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George Lucas

George Lucas
Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Ausführender Produzent

* 14. Mai 1944
Modesto (Kalifornien)
USA

GEORGE LUCAS • Biographie Seite 1/1

Die KRIEG DER STERNE-Reihe (1977 – 2005) inklusive des Merchandising und Franchising ist das lukrativste Filmprojekt aller Zeiten. Filmemacher George Lucas steht in der Öffentlichkeit so sehr für KRIEG DER STERNE wie die Filme für ihn. An seiner Person entzündet sich die Frage, ob KRIEG DER STERNE (1977) als Blockbuster mitverantwortlich ist für den häufig zitierten Untergang des künstlerischen Films á la New Hollywood oder ob die technischen Innovationen dem Filmemacher als Künstler und damit dem Film selbst neue Freiheiten und Ausdrucksmöglichkeiten gegeben haben. Hierin zeigt sich das ambivalente Verhältnis, das George Lucas inner- wie außerhalb der Filmbranche entgegengebracht wird.

Geboren am 14. Mai 1944 in Modesto, Kalifornien, interessiert sich der junge George Lucas zwar schon sehr früh für das tägliche Fernsehprogramm, seine eigentliche Leidenschaft gehört aber dem Motorsport. Als Teenager frisiert er Autos und fährt mit ihnen Rennen; er will. Rennfahrer werden. Ein fast tödlicher Unfall kurz vor seinem High-School Abschluss, zwei Tage Koma und die darauf folgenden Wochen der Genesung ändern seine Zukunftspläne. Er wechselt die Perspektive und fotografiert die Rennen nun. Am Junior College seines Heimatortes nimmt er das Studium der Anthropologie, Mythologie und Philosophie auf; erste Experimente mit Filmkameras beginnen. Etwa zu dieser Zeit trifft er an einer Rennstrecke den Kameramann Haskell Wexler, der sein Mentor wird.

Mit seinem guten Collegeabschluss kann sich George Lucas in die University of Southern California School of Cinematic Arts einschreiben. Dort wird er stark von Lester Novros und Slavko Vorkapich, einem ehemaligen Kollegen Sergej M. Eisensteins, beeinflusst. Er lernt die Bedeutung nicht-narrativer Filmelemente wie Farbe und Licht sowie die Bewegung als dem Film innewohnende Eigenschaft zu begreifen, die der Film seine Eigenständigkeit als Kunstform verdankt. Er dreht in dieser Zeit acht dokumentarische und fiktionale Kurzfilme, die unter dem Eindruck des Cinéma Vérités entstehen und in denen sich sein Hang zu visueller Abstraktion ausdrückt. Hier treten bereits zwei Aspekte in den Vordergrund, die auch sein weiteres Schaffen prägen werden. Einerseits interessiert er sich sehr für die technischen Aspekte, die sich auf seine Zeit als Hobby-Rennfahrer zurückführen lassen, andererseits beginnt er schon in Filmen wie THX 1138:4EB (1967) mit anthropo-mythologischen Ansätzen zu experimentieren. Mit diesem Kurzfilm gewinnt er 1968 den Preis für den Besten Film auf dem Third National Student Film Festival. Vielleicht ist es dieser Erfolg, der die mythologischen Züge in den KRIEG DER STERNE und INDIANA JONES–Filmen überdeutlich werden lassen. In dieser Phase seiner Ausbildung reift auch sein Verständnis vom Filmemachen. Da bei einer Filmproduktion viele Spezialisten mit verschiedenen kreativen Aufgaben betraut sind, gesteht er dem Regisseur keinen so herausragenden Status zu, wie es allgemein üblich ist. Als er den Irving G. Thalberg Memorial Award verliehen bekommt, betont er, dass Filme nicht von Einzelpersonen gemacht würden, sondern immer nur in der Gruppe.

