Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Richard Angst

Richard Angst
Kamera

* 23. Juli 1905
Zürich
Schweiz
† 24. Juli 1984
Berlin
Deutschland

RICHARD ANGST • Biographie Seite 1/1

Der Kameramann Richard Angst zählt zu den technisch versierten Könnern seiner Zunft. Er beginnt in den 1920er Jahren beim Bergfilm-Spezialisten Arnold Fanck, fotografiert dessen Klassiker. In den 50er Jahren prägt er maßgeblich mit seiner Kamera das westdeutsche Kino. Richard Angst ist bei den Edgar Wallace-Filmen dabei, fotografiert die Spätwerke des nach Deutschland zurückgekehrten Fritz Lang.

Richard Angst wird am 23. Juli 1905 in Zürich geboren. Sein Vater ist schweizerischer Abstammung, seine Mutter Deutsche. Er wächst in Pforzheim auf. Nach seiner Schulausbildung besucht er eine Handelsschule.

Mit 18 Jahren lernt Richard Angst den Kameramann Sepp Allgeier kennen, bei dem er beginnt, als Kamera-Assistent zu arbeiten. Beide verbindet die Leidenschaft zum Skilauf und der Bergsteigerei. Sepp Allgeier sowie der Regisseur Arnold Fanck sind Mitglied der Freiburger Schule, einer Gruppe von Kameramännern, die durch experimentelle Techniken besonders in Ski- und Bergfilmen auffallen. Richard Angst geht bei beiden in die Lehre.

Sein Name als Kameramann taucht erstmals bei dem Film MILAK, DER GRÖNLANDJÄGER (1927) auf. In der folgenden Zeit dreht der Kameramann bevorzugt für Arnold Fanck, wird einer der Stamm-Kameramänner des Bergfilmspezialisten. Bei den wichtigsten deutschen Bergfilmen der Zeit steht Richard Angst hinter der Kamera, unter anderem bei DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929) und STÜRME ÜBER DEM MONTBLANC (1930). Beide Filme überzeugen durch atemberaubende Naturaufnahmen, schreiben den Bergen mit ihren berauschend schönen Bildern geradezu mythische Kräfte zu. 1932 macht sich das Team auf den Weg nach Grönland. Dort soll der Universal-Film SOS EISBERG (1933) entstehen. Nach Angaben des Filmkuriers, der mehrfach von den Strapazen der Dreharbeiten berichtet, rettet Richard Angst bei einem Unfall den Kameramann Hans Schneeberger vor dem Ertrinken.

Der Umstieg auf den Tonfilm bereitet dem Kameramann keine Schwierigkeiten. Mitte der 1930er Jahre begibt sich er sich auf verschiedene Expeditionsreisen. Er fährt nach Asien in den Himalaya, reist nach Borneo und gemeinsam mit Arnold Fanck nach Japan, wo unter anderem der Film DIE TOCHTER DES SAMURAI (1936) entsteht. Aus dem gedrehten Material werden später verschiedene Kulturfilme zusammengestellt. Richard Angst arbeitet auch das japanische Marineministerium. 1939 kehrt er nach Deutschland zurück.

In der Folge arbeitet der Kameramann für verschiedene Regisseure. Mit Hans Steinhoff inszeniert er ein Remake eines Films aus dem Jahr 1921 DIE GEIERWALLY (1940). Es geht um die Geschichte einer jungen Bäuerin, die sich gegen ihren tyrannischen Vater auflehnt, der sie gegen ihren Willen verheiraten will. Dank der schauspielerischen Leistung von Heidemarie Hatheyer braucht die Verfilmung einen Vergleich mit dem Orginal nicht zu scheuen. Mit dem gleichen Regisseur und Ewald Balser in der Hauptrolle entsteht die Filmbiographie REMBRANDT (1942), die besonders durch ihre Hell-Dunkel-Kontrastierung auffällt und ausgezeichnet fotografiert ist. Richard Angst arbeitet ebenso mit den Regisseuren Günther Rittau, Paul Verhoeven und Philipp Lothar Mayring zusammen.

Als immer mehr Bomben auf Berlin fallen, verläßt der Künstler die Stadt und geht nach Tirol, wo er verschiedene Heimatfilme dreht. Nach dem Ende des II. Weltkrieges findet der Kameramann schnell Anschluß. Er dreht unter anderem mit dem Regisseur Irving Allen dessen Spielfilm HIGH CONQUEST (1946). Aus dem Material entsteht ein Kurzfilm um die Besteigung des Matterhorns, der 1947 mit einem Kurzfilm-Oscar ausgezeichnet wird.

Ab den 1950er Jahren ist Richard Angst ein gut beschäftigter Kameramann beim deutschen Film. Unter anderem ist er bei dem Remake eines seiner frühen Werke beteiligt. Mit Hans Albers und Liselotte Pulver wird der Film FÖHN (1950) gedreht, der nach dem Originaldrehbuch "DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929) von Arnold Fanck entsteht. Mehrfach steht der Kameramann bei den Regisseuren Kurt Hoffmann und Franz Josef Gottlieb hinter der Kamera. In den 60er Jahren wird er vom CCC-Produzenten Artur Brauner nach Berlin geholt und fotografiert die großen Fritz Lang-Produktionen DER TIGER VON ESCHNAPUR (1958) und DAS INDISCHE GRABMAL (1958). In der Folge kommt es in den 60er Jahren zu Zusammenarbeiten mit Robert Siodmak, Paul May und Werner Klinger.

1971 erhält Richard Angst den Deutschen Filmpreis für sein Wirken um den deutschen Film, aber dann wird es still um den Kameramann. Er fotografiert einige Werbefilme, betreibt in Berlin ein Restaurant. Er verfaßt seine Memoiren unter dem Titel "47 Jahre objektiv gesehen", die aber bisher nicht veröffentlicht sind. 1983 wird ein TV-Porträt über ihn ausgestrahlt, das Jörg Moser-Metius zusammengestellt hat. Zudem kümmert er sich um den Nachwuchs und arbeitet als Dozent für Kamera an der Hochschule für Fernsehen und Film München.

Richard Angst stirbt am 24. Juli 1984 in Berlin. Er hinterläßt seine Witwe und fünf Kinder.

-----
Autorin
Ines Walk

-----
Links
Richard Angst auf moviepilot.de

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,33998