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Robert Altman

Robert Altman
Regie, Drehbuch, Liedtext, Produzent

* 20. Februar 1925
Kansas City (Missouri)
USA
† 20. November 2006
Los Angeles (Kalifornien)
USA

ROBERT ALTMAN • Biographie Seite 1/1

Robert Altman gehört zu den wichtigsten US-Autorenfilmern und Regie-Einzelgängern der älteren Generation. Der Regisseur wird zum wichtigen Kritiker des American Way of Life: Er blickt, in dem er viele Gruppen und Einzelschicksale porträtiert, ungeschönt auf die Gesellschaft: intelligent und unterhaltsam, treffsicher und ironisch. Zugleich gilt Robert Altman als Erneuerer des amerikanischen Films, da er seit Mitte der 60er Jahre überzeugend und innovativ mit neuen Ton- und Montageformen experimentiert. Er dreht Filme mit enorm umfangreichem Personal; vollbringt logistische Meisterleistungen, in dem er zahlreiche Stars in Nebenrollen auftreten lässt.

Robert Altman wird am 20. Februar 1925 in Kansas City (Missouri) geboren. Sein Vater ist Versicherungskaufmann, erzieht seinen Sohn streng katholisch. Er besucht Jesuitenschulen. Nach seiner Schulausbildung beginnt er zunächst 1943 an der University of Missouri eine Ausbildung, wechselt dann an die Militärakademie Wentworth in Lexington und wird Militärflieger. 1945 wird er Flugkapitän bei der amerikanischen Luftwaffe; fliegt Bombeneinsätze im Pazifik. Bereits neben seiner militärischen Ausbildung beginnt er zu schreiben. Ende der 40er Jahre werden erste Drehbücher von ihm angenommen, unter anderem verfilmt Robert Fleischer eines seiner Bücher mit BODYGUARD (1948). Robert Altman versucht, in den Filmzentren New York und Hollywood in der Branche Fuß zu fassen, kehrt aber wieder in seine Heimatstadt zurück.

Sein Interesse, praktisch mit dem Film zu arbeiten, entwickelt er bei Experimenten in seiner Garage, wo er Tonaufnahmen ausprobiert. Nachdem er zeitweise an Dokumentar- und Industriefilmen arbeitet, dreht er seinen ersten Film: THE DELINQUENTS (1955) ist ein semidokumentarisches Teenagerdrama, welches von den Problemen Jugendlicher handelt. Außerdem dreht er die Dokumentation THE JAMES DEAN STORY (1957). Der Regisseur beschäftigt sich später mit KOMM ZURÜCK, JIMMY DEAN (1982) nochmals mit dem Phänomen James Dean.

Zurück in Hollywood inszeniert er TV-Sendungen, unter anderem für Alfred Hitchcock. Er hat Erfolg, inszeniert zahlreiche Folgen für BONANZA oder BUS STOP. 1963 gründet er seine eigene Produktionsfirma, die Lion' Gate Films, die ihn unabhängig von Einflüssen machen soll. Zunächst inszeniert er Kurzfilme, bis er mit COUNTDOWN (1968) seinem ersten eigenen Film vorlegt. Der Science Fiction um eine fiktive Mondlandung übt Kritik am Glauben an die Allmacht der Technologie. Der Film wird kein Erfolg, Robert Altman muss, da in finanziellen Schwierigkeiten, mit kleineren Produktionsumfang arbeiten. Dies ändert sich nach der Kriegsfilmsatire M.A.S.H. (1970), sein erster großer Erfolg. Die ironische Komödie über eine Gruppe von Ärzten im Korea-Krieg, die auf verlorenen Posten stehen und Disziplin sowie Moral der Truppe untergraben, wird internationaler Kult. Aus dem Film wird eine TV-Serie, die bis heute ihre Anhänger hat. Der Film gewinnt die Goldene Palme von Cannes, wird fünfmal für den Oscar nominiert und kann einen für das beste Drehbuch erhalten.

