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Fatih Akin

Fatih Akin
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 25. August 1973
Hamburg
Deutschland

FATIH AKIN • Biographie Seite 1/1

Der türkischstämmige Fatih Akin gehört zu den jüngsten und erfolgreichsten Regisseuren Deutschlands. Mit dem Film GEGEN DIE WAND (2004) gewinnt er alle wichtigen Filmpreise im nationalen und europäischen Rahmen. Bereits vor seinem großen Erfolg fällt der Regisseur mit Filmen auf, die durch alle Genre hindurch - Gangsterfilm, Familiensaga, Roadmovie und Liebesgeschichte - junges und unkonventionelles Kino präsentieren.

Fatih Akin wird am 25. August 1973 in Hamburg geboren. Er ist der Sohn türkischer Einwanderer, die Mitte der 60er Jahre nach Deutschland übersiedeln. Sein Vater Enver Akin arbeitet in einer Reinigungsfirma für Teppiche, seine Mutter ist Grundschullehrerin. Zur Familie gehört noch ein älterer Bruder, der des öfteren in den Filmen seines jüngeren Bruders als Darsteller auftritt. Bereits in der Schulzeit spielt Fatih Akin Theater. Später wird er auf der Bühne am Thalia-Theater in Hamburg als Mitglied einer Off-Theater-Gruppe auftreten. Ebenfalls schon in jungen Jahren schreibt er Kurzgeschichten, nachher seine eigenen Drehbücher. Während seiner Schulzeit dreht er außerdem kurze Filme mit der Videokamera.

Nach seiner Schulausbildung wird er für das Fernsehen entdeckt, spielt in TV-Serien wie "Doppelter Einsatz" und "SK Babies". Nebenbei arbeitet er am Set, fungiert als Fahrer. 1993 kommt es zu einer Zusammenarbeit mit der Wüste-Filmproduktion in Hamburg, wo er als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig ist. Hier schreibt er sein erstes Drehbuch und dreht seinen ersten Kurzfilm SENSIN, DU BIST ES! (1995), dem zwei Jahre später der Kurzfilm GETÜRKT (1997) folgt. Ab 1994 absolviert der junge Künstler ein Studium an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, im Fachbereich Visuelle Kommunikation/Medien, das er 2000 mit dem Diplom abschließt.

Dazwischen hat er bereits neben einigen Kurzfilmen seinen ersten Kinospielfilm vorgelegt. KURZ UND SCHMERZLOS (1998) erzählt die Geschichte dreier Freunde in Hamburg-Altona. Der Türke Gabriel, der Serbe Bobby und der Grieche Costa waren immer eine Gang, bis Gabriel ein normales Leben ohne kriminelle Aktivitäten führen will. Der Film wird wegen seiner trocken und effizient erzählten Story aus dem Migrantenmilieu gelobt, die ohne Sozialromantik daherkommt. Dabei bewegt sich der Regisseur in seinem Debütfilm gekonnt im Bereich des Kleingangster-Dramas, inszeniert stilsicher und atmosphärisch, gibt trotz zahlreicher Verweise auf seine cineastischen Vorbilder der Geschichte einen ganz eigenen Touch. Für KURZ UND SCHMERZLOS (1998) erhält Fatih Akin den Bayrischen Filmpreis als Bester Nachwuchsregisseur des Jahres.

Sein nächster Film IM JULI (2000) überrascht mit einem Genre-Wechsel. Er ist Sommerfilm, Komödie, Liebesfilm und Road Movie zugleich. Erzählt wird von einem ungelenken Referendar, der seiner vermeintlich großen Liebe nach Istanbul folgt. Auf der turbulenten Reise verliebt er sich allerdings in seine Reisebegleiterin, die er in Hamburg noch abgewiesen hat. Für viele Kritiker ist die eigentliche Sensation dieses bodenständigen Erzählkinos, daß es seine nicht unbedingt neue Geschichte explizit filmisch erzählt. Das Filmteam spielt gekonnt mit Rückblenden, setzt die Bilder akzentuiert zusammen und schafft fließend-elegante Anschlüsse, die Kamera bewegt sich agil und rasant. Gelobt wird außerdem die souverän gehandhabte und unterhaltsam arrangierte Genre-Mischung, die zum einen mit sicherem Gespür für Rhythmus, Komik und märchenhafte Romantik inszeniert wird und von den Hauptdarstellern Moritz Bleibtreu und Christiane Paul überzeugend umgesetzt ist.

In seinem Dokumentarfilm WIR HABEN VERGESSEN ZURÜCKZUKEHREN (2001), der für die Reihe DENK ICH AN DEUTSCHLAND auf Initiative des Bayerischen Rundfunks und des WDR entsteht, folgt der Sohn den Spuren seiner Eltern, die als Gastarbeiter vor 35 Jahren nach Deutschland gekommen sind. Erzählt wird dabei eine sehr individuelle Geschichte einer türkischen Einwanderfamilie, die ihre Identität und ihren Platz sucht. Die überaus persönlich und sensibel inszenierte Dokumentation steht gleichwohl für das Schicksal tausender anderer türkischstämmiger Einwanderer.

