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David Fincher

David Fincher
Regie, Darsteller, Ausführender Produzent

* 28. August 1962
Denver (Colorado)
USA

DAVID FINCHER • Biographie Seite 1/1

David Fincher gehört nicht nur zu den kommerziell erfolgreichsten, sondern auch zu den wichtigsten Regisseuren der 90er Jahre. Dass er schon vor seinen Arbeiten als Filmregisseur unzählige, vielfach stilbildende Musikvideos inszeniert, ist ein ganz wesentlicher Punkt seiner künstlerischen Laufbahn. Diese Arbeiten machen ihn zu einem der bedeutendsten Musikvideoregisseure des 20. Jahrhunderts. Seit seinem ersten Langfilm Anfang der 90er Jahre hat er gerade einmal vier weitere Kinofilme realisiert, die allerdings nicht nur zu den meistdiskutierten des Jahrzehnts, sondern auch zu den wichtigsten ihres Genres gehören. Sie etablieren beschleunigte Bildfolgen und fragmentierte Erzählweisen im Kino.

David Fincher wird am 28. August 1962 in Denver geboren. Der Vater ist Journalist, die Mutter Krankenschwester in einem Heim für geistig Behinderte. Schon als Kind ist David Fincher vom Film fasziniert und dreht mehrere Super-8-Filme. Direkt nach der Highschool verdient er sein Geld mit Jobs bei kleinen Filmproduktionsfirmen und eignet sich besonders das technische Wissen rund um eine Produktion an. Von 1981 bis 1983 arbeitet er schließlich bei "Industrial Lights & Magic", der Special-Effects-Firma seines großen Idols George Lucas. In seiner Zeit bei Lucas' Firma arbeitet er an der Herstellung der Special Effects für verschiedene Blockbuster, etwa INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1983), DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983) und DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984).

Der November 1986 markiert einen Wendepunkt in David Finchers künstlerischer Laufbahn. Er wird Mitbegründer der Produktionsfirma Propaganda Films. In den folgenden fünfzehn Jahren ihrer Existenz entstehen hier unzählige Musikvideos und Werbespots, deren Einnahmen den aufstrebenden Jungregisseuren auch größere Filmprojekte ermöglichen sollen. Unter dem Dach der Propaganda Films entstehen einige große Filme, zum Beispiel WILD AT HEART (1990) von David Lynch; SLEEPERS (1996) von Barry Levinson; BEING JOHN MALKOVICH (1999) unter der Regie von Spike Jonze, doch in seiner Zeit bei Propaganda Films dreht David Fincher bis Anfang der 90er Jahre ausschließlich Werbespots für Levis, Nike oder Coca Cola und stilbildende sowie genreprägende Musikvideos für Michael Jackson, die Rolling Stones, George Michael oder Madonna. Die Mehrzahl dieser Musikvideos inszeniert er mit einem großen Budget im Rücken und macht aus ihnen kleine Spielfilme, die stark erzählend sind und besonders Madonnas Image als Ikone des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitprägen. Seine Musikvideoarbeiten um 1990 sind heute noch Maßstab für die Kurzfilmgattung und erhalten zahlreiche Auszeichnungen. Die Musikvideostilistik schlägt auch in seinen späteren Filmarbeiten durch: schnelle Schnittfolgen, atmosphärisch dichte Bilder.

Anfang der 90er Jahre löst sich David Fincher von Propaganda Films und erhält sein erstes Angebot für eine Langfilmregie. Für die 20th Century Fox inszeniert er den Science Fiction- Film ALIEN 3 (1992). Wieder einmal ist Ellen Ripley (Sigourney Weaver) die einzige Überlebende. Ihr Shuttle landet auf dem Gefängnisplaneten Fiorina 138. In Ripleys Körper wächst ein neuer Alien heran, die Gefängnisinsassen müssen sich sogar gegen einen ausgewachsenen zur Wehr setzen. Kritikern und Fans der Serie gilt der Film als schwächster Teil, an der Kinokasse spielt er gerade so die Ausgaben von gut 50 Millionen Dollar ein. ALIEN 3 (1992) wird in vieler Hinsicht ein Desaster, der Regisseur soll Jahre später sogar gesagt haben, dass er den Film gehasst habe. Für die chaotischen Zustände ist nicht er verantwortlich zu machen: mehrere Regisseure und unzählige Drehbuchautoren vor ihm waren bereits von dem Projekt abgesprungen. Allerdings wird im Laufe der Jahre und mit etwas Abstand die düstere Grundstimmung gelobt, rasante Kamerafahrten, tiefe Grau- und Brauntöne und schäbig gestaltete Innenräume lassen eine klaustrophobische Atmosphäre entstehen. Für die Special Effects gibt es 1993 eine Oscarnominierung.

