) das turbulente Leben des Piloten und Geschäftsmannes Howard Hughes behandelt, stellt DEPARTED - UNTER FEINDEN (2006) Martin Scorseses vierten und vorerst letzten Mafiafilm dar. Er entführt das Publikum in die Fänge der irischen Mafia nach Boston. Ein Undercover-Polizist als Mafiosi und ein Undercover-Mafiosi als Polizist sind die zwei Gegenspieler in diesem Crime-Thriller, der an den Hongkong-Police-Thriller INFERNAL AFFAIRS (2002) von Andrew Lau und Alan Mak angelehnt ist. Bei der Verleihung der Academy Awards 2007 kann DEPARTED - UNTER FEINDEN (2006) vier Trophäen gewinnen, darunter nach vielen Nominierungen die der Besten Regie.

Auch was Dokumentarfilme betrifft, macht sich Martin Scorsese im Laufe seiner Karriere einen Namen. Eine frühe Konzertdokumentation ist THE BAND (1978), die die amerikanische Rockgruppe "The Band" porträtiert. Legendär ist außerdem MARTIN SCORSESE: EINE REISE DURCH DEN AMERIKANISCHEN FILM (1995), die der Filmemacher für das amerikanische Fernsehen dreht und auf sehr persönliche Weise dem amerikanischen Film ein Denkmal setzt. Unter seiner Schirmherrschaft entsteht außerdem die vierteilige Serie THE BLUES (2003), in der Antoine Fuqua, Wim Wenders, Richard Pearce und Martin Scorsese selbst ihren eigenen Blueshelden eine Episode widmen. Das neueste dokumentarische Werk ist SHINE A LIGHT (2007) (SHINE A LIGHT (2007) Trailer), ein Konzertfilm mit den Rolling Stones, der im selben Jahr auf der Berlinale läuft. Weitere Werke sind der Videoclip für den Song "Bad" von Michael Jackson, den Martin Scorsese 1987 dreht, und ein Werbeclip für den Sekthersteller Freixenet. Des Weiteren betätigt sich Martin Scorsese in seiner Zeit beim Film als Produzent verschiedener Kino- und Fernsehproduktionen, Schauspieler in kleineren Rollen, Drehbuchautor und besonders zu Beginn seiner Karriere als Cutter.

1997 erhält er den Lifetime Achievement Award des American Film Institute. Außerdem bekommt er 2003 einen eigenen Stern auf Hollywoods Walk of Fame. Für die Zeitschrift Entertainment Weekly ist er der viertbeste Regisseur aller Zeiten.

Martin Scorsese ist nach Ehen mit Laraine Marie Brennan, Julia Cameron, Isabella Rossellini und Barbara de Fina seit dem 22. Juli 1999 in fünfter Ehe mit Helen Morris. Er ist Vater dreier Töchter: Catherine, Domenica und Francesca.

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Autor: Hannes Wesselkämper
Stand: Juni 2008

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