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Bryan Singer

Bryan Singer
Regie, Drehbuch, Produzent, Ausführender Produzent

* 17. September 1965
New York (New York)
USA
andere Namen Brian Singer

BRYAN SINGER • Biographie Seite 1/1

Bryan Singer gehört zu den üblichen Verdächtigen Hollywoods. Besonders die Verfilmung der X-MEN (2000) Comics ist den Fans des fantasievollen Actionkinos in Erinnerung geblieben. Während Superman besser wieder nach Hause fliegen sollte, brilliert Bryan Singer zur Zeit mit dem Drama um Hitlers berühmtesten Attentäter Stauffenberg, der sich durchaus in der Superhelden Reihe des Regisseurs sehen lassen kann.

Bryan Singer wird am 17. September 1965 in New York City geboren. Als Adoptivsohn und Einzelkind wächst er in einem jüdischen Haushalt bei Grace und Norbert Singer auf. Bereits auf der High School freundet er sich mit Ethan Hawk und Christopher McQuarrie an. Die drei jungen Männer sind sich schon damals darüber einig, eine Karriere im Show Business anzustreben. Bryan Singer dreht bereits als Kind Filme mit seiner Super-8 Kamera. Nach seiner Schulausbildung besucht der angehende Filmemacher die School of Visual Arts in New York und der USC Cinema School in Los Angeles. In letzterer lernt er John Ottman kennen, der später bei fast all seinen Filmen für die Musik zuständig ist. Ein weiterer Freund aus diesen Tagen ist der zukünftige Produzent Kenneth Kokin.

Bryan Singers erster Kurzfilm ist LION'S DEN, in dem sein Freund Ethan Hawk die Hauptrolle spielt. Insgesamt 16.000 US-Dollar kostet der Streifen über einpaar Schulfreunde, die sich einige Jahre später wiedertreffen und feststellen, wie sehr sie sich voneinander entfernt haben. Der erste größere Erfolg des Regisseurs ist PUBLIC ACCESS (1993), ein Drama über eine scheinbar idyllische Kleinstadt, die der Radio-Moderator Whiley Pritcher (Ron Marquette) gehörig aufmischt, als er anfängt, in seiner Radiosendung zu diskutieren, was an der Stadt nicht stimmt. Der Film, zu dem Bryan Singer gemeinsam mit Christopher McQuarrie und John Ottmanden das Skript schreibt, gewinnt den Großen Preis der Jury beim renommierten Sundance Film Festival.

Seinen nationalen wie internationalen Durchbruch feiert der Filmemacher mit dem nachfolgendem Gangsterfilm DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN (1995). Der bis dahin fast völlig unbekannte Regisseur schafft es, Stars wie Kevin Spacey, Gabriel Byrne und Stephen Baldwin für einen anspruchsvollen Thriller zu gewinnen, was sich auch an den Kinokassen auszahlt. In dem blutigen Krimi geschieht gleich zu Anfang ein Schiffsunglück, bei dem es nur zwei Überlebende gibt. Die Polizei vermutet einen geplatzten Drogendeal hinter dem Unglück und vernimmt den Überlebenden Verbal Kint (Kevin Spacey), der den Unglücksverlauf in Rückblenden erzählt. Im Laufe des Films verdichtet sich die Spannung, denn niemand weiß, wer der Drahtzieher Keyser Söze ist und ob er überhaupt existiert, doch es ist sicher, dass er alle Fäden in der Hand hat. Die oscarprämierte Darstellung von Kevin Spacey und Christopher McQuarries ebenfalls ausgezeichnetes Drehbuch sorgen für Erfolg an den Kinokassen; bei Liebhaber hat der Film wegen seiner komplexen Struktur Kultstatus.

Nach dem Hit folgt ein Flop, der Bryan Singer noch dazu vor Gericht bringt. DER MUSTERSCHÜLER (1997) ist die Verfilmung der gleichnamigen Stephen King-Novelle und erzählt die Geschichte eines Schülers, der seiner Faszination für das Grauen des Dritten Reiches zu erliegen droht. Als er auf einem Foto aus der NS-Zeit einen Nachbarn erkennt, erpresst Tedd Bowden (Brad Renfro) den alten Kurt Dussander (Ian McKellen). Der ehemalige SS-Offizier erzählt dem Jungen seine Geschichte, wodurch dieser immer mehr in die Fänge des alten Nazis gerät. Die beiden Darsteller überzeugen die Kritiker, der Film weniger, weil er die Radikalität der literarischen Vorlage entschärft. An den Kinokassen floppte der Film, aber damit nicht genug. Weil Eltern und minderjährige Darsteller der Meinung waren, dass die im Film vorkommenden Nacktszenen zuvor nicht vereinbart waren, wird das Filmteam verklagt. Allerdings ohne Erfolg.