Mit dem Western MCCABE & MRS. MILLER (1971) liefert der Regisseur einen desillusionierenden Blick auf die amerikanische Pionierzeit. Ein Pokerspieler und eine Dirne sehen im Besitz eines Bordells in einer Bergarbeitersiedlung ihr großes Geschäft. Im Detektivfilm DER TOD KENNT KEINE WIEDERKEHR (1972) gerät ein Privatdetektiv in ein haltlosen Durcheinander um Gewalt und Sadismus. SPIEGELBILDER (1972), eine psychologische Fallstudie um die Trauer einer Frau, wird zur beunruhigenden Studie über Schizophrenität. Der Gangsterfilm DIEBE WIE WIR (1973) erzählt von drei ausgebrochenen Zuchthäuslern, die in sich in den 30er Jahren mit Banküberfällen ihren Lebensunterhalt sichern. An den Kinokassen sind seine kleinen Filme kein Erfolg. Aber der Regisseur liefert mit ihnen seinen Beitrag zum New Hollywood, da er stilistisch mit traditionellen Hollywood-Erzählungen bricht, immer wieder amerikanische Mythen demontiert, hart und realistisch seine Geschichten erzählt. Robert Altman wird zum wichtigsten Kritiker des American Way of Life und zugleich ein Erneuerer des amerikanischen Films, da er seit Mitte der 60er Jahre überzeugend und innovativ mit neuen Ton- und Montageformen experimentiert.

Mit der semidokumentarischen Satire NASHVILLE (1975), die das Country & Western-Milieu der Stadt beleuchtet, erreicht das Filmschaffen des Regisseurs einen weiteren Höhepunkt. Er demaskiert die Unterhaltungsindustrie, entwirft ein komplexes Porträt der USA. Der Plot ist überaus vielschichtig aufgebaut, zahlreiche Personen und Geschichten werden miteinander verknüpft und durch sich überlagernde Tonspuren wird die Geschichte schnell erzählt. Der Film erhält fünf Nominierungen für den Oscar; Robert Altman geht aber leer aus. In der Folge setzt der Regisseur seine experimentellen Arbeiten fort. Mit dem Western BUFFALO BILL UND DIE INDIANER (1976) kommt sein nächster Film in die Kinos. Dieser wird ebenfalls von den Kritikern gelobt und gewinnt bei den Filmfestspielen von Berlin den Großen Preis der Jury. Der Regisseur fühlt sich in der Folgezeit in vielen Genre zu hause, dreht mit DREI FRAUEN (1976) ein Psychodrama, mit DIE HOCHZEIT (1978) eine weitere Satire oder mit QUINTETT (1978) einen Science Fiction. In allen Fällen sind es wunderbare Darstellerleistungen, durch die die Filme heute noch überzeugen: Shelley Duvall, Lillian Gish und Paul Newman spielen die jeweiligen Hauptrollen. In den frühen 80er Jahren verkauft Robert Altman aufgrund einiger Misserfolge seine Produktionsfirma, zieht nach Paris und widmet sich wieder vermehrt Arbeiten für das Fernsehen.

Mit dem Film THE PLAYER (1992) feiert der Regisseur ein weiteres fulminantes Comeback. Er blickt auf den Sündenpfuhl Hollywood. Ein Hollywood-Produzent (gespielt von Tim Robbins) sieht sich von einem Autor verfolgt, der ihm beunruhigende anonyme Drohbriefe schreibt. Just zu diesem Moment ist auch seine Karriere in Gefahr. Voller Verweise auf filmische Vorbilder und auf reale Personen scheut sich der Regisseur nicht, den Niedergang Hollywoods intelligent, unterhaltsam, treffsicher und ironisch aufzubereiten. Auf der formalen Ebene ist der virtuose Regisseur auf der Höhe seiner Kunst: Er verschachtelt verschiedene Ebenen kunstvoll miteinander, bindet zahlreiche Stars in Nebenrollen ein. Der Episodenfilm SHORT CUTS (1993) verbindet neun Kurzgeschichten von Raymond Carver und verbindet kunstvoll die Geschichten um Paare in Los Angeles locker miteinander. Jede Geschichte für sich bietet einen eigenen Mikro-Kosmos, der in einer großen Geschichte aufgeht: Das Porträt der seelenlosen Stadt und der Menschen, die in ihr leben. Wieder sind es die schauspielerischen Leistungen, die den Film sehenswert machen, von Tim Robbins über Lili Taylor bis Tom Waits. Nochmals wendet der Regisseur sein stilistisches Prinzip in dem Film PRêT-à-PORTER (1996) an, diesmal wird von der Pariser Modewoche erzählt, bei der sich Models, Journalisten und Promis an nichts sagenden Statements überbieten. In seinen Filmen THE PLAYER (1992), SHORT CUTS (1993) sowie PRêT-à-PORTER (1996) setzen große Hollywood-Stars alles daran, in noch so kleinen Rollen mitwirken zu können. Dabei geht es vielen nicht ums Prestige, sondern um die Zusammenarbeit mit dem Regisseur, der als einer der letzten unabhängigen und eigenständigen Meister seiner Branche gilt, der als widerspenstiger Rebell dem Hollywood-System immer wieder den Spiegel vorhält.

