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Francois Ozon

Francois Ozon
Regie, Drehbuch, Mitarbeit

* 15. November 1967
Paris
Frankreich
andere Namen François Ozon

FRANCOIS OZON • Biographie Seite 1/1

Er gilt als das Regie-Wunder in Frankreich. Kein anderer Regisseur seines Alters dreht kontinuierlich einen Film pro Jahr und ist zudem derart vielfältig. Mit einer Sicherheit wechselt er von einem Genre zum nächsten und findet dabei immer seinen eigenen Stil. Er inszeniert genaue Charakterstudien und grelle Farcen, eine schrille Musikkomödie, die als Kriminalfall daherkommt gehört genauso zu seinem Werk wie kammerspielartige, abgründige Psychostudien. Dabei gilt der Regisseur als Liebling der Schauspieler, besonders Darstellerin setzt er gekonnt in Szene.

François Ozon wird am 15. November 1967 in Paris geboren. Bereits in seiner Jugend interessiert er sich für Film, leiht sich die Kamera seines Vaters aus und inszeniert zahlreiche Kurzfilme. Im 6-minütigen Stummfilm PHOTO DE FAMILIE (1988) bringt ein Teenager seine Familie um und setzt sich danach lachend zwischen die Leichen, die als Familienfoto auf der Couch trapiert sind. Nach seiner Schulausbildung absolviert er ein Studium an der französischen Filmhochschule FEMIS in der Regie-Klasse. Seinen Magister erhält er 1990. Bereits während seiner Ausbildung und auch danach dreht er zahlreiche Kurzfilme auf Super-8, Video, 16mm and 35mm. Es entsteht etwa der 13-minütige Film VICTOR (1993), der die Geschichte seines ersten Kurzfilms wieder aufgreift. Wieder ermordet ein Teenager seine Familie, will eigentlich Selbstmord begehen, lässt sich dann aber vom Zimmermädchen trösten.

Nach seinem Studium weist sich der junge Regisseur durch seine Kurzfilme als Meister der psychologischen Interpretation von Sexualität aus. In DER KLEINE TOD (1995) fotografiert ein junger Mann Männer am liebsten während des Orgasmus, während des "kleinen Todes". Als sein Vater stirbt, der ihn immer vernachlässigt hat, fotografiert er ihn ebenso auf seinem Totenbett. Der Kurzfilm EIN SOMMERKLEID (1996) erzählt von Sébastien, der sich mit seinem Freund streitet und sich von einer jungen Frau verführen lässt. Dabei kommen aber seine Sachen abhanden. Als er, angezogen mit dem Kleid der jungen Frau, zu seinem Freund zurückkehrt, ist dieser begeistert und beide versöhnen sich. Der Film wird 1997 in Locarno mit dem Nachwuchspreis "Leoparden von morgen" ausgezeichnet. In dem fast einstündigem Werk BLICKE AUFS MEER (1997) erzählt er von einer Mutter mit Kind, die einer Tramperin anbietet, ihr Zelt in ihrem Garten aufzustellen. Sie lädt die Herumtreiberin auch in ihr Haus ein. Als am nächsten Tag der Mann nach Hause kommt, macht er eine schreckliche Entdeckung. Allen Filmen gemeinsam ist ihre souveräne Inszenierung, die geschickt mit den Erwartungen des Publikums spielt. Selten sind die Figuren das, was sie zu seien scheinen. Durch BLICKE AUFS MEER (1997) wird der junge Regisseur auch international bekannt, der Film läuft auf diversen Festivals, unter anderem in Locarno, San Sebastian and New York.

Seinen ersten Langfilm legt François Ozon mit der Horrorkomödie SIT COM (1998) vor. Eine normale, gutbürgerliche Familie wird durcheinander gebracht, als der Vater mit einer weißen Ratte nach Hause kommt. Der Sohn erklärt sich für schwul, der Freund des Hausmädchens verführt ihn, die Tochter springt aus dem Fenster und sitzt seitdem im Rollstuhl. Alle Hemmungen werden mehr und mehr fallen gelassen. Dann gehen mit dem Vater und der Ratte rätselhafte Veränderungen vor ... er erschießt seine Familie. Die schwarze Komödie, gedreht ohne staatliche Förderung, wird in Frankreich ein Achtungserfolg. Mit seinem zweiten Kinofilm kann der Regisseur die Erwartungen nicht erfüllen. Das Gangsterdrama EIN KRIMINELLES PAAR (1999) erzählt von Alice, die beschließt, Said umzubringen; ihr Freund Luc hilft ihr dabei. Nach der kaltblütigen Tat nimmt die Geschichte ihren etwas unwirklichen Lauf.