Durch diese Erfahrungen bitterlich enttäuscht wendet sich David Fincher von Hollywood zunächst ab, bis an ihn die Regie für SIEBEN (1995) herangetragen wird. Die Detectives William Somerset und David Mills sind einem Serienkiller auf der Spur. Für jede biblische Todsünde sucht er sich ein passendes Opfer. Der Filmemacher erschafft mit dem Thriller einen wichtigen Vertreter des Genres, der viele Zuschauer durch das brutale Ende schockiert. Wesentlich an SIEBEN (1995) ist die Bildsprache, die auf schonungslose Weise die Brutalität der Morde des Serienkillers ausdrückt.

Sind Brad Pitt, Morgan Freeman und Kevin Spacey in SIEBEN (1995) die Stars, so arbeitet David Fincher für THE GAME (1997) mit Michael Douglas zusammen. Dem erfolgreichen Finanzmagnat Nicholas Van Orten wird übel mitgespielt. Sein Bruder schenkt ihm ein ausgeklügeltes Rollenspiel, bei dem der Reiz unter anderem darin besteht, dass er einen Teil seiner Kontrolle verliert. THE GAME (1997) ist an der Kinokasse kein großer Erfolg, Kritiker bemängeln fehlende erzählerische Tiefe und doch überrascht der Film bis zuletzt mit immer neuen, unerwarteten Wendungen. Überschattet werden die Dreharbeiten von einer horrenden Millionenforderung Jodie Fosters. Die Schauspielerin verklagt die Produzenten auf einen hohen zweistelligen Betrag, da sie entgegen ursprünglicher Planungen doch nicht zum Cast gehört - David Fincher wird Jahre später allerdings mit ihr zusammenarbeiten.

FIGHT CLUB (1999) ist David Finchers nächstes Projekt, das erneut mit Brad Pitt in der Hauptrolle entsteht. Mit Tyler Durden, einem Seifenproduzenten, bietet sich eine Möglichkeit, die Schlaf- und Identitätslosigkeit des Helden (gespielt von Edward Norton) zu meistern. Aus einem spontanen Boxkampf zwischen beiden entsteht ein neuer Kult: der Fight Club. Hier entfliehen der Held, Tyler Durden und eine wachsende Fangemeinde in ihre maskuline Freiheit, die sich durch brachiale Schlägereien manifestiert. Der Film wird nicht nur das bislang wichtigste Werk des Regisseurs, sondern auch einer der schillerndsten und gleichzeitig bedeutendsten Filme der 90er Jahre, der bis heute eine große Fangemeinde begeistert. Wie bereits SIEBEN (1995) irritiert der Film durch Gewaltinszenierungen, die sich nun in wahren Gewaltexzessen entladen. Das Maßgebliche an FIGHT CLUB (1999) ist allerdings, dass es David Fincher gelingt, die Identitätslosigkeit einer ganzen Gesellschaft am Rande des Jahrtausendwechsels in hässliche, fast schon widerliche Bilder zu kleiden.

David Finchers bislang letzter Film ist PANIC ROOM (2002), den er mit Jodie Foster in der Hauptrolle dreht. Meg Altman zieht mit ihrer 11-jährigen Tochter in ein neues Haus. Als Einbrecher ins Haus kommen, schützt sie ein Panic Room, in dem ausgerechnet das aufbewahrt ist, was die Verbrecher suchen. PANIC ROOM (2002) ist ein routinierter Thriller, mit dem es durch entsprechende Perspektiven und Einstellungen gelingt, das Haus als beklemmendes Gefängnis zu inszenieren. Als bedrückende, fast schon lebendige Zelle, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Im Internationalen Wettbewerb des 60. Filmfestival von Cannes läuft sein neuer Serienkillerfilm ZODIAC (2007) (ZODIAC (2007) Trailer), in dem er mit Jake Gyllenhaal und Robert Downey jr. zusammenarbeitet. Erzählt wird die Geschichte einer Obsession, drei Ermittler sind einem Serienkiller auf der Spur, werden ihn aber nicht enttarnen. Der Film gewinnt zwar keinen Preis auf dem Festival, wird aber von den Kritikern begeistert aufgenommen. Besonders loben sie, dass der Regisseur nicht einen weiteren Thrill durch Mord und Exzess erzeugt, sondern hier subtil und überaus variantenreich die Geschichte einer ergeblichen Ermittlung sehr realistisch, fast schon dokumentarisch in Szene setzt.

Seit PANIC ROOM (2002) arbeitet David Fincher vor allen Dingen als Produzent, übernimmt aber auch kleinere Rollen als Schauspieler. Für 2008 ist der Film BENJAMIN BUTTON (2008) nach einer Erzählung von F. Scott Fitzgerald mit Brad Pitt und Cate Blanchett annonciert.

Simon Colin / Ines Walk
(Stand Mitte Mai 2007)

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