Der Thriller THE GINGERBREAD MAN (1998) basiert auf einem Originaldrehbuch von John Grisham und ist mit Kenneth Branagh, Robert Downey Jr. und Robert Duvall attraktiv besetzt. Erzählt wird von einem Anwalt, der sich durch eine Frau in ein Netz von Intrigen und Gewalt locken lässt, in dem er fast seine bürgerliche Existenz verliert. Da der Film in Testvorführungen beim Publikum nicht besonders gut ankommt, entscheidet die Produktionsfirma, den Endschnitt durch eine andere Person durchführen zu lassen. Die Gesellschaftssatire COOKIE'S FORTUNE (1999) aus dem amerikanischen Süden blickt auf einen keinen Ort, in dem sich eine alte Frau das Leben nimmt. Ihre Nichte vertuscht die Tat, lässt sie als Mord aussehen. Der Hausmeister der alten Dame wird verdächtigt und verhaftet. Liebevoll, charmant und ironisch blickt der Regisseur auf seine skurrilen Figuren; inszeniert amüsant und mit einem wunderbaren Ensemble. Neben seinen Arbeiten für die Kinoleinwand dreht Robert Altman auch immer wieder für das Fernsehen. Im Auftrag des Senders ABC dreht er die einstündige Serie KILLER APP (1998) vor dem Hintergrund von Silicon Valley.

Mit GOSFORD PARK (2001) wendet sich der Regisseur einer Geschichte aus dem England des Jahres 1932 zu. Ein Mord in einer adligen Gesellschaft ist Auslöser, um auf die Vorurteile, Laster, Lügen und Intrigen der feinen Gesellschaft und hinter deren Fassade zu blicken, Menschliches und Allzumenschliches zum Vorschein zu bringen. Wieder hält der Regisseur einem Mikro-Kosmos den Spiegel vor; wieder überzeugen die Darsteller. In dem Film THE COMPANY (2003) beschäftigt sich Robert Altman über ein Jahr mit dem hektischen Alltag am Chicagoer Joffrey Ballett. Der Filmstil bleibt fragmentarisch und abstakt, bietet aber für den Zuschauer einen subjektiven Blick auf modernes Tanztheater. Einen weiteren Ensemblefilm legt er mit A PRAIRIE HOME COMPANION (2006) vor, der im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2006 läuft. Eine populäre Radio-Sendung soll abgesetzt werden; die letzte Aufzeichnung wird zwar in souveräner Weise moderiert, aber abseits der Mikrophone ereignen sich jede Menge Katastrophen. Mit Meryl Streep und Lily Tomlin sowie Lindsay Lohan und Woody Harrelson ist auch dieser Film prominent besetzt. 2005 wird Robert Altman mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Robert Altman ist dreimal verheiratet. 1947 tritt er mit LaVonne Elmer vor den Traualtar. Aus der zweijährigen Ehe geht die Tochter Christine hervor. Von 1950 bis 1955 ist der Regisseur mit Lotus Corelli verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder: Michael und Stephen. Seit 1957 ist Robert Altman der Ehemann von Kathryn Reed. Gemeinsam habe sie zwei Kinder: Robert und Matthew.

Robert Altman stirbt am 20. November 2006 in Los Angeles.

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Autorin
Ines Walk

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