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Nina Hoss

Nina Hoss
Darsteller, Sprecher

* 07. Juli 1975
Stuttgart
Deutschland

NINA HOSS • Biographie Seite 1/1

Als Schauspielerin lässt sich Nina Hoss tief in die Seele blicken. Sie umgibt etwas Kühles und Unnahbares, Verletzliches und Sprödes, und trotzdem wirkt sie wie ein Engel, der großzügig Liebe schenken kann oder über Leichen geht. Eine deutsche Femme Fatale, eine Frau, die zum Raubtier werden kann. Gelobt wird die perfekte Mischung aus Sinnlichkeit und Intellekt, die die blonde Schauspielerin ausstrahlt. Auf der Theaterbühne wie beim Film wird sie gefeiert, hat den Gertrud-Eysoldt-Ring und den Silbernen Bären gewonnen.

Nina Hoss wird am 07. Juli 1975 in Stuttgart geboren. Ihr Vater Willi Hoss ist Politiker und Gewerkschaftler, als Gründer der gewerkschaftskritischen Betriebsratsliste bei Daimler-Benz sorgt er für Unruhe und Basisdemokratie, als Gründungsmitglied der Grünen zieht er in den Bundestag ein. Ihre Mutter Heidemarie Rohweder ist Schauspielerin, arbeitet unter anderem am Stuttgarter Staatstheater und wird später Intendantin der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Das musische Talent gibt die Mutter weiter. Bereits mit sieben Jahren arbeitet sie als Sprecherin bei Hörspielen beim Süddeutschen Rundfunk. Mit 14 Jahren feiert sie ihr Debüt im Stuttgarter Theater des Westens im Zwei-Personen-Stück "Ich liebe dich, ich liebe Dich nicht". Sie spielt Klavier, lässt sich auch in Gesang unterrichten.

1995 beginnt Nina Hoss ein Studium an der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin. Bereits während ihres Studiums erhält sie Engagements bei Film und Fernsehen. Nach dem Abschluss ihres Studiums wird sie in der Spielzeit 1998/1999 Ensemblemitglied des Deutschen Theaters und ist danach dem renommierten Theaterhaus als Gast verbunden. Sie arbeitet mit Regisseuren wie Thomas Ostermeier, Stefan Otteni und Einar Schleef zusammen. Das Berliner Publikum erobert sie als Minna von Barnhelm, als Gräfin Orsina in "Emilia Galotti", beide nach Ephraim Lessing sowie als Helena in "Faust 2" nach Goethe. Bei den Salzburger Festspielen gibt sie die Buhlschaft im "Jedermann". Am Berliner Ensemble ist sie ebenfalls tätig, hier spielt sie die Lena in Robert Wilsons Inszenierung von Georg Büchners "Leonce und Lena". 2006 wird die Schauspielerin mit dem renommiertesten deutschen Theaterpreis Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet für ihre Interpretation der "Medea" in der Regie von Barbara Frey. Auch nach ihren Erfolgen bei Film und Fernsehen spielt das Theater bei Nina Hoss eine herausragende Rolle. Ihr gelingt es wie derzeit keiner anderen Schauspielerin, Theater, Film und Kino unter einen Hut zu bringen.

Ihr Debüt vor der Kamera gibt die blonde Schauspielerin als schöne Marilli Kosemund in einem Münchener Mietshaus Mitte der 1920er Jahre in UND KEINER WEINT MIR NACH (1995) von Joseph Vilsmaier. Mit ihren zweiten Film erlangt sie schlagartig Bekanntheit in ganz Deutschland. Unter der Regie von Bernd Eichinger entsteht das TV-Remake von DAS MÄDCHEN ROSEMARIE (1996). Sie gibt Rosemarie Nitribitt, eine junge, verführerische Frau, die in Frankfurt das große Geld machen will und zur Edelprostituierten aufsteigt. In der Zeit des deutschen Weltwirtschaftswunders schläft sie sich in die Elite, spioniert deren Geheimnisse aus. Als sie zu gefährlich wird, wird sie in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Bei der Verleihung der Goldenen Kamera 1997 erhält sie für ihre Leistung die Auszeichnung als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Danach folgen zahlreiche Filmangebote, aber Nina Hoss will erst einmal ihr Studium beenden. Es sind zunächst kleinere Rollen für das Kino, in denen sie zu sehen ist; Arbeiten für das Fernsehen sind eher seltener. Unter der Regie von Detlev Buck spielt sie in LIEBE DEINE NÄCHSTEN! (1998), als Marie Rätzer ist sie in der Hölderlin-Biographie FEUERREITER (1998) von Nina Grosse zu sehen. Als Berliner Kabarettistin Marion von Kammer in DER VULKAN (1999) nach einem autobiografisch gefärbten Roman von Klaus Mann unter der Regie von Ottokar Runze flieht sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und lebt in der Emigrantenszene der 1930er Jahre in Paris. Beim Filmfest in Montreal 1999 wird sie für diese Rolle zur Besten Darstellerin gekürt. Sie arbeitet aber auch mit anderen Regisseuren. Doris Dörrie engagiert sie als eine der sechs jungen erfolgreichen Personen, die in NACKT (2002) einen Selbstversuch unternehmen. Urs Egger besetzt sie an der Seite von Mario Adorf in EPSTEINS NACHT (2002).

