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Robert Aldrich

Robert Aldrich
Regie

* 09. August 1918
Cranston (New York)
USA
† 05. Dezember 1983
Los Angeles (Kalifornien)
USA

ROBERT ALDRICH • Biographie Seite 1/1

Der Filmemacher Robert Aldrich gehört zu den "harten", den zynisch-distanzierten amerikanischen Regisseuren, die durch Action- und Kriegsfilme auf sich aufmerksam machen. Zugleich gilt er als ein Individualist unter den Hollywood-Regisseuren, der sich nicht hinter einem moralischen Verdikt versteckt. Ob Indianerfilm, Kriegs- oder Korruptionsdrama: Der Regisseur setzt sich überaus kritisch mit Amerikas Vergangenheit auseinander.

Robert Aldrich wird am 09. August 1918 in Cranstone (New York) geboren. Er ist der Sohn eines reichen Zeitungsverlegers. Seine Familie gehört zur prominenten republikanischen Oberschicht. John D. Rockefeller jr. ist sein Onkel. Nach seiner Schulausbildung studiert er an der Universität in Virginia Jura und Wirtschaft. Geplant ist eine Laufbahn als Banker oder Politiker. Das Studium beendet er nicht. Er fliegt von der Universität. Ein anderer Onkel hilft und holt ihn 1941 nach Hollywood. Er beginnt dort, als Angestellter im Produktionsbereich bei der Firma RKO zu arbeiten.

Die Spanne zwischen 1942 bis 1952 wird die Lehrzeit von Robert Aldrich. Er assistiert bei mehr als 25 Filmen der wichtigsten Regisseuren des zeitgenössischen Kinos. Er arbeitet für Jean Renoir in DER MANN AUS DEM SÜDEN (1945), dreht mit dem Regisseur Lewis Milestone gemeinsam den Film DIE SELTSAME LIEBE DER MARTHA LIEVERS (1946) und ist bei Charles Chaplins RAMPENLICHT (1952) dabei. Als Produktionsmanager und Produktionsleiter, Studiomanager und Drehbuchautor macht er sich einen Namen in der Branche. In dieser Zeit beginnt er auch, für das Fernsehen zu arbeiten. Er schreibt für Fernsehserien und inszeniert einzelne Folgen von TV-Serien wie "Four Star Playhouse" (1952 bis 1956) oder "The Doktor" (1952).

1952 erhält er seinen ersten eigenen Regieauftrag bei der Produktionsfirma MGM: Sein Debütfilm ist ein Baseball-Drama THE BIG LEAGUER (1953). Für die Monogam - ein Studio der B-Klasse - dreht er MENSCHENRAUB IN SINGAPURE (1954). In dem Spionage-Thriller tritt der typische Anti-Held von Robert Aldrich auf: zynisch, illusionslos und äußerlich kalt.

Im folgenden Jahr wechselt er die Produktionsfirma und geht zu United Artists. Dort erhält er die Chance, seinen ersten großen Western APACHE (1954) mit Burt Lancaster zu inszenieren. Erzählt wird die Geschichte des Häuptlings Geronimo, der sich gegen den Genozid an seinem Volk wehrt. Der Film geht kritisch mit der jüngsten amerikanischen Vergangenheit um. Hier zeigt sich bereits ein wesentliches Merkmal seiner Filme: Brutalität und Gewalttätigkeit werden ihnen bescheinigt. Mit dem Star Burt Lancaster arbeitet der Regisseur häufig zusammen, unter anderem in seinem folgenden Film VERA CRUZ (1954) oder KEINE GNADE FÜR ULZANA (1972). In Letzterem schildert Robert Aldrich die weißen Siedler als ebenso grausam und unmoralisch wie die Indianer. Er sucht die Schuld in der Unvereinbarkeit der Kulturen.

1955 entsteht der späte Film noir RATTENNEST (1955) nach einer Story von Mickey Spillane. Der Privat-Detektiv Mike Hammer enthüllt ein verwirrendes Komplott um radioaktive Brennelemente. Robert Aldrich inszeniert überaus distanziert. In Amerika wird der Film als gewalttätig abgestempelt, in Europa dagegen als Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen der McCarthy-Ära verstanden.

1955 gründet Robert Aldrich seine eigene Firma, die Produktionsgesellschaft Associates and Aldrich. Die kreativsten und erfolgreichsten Arbeiten entstehen in dieser Zeit. Sein Drama HOLLYWOOD-STORY (1955) mit Rod Steiger, Jack Palance und Ida Lupino über einen psychopatischen Mogul in der Filmstadt wird bei den Festspielen in Venedig ausgezeichnet. Gleich im nächsten Jahr gibt es wieder Preise für den Kriegsfilm ARDENNEN 1944 (1956). HERBSTSTÜRME (1956) mit Joan Crawford in der Hauptrolle gewinnt den Goldenen Bären bei der Berlinale.

Die 1960er Jahre inszeniert Robert Aldrich einige Großproduktionen. Dazu gehört SODOM UND GOMORRHA (1963) genauso wie WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE? (1962). Zwei voneinander abhängigen Frauen - Bette Davis und Joan Crawford - verfolgen sich in einem altmodischen Haus mit ihren Hass. Ganz nebenbei verschafft er damit den bereits vergessenen Darstellerinnen neuen Ruhm und Arbeitsmöglichkeiten. Es entsteht eine schonungslose Kritik am Hollywod-System mit GROßE LÜGE LYLAH CLARE (1967). Das mit Kim Novak in der Hauptrolle besetzte Psychodrama erinnert an den Wechsel von Identitäten in Alfred Hitchcocks VERTIGO (1955). Es zeigt Mechanismen des Filmgeschäfts und gilt als das persönlichste Werk des Regisseurs.

Einer seiner erfolgreichsten Filme wird DAS DRECKIGE DUTZEND (1967)/titel>. In dem Kriegsabenteuer spielen unter anderem Lee Marvin, Donald Sutherland, Charles Bronson und John Cassavetes eine Gruppe von Schwerverbrechern, die auf ein Himmelfahrtskommando geschickt werden. Der Erfolg ermöglicht dem Filmemacher 1968 ein eigenes, unabhängiges Studio zu gründen, das er allerdings fünf Jahre später wieder aufgeben muss. Er hat Schwierigkeiten mit der Filmzensur. Durch die Darstellung weiblicher Homosexualität in seinem Film DAS DOPPELLEBEN DER SISTER GEORGE (1968) bekommt er den Stempel jugendgefährdend und bleibt somit einem großen Publikum verwehrt.

In den 1970er Jahren konzentriert sich Robert Aldrich wieder auf Western und Kriegsfilme, die aber nicht an seine früheren Arbeiten heranreichen. Er ist seit Mitte der 1970er Jahre Präsident des Vereinigung der amerikanischen Regisseure, der Directors Guild of America. Dieser Arbeit widmet er sich bis zu seinem Tod.

Robert Aldrich stirbt am 05. Dezember 1983 in Los Angeles.

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Autorin
Ines Walk

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