1966 schließt er sein Studium ab, kehrt aber als Seminarleiter-Assistent in lehrender Funktion an die Universität zurück. Im Rahmen des Warner-Memorial-Stipendiums verfolgt er die Dreharbeiten zu DER GOLDENE REGENBOGEN (1967) bei dem Francis Ford Coppola Regie führt. Dieser macht ihn bei seinem nächsten Filmprojekt LIEBE NIEMALS EINEN FREMDEN (1968) zu seinem Assistenten. Die Zusammenarbeit mit Francis Ford Coppola wird sich zu einer für ihn vorteilhaften Freundschaft entwickeln, obwohl er auch in andere Filmprojekte involviert ist. 1969 gründen die beiden die Produktionsfirma American Zoetrope. George Lucas wird stellvertretender Geschäftsführer und zusammen mit Warner Bros. produziert Francis Ford Coppola den ersten Kinofilm von George Lucas: THX 1138 (1971). Während der Arbeit an diesem Projekt entwirft der junge Regisseur schon seinen nächsten Film. Doch die Differenzen mit Warner Bros., führen zu einem absolut vernichtend Urteil seitens der Manager von Warner Bros. George Lucas, der das vorausgesehen haben muss, hat einige Freunde gebeten, die Filmkopie sofort nach der Vorführung unter einem Vorwand an sich zunehmen und in Sicherheit zubringen. Schließlich aber kommt der Film doch in einer veränderten Fassung in die Kinos. Die Kritiker äußern sich lobend, aber der Film verschwindet schnell von den Leinwänden. Finanziell wird er erstaunlicherweise trotzdem zu einem kleinen, aber nicht weiter nennenswerten Erfolg.

Die anhaltenden Differenzen zwischen American Zoetrope und Warner Bros. sowie die persönlichen Erfahrungen, die George Lucas mit dem Studio gemacht hat, bewegen ihn dazu, seine eigene Firma Lucasfilm zu gründen. Francis Ford Coppola rät ihm auch mal etwas Kommerzielles auszuprobieren. Das nächste Projekt soll AMERICAN GRAFFITI (1973) werden. Francis Ford Coppola, der mittlerweile mit DER PATE - 1. TEIL (1972) seinen Durchbruch geschafft hat, übernimmt wieder die Stelle des Produzenten, um die Realisierung des Projekts mit seinem in der Branche erfolgversprechenden Namen abzusichern. Doch wieder ist die Reaktion des Studios, dieses Mal Universal, dem Film gegenüber sehr verhalten. AMERICAN GRAFFITI kommt 1973 in die Kinos. Mit 55 Millionen Dollar wird er der dritterfolgreichste Film des Jahres in den USA. Weltweit spielt er sogar 118 Millionen Dollar ein und macht ihn zum Millionär. Außerdem gibt es fünf Oscar-Nominierungen für den Film, davon zwei für George Lucas selbst.

Er nutzt die Gelegenheit, sein Studio auszubauen. Francis Ford Coppola fragt ihn, ob er bei einem Projekt namens APOCALYPSE NOW (1979) Regie führen wolle, doch George Lucas ist schon mit dem Drehbuch zu einem anderem Projekt beschäftigt aus dem später KRIEG DER STERNE (1977) hervorgehen wird. Auch bei diesem Film handelt er sich viel Ärger mit dem Studio - dieses Mal 20th Century Fox - ein, weil er sich weder an das vereinbarte Budget noch an den Terminplan hält. Darüber hinaus bereitet ihm das Drehbuch, das er immer wieder komplett umarbeitet, ständig Probleme. 1975 überträgt George Lucas dem Techniker John Dykstra die Leitung der visuellen Effekte und schließlich die Geschäftsführung der neu gegründeten Firma für visuelle Effekte Industrial Light & Magic (ILM).

Körperlich geht George Lucas an seine Grenzen: Bei den Dreharbeiten erleidet er einen Schwächeanfall. Eine Vorführung des Rohschnitts ohne visuelle Effekte vor seinen Freunden und Studiomanagern findet nur bei Steven Spielberg Begeisterung und ruft ansonsten betretenes Schweigen hervor. Aber der Film kommt in die Kinos. Er übertrifft mit einem Einspielergebnis von fast 200 Millionen Dollar finanziell alles bisher Gesehene bei weitem. Hinzu kommen 11 Oscar-Nomminierungen, unter anderem für den Besten Film und den Besten Regisseur, von denen der Film sechs, George Lucas selbst jedoch keinen, gewinnt. Um Kosten zu sparen, hat George Lucas seine eigentliche Idee in drei Teile geteilt: 1980 und 1983 folgen die beiden nächsten Teile. 1997 bringt er die drei Teile noch einmal ins Kino, um das Publikum auf die noch zu drehenden drei Teile (1999, 2002 und 2005) der Vorgeschichte einzustimmen. Die ursprüngliche Trilogie ist digital überarbeitetet und mit neuen Titeln und Szenen versehen, was von vielen Kritikern und Zuschauern kritisch aufgenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt hat ihn KRIEG DER STERNE nicht nur zu einem der reichsten Männer des Filmbusiness, sondern auch unabhängig von den großen Filmstudios gemacht. Gleichzeitig hat er sich damit aber auch von dem abstrakt expressionistischen Filmstil, der seine frühe Dokumentar-Arbeit bestimmt hatte, entfernt.