In dem Psychodrama UNTER DEM SAND (2000) überzeugt die Schauspielerin Charlotte Rampling in einer ihrer besten Rollen. Das Ehepaar Marie und Jean verbringt den Urlaub an der Atlantikküste. Während Marie am Strand schläft, geht Jean schwimmen. Als sie wieder erwacht, ist ihr Mann verschwunden. Ist er ertrunken, hat er Selbstmord begangen oder ist er einfach verschwunden, um eine neue Existenz zu beginnen? Sie kann die Erinnerung an 25 gemeinsame Jahre nicht abschütteln. Immer wieder erscheint ihr Jean. Der Regisseur verzichtet auf das klassische Zutaten-Repertoire wie Entdeckung eines Doppellebens, einer Geliebten oder kriminelle Aktivitäten. Er konzentriert sich auf die Entwicklung von Marie, die sich in die Illusion flüchtet, erzählt eine einfache, fast intime Geschichte von Liebe und Trauer(arbeit). Im selben Jahr erscheint die Psychostudie TROPFEN AUF HEIßE STEINE (2000), die François Ozon nach einem Rainer Werner Fassbinder-Stück inszeniert. Erzählt wird von emotionalen Verwicklungen zwischen dem 50jährigen Leopold, der den 19jährigen Franz verführt. Dessen Freundin Anna fühlt sich ebenso zu Leopold hingezogen, als auch noch transsexuelle frühere Geliebte Leopolds auftaucht, beginnt die Geschichte von vier Menschen, die alle auf der Suche nach Liebe sind und in ihrer sexuellen Orientierung hin- und herschwanken. Intelligent und doppelbödig, als kühles, bitterböses und zugleich amüsantes Kammerspiel ist das sexuelle Machtgerangel inszeniert. Ludivine Sagnier ist hier in ihrer ersten größeren Rolle zu sehen; danach stieg sie zu einem der Jungstars des französischen Kinos auf. Der Film wird unter anderem mit dem Teddy-Award auf der Berlinale 2001 ausgezeichnet.

Mit dem Musical 8 FRAUEN (2002) nach dem Theaterstück von Robert Thomas erobert der Regisseur das internationale Publikum. In einer verschneiten Villa trifft sich eine Großfamilie, aber statt eine Weihnachtsfeier zu begehen, wird das männliche Familienoberhaupt ermordet aufgefunden. Die Mörderin kann sich nur unter den acht Frauen befinden, jede ist verdächtig, hat ein Motiv und verbirgt ein Geheimnis. In Dekor, Kostüm und Beleuchtung lässt sich der Regisseur von der Ästhetik der großen Hollywood-Filme der 40er und 50er Jahre inspirieren, DIE FRAUEN (1939) von George Cukor dienen ihm als Vorbild. Der Film glänzt mit der Spitzenriege französischer Diven: Es sind Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Fanny Ardant, Emmanuelle Béart, Ludivine Sagnier, Danielle Darrieux, Virginie Ledoyen sowie Firmine Richard zu sehen. Mehrfach wird das Darstellerensemble ausgezeichnet, unter anderem mit dem Silbernen Bären auf der Berlinale 2002 und mit dem Europäischen Filmpreis.

In dem Suspense-Thriller SWIMMING POOL (2003) zieht sich die britische Kriminalschriftstellerin Sarah Morton, die unter einer kreativen Schaffenskrise leidet, zum Schreiben ihres neuen Buches in das Ferienhaus ihres Verlegers an der französischen Provence zurück. Ihre Ruhe wird gestört, als dessen junge Tochter auftaucht. Die Lebenslust der Jüngeren, die jeden Abend einen anderen Mann ins Bett nimmt, färbt auf die Ältere ab: Sie kleidet sich feminier, zeigt mehr Interesse. Dabei bleibt lange unklar, ob die sinnlichen und verbrecherischen Verwicklungen, die während des Zusammenlebens der zwei ungleichen Frauen entstehen, nur die Handlungsstränge eines neuen Romans der Autorin sind oder wirklich passieren. Der Film ist mit Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier brillant besetzt, und wird auf zahlreiche Festivals eingeladen. Die Schauspielerin Charlotte Rampling erhält für ihre Leistungen den Europäischen Filmpreis.

Ein Ehedrama schildert er in 5 x 2 (2004). In fünf Kapitel erzählt er die Geschichte eines Paares und inszeniert sie ungewöhnlich vom Ende her, beginnend mit dem Scheidungsanwalt, endend mit der ersten Begegnung am Strand. Der Regisseur sucht nach der Schuld beim Scheitern der Ehe, findet sie in kleinen Unachtsamkeiten und mehreren Enttäuschungen, die sich zu einer Kette des Scheiterns aneinanderreihen. Mit Valéria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss ist der Film prominent besetzt und wird in den Internationalen Wettbewerb des Filmfestivals Venedig eingeladen. Auch sein nächster Film DIE ZEIT, DIE BLEIBT (2006) wird ein Kritikererfolg. Dem 30jährigen Fotografen Romain wird eröffnet, dass er wegen eines Tumors nur noch wenige Wochen zu leben hat. Statt sein Heil in einer Therapie zu suchen, die wenig aussichtsreich ist, konzentriert er sich ganz auf die Zeit, die ihm noch bleibt. Er zeugt mit einer ihm fremden Frau ein Kind, deren Mann unfruchtbar ist. Die subtile Chronik eines angekündigten Todes wird einfach und schlicht, ruhig und unspektakulär erzählt, erregt aber gerade dadurch die Gemüter.

Aktuell ist François Ozon mit seinem neuen Film ANGEL (2007) (ANGEL (2007) Trailer) im Internationalen Wettbewerb der Berlinale vertreten. Geschildert werden Aufstieg und Fall einer jungen Frau, die aus einfachen Verhältnissen stammt und als Schriftstellerin bis in die höchsten Schichten der Gesellschaft vordringt. In den Hauptrollen sind Romola Garai, Charlotte Rampling sowie Sam Neill zu sehen.

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