Zwei Jahre später stellt sich wieder ein Erfolg ein, als Bryan Singer X-MEN (2000) und später X-MEN 2 (2004) verfilmt, eine Adaption der Comics von Stan Lee und Jack Kirby. Dabei geht es um den Konflikt zwischen normalen Menschen und Mutanten, die durch das sogenannte X-Gen übermenschliche Fähigkeiten besitzen. Während Magneto (Ian McKellen) der Meinung ist, dass die Menschheit unterjocht werden muss, setzt sich sein Freund Charles Xavier (Patrick Stewart) für eine Versöhnung mit den Menschen ein. Bereichert wird das Ensemble von Wolverine (Hugh Jackman), der nach seiner vergessenen Vergangenheit sucht, Storm (Halle Berry), die das Wetter beeinflussen kann und Jean Grey (Famke Janssen), in der unvorstellbare Kräfte lauern. Hauptkonflikt des Films ist die Frage nach der Anerkennung von Minderheiten, weswegen Bryan Singer, der Jude und homosexuell ist, als der richtige Mann für die Aufgabe erachtet wird. Trotz des actiongeladenen Effektspektakels kommen die individuellen Schicksale der Figuren nicht zu kurz, was vor allem Hugh Jackman als ruppigen, aber nicht gefühlskalten Wolverine sympathisch macht.

Der dritte Teil der X-Men-Saga wird nicht mehr von Bryan Singer, sondern von Brett Ratner verfilmt. Dafür übernimmt Bryan Singer mit SUPERMAN RETURNS (2006) eine weitere Comic-Verfilmung, die eigentlich für Brett Ratner vorgesehen ist. Der alten Geschichte wird eine neue hinzugefügt, in der Superman (Brandon Routh) nach einigen Jahren der Abwesenheit zu seinem Erdenleben als Clark Kent und damit auch zu Lois Lane (Kate Bosworth) zurückkehrt. Diese hat inzwischen allerdings einen neuen Mann und mit diesem einen Sohn. Neben dem Gefühlschaos von Superman und Lois erhebt sich auch wieder eine Bedrohung der Welt in Gestalt von Lex Luthor (Kevin Spacey), der eine künstliche Insel schaffen und durch die Wasserverdrängung die USA überschwemmen will. Obwohl oder vielleicht gerade weil der Filmemacher sich bei der Inszenierung so sehr am Vorgänger orientiert, kommt der Film bei Kritikern und Publikum weniger gut an. Superman wirkt zu anachronistisch und kann mit den modernen, facettenreicheren Superhelden wie Batman und Spiderman nicht mehr mithalten, auch die Liebesgeschichte mit Lois Lane wirkt zu künstlich und kitschig. Vielen gilt die Neuverfilmung als überflüssig, weil sie nur wenig Neues bietet und Superman ein zu heldenhafter und flacher Charakter ist.

Danach wagt sich der Regisseur an ein anspruchsvolles und aus deutscher Sicht heikles Thema. In OPERATION WALKÜRE - DAS STAUFFENBERG ATTENTAT (2008) (OPERATION WALKÜRE - DAS STAUFFENBERG ATTENTAT (2008) Trailer) wird der Versuch Graf von Stauffenbergs (Tom Cruise) gezeigt, Hitler durch ein Bombenattentat zu töten und ihn durch eine andere Regierung zu ersetzen. Der Plan ist durchdacht und scheint auch zunächst gelungen zu sein, doch wie durch ein Wunder überlebt Hitler den Anschlag und es beginnt die Jagd nach den Drahtziehern des Mordversuchs. Schon in seiner Entstehungsphase sorgt der Film für zahlreichen Disput in Deutschland. Nach dem Kinostart gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen loben Tom Cruises Darstellung, die anderen hätten sich einen charakterstärkeren Schauspieler gewünscht. Vor allem steht der Film wegen seiner positiven und zu wenig ambivalenten Darstellung Stauffenbergs in der Kritik. Er wirkt eher wie ein Hollywood-Action-Hero als wie ein adeliger Elite-Offizier. Während die einen Kritiker dies monieren, loben die anderen genau diese Herangehensweise, denn so wird deutsche Geschichte für Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt unterhaltsam aufbereitet. Der Film wird an den Kinokassen überraschender Weise ein Erfolg; der erhoffte Oscar für Tom Cruise bleibt aber aus.

Bryan Singer ist sowohl als Regisseur als auch als Produzent tätig, wie zum Beispiel für die Erfolgsserie "Dr. House". Mittlerweile verfügt er über eine eigene Produktionsfirma, die "Bad Hat Harry Productions". Der Name stammt von einem Zitat aus DER WEIßE HAI (1975), als der Polizeichef sich über eine Badekappe mokiert: "That's some bad hat, Harry".

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Autorin: Christin Kodalla
Stand: April 2009

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