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Bille August

Bille August
Regie, Drehbuch

* 09. November 1948
Brede
Dänemark

BILLE AUGUST • Biographie Seite 1/1

Regisseur und Kameramann Bille August zählt zu den erfolgreichsten skandinavischen Filmemachern. Mit der Martin Andersen Nexö-Verfilmung PELLE, DER EROBERER (1987) feiert er seinen ersten großen internationalen Erfolg und wird mit dem Oscar ausgezeichnet. Einen besonderen Namen hat sich der dänische Regisseur mit opulenten Literaturverfilmungen gemacht: Er verfilmt relativ werkgetreu Bestseller von Isabel Allende, Peter Hoeg und Victor Hugo als internationale Blockbuster mit zahlreichen Stars.

Bille August wird 09. November 1948 in Brede, Dänemark geboren. Seine Mutter stirbt als er neun Jahre alt ist; sein Vater, von Beruf Psychiater, erzieht ihn sehr autoritär. Mit seiner Stiefmutter kommt er nicht aus. Nach seiner Schulausbildung beginnt er 1969 ein Studium an der Christer Strömholms Schule für Fotografie in Stockholm, um den Beruf des Werbefotografen zu erlernen. 1971 wechselt er das Fach, geht an das Dänische Filminstitut und studiert Kameratechnik. Anschließend arbeitet Bille August als Kameramann an einem Dutzend Kino- und Fernsehfilmen.

1978 legt er mit FLITTERWOCHEN (1978) sein vielbeachtetes Spielfilm-Debüt vor. Hier scheitert die Ehe an den unterschiedlichen Erwartungen und Kommunikationsschwierigkeiten, die die Partner haben. Darauf folgt der preisgekrönte Kurzfilm KING und die Fernsehserie BUSTER'S WORLD. Ersten größeren Erfolg feiert er mit dem Jugendfilm TWIST AND SHOUT (1984), der den schwierigen Weg Jugendlicher zu sich selbst beschreibt. Im Zeitkolorit der 1960er Jahre schildert er einen Generationskonflikt. In ZAPPA (1984) erzählt er eine ähnliche Geschichte: 14jährige Jungen ersinnen Streiche, wollen Spaß haben, verlieren aber mehr und mehr ihre jugendliche Unschuld. Im Kinderfilm BUSTER, DER ZAUBERER (1984) erringt ein 10jähriger Junge die Freundschaft eines Mädchens durch Witz und Phantasie. Bille August, der sich mit seinen Jugendfilmen als wichtigster dänischer Regisseur etabliert, wird sich auch in Zukunft für Familien- und Jugendthemen interessieren; er blickt sensible und oft melancholisch auf unüberbrückbare Generationskonflikte, gescheiterte Beziehungen, Probleme beim Erwachsenwerden. Einfühlsam und mit leisem Humor erzählt der Regisseur seine Geschichten.

1987 kann der Regisseur mit PELLE, DER EROBERER (1987) nach Martin Andersen Nexö seinen ersten großen internationalen Erfolg feiern. Das harte Schicksal dänischer Landarbeiter im Schweden des 18. Jahrhundert ist Ausgangspunkt der Geschichte, die Bille August nutzt, um eine einfühlsame Vater-Sohn-Geschichte zu erzählen. Der Film lebt durch seine hervorragend gespielten Hauptfiguren: Max von Sydow und Pelle Hvenegaard. In Cannes wird das Werk mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, außerdem gibt es den Golden Globe und den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film.

Altmeister Ingmar Bergman wählt den Regisseur aus, den Rückblick auf sein Leben zu verfilmen. Es entsteht DIE BESTEN ABSICHTEN (1992), in dem beide Regisseure - Ingmar Bergman als Drehbuchautor - auf die Eltern Bergmans blicken. Erzählt wird die Familiegeschichte in den Jahren 1909 bis 1919, es entsteht ein opulenter und episch angelegter Zeitbilderbogen. Das Werk ist der aufwendigste und teuerste skandinavische Film, der bis dato gedreht wird, überspringt die 20 Millionen-Marke und wird als Gemeinschaftsarbeit von neun europäischen Fernsehanstalten produziert. Im Fernsehen läuft eine fünfstündige Fassung, für das Kino wird eine kürzere Version hergestellt. In Cannes erhält der Film die Goldene Palme, außerdem wird die weibliche Hauptdarstellerin Pernilla Ostergren als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.

