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Mario Adorf

Mario Adorf
Darsteller, Sprecher

* 08. September 1930
Zürich
Schweiz

MARIO ADORF • Biographie Seite 1/1

Schauspieler Mario Adorf gehört nach über 50 Jahren Aktivität zu den bekanntesten und beim Publikum beliebtesten Gesichtern der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Die frühere Schurken-Schablone und heutige Vaterfigur des deutschen Films gilt als Multitalent in allen Bereichen des Entertainment. Egal ob Fernsehen, Film, Musik oder sogar Literatur, Mario Adorf fühlt sich überall dort zu Hause, wo er kreativ sein und ein Publikum unterhalten darf. Eben dieses liegt ihm als charismatischen Mafia-Paten ebenso zu Füßen, wie als schrulliger Restaurantbesitzer. Da ist es nicht verwunderlich, dass Mario Adorf sowohl für seine schauspielerischen Leistungen, als auch für sein soziales Engagement mit zahlreichen Auszeichnungen und Publikumspreisen geehrt wird.

Mario Adorf wird am 8. September 1930 in Zürich geboren. Er ist das uneheliche Kind des italienischen Chirurgen Dr. Matteo Menniti und der Röntgen-Assistentin Alice Adorf, die ihn allein und ohne Kontakt zum Vater in der kleinen Stadt Meyen in der Eifel aufzieht. Mit 20 Jahren beginnt er nach seiner obligatorischen Schulausbildung ein Studium der Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musikgeschichte und Theaterwissenschaften an der Universität Mainz. Hier ist er erfolgreiches Mitglied der studentischen Boxmannschaft und engagiert sich erstmals für die Studentenbühne, jedoch zunächst abseits des Rampenlichts als Bühnenmaler und Kostümbildner, später auch als Schauspieler. 1953 verlässt Mario Adorf Mainz, um sein Studium in Zürich fortzusetzen. Hier erhält er eine Stelle als Statist und als Regieassistent am Schauspielhaus. Wenig später, noch im gleichen Jahr, bricht Mario Adorf sein Studium ab.

Es verschlägt ihn nach München, wo er durch das Engagement des Schauspielers und Regisseurs Hans Schweikart an der Otto Falckenberg-Schule aufgenommen wird. Während seiner zweijährigen Ausbildung spielt Mario Adorf bereits einige Rollen bei den Münchner Kammerspielen. 1955 wird er in das Ensemble übernommen und bleibt dort bis 1960. Er spielt während dieser Zeit unter anderem in Stücken von Bertold Brecht, August Strindberg, Arthur Miller und Jean Anouilh. Schon zu diesem frühen Punkt seiner Karriere ist Mario Adorf in einige Filmproduktionen involviert. Für seine zweite Rolle in Robert Sodiaks Film NACHTS WENN DER TEUFEL KAM (1957) erhält Mario Adorf für die Darstellung des Bruno Lüdke 1958 den Bundesfilmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler. Mario Adorf spielt hier einen zurückgebliebenen Hilfsarbeiter, der über einen Zeitraum von elf Jahren etliche Frauen ermordet. Sein sensibles Spiel verdeutlicht die innere Zerrissenheit des Charakters. Diese Darstellungsweise, gekoppelt mit seinem eher groben Erscheinungsbild, beeindrucken Zuschauer und Kritiker gleichermaßen.

Dies ist die erste von vielen Rollen, in denen Mario Adorf düstere und zwielichtige Figuren verkörpern wird. Aufgrund seiner Körperlichkeit - groß gewachsen, dunkler Teint, tiefliegende Augen sowie markante Augenbrauen und Gesichtszüge - sehen Publikum und Filmemacher ihn für die Rolle des kriminellen Bösewichts prädestiniert. Er ist es auch, der, in der Rolle des Frederick Santers in WINNETOU I (1963), Nscho-Tschi, die Schwester des Titelhelden, erschießt. Bald darauf folgen ausländische Produktionen in Frankreich und Italien. Auch hier bleibt er seinen Protagonisten und Sujets zunächst treu. Etliche Rollen in auf internationalen Co-Produktionen beruhenden Spaghetti-Western lassen Kritikerstimmen laut werden, die die Gehaltlosigkeit der Rollen Mario Adorfs monieren. Hierzu bezieht Mario Adorf klar Stellung. Trotz des künstlerischen Anspruchs ist es für ihn ein wichtiger Teil des Schauspieler-Daseins, immer im Geschäft zu bleiben.

