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Sepp Allgeier

Sepp Allgeier
Regie, Kamera, Darsteller

* 06. Februar 1895
Freiburg, im Breisgau
Deutschland
† 11. März 1968
Freiburg, im Breisgau
Deutschland
andere Namen Josef Allgeier

SEPP ALLGEIER • Biographie Seite 1/1

Der Kameramann Sepp Allgeier gehört zu den wichtigsten seiner Zunft, die in den 1920er Jahre die Möglichkeiten der Kamera ausloten. Als Spezialist für Berg- und Expeditionsfilme sowie Außenaufnahmen hat er die Kamera zum Werkzeug der sinnlichen Erfahrung gemacht. Sie wird an Schneeschuhen befestigt, rast steile Abhänge hinab, lässt sich von Lawinen überrollen. Er ist ein begnadeter Kameramann, der eine ganz eigene Bildsprache entwickelt. Die Arbeiten von Sepp Allgeier sind maßgeblich für die herausragende bildliche Qualität der Bergfilme der 20er Jahre.

Sepp Allgeier wird am 06. Februar 1895 als Josef Allgeier in Freiburg, im Breisgau geboren. Sein Vater ist Baumeister. Nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule beginnt er eine zweijährige Ausbildung als Textilzeichner bei der Firma August Gotthart.

1911 wird er von der Freiburger Filmgesellschaft Welt-Kinematograph als Operateur engagiert. Erste Aufnahmen macht er für Wochenschauen, er dreht die Kamera in Zeppelins, unternimmt ausgedehnte Filmreisen in die Schweiz, auf den Balkan und nach Südtirol, filmt in Albanien, Griechenland und Mazedonien oder wirft einen Blick auf Fußball-Länderspiele. Seit seiner Jugend ist Sepp Allgeier ein passionierter Skiläufer und Kletterer. Seinen ersten Film zu seinem Hobby dreht er 1912, der zugleich der wahrscheinlich erste Lehrfilm zum Thema Klettern ist: ALPINE TECHNIK DES KLETTERNS IM FELS (1912). Es wird sein bevorzugtes Spezialgebiet werden: Kameraführung in den Bergen, vorbei an Gletschern, Eisspalten und Steilwänden, unter erschwerten Bedingungen. Er ist unter anderem 1913 an einer Hilfsexpedition in den Spitzbergen beteiligt, die er filmisch in dem Film DIE TRAGÖDIE DER SCHRÖDER-STRANTZ-EXPEDITION (1913) dokumentiert.

Im selben Jahr lernt er den junge Filmenthusiasten Arnold Fanck bei der Besteigung des Monte Rosa kennen. Hier ist sie an dem Film 4628 METER HOCH AUF SKIERN (1913) beteiligt. Zwischen beiden entsteht eine langjährige und kontinuierliche Zusammenarbeit, die allerdings durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges aufgeschoben wird. Sepp Allgeier meldet sich freiwillig und wird als Soldat und Frontfotograf eingezogen.

Nach dem Ende des Krieges ist der junge Kameramann zunächst arbeits- und mittellos. Er verdingt sich als Zeichner in einem Architekturbüro in seiner Heimatstadt. 1919 trifft er Arnold Fanck wieder, der ein Jahr später die Freiburger Berg- und Sportfilm GmbH gründet. Die Firma wird eine der wichtigsten im Bereich des Berg- und Sportfilmes. Die Kameramänner, darunter Richard Angst, Hans Schneeberger und Albert Benitz, experimentieren mit Kameras, Winkeln und Objektiven, finden immer neue Herausforderungen. Die Freiburger Schule wird zu einer der wichtigsten Ideengeber für innovative Kameraarbeit in Deutschland. Die Arbeiten von Sepp Allgeier sind maßgeblich für die herausragende bildliche Qualität der Filme von Arnold Fanck. Viele Filme, die sie drehen, sind zugleich Expeditionen in bis dahin filmisch nicht erschlossene Gebiete. In den Walliser Alpen entsteht IM KAMPF MIT DEM BERGE - 1. TEIL: IN STURM UND EIS (1921), der berühmte DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929) wird im Bernina-Massiv unter schwierigsten Bedingungen gedreht. Filmreisen führt das Team nach Patagonien und ins Feuerland. Dabei findet das Kamerateam berauschende Bilder, die den poetischen Reiz der Winterlandschaft mit der Faszination des Skisports, die Unberührtheit der Natur mit dem Geschwindigkeitsrausch verbinden.

Sepp Allgeier arbeitet auch mit anderen Regisseuren zusammen, unter anderem steht er hinter der Kamera für Mario Bonnard und Luis Trenker. Unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst führt er die Kamera in TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929). Selten steht er allerdings im Atelier, vielmehr gilt der Kameramann als Spezialist für Außenaufnahmen und Expeditionsfilme. Er arbeitet auch im Ausland, steht in Großbritannien hinter der Kamera.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist Sepp Allgeier bei den Reichstagsfilmen der Leni Riefenstahl beteiligt. Er wird einer ihrer wichtigsten Kameramänner. Seine Arbeit setzt auch hier Maßstäbe, da er die Choreographie der Massen gekonnt in Szene setzen kann. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, nimmt er als Kriegsberichterstatter teil. Aufnahmen von ihm finden sich unter anderem in den militaristischen Propagandafilmen WESTWALL (1939) sowie FELDZUG IN POLEN (1940), beide unter der Regie von Fritz Hippler. Er arbeitet während dieser Zeit auch an Spielfilmen mit, unter anderem unter der Regie von Werner Klinger bei WETTERLEUCHTEN UM BARBARA (1941).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Sepp Allgeier zunächst frei, dreht in eigener Produktion Kulturfilme, unter anderem bei der Deutschland-Rundfahrt der Radprofis. Außerdem ist er 1952 an dem offiziellen Olympia-Film in Helsinki beteiligt. Von 1953 bis 1955 ist er Chefkameramann beim Südwestfunk in Baden-Baden und darüber hinaus für die Ausbildung des Film- und Fernsehnachwuchses zuständig. 1955 scheidet er auf eigenen Wunsch aus, blieb aber bis 1963 freier Mitarbeiter des Südwestfunk.

Seine Erlebnisse beschreibt der Kameramann in dem Buch "Die Jagd nach dem Bilde" (1931), in dem er unter anderem seine Arbeit an den Filmen DAS WUNDER DES SCHNEESCHUHS (1920) sowie DER KAMPF UMS MATTERHORN (1928) beschreibt. Zahlreiches Bildmaterial ergänzt den abenteuerlichen Erlebnisbericht. 1966 wird Sepp Allgeier mit dem Filmband in Gold für seine Leistungen um den deutschen Film ausgezeichnet.

Sepp Allgeier stirbt am 11. März 1968 in seiner Heimatstadt Freiburg, im Breisgau. Sein Sohn Hans-Jörg Allgeier ist ebenfalls ein Kameramann.

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Autorin
Ines Walk

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