Anfang der 1980er Jahre kommt JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981) in die amerikanischen Kinos. Wie bei den zwei KRIEG DER STERNE-Filmen DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) und DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983), überlässt er den Regiestuhl einem Anderen, in diesem Fall Steven Spielberg, um selbst vornehmlich als Produzent zu wirken. Mit den zwei Nachfolgeproduktionen INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1984) und INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989) gelingt es den Freunden George Lucas und Steven Spielberg mit ehemaligen B-Film-Stoffen finanziell erfolgreich zu bleiben. Ab 1992 wird die Geschichte um den Abenteuerarchäologen mit der Fernsehserie DIE ABENTEUER DES JUNGEN INDIANA JONES in drei Staffeln weitergesponnen, für die George Lucas namhafte Regisseure wie Nicolas Roeg und Terry Jones verpflichten kann. Bis 2007 lässt er die Serie in weiteren Staffeln und Fernsehfilmen immer wieder aufleben. Ähnlich lässt er die Geschichten, die im KRIEG DER STERNE-Universum meandern, in Serien und weiteren Kinofilmen erzählen. Stets hält er sich als Regisseur zurück. Nach KRIEG DER STERNE (1977) besetzt er erst wieder für STAR WARS: EPISODE I - DIE DUNKLE BEDROHUNG (1999) (STAR WARS: EPISODE I - DIE DUNKLE BEDROHUNG (1999) Trailer) den Regiestuhl.

Es ist weniger bekannt, dass sich George Lucas als Produzent, teilweise mit Francis Ford Coppola, auch für Filme engagiert, die sich abseits effektlastiger Weltraumkämpfe befinden. So überzeugen die beiden die Produktionsfirma 20th Century Fox das japanische Drama KAGEMUSHA - DER SCHATTEN DES KRIEGERS (1980) von Akira Kurosawa zuende zu produzieren, da den Toho Studios das Geld ausgeht. Der Film gewinnt 1980 die Goldene Palme von Cannes. In den folgenden Jahren produzieren sie unter anderem MISHIMA: EIN LEBEN IN VIER KAPITELN (1985) von Paul Schrader, den zweiten Teil der Qatsi-Trilogie POWAQQATSI (1988) des experimentellen Dokumentarfilmers Godfrey Reggio und TUCKER - EIN MANN UND SEIN TRAUMAUTO (1988), bei dem Francis Ford Coppola anstelle der Produktion die Regie übernimmt.

George Lucas ist Gründer und Inhaber mehrerer Firmen, von denen die meisten auf der Skywalker Ranch in San Francisco ihren Firmensitz haben. Diese Firmen dienen unter anderem der Entwicklung neuer Technologien. Die bereits erwähnte Firma für visuelle Effekte ILM betritt schon in den 1970ern mit KRIEG DER STERNE (1977) nicht nur Neuland auf dem Gebiet der digitalen Bilderzeugung, -verarbeitung und -bearbeitung, sondern auch mit computergestützter Kameratechnologie, welche heute zum großen Teil Standard bei der Produktion von Filmen sind. 1982 wird das THX Sound System veröffentlicht, welches sich mit der Zeit ebenfalls zu einem Standard entwickelt. Das erste nonlineare und computerbasierte Schnittsystem mit Namen EditDroid stammt ebenfalls aus dem Hause Lucas auch wenn es für die wohltätige George Lucas Educational Foundation gedacht ist, welche neue Lernmethoden erschließen soll. Schließlich reichen auch die Wurzeln von Pixar bis zu Lucasfilm zurück. Genauer gesagt zu einem kleinen, auf digitale Effekte spezialisierten, Studio, das Lucas Mitte der 1980er verkauft. Anschließend entwickelt es sich zu einem der führenden Studios in Sachen computeranimierte Filme.

George Lucas scheut die Öffentlichkeit. Er versucht sein Privatleben so sehr aus der Presse zu halten wie er versucht mit der Öffentlichkeit und mit Hollywood auf Distanz zu gehen. In erster Ehe ist er seit 1969 mit der Cutterin Marcia Lucas (geb. Griffin) verheiratet, gemeinsam haben sie ein Kind. 1984 lässt sie sich von ihm scheiden.

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Andreas Blümlein
Stand: Mai 2008

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