2001 beginnt ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Christian Petzold. Ihre gemeinsame Arbeit wird maßgebend für die Schauspielerin. In TOTER MANN (2002) beginnt sie als geheimnisvolle Frau eine Affäre mit einem Juristen, der zu spät erkennt, dass er nur eine Figur in ihrem mörderischen Plan ist. Obwohl sie zerbrechlich wirkt, will sie ganz rational und überlegt jemanden rächen. In WOLFSBURG (2003) verkörpert sie Laura, eine junge Frau, die ihren Sohn durch einen Autounfall verloren hat. Sie verliebt sich - unwissentlich - in jenen Mann, der Fahrerflucht gegangen hat. Hier ist unnahbar und spröde, verletzlich und verzweifelt. Für beide Rollen wird sie 2003 und 2005 mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Ihre dritte gemeinsame Arbeit ist YELLA (2007) (YELLA (2007) Trailer). Nach einer gescheiterten Ehe verlässt sie ihre ostdeutsche Heimat Richtung Westen, gerät dort an Philipp, einem erfolgreichen Finanzmanager. Obwohl sie ein neues Leben will, holt sie das alte immer wieder ein. Ihre Yella ist rätselhaft und bodenständig, verwundbar und selbstbewusst, grausam und kalkulierend. Für ihren Traum geht sie über Leichen. Der Film, abstrakter Horrorfilm und Kapital-Studie, Ostwest-Drama und Geistergeschichte zugleich, wird im Wettbewerb der Berlinale 2007 gezeigt; Nina Hoss als Beste Darstellerin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Außerdem wird sie als Beste Hauptdarstellerin für die Lola, den Deutschen Filmpreis nominiert.

Einem breiten Kinogeschmack trifft Nina Hoss mit ihrer Rolle der Schweizerin Carola in der Liebesgeschichte DIE WEISSE MASSAI (2005) von Hermine Huntgeburth. Während eines Kenia-Urlaubs verliebt sie sich in den Samburu-Krieger Lemalian und bleibt in dem Land, beginnt dort ein neues Leben und muss sich mit den Sitten auseinandersetzen. Überaus präsent ist die Darstellerin auf der Leinwand, bringt dem Film, der mehr durch Schauwerte als durch Charakterstudie überzeugt, ein gutes Stück Authentizität. Der Film wird zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres. Für ihre schauspielerische Leistung wird sie mit dem Bayerischen Filmpreis als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. In Oskar Roehlers ELEMENTARTEILCHEN (2006) spielt sie Jane, die Mutter zweier Söhne. Auch in HANNAH (2007) von Erica von Moeller gibt sie eine Frau, die sich einen Schutzpanzer um ihr Leben legt, den niemand so richtig durchdringen kann. Dagegen wird in DAS HERZ IST EIN DUNKLER WALD (2007) (DAS HERZ IST EIN DUNKLER WALD (2007) Trailer) von Nicolette Krebitz ihr familiäres Leben erschüttert, als sie merkt, dass ihr Mann ein zweites Leben führt, mit einer anderen Familie, mit noch einer Frau und noch einem Sohn. Hier zerfällt ihr bisheriges Leben.

In nächster Zeit wird in Nina Hoss in DIE FRAUEN DES ANARCHISTEN (2008) von Peter Sehr und Marie Noëlle als Lenin zu sehen sein. In ANONYMA (2008) (ANONYMA (2008) Trailer) unter der Regie von Max Färberböck, der im Oktober 2008 in die Kinos kommen wird, verkörpert sie eine Frau im Berlin der Nachkriegszeit, die um ihr Leben kämpfen muss.

Nina Hoss engagiert sich auch politisch. Sie ist Terre des Femmes-Botschafterin gegen weibliche Genitalverstümmelung. Außerdem arbeitet sie als Sonderbotschafterin des Staates Pará im Westen Brasiliens.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008

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