In den nächsten Jahren arbeitet Bille August international, spezialisiert sich auf gehobene Literaturverfilmungen. Bei der internationalen Großproduktion DAS GEISTERHAUS (1993) nach dem Bestseller von Isabel Allende arbeitet der Regisseur erstmals mit dem Produzenten Bernd Eichinger zusammen. Die Starbesetzung mit Meryl Streep, Glenn Close, Winona Ryder und Jeremy Irons, Antonio Banderas und Armin Mueller-Stahl sichert ein internationales Interesse. Der Film, der über einen Zeitraum von fast 50 Jahren Leben und Leiden einer wohlhabenden chilenischen Familie schildert und die politischen Hintergründe weitgehend ausklammert, wird der bisher größte kommerzielle Erfolg des Regisseurs. Der zweite gemeinsame Film mit Bernd Eichinger wird FRÄULEIN SMILLAS FEINES GESPÜR FÜR SCHNEE (1997) nach dem Bestseller von Peter Hoeg. Im Thriller klärt eine junge Frau den Mord an einem Jungen auf, der sterben muss, weil die Ergebnisse einer Polarexpedition geheim gehalten werden sollen. Die Titelrolle der Eisforscherin Smilla Quaavigaaq übernimmt die Engländerin Julia Ormond, außerdem stehen Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave und Mario Adorf vor der Kamera. Beiden Filmen gemeinsam ist ihre aufwendige Inszenierung. Kritiker sind davon nicht begeistert, für sie wird in den meisten Fällen der Ton der Vorlage nicht getroffen. Beide Filme werden zugleich beachtliche internationale Kassenerfolge.

Mit JERUSALEM (1996) verfilmt Bille August einen Roman von Selma Lagerlöf. Die Liebe eines Bauern zu einer Dorfschul-Tochter zerbricht, als diese nach Jerusalem aufbricht, um dort ein neues Leben in einer christlichen Gemeinschaft zu beginnen. Gelobt an dem Epos werden die betörenden Bilder, ihre außerordentliche Schönheit; Charakterzeichnung sowie die langatmige und bedeutungsschwere Inszenierung kann nicht alle Kritiker überzeugen. Die Victor Hugo-Verfilmung LES MISERABLES (1998) erzählt die Geschichte eines Sträflings, der im Frankreich des 19. Jahrhunderts trotz Intrigen ein neues Leben beginnen kann. Wieder inszeniert der Regisseur eine relativ werkgetreue Verfilmung; Kritiker bemängeln gängige Filmkonventionen und zahlreiche Klischees. Der Film ist mit Liam Neeson, Claire Danes und Uma Thurman hochkarätig besetzt und international erfolgreich.

Nach der Jahrhundertwende kommt der Film EIN LIED FÜR MARTIN (2001) in die Kinos, der von der großen Liebesgeschichte zwischen dem Komponisten Martin und seiner Konzertmeisterin Barbara erzählt; als bei Martin Alzheimer ausbricht, ändert sich alles. Das bewegende psychologische Drama besticht durch eindringliche Schauspielerleistungen; hier beweist der Regisseur einmal mehr, wie einfühlsam und dicht er inszenieren kann. Der Kriminalfilm RETURN TO SENDER (2004), der von einer Todeskandidatin erzählt, die kurz vor ihrer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl gerettet wird, findet in Deutschland keinen Verleiher. Zwischenzeitlich arbeitet Bille August immer auch für das Fernsehen. Unter anderem verfilmt er neben anderen Regisseuren DIE ABENTEUER DES JUNGEN INDIANA JONES (1992). Die TV-Serie zählt zu den aufwendigsten Produktionen der Zeit.

Der aktuelle Film von Bille August GOODBYE BAFANA (2007) (GOODBYE BAFANA (2007) Trailer) ist wieder eine internationale Großproduktion. Erzählt wird vom Leben des weißen Gefängniswärters James Gregory, das sich grundlegend ändert, als er dem Gefangenen Nelson Mandela begegnet, den er über zwanzig Jahre bewachen wird. Der Film, besetzt mit Joseph Fiennes, Diane Kruger und Dennis Haysbert, wird in den Internationalen Wettbewerb der Berlinale 2007 eingeladen.

Bille August ist seit 1991 mit der schwedischen Schauspielerin Pernilla Ostergren verheiratet. Beide haben sich bei den Dreharbeiten zu DIE BESTEN ABSICHTEN (1992) kennen gelernt. Gemeinsam haben sie zwei Kinder.

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Autorin
Ines Walk

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