Mitte der 1960er erscheint Mario Adorf vermehrt in italienischen Filmen, die ihm abwechslungsreichere Rollen bescheren. Er ist in komischen Rollen sowie in Mafia-Dramen mit dabei und spielt in Florestano Vancinis Film DIE ERMORDUNG MATTEOTTIS (1973) sogar "Il Duce" Mussolini. Der Aufstieg Mussolinis zum Regierungschef in den 1920er Jahren sowie die Schreckensherrschaft des Diktators werden in dem Film thematisiert. In den folgenden Jahren wirkt Mario Adorf bei vielen Produktionen mit namhaften internationalen Regisseuren, wie in Sam Peckinpahs Western MAJOR DUNDEE (1965), Billy Wilders Komödie FEDORA (1978), John Frankenheimers Thriller DER VIER BILLIONEN DOLLAR VERTRAG (1985) und Claude Chabrols Drama STILLE TAGE IN CLICHY (1990) mit.

Bereits Anfang der 1970er entdecken einige Regisseure des Jungen deutschen Films Mario Adorfs Talent für sich. Volker Schlöndorff setzt ihn in gleich zwei seiner bekanntesten Filme ein. So spielt Mario Adorf den Kommissar Beizehne in DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975) und den Alfred Matzerath in dem Oscar-prämierten Drama DIE BLECHTROMMEL (1978). Auch Nikos Perakis engagiert Mario Adorf für eine Hauptrolle in seiner Groteske BOMBER & PAGANINI (1976). Ein politisches Statement setzt Mario Adorf mit seinem Gastauftritt in dem Episodenfilm DEUTSCHLAND IM HERBST (1978), der sich mit der damaligen innenpolitischen Situation Westdeutschlands auseinandersetzt. In Rainer Werner Fassbinders Drama LOLA (1981) übernimmt er den Part des skrupellosen Baumoguls Schuckert. Hier vermag er es, obwohl dies vom Drehbuch zunächst anders vorgesehen war, dem eindeutig "Bösen" im Film auch sympathische Züge zu verleihen.

Ab Mitte der 1980er wird Mario Adorf zunehmend für Charakterrollen engagiert. Wieder auf eine Sparte reduziert, sind es nun reife Figuren wie Patriarchaten oder Geschäftsmänner, für die er als perfekte Besetzung gilt. Viele Fernsehproduktionen entstehen zu dieser Zeit. In HEIMATMUSEUM (1988) von Egon Günther verkörpert Mario Adorf den dominanten Großvater, in Dieter Wedels Familienepos DER GROßE BELLHEIM (1993) den Kaufhausinhaber, für dessen Darstellung er den Adolf Grimme-Preis erhält, und den zwielichtigen Fürstbischof in dem Kostümfilm DER KÖNIG DER LETZTEN TAGE (1993), bei dem Tom Toelle Regie führt. Auf das Terrain des Mafia-Genres begibt sich Mario Adorf erneut als Gangster-Pate in DER SCHATTENMANN (1996) unter der Regie Dieter Wedels. Sowohl in Klaus Emmerichs Werk PIZZA COLONIA (1992) als auch in dem mehrfach ausgezeichneten ROSSINI ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF (1997) von Helmut Dietl mimt Mario Adorf einen italienischen Restaurantchef. Doch es ist der frühere der beiden Filmen, der Mario Adorf 1992 das Filmband in Gold einbringt, eine von vielen Trophäen seiner Karriere. Zu ihnen zählen sowohl Film-Auszeichnungen, als auch die zweimalige Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz. Bis zum heutigen Tag ist Mario Adorf in diversen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen.

Trotz seiner Aktivität in Film und Fernsehen käme der Verzicht auf das Theaterspielen für Mario Adorf nicht in Frage. Hier liegen für ihn die wahren Wurzeln der Schauspielkunst. Der Reiz des Theaters ergibt sich für ihn hauptsächlich aus der Live-Situation, die gegenüber dem Film in der Interaktion zwischen Schauspieler und Zuschauer unzählige Möglichkeiten bietet. Aus dieser Liebe zur Bühne tourt Mario Adorf in der Spielzeit 1985/86 gemeinsam mit Hardy Krüger mit ihrem selbstinszenierten zwei Personen Stück "Wiedersehen im Herbst" durch Deutschland. 2004 gastiert er in Volker Schlöndorffs "Enigma", ebenfalls für zwei Personen geschrieben, am Berliner Renaissance-Theater und sorgt für einen ausgeverkauften Theatersaal.

Die Schauspielerei allein reicht Mario Adorf als Form seines künstlerischen Ausdrucks jedoch nicht. Neben Musik-CDs im Jahre 1994 und 2001 und anschließenden Solo-Auftritten mit seinen musikalischen Unterhaltungsprogrammen "Al Dente" und "Ciao!" betätigt sich Mario Adorf ebenfalls im literarischen Betrieb als Verfasser von zwei Kurzgeschichtsbänden, die 1995 und 1996 veröffentlicht werden.

Mario Adorf ist seit 1985 mit der Französin Monique Faye verheiratet und lebt mit ihr in Rom und Paris. Seine Tochter, die Schauspielerin Stella Maria Adorf, stammt aus erster Ehe mit der Schauspielerin Lis Verhoeven.

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Autorin: Franziska Zölzer
Stand: September 2008

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