Sein dritter Kinofilm SOLINO (2000), der die Chronik einer italienischen "Gastarbeiter"-Familie in Deutschland schildert, überzeugt nicht alle Kritiker. Erstmal verfilmt der Regisseur ein Drehbuch, das er nicht selbst geschrieben hat. Es erzählt die Geschichte der Familie in zwei großen Zeitsprüngen von 1964, als Vater und Mutter mit zwei kleinen Söhnen ins Ruhrgebiet kommen, bis ins Jahr 1984. Dazwischen haben sie die erste Pizzeria in Duisburg eröffnet. Der Regisseur berichtet charmant und aufrichtig von seinen Figuren, erzählt mit Tiefgang und Liebe eine Familie-Saga, bleibt aber in zahlreichen Klischees stecken.

Mit GEGEN DIE WAND (2004) feiert Fatih Akin seinen großen nationalen und internationalen Durchbruch. Nach ihren Selbstmordversuchen treffen sich Cahit und Sibel - hervorragend gespielt von Birol Ünel und Sibel Kekilli - in einem Krankenhaus. Um Sibel ein selbständiges Leben außerhalb ihrer traditionsverhafteten Familie zu ermöglichen, gehen sie eine Scheinehe ein. Das Arrangement funktioniert so lange, bis sich Cahit in seine Ehefrau verliebt und einen ihrer Liebhaber tötet. Nach seiner Haftentlassung treffen sich beide in der Türkei wieder, wo Sebil mit Mann und Kind ein neues Leben begonnen hat. GEGEN DIE WAND (2004) ist ein rauer, wilder und kompromissloser Film, der Publikum, Kritiker und Juroren überzeugt. Der Regisseur inszeniert vitales, körperliches Kino, das sich zwischen Tragikomödie und Melodram bewegt. Dabei verlässt er sich ganz auf seine Intuition, inszeniert dramaturgisch risikobewusst, aber mit einem Gespür für emotionale Wucht, die den Zuschauer packt. Der Film rutscht als letzter Beitrag gerade noch in den Wettbewerb der 54. Internationalen Filmfestspiele in Berlin und wird dort mit dem Goldenen Bären als Bester Film ausgezeichnet. Danach erhält er zahlreiche Preise, unter anderem den Europäischen Filmpreis.

Fatih Akin ist neben seinen eigenen Filmarbeiten an zahlreichen anderen Filmprojekten beteiligt. Er tritt als Darsteller in Filmen von Kollegen und Freunden auf. So arbeitet er für Hans-Christoph Blumenberg in dessen Science-Fiction-Satire PLANET DER KANNIBALEN (2001). Mehrfach hat er die türkische Schauspielerin Idil Üner in seinen Filmen engagiert. In deren Regie-Debüt, dem temperamentvollen und erfolgreichen Kurzfilm DIE LIEBENDEN VOM HOTEL OSMAN (2002) agiert er als Schauspieler. Außerdem schreibt er Drehbücher. Gemeinsam mit Ruth Thoma und Jan Berger ist das Buch für KEBAB CONNECTION (2005) entstanden. Für den Arte-Themenabend "Die Alte Welt ganz jung" haben Regisseure aus 25 EU-Ländern Kurzfilme über ihre Sicht auf Europa gedreht. Fatih Akin setzt sich in seinem Beitrag DIE ALTEN BÖSEN LIEDER (2004) mit der Diskriminierung anderer Länder in Songtexten auseinander.

Die Musik-Dokumentarfilm CROSSING THE BRIDGE - THE SOUND OF ISTANBUL (2005) über die Istanbuler Musikszene entsteht nach dem Erfolg von GEGEN DIE WAND (2004). Der Film dokumentiert eine Odyssee auf den Spuren der musikalischen und kulturellen Ursprünge, Einflüsse und Perspektiven Istanbuls. Der Regisseur begleitet die Straßenmusiker hautnah mit der Handkamera. Die Dokumentation wird außer Konkurrenz zum Filmfest nach Cannes geladen. Im selben Jahr ist Fatih Akin auch Mitglied der Internationalen Jury.

Mit AUF DER ANDEREN SEITE (2007) (AUF DER ANDEREN SEITE (2007) Trailer) legt der Regisseur den zweiten Teil seiner Triologie "Liebe, Tod und Teufel" vor. Erzählt wird von sechs Menschen zwischen Istanbul, Bremen und Hamburg, die über zwei tragische Todesfälle miteinander verwoben werden. Der Film wird auf dem Filmfestival in Cannes gefeiert und mit der Palme für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Kritiker loben besonders das sensible und glaubwürdige Darstellerensemble sowie den klaren Blick des Regisseurs auf die doch sehr komplexen Geschehnisse. Deutsche Gremien schicken das Drama zur Oscar-Nominierung nach Hollywood.

Fatih Akin arbeitet mittlerweile auch als Produzent; setzt sich für junge Filmemacher in Deutschland und der Türkei ein. TAKVA - GOTTESFURCHT (2007) von Özer Kiziltan erzählt vom bescheidenen und gottesfürchtiges Muharrem, der sich strikt an die Regeln des Islames hält. Trotzdem gerät er in Konflikt mit seiner Religion. Der Film läuft auf der Berlinale 2007 und wird unter anderem mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet. Der deutschen Ghettofilm CHIKO (2008) von Özgür Yildirim beschreibt das Leben eines türkischen Kleinkriminellen, der in seinem Hochhausviertel zum Drogenboss aufsteigen will. Die Weltpremiere feiert auf der 58. Berlinale. Die Kritiken fallen ganz unterschiedlich aus: Einige Kritiker schätzen die authentische Atmosphäre, andere kritisieren die extreme Gewalttätigkeit des Films.

Fatih Akin ist verheiratet mit der deutsch-mexikanische Monique Akin. Ihr gemeinsamer Sohn wird im September 2005 geboren. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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