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Bernhard Stephan

Bernhard Stephan
Regie, Drehbuch

* 24. Januar 1943
Potsdam
Deutschland

BERNHARD STEPHAN • Biographie Seite 1/1

Regisseur Bernhard Stephan beginnt als Regisseur beim Fernsehen der DDR. Mitte der 70er Jahre legt er mit FÜR DIE LIEBE NOCH ZU MAGER? (1974) einen Jugendfilm vor, der eine poetisch und einfühlsam Liebesgeschichte erzählt, die mal ernst, mal heiter daherkommt und immer glaubhaft bleibt. Danach inszeniert er mehrere Kinofilme. Nach dem Zusammenbruch der DDR kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und wird ein erfolgreicher TV-Serien-Regisseur, unter anderem von WOLFFS REVIER und DER LETZTE ZEUGE.

Bernhard Stephan wird am 24. Januar 1943 in Potsdam geboren. Nach seiner Schulausbildung, die er mit dem Abitur beendet, übernimmt er Gelegenheitsarbeiten bei der DEFA. Unter anderem arbeitet er als Regie-Assistent bei Frank Vogel, ist an dessen Film JULIA LEBT (1963) beteiligt. Von 1963 bis 1968 studiert er am Moskauer Allunionsinstitut für Kinematographie (WGIK) in der Regie-Klasse von Igor Talakin. Nach seiner Rückkehr in die DDR sind es zunächst wieder kleinere Arbeiten bei der DEFA, mit denen er sich seinen Lebensunterhalt verdient. Beim Deutschen Fernsehfunk kann er sein Talent mit der TV-Reihe TÄTER UNBEKANNT (1972) erproben. Zwei Kommissare (gespielt von Erwin Geschonneck und Jürgen Hentsch) stehen im Mittelpunkt dieser kurzen Serie. Sie untersuchen neue Verbrechen wie zum Beispiel Baustoffdiebstahl, Sexualmord und Scheckbetrug. Außerdem führt er Regie bei einer Folge des populären POLIZEIRUF 110.

Durch den Erfolg beim Fernsehen kann Bernhard Stephan ab 1972 auch wieder bei der DEFA arbeiten. Sein erster Film wird das Jugenddrama FÜR DIE LIEBE NOCH ZU MAGER? (1974). Erzählt wird von dem jungen, unscheinbarem Mädchen Susanne (in ihrer ersten Rolle Simone von Zglinicki) und ihrem schwierigen Weg zum Erwachsenwerden. Sie möchte die Liebe von Lutz erringen, der sie aber kaum bemerkt. Erst als sie selbstbewusst ihre Zuneigung eingesteht, sieht er in ihr mehr als eine Freundin. Der Film wird als überaus ehrlich und authentisch eingeschätzt, bietet ein frisches und anrührendes Bild jugendlicher Lebensweise in der DDR. Es ist eine poetisch und einfühlsam erzählte Liebesgeschichte, die mal ernst, mal heiter daherkommt und immer glaubhaft bleibt.

In seinem nächsten Film AUS MEINER KINDHEIT (1975) inszeniert er einige Kindheits- und frühe Jugenderinnerungen von Ernst Thälmann. Der Kinderfilm stellt deutlich das kleinbürgerlich geprägte Milieu aus, in dem der spätere Arbeiterführer aufwächst. Schlicht und unpathetisch schildert der historisch-biografische Film das schwierige Leben in den 20er Jahren: Hunger, Obdachlosenasyl, Arbeitssuche. Danach erzählt der Regisseur in UNSER STILLER MANN (1976) von den alltäglichen Schwierigkeiten einer Straßenbaubrigade. Ein Neuzugang provoziert durch sein Schweigen Nachdenken über Konflikte bei der Zusammenarbeit. Beide Filme können an den Erfolg seines Erstlings nicht anschließen.

Mit JÖRG RATGEB, MALER (1978) wendet sich der Regisseur einem historischen Stoff zu. Geschildert wird eine Reise des Malers zu seinem Vorbild Albrecht Dürer. Auf dem Weg beobachtet er die politischen Kämpfe der Zeit, die zum Bauernaufstand 1526 führen. Er, der sich nur als Künstler versteht und weder für noch gegen jemanden Partei ergreifen will, wird dann selbst politisch aktiv, da er zahlreiche Greueltäten und Verbrechen sieht. Als Hochverräter wird er 1526 hingerichtet. Der Regisseur ist bemüht, mit einer episodischen Grundstruktur ein breites Zeit- und Sittengemälde zu zeichnen, vielfach bietet der Film aber nur eine Abenteuergeschichte mit zahlreichen Handlungspersonen und Actionelementen; die philosophische Tiefe ähnlicher Werke, die deutlich als Vorbilder fungieren, wie GOYA (1971) von Konrad Wolf oder ANDREJ RUBLJOW (1965) von Andrej Tarkowski wird nicht erreicht. Der Film läuft 1978 auf dem Internationalen Filmfestival in Berlin.

In SCHATZSUCHER (1979) erzählt Bernhard Stephan vom 18jährigen Bauarbeiter Schulle, der auf der Großbaustelle Marzahn arbeitet und sich in seinem Leben erst zurechtfinden muss. Danach verfilmt der Regisseur SONJAS RAPPORT (1982) nach dem gleichnamigen Roman von Ruth Werner. Der Film schildert die Erlebnisse einer jungen Deutschen, die zwischen 1934 und 1939 in vier Ländern als Kundschafterin für die sowjetische Auslandsaufklärung gearbeitet hat. Einen Kassenerfolg erreicht er mit der Komödie FAHRSCHULE (1986). Jörg Gudzuhn spielt einen Fußgänger aus Passion, der plötzlich und unerwartet zu zwei Wartburgs gelangt. Er meldet sich zur Fahrschule an und erlebt ein Abenteuer. Die gut in Szene gesetzte Komödie behandelt den Alltag in der DDR mit überzeugender Ironie. In MIT LEIB UND SEELE (1988) geht es um den jungen Gießereilehrling Jonas, der sich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens befindet. Sein letzter DEFA-Film wird RÜCKKEHR AUS DER WÜSTE (1990). Er schildert die Probleme eines Lehrausbilder aus der DDR, der in Algerien zuviel Eigeninitiative zeigt und mit seinen Vorgesetzten in Konflikt gerät.

Nach dem Zusammenbruch der DDR konzentriert sich der Regisseur auf die Arbeit beim Fernsehen. In der politischen Umbruchzeit entsteht die Dreiecks-Liebeskomödie TANDEM (1990), brillant besetzt mit Vadim Glowna, Hannelore Hoger, Nina Hoger und Winfried Glatzeder. Danach bekommt er Angebote für zahlreiche Serien, unter anderem dreht er für die Bavaria abwechselnd mit seinem ehemaligen DEFA-Regie-Kollegen Wolfgang Hübner Folgen der ARD-Serie MARIENHOF. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet Bernhard Stephan überaus erfolgreich für die Odeon Film AG mit Sitz in München. Sie gehört zu den führenden Produktionsunternehmen für TV-Serien und TV-Filme in Deutschland. Hier macht er sich einen Namen als Regisseur der beliebten Krimi-Serie DER LETZTE ZEUGE mit Ulrich Mühe und Jörg Gudzuhn in den Hauptrollen.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